Drogen Heroin für Arne B.

Sieben Städte versorgen Schwerstabhängige mit Heroin – der einzige Weg zu einem Leben ohne Beschaffungskriminalität. Wenn der Bundestag das Modell nicht legalisiert, landet Arne Beer wieder auf der Straße

Und dann ballert er sich das rechte Auge weg. Er drückt sich Heroin in die Armbeuge, drei-, vier-, fünfmal am Tag, und mit dem Heroin auch noch Strychnin, Zement, Waschmittel. Den ganzen giftigen Dreck, mit dem die Dealer ihr wertvolles Pulver strecken. Sein Auge entzündet sich. Die Netzhaut löst sich. Der Arzt sagt: Herr Beer, das ist eine toxische Reaktion, Sie müssen ins Krankenhaus, sonst machen Sie Ihr Auge kaputt. Er kann nicht ins Krankenhaus. Im Krankenhaus kriegt er kein Heroin. Also rennt er weiter durch die Straßen, bricht Türen auf, stiehlt Geld, kauft Stoff, drückt. Bis es dunkel wird vor seinem rechten Auge. Das war Anfang der achtziger Jahre. Arne Beer war damals 22 Jahre alt.

An der Wand in seiner Wohnung hängt eine Uhr. Sie ist groß und weiß, mit schwarzen Ziffern und schwarzen Zeigern. Er sieht sie, wenn er aufwacht. Um fünf Uhr schreckt er zum ersten Mal hoch. Dann um sechs. Um sieben wieder. Da ist es Zeit aufzustehen. Seit er im Gefängnis war, braucht er keinen Wecker mehr. Jeden Tag früh raus, fünfzehn Jahre lang, der Körper merkt sich das.

Er wäscht sich, er schaut in den Spiegel. Er sieht seine dünnen Haare, seine blasse Haut, er sieht den milchigen Fleck in seinem Gesicht, das tote Auge, ohne Pupille, ohne Farbe. Er hat versucht, daran vorbeizuschauen, jeden Morgen versucht er es, seit 25 Jahren. Er schafft es nicht. Eine Weile hat er sich eine Attrappe aus Glas über den nutzlosen Augapfel geschoben, eine dünne, gewölbte, mit einer braunen Iris bemalte Scheibe, die sogar ziemlich echt aussah. Sie machte es den Leuten leichter, ihm ins Gesicht zu schauen. Ihm selbst auch. Aber sein blindes Auge ertrug den Fremdkörper nicht, es brannte und tränte. Es war, als wollte es sagen: Sieh mich an, so wie ich bin. Jetzt liegt das Glasauge auf dem Tisch neben dem Sofa und verstaubt.

Er frühstückt nicht. Später am Tag wird er einen Liter Milch trinken, ein paar Scheiben Brot essen, vielleicht etwas Fisch. Jetzt hat er keinen Hunger. Eigentlich hat er nie Hunger. Er geht hinaus auf die Straße und läuft hinüber zur UBahn, Station Horner Rennbahn im Osten von Hamburg.

7.30 Uhr, der Bahnsteig ist voll um diese Zeit. Er kennt die Gesichter. Es sind jeden Tag dieselben. Johlende Kinder auf dem Weg zur Schule, schweigende Männer in dicken Handwerkerjacken und schweren Schuhen, Zeitung lesende Frauen in Rock und Bluse, dezent geschminkt fürs Büro. Manchmal beobachtet er sie. Manchmal fragt er sich, ob sie ihn auch beobachten, ob sie denken, auch er fahre zur Arbeit.

Sie können ja nicht wissen, wer er wirklich ist, dieser dünne Mann in der schwarzen Lederjacke, der da mitten unter ihnen steht. Ein Bankräuber. Ein Einbrecher. Ein Junkie, der seit drei Jahrzehnten süchtig ist. Das Heroin hat ihm sein Auge genommen. Es hat ihm die Frau genommen. Es hat ihm sein halbes Leben gestohlen. Aber er spritzt es sich noch immer, so wie damals, als er 22 war. Nur dass er den Stoff inzwischen vom Staat bekommt. Gratis. Jeden Tag. Arne Beer ist eine Art Testperson, seit ein paar Jahren schon. Die Droge, nach der er süchtig ist, erhält er probeweise auf Rezept. Damit es ihm besser geht.

Das klingt verrückt. Gesund mit Heroin?

Ja, sagen Suchtmediziner, mit Heroin kann man alt werden. Ursprünglich war es ja ein Medikament – eines gegen Husten und Schmerzen, vor hundert Jahren auf den Markt gebracht von der Firma Bayer. Erwiesenermaßen schadet Heroin dem Körper weniger als der exzessive Konsum von Alkohol oder Nikotin.

Was die Junkies auf der Straße krank macht, was sie tötet, ist nicht das Heroin. Es sind die verdreckten Nadeln, die giftigen Beimischungen der Dealer, die versehentlichen Überdosen. Gibt man einem Schwerstabhängigen, der jahrzehntelang nicht von der Droge loskommt, unter ärztlicher Aufsicht reines Heroin, dann erholt sich sein infizierter Körper, und er muss nicht mehr in Wohnungen einbrechen oder Banken überfallen. Dann bekommt er die Chance auf ein annähernd normales Leben. Das ist der Gedanke hinter dem Experiment, Heroin in Ausnahmefällen auf Rezept zu verschreiben.

Weil dafür aber das Betäubungsmittelgesetz geändert werden müsste, stehen Menschen wie Arne Beer im Mittelpunkt eines politischen Konflikts, der die Große Koalition in Berlin entzweit wie sonst vielleicht bloß die Debatte um den Mindestlohn. Nur dass der Streit ums Heroin weniger Schallwellen erzeugt. Leise wird er ausgetragen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Der Staat dürfe nicht zum Dealer werden, sagen die Gesundheitsexperten von CDU und CSU. Der Staat muss Schwerkranken helfen, wenn ihnen nichts anderes mehr hilft, entgegnen ihre Kollegen von der SPD. Der vorläufige Kompromiss ist eine Art Gesetzesänderung auf Probe und gilt nur für wenige Personen. Seit einigen Jahren erhalten mehrere Hundert Schwerstabhängige im Rahmen eines wissenschaftlichen Modellversuchs in sieben deutschen Städten die Droge auf Rezept. Arne Beer ist einer von ihnen.

Am Hauptbahnhof verlässt er die U-Bahn, wechselt in den Bus, an einer Ausfallstraße steigt er aus. Lastwagen rauschen durch den kalten Nieselregen, links steht eine Tankstelle, rechts schimmert schwarzes Wasser in einem Kanal. Hier wohnt niemand. Das ist der Grund, weshalb der Hamburger Senat hier ein zweistöckiges Gebäude errichten ließ, zusammengesteckt aus mehreren Dutzend weißen Wohncontainern – die Heroinambulanz. Die Gesundheitsbehörde wollte sie erst in einer ehemaligen Polizeiwache unterbringen, und das hieß in der Nähe von Schulen und U-Bahn-Stationen. Die Anwohner protestierten und setzten sich durch. Also wählte die Stadtverwaltung eine schüttere Wiese am Rand des Hafens als neuen Standort.

Er steht jetzt vor der Tür. Es ist eine schwere Eisentür mit Sichtfenster, ohne Klinke, von außen nur durch eine Zahlenkombination zu öffnen. Irgendwo dahinter, in einem Tresor, liegt kiloweise Heroin, bei den Dealern auf der Straße wäre es ein Vermögen wert. Er hält sein Gesicht vor das Glas. Das reicht zur Identifikation. Ein Summton, und die Tür geht auf.

Drinnen sieht es aus wie im Einwohnermeldeamt: Der Boden ist aus grauem PVC, die Stühle sind ungepolstert, an der Decke hängt ein schwarzer Blechkasten, auf dem eine rote Zahl leuchtet, die 137. Hinter einer Theke sitzt eine dunkelhaarige Frau vor einem Computer.

Er ist einer der Ersten. Der Warteraum ist leer, bis auf zwei langhaarige Männer in der Ecke. Auf dem Stuhl zwischen ihnen liegt ein Päckchen Tabak, sie drehen sich Zigaretten. Beer bleibt vor der Theke stehen. »Guten Morgen«, sagt er. Die Frau reicht ihm einen Zettel mit der Zahl 140 darauf. Sie ist jung, sie ist hübsch. Sie lächelt. Sie sagt:

»Morgen, Arne. Alles Gute zum Geburtstag.«

Für einen Augenblick ist er überrascht.

»Ach ja, Geburtstag. Danke. Hatte ich ganz vergessen.« Die Mundwinkel lässt er unten. Er lächelt selten, lacht fast nie. Als ob man nicht mehr lachen kann, wenn man sein Leben gelebt hat. Seine Nase läuft, er schnieft, das ist der Entzug, so harmlos fängt er an. Es würde jetzt nicht mehr lange dauern, dann träte ihm der Schweiß ins Gesicht, und doch würde er frieren, als stünde er nackt in der Kälte. Seine Hände begännen zu zittern, die Arme, die Beine, der ganze Körper. Er würde sich übergeben, sich zusammenkrampfen, und dann würde er aufspringen und losrennen, gegen die Wand oder die Tür oder irgendwohin, so weit er eben käme. Vielleicht bliebe er auch sitzen, mit zuckendem Körper, und würde einfach nur schreien, vor Schmerz und vor Verlangen. Es läuft jedes Mal anders.

Er nimmt seine Wartenummer. Er setzt sich auf einen Stuhl, ein paar Meter entfernt von den beiden Männern. Seit heute ist er 47 Jahre alt. Mit 17 hat er zum ersten Mal Heroin genommen.

Es lag auf dem Boden, ein winziges weißes Häufchen, ein halbes Gramm. Er war zu Hause bei Sabine, diesem wunderhübschen Mädchen, diesem 15-jährigen Engel, den er so liebte. Später, viel später, wird sie mit jedem ins Bett oder auch nur auf den Autositz steigen, der ihr ein paar Mark in die Hand drückt. Hauptsache, sie kommt an Geld. Hauptsache, sie kann den nächsten Druck bezahlen. Da wird der Engel aussehen, als komme er aus der Hölle, aber natürlich weiß der junge Arne Beer das in diesem Moment noch nicht. Da ist jetzt nur ein bisschen weißes Pulver. Und dieser Kugelschreiber. Er nimmt die Mine heraus, die kleine Spirale, den silbernen Druckknopf. Durch das leere Plastikgehäuse saugt er sich das Heroin in die Nase. Rein in den Kopf. Es ist jetzt drin in ihm.

Und? »Ich hab gekotzt wie ein Reiher.«

Das Zeug ist grauenhaft. Zuerst. Dann steigt etwas Wundervolles in ihm hoch. So muss sich ein Baby in der Fruchtblase fühlen, denkt er. So zufrieden. So satt. So ohne Zweifel. Er zieht Sabine auf die Matratze. »Und dann hab ich eine Stunde lang gevögelt wie ein junger Gott.« Heroin, das ist für Arne Beer der größtmögliche Orgasmus. Er liebt nicht nur Sabine, er liebt jetzt auch das Leben, endlich.

Heroin ist nicht die erste Droge, mit der sich der 17-jährige Arne die Welt bunt malt. Aber es ist die beste. Er schnüffelt Chemikalien, er schnupft Kokain, er schluckt LSD. Nur vorm Alkohol ekelt es ihn. Bier und Korn, das hat sein Vater immer getrunken, bevor er auf ihn und seinen Bruder einschlug, mit Gürtel, Stuhl und Rohrzange, mit allem, was zu greifen war. Nur Arnes Schwester, die fasste der Vater nie an, und wenn doch, dann anders. Mit 15 bekam sie ein Kind von ihm. Heute sagt Beer: »Ich bin froh, dass das Schwein tot ist.«

»Das Gefährliche am Heroin ist, dass es dich glücklich macht«

Wenn Suchtmediziner oder Sozialarbeiter öffentlich über harte Drogen sprechen, in Talkshows oder bei Podiumsdiskussionen, dann betonen sie meist, dass Sucht keine Schichten kenne und keine Herkunft, dass dem Heroin jeder verfallen könne, egal, ob er reich ist oder arm, hübsch oder hässlich, egal, wie sein Leben zuvor verlaufen sei. Damit wollen sie die Leute davon abbringen, im Heroin die Droge der Kaputten und Verwahrlosten zu sehen. Natürlich haben sie recht mit dem, was sie sagen. Es gibt ja durchaus Junkies aus intakten, wohlhabenden Familien, aber es sind wenige. Die meisten, die sich da in den Bahnhöfen und Grünanlagen der Großstädte mit Stoff versorgen, haben Misshandlungen erlebt, Vergewaltigungen, ewige Kälte. Zufriedenheit kennen sie auch. Aber nur von anderen.

Der ewig saufende Vater, die ewig schweigende Mutter, das sind Arne Beers Lebensabschnittseltern. Als kleiner Junge hat er sie lieb, weil jedes Kind jemanden braucht, den es lieb haben kann. Mit 15, 16 Jahren fängt er an, sie zu verachten. Da hat er schon lange Jahre in verschiedenen Kinderheimen hinter sich, ist ohne Abschluss von der Schule geflogen. In den Diskotheken der Stadt stößt er auf Jugendliche, denen es so geht wie ihm, Geprügelte, Davongelaufene, denen nie jemand gezeigt hat, dass das Leben an sich schön sein kann. Also helfen sie nach und drücken sich das Glück in die Armbeuge.

»Das ist ja das Gefährliche am Heroin«, sagt er heute. »Dass es dich glücklich macht.«

Ein heller Glockenton. Vom Kasten an der Decke leuchtet eine neue Zahl: 140. Seine Nummer. Er steht auf, geht durch eine weitere Sicherheitstür und dann links in einen Raum, in dem wieder Stühle stehen, ein paar Tische, wieder eine Theke. Eine Helferin schiebt ihm eine Plastikschale zu, und da drin liegt sie dann, seine Spritze, beschriftet mit seinem Namen, gefüllt mit seiner halbtäglichen Dosis: 125ml Diamorphin – aus Rohopium gewonnenes, in Wasser gelöstes, reines Heroin.

Beer braucht keinen Stuhl, er bleibt stehen. Er knöpft Hemd und Hose auf, schiebt die Unterhose ein wenig tiefer, er schaut gar nicht richtig hin dabei. Er spritzt sich so oft Heroin wie andere Leute Kaffee trinken. Knapp oberhalb der Schambehaarung legt er Zeigefinger und Ringfinger auf die Haut. Er streicht ein kurzes Stück über seinen Unterbauch. Er fühlt ein Pulsieren, da ist die Vene, eine der letzten, die er noch nicht zerstochen hat. Ein Sprühstoß aus dem Desinfektionsspray, dann nimmt er die Spritze in die Hand. Er stößt die Nadel durch die Haut. Er schiebt sie tiefer. Mit dem Daumen zieht er den kleinen Plastikbolzen nach hinten. Das Vakuum saugt ein paar dunkelrote Schlieren in die Spritze. Er hat die Vene getroffen. Langsam drückt er ab.

Einen Moment lang bewegt er sich nicht. Es ist, als horche er in sich hinein. Keine Erleichterung, kein Genuss ist in seinem Gesicht erkennbar. Das Heroin wirkt unsichtbar. Die Pupille in seinem gesunden Auge zieht sich zusammen, das ist alles. Er zieht die Spritze heraus und wirft sie in einen Plastikkanister. Dann geht er hinaus.

Am Anfang machen sie vor allem Kneipen und Spielhallen. Bringt 10.000 Mark, wenn es gut läuft. Arne Beer steht Schmiere, sein Bruder steigt durchs Fenster ein. Oder umgekehrt. Beer ist jetzt 18, und für ihn ist das im Prinzip nichts Neues. Geklaut hat er schon als Kind. Hat hier eine Uhr stibitzt, dort ein paar Scheine eingesteckt und hinterher seiner Mutter eine Stange Zigaretten gekauft. Damit sie sich freut. Und nett zu ihm ist. Jetzt braucht er das Geld selbst. Die gespritzte Geborgenheit kommt teuer. Das Heroin kostet ein paar Hundert Mark am Tag. Viel zu viel für den ungelernten Arbeiter Arne Beer. Also arbeitet er jetzt als Einbrecher. Die Lehrer, die Eltern, die Erzieher im Kinderheim, sie alle wollten ihm ein Leben als schlecht verdienender Langweiler vorschreiben. Darauf hat er keine Lust. Auf den Knast allerdings auch nicht. Beim ersten Mal bekommt er zwölf Monate.

Das Gefängnis bringt ihn erst richtig auf Spur. Es ist seine Berufsschule, hier perfektioniert er seine Fähigkeiten. Ein Mitgefangener zeigt ihm, wie man in fünf Minuten ein Zylinderschloss öffnet. Das macht ihm die Arbeit leichter, als sie ihn entlassen. Bevor sie ihn wieder erwischen. Und wieder entlassen. Sein Auge ist da schon erblindet. Sabine hat ihn betrogen, immer wieder. Er will sie trotzdem nicht verlieren, er hat ja nur sie. Als sie heiraten, sitzt er mal wieder hinter Gittern, diesmal für sechs Jahre. 64 Einbrüche, so steht es in den Akten, konnte die Polizei ihm nachweisen, ein paar Hundert werden es gewesen sein.

Es ist ein absurdes Bild: Ein paar Bekannte, ein paar Verwandte sind zu Besuch in die Justizvollzugsanstalt gekommen, und mittendrin stehen die beiden lachenden Brautleute, er im Anzug, sie im Kleid, die Gesichter vom Heroin gebleicht.

Drogen bekommt er auch im Gefängnis. Tabletten, Heroin, LSD, alles, was es draußen gibt, ist auch drinnen zu haben. Besucher bringen Geld mit, seine Mutter hat immer ein Päckchen Hasch dabei. Beer dealt und drückt, wie die anderen auch. Die Wärter schauen meist nicht genau hin. Sie sind froh, wenn Ruhe ist im Knast. Arne Beer wird heroinabhängig entlassen.

Er hat den ersten Tag in Freiheit noch im Kopf, im Februar 1989 war das. Er liegt mit Sabine im Bett, er redet viel. Er spricht über den Verfall, den Tod, den Wunsch nach einem neuen Leben. Vielleicht können sie gemeinsam den Ausstieg schaffen, endlich wegkommen von der Droge. Voller Hoffnung schläft er ein.

Am nächsten Morgen ist Sabine verschwunden. »Irgendetwas muss ihr Angst gemacht haben«, sagt Beer heute. Sabine hatte ihn verlassen. Daraufhin verließ ihn auch der Mut. Also setzte er sich die nächste Spritze.

Er hat den Ausstieg fast geschafft – dann stirbt seine Ehefrau Sabine

Dreißig Jahre Heroin. In der Rückschau schnurrt für Arne Beer die Zeit zusammen, komprimiert durch den Zwang, immer an den nächsten Druck zu denken, immer an die Frage: Wie komme ich jetzt an Geld? Es war, als sei dauernd einer hinter ihm her gewesen, sagt Beer heute, einer, der ihn jagte. Und er musste rennen, immer nur rennen.

Ein-, zweimal ist er beinahe davongekommen, hat den Ausstieg fast geschafft. Mitte der neunziger Jahre zum Beispiel. Er nimmt keine Drogen mehr, nur noch eine kleine Dosis Methadon. Das ist ein Ersatzstoff, der zwar die Entzugserscheinungen dämpft, aber kein künstliches Glück erzeugt. Viele Abhängige, denen der Arzt Methadon verschreibt, besorgen sich deshalb weiter Heroin.

Beer nicht. Er ist auf einem guten Weg. Er hat einen Großteil seiner Schulden abgestottert und seine Gläubiger überredet, ihm den Rest zu erlassen. Er leitet jetzt eine Selbsthilfegruppe im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Er ist dabei, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, aus eigener Kraft das zu produzieren, was ihm sonst das Heroin gab: Zufriedenheit. Da hört er Neues von Sabine, die er seit jenem Wintertag nicht wiedergesehen hat. Sie ist tot, gestorben an den Folgen von Aids.

Er weiß bis heute nicht, wie sie sich infizierte, ob beim Sex mit einem Freier oder an einer gebrauchten Spritze. Aber er weiß, dass damals etwas in seinem Kopf passierte. Dass etwas aufflammte, was Mediziner das Suchtgedächtnis nennen. In einem Zustand der Verzweiflung erinnert sich sein Körper an das von der Droge produzierte Glücksgefühl. Und plötzlich ist es wie der Drang, eine alte Liebe wiederzusehen.

Er fährt zum Hamburger Hauptbahnhof und holt sich ein Päckchen Heroin. Von da an ist er wieder eine heiß laufende Maschine auf der Suche nach Geld für den nächsten Druck. Am 25. September 1998 berichtet die Hamburger Morgenpost über einen »Gangster mit Prinz-Eisenherz-Frisur«, der mit zwei Handgranaten in eine Filiale der Stadtsparkasse läuft, 3790 Mark erbeutet, auf der Flucht vom Fahrrad fällt und trotzdem entkommt. »Jetzt sucht die Kripo den knapp 1,80 Meter großen, sehr schlanken Mann«, schreibt die Zeitung. 14 Tage später meldet sie: »Fahnder spürten Arne B. (38) nach zwei Wochen auf«.

Als er Ende 2002 entlassen wird, ist er 42 Jahre alt und hat mehr als ein Drittel seines Lebens im Gefängnis verbracht.

Er bleibt noch eine Weile im Warteraum. Zehn Minuten, eine Viertelstunde, das ist Vorschrift, damit die Ärzte sehen, wie er die Dosis verträgt. Er setzt sich auf einen Stuhl, legt eine Packung Tabak auf den Tisch. Auf der Packung steht: »Rauchen lässt ihre Haut altern«. Er dreht sich eine Zigarette. Er achtet darauf, dass keine Tabakfäden verloren gehen. Es sind jetzt zehn Patienten im Raum. Schweigend sitzen sie auf ihren Stühlen.

Beer will nicht reden, er kennt die Geschichten von der Macht der Droge

Ein schlaksiger junger Mann mit schiefem Hals tritt durch die Tür. Er setzt die Beine voreinander, als habe er Glatteis unter den Füßen. Mit beiden Händen greift er nach dem Stuhl, setzt sich, zuckt mit dem Kopf. Er hat sich mal eine Überdosis gespritzt, seitdem gehorcht ihm sein Körper nicht mehr so recht. Das Heroin nahm ihm das Bewusstsein damals, das Essen quoll aus dem Magen, rutschte in die Luftröhre. Er wäre erstickt, hätte seine Freundin ihn nicht gefunden. Gerade noch rechtzeitig, und doch zu spät. Ein Teil seines Gehirns war schon abgestorben. So hat er es erzählt, hier in der Heroinambulanz.

Manchmal kommen sie ja ins Gespräch, die Junkies, beim Warten auf den nächsten Druck. Arne Beer hört meistens nicht hin. Es reicht ihm, wenn er die anderen jeden Tag sieht. Er müsse nicht groß mit ihnen reden, sagt er, er kennt sie ja, diese Geschichten vom Irrsinn und vom Sterben und von der Macht der Droge. Die meisten hat er so ähnlich selbst erlebt.

Er zieht ein Buch aus der Jacke. Hermann Hesse, Die Märchen. Nach dem Banküberfall hat er im Gefängnis angefangen zu lesen. Gespenster- und Westerngeschichten zuerst, bis ihn das immergleiche Muster langweilte. In Zeitungsinseraten bat er um Bücherspenden. Manche Leute schickten ihm ganze Pakete. So kam er an Fachbücher, an Romane, an Lyrikbände. Shakespeares Sonette haben ihn begeistert. Irgendwann hat er selbst angefangen zu schreiben. Aphorismen, Gedichte, kurze Verse. Sie liegen in einer Mappe bei ihm zu Hause im Regal. Ein paar kann er auswendig.

Es war einmal ein Stein
Der war so fürchterlich allein
Drum tat er es wagen, sich selbst zu zerschlagen
Nun war der Stein nicht mehr allein

Ein dicker, stark schielender Mann tritt zu ihm. Beer schaut kurz auf. Er sagt »Hallo, Karl« und schiebt den Tabak über den Tisch. Sie rauchen schweigend. Mit Karl, wegen schwerer Körperverletzung verurteilt, hat er früher im Gefängnis gesessen. Ein paar Monate lang hat er ihm Geld zugesteckt, wenn sich Karl wieder vor irgendwelchen Spielautomaten ruinierte. Hat es abgezweigt von seinen 345 Euro Hartz IV, die er im Monat bekommt. Als er merkte, dass Karl einfach weiterdaddelte, hat er es gelassen. Trotzdem sagt er, Karl sei sein Freund. So ziemlich der einzige, den er hat.

Die Viertelstunde ist um. Beer drückt die Zigarette aus. Beim Hinausgehen kommt er an der Fotokopie eines Zeitungsartikels vorbei, die an der Wand des Warteraums hängt: »Frankfurter Heroin-Ambulanz für weitere drei Monate gesichert«. Er kennt den Artikel, den politischen Streit, an dem seine Zukunft hängt. Der Modellversuch, dieser Kompromiss auf Zeit, kann ja nicht ewig dauern, die wissenschaftlichen Studien sind längst abgeschlossen.

Allein die Bundestagsfraktion der CDU ist gegen Heroin auf Rezept

Die SPD setzt sich nun dafür ein, das Betäubungsmittelgesetz zu ändern. Dann könnten künftig jene bundesweit etwa zweitausend Rauschgiftsüchtigen, bei denen alle Therapieversuche gescheitert sind, die Droge kostenlos in Heroinambulanzen erhalten. Auch die FDP, die Grünen und die Linkspartei sind dafür. Ebenso der Deutsche Städtetag, die Gewerkschaft der Polizei und inzwischen auch die meisten CDU-Ministerpräsidenten. Nur die Bundestagsfraktion der Union ist weiterhin dagegen. Anstatt gratis Heroin auszugeben, solle man sich lieber auf die Prävention konzentrieren, heißt es in einer Presseerklärung ihrer Gesundheitsexpertin Maria Eichhorn.

Die SPD könnte nun versuchen, aus der Uneinigkeit zwischen Länder- und Bundes-CDU politisches Kapital zu schlagen. Sie könnte die Union unter Druck setzen, das Thema immer wieder öffentlich ansprechen. Bisher ist das ausgeblieben. Die Forderung, die vermeintliche Todesdroge Heroin zum Medikament zu erklären, sei schwer zu verkaufen, sagt eine SPD-Abgeordnete. Die Gefahr, dass bei den Wählern der Eindruck entstehe, die SPD wolle Zehntausenden Süchtigen den Stoff schenken, sei groß. Also bleibt das Betäubungsmittelgesetz vorerst so, wie es ist.

Der Modellversuch läuft derweil weiter, aber wie lange noch? Bald könnte den Städten die Sache zu teuer werden, im Moment müssen sie die Behandlung meist allein finanzieren. Dann würden sie die Heroinabgabe beenden, notgedrungen, und alles wäre wie früher. Menschen wie Arne Beer müssten sich wieder auf der Straße mit Heroin versorgen, würden wieder Häuser aufbrechen und Läden überfallen, um sich das nötige Geld zu beschaffen.

Seit viereinhalb Jahren bekommt er die Droge jetzt vom Staat. Seitdem versucht er, die Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen, die er vor 30 Jahren verlor. Er hat eine kleine Einzimmerwohnung gefunden, hat sich Jobs gesucht. Erst arbeitete er in einem Callcenter, dann war er wochenlang als Weihnachtsmann unterwegs. Hat mit tiefer Stimme aus seinem weißen Kunstbart gesprochen und fröhliche Kinder mit Schokolade beschenkt. Es sah gar nicht so schlecht aus für Arne Beer, seine tägliche Dosis Heroin hatte er schon um ein Drittel reduziert. Aber dann hat ihm seine chronische Hepatitis immer mehr zugesetzt. Das Virus hat er sich vor Jahren an einer infizierten Spritze geholt. Seit einem Dreivierteljahr bekommt er starke Medikamente. Sie machen ihn müde, nehmen ihm den Appetit und die Lust, den Tag außerhalb der Wohnung zu verbringen.

In ein paar Wochen ist die Therapie vorbei. Wenn er Glück hat, ist er danach die Hepatitis los. Dann will er sich wieder Arbeit suchen. Vielleicht Haushaltsgeräte reparieren, er hat Elektroinstallateur gelernt, im Gefängnis, vor langer Zeit. Oder kellnern. Oder irgendwas anderes. Er würde gerne auch nachts arbeiten, wenn es still ist auf den Straßen. Er sagt, er sei sich für nichts zu schade. Er will nur Ruhe in sein Leben bringen, will das haben, was andere in seinem Alter seit Jahrzehnten erleben: einen Alltag voller Normalität.

Ob er es jemals schaffen wird, sich vom Heroin zu befreien? Beer sagt, wenn jemand aus der Zukunft käme und ihm erzählte, er werde mit siebzig noch an der Nadel hängen, dann wäre er traurig, vielleicht auch ein bisschen enttäuscht. Aber nicht entsetzt, nicht überrascht. Er hat alle Illusionen über sich selbst verloren.

Nur ein paar Träume, die hat er noch. Ein Wohnmobil zum Beispiel. Er würde ein bisschen arbeiten, etwas Geld verdienen und dann ein wenig herumfahren. Sich die Welt anschauen. Das würde ihn glücklich machen. Er war ja noch nie weg aus Deutschland.

»Hasduflunies?«

»Was?«

»Hast du Flunies?«

Von der Heroinambulanz ist Beer zu Fuß in Richtung Hauptbahnhof gegangen. Der Weg führt vorbei am Drob Inn, einer Hamburger Drogenberatungsstelle, dem Treffpunkt der Süchtigen. Gut hundert Menschen stehen vor dem Eingang. Manche liegen halb nackt auf dem kalten Asphalt und schlafen, einer schwenkt eine Bierflasche durch die feuchte Luft. Die meisten stehen einfach nur da. Eine Frau ist auf Beer zugegangen. Sie steht rechts von ihm. Er kann sie nicht richtig sehen, er dreht den Kopf zur Seite, bis sie in das Blickfeld seines gesunden Auges kommt. Sie ist jung, eigentlich noch ein Mädchen, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt, vielleicht war sie einmal hübsch. Ihre Haare hat sie blond gefärbt, aber das ist schon eine Weile her. Oben am Kopf wachsen sie schwarz nach. Sie ist blass. Langsam hebt sie die Augenlider, sie bewegt die Lippen. Es strengt sie an.

»Hast du Flunies?«

Flunies sind Schlaftabletten. In der Drogenszene heißen sie so, weil sie den Wirkstoff Flunitrazepam enthalten. In etwas Wasser aufgelöst, dann aufgekocht und gemeinsam mit Heroin gespritzt, erhöhen sie die Wirkung der Droge. Beer hat das früher selbst ein paarmal genommen.

Er sagt: »Nee, hab ich nicht.«

Ohne das Mädchen noch einmal anzusehen, geht er weiter. Er steigt in die U-Bahn und fährt nach Hause. Er isst ein Scheibe Brot, öffnet eine Milchtüte und beginnt zu trinken. Er legt sich auf das Sofa. Im Fernsehen läuft eine Dokumentation über Bergbauern in Südtirol. Die große Uhr an der Wand steht auf 8.55 Uhr. Er schaut auf den Bildschirm, auf grüne Almwiesen und braune Kühe. Er ist müde. In acht Stunden wird er sich den nächsten Druck setzen.

Die Pupille in seinem linken Auge hat sich wieder etwas geweitet.

 
Leser-Kommentare
  1. Nach allem, was man heute über die Abhängigkeit von starken Drogen weiß, handelt es sich dabei um eine Krankheit. Den Menschen, die von dieser Krankheit heim gesucht werden eine Linderung am Stand der Technik zu verweigern ist nach meinem Verständnis Menschen verachtend und verletzt zudem deren Würde - von Staats wegen.Dass man sich aber mit der Verweigerung der "Christen-Politiker", Schwerstabhängigen einen legalen und beobachteten Zugang zur Droge zu verschaffen, leichtfertig auch die ganze Beschaffungskriminalität einfängt, ist doch für jedermann sichtbar.Es ist doch offenkundig, dass das Schwert der Justiz und der Polizei stumpf bleiben muss, wenn die Sucht die Menschen fernsteuert und sie Einbrüche, Überfälle und andere Straftaten begehen lässt. Und es ist IMO höchst bizarr, dass gerade diese Verleugnung der Realität letztlich den Schwarzmarkt mit Hehlerware befeuert, den Drogenhandel und sogar die organisierte Kriminalität indirekt unterstützt. All das ist doch für jeden glasklar, der sich ein wenig mit den Tatsachen auseinander setzt - nur die C-PolitikerInnen scheinen in einer anderen Welt zu leben: Einer sauberen und anständigen Welt, in der alle Menschen lieb zueinander sind und in der es die höchste Strafe ist, einen einmal erreichten Mercedes Benz gegen einen Golf eintauschen zu müssen.Da frage ich mich als Atheist doch, was das "C" in CDU/CSU tatsächlich bedeutet ..F. MayerP.S.:Spontan fällt mir Herr Schäuble ein, der nicht müde wurde gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass die heimliche Online-Durchsuchung nur in schwersten Ausnahmefällen zum Einsatz käme und dass der Staat das Recht haben müsse, die Privatsphäre jedes Bürgers in diesen Fällen bis ins letzte Detail ausspionieren zu dürfen.Wenn es aber um die Würde von schwerst-kranken Menschen geht, dann sind derartige "schwerste Ausnahmefälle" offensichtlich undenkbar. Auch wenn Studien aufzeigen, dass es sowohl für den Staat als auch für die Betroffenen zu einer Entlastung und Verbesserung der Gesamtsituation kommt, wenn der Staat Heroin unter massiver Kontrolle abgibt - für die C-Politiker rührt es an einer Angst und einem Grundprinzip, das offenkundig weit über dem Wert eines Menschen und dessen Würde steht. Auf dem Rücken eines überkommenen und antiquierten Rechtsverständnisses reitet man die Menschen regelrecht zu Tode.Wenn man diese Menschen demnächst wieder auf die Straße, in die Kriminalität und letztlich in die Gosse und in den Tod entlässt, dann erinnert sich hoffentlich der eine oder andere Wähler beim nächsten Überfall, Handtaschenraub oder Wohnungseinbruch daran, wem wir das zu verdanken haben ..Nochmal,F. Mayer

    • Zel
    • 17.03.2008 um 21:51 Uhr
    2. naja

    @frankmeyer"Dass man sich aber mit der Verweigerung der "Christen-Politiker",
    Schwerstabhängigen einen legalen und beobachteten Zugang zur Droge zu
    verschaffen, leichtfertig auch die ganze Beschaffungskriminalität
    einfängt, ist doch für jedermann sichtbar."Mit dem Argument könnte man auch kostenlose Nutten für Vergewaltiger fordern.Es ist natürlich richtig, die Heroinsüchtigen auch mit Heroin zu entwöhnen-Raucher dürfen ja auch Nikotinpflaster kaufen. Nur ist eben auch die Frage, ob sich denn wirklich effektiv entwöhnen lässt. Eigentlich ist es ja nur dauerhafte Heroinbewirtung.So zynisch da klingt, es ist eben billiger, die Heroinkonsumenten den Strassendreck spritzen zu lassen-so gibt er schnell den Löffel ab. Würde man dann noch konsequenter gegen die Verkäufer und gegen die Konsumenten vorgehen, hätte man auch das Problem der wiederkehrenden Klientel beseitigt (das Projekt trägt ja eher zur Verharmlosung bei, ist keine Lösung an sich).Man muss sich auch fragen, wie weit die Verantwortung des Staates und der Bürger gehen soll? Jeder, ausnahmslos jeder weiß, worauf Heroinkonsum hinausläuft. Es ist ja nicht so, als wäre das nicht bekannt, daß man sich in der Regel immer sein Leben damit versaut. Und man kann auch nicht behaupten, die Lebenspein treibe an die Nadel. Es gibt nun wahrlich viele Menschen mit tragischer Lebensbiographie, aber nur wenige schmeissen sich in die erstbeste Nadel-da muss dann ein jeder selber sehen, wie er damit zurecht kommt, ein Vollidiot zu sein.Wie wäre es denn damit, daß die Junkies ihre Heroingabe vom Staat bezahlen müssen? Zinslos versteht sich, zu moderaten Raten, die auch gestundet werden können? Wer 5 Jahre clean bleibt, kriegt den Rest erlassen und was er bisher bezahlt hat wieder ausbezahlt-das wär doch ein Anreiz, man würde als Junkie nur gewinnen und würde seine Würde behalten? So könnte man die wirklichen Aussteiger von denen trennen, die nur deshalb entziehen, weil der Körper längst keine Beschaffungskriminalität mehr erlaubt.Alles andere ist doch nur Bespaßung der Junkies und Alimentierung der Helferindustrie, die kein wirkliches Interesse am Erfolg ihrer Klienten hat. Man muss eben auch zur Kenntnis nehmen, daß man nicht jeden retten kann. Kostenlose Spritzen gibts seit langem, dennoch geht die Hepatitis in diesen Kreisen munter weiterhin auf Reisen. 

  2. 3. Na Zel

    wollen wir eine Wette abschließen, wie lange es dauert bis die raffgierige Helferindustrie Ihnen die Menschenwürde um die Ohren knallt?Denn Menschenwürde ist das Zauberwort, mit dem noch jede, wirklich jede Perversion, jedes Schmarotzertum und jedes Verbrechen (siehe das legendäre Jessen-Video) begründet wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie. Wir dürfen gespannt sein, wie die Perversen den rhetorischen Bogen spannen von unverschämten Managergehältern, Schere zwischen Arm und Reich bis hin zur Pflicht, dem Abschaum nicht nur sein täglich Brot, sondern auch seinen täglichen Schuss zu finanzieren.Ganz Menschenwürdelich, versteht sich.

  3. Kostet doch nix: Heroin, wenn legal, ist spottbillig, nicht teurer als Tee oder Kaffee.Nur so lange es verboten ist und umständlich geschmuggelt und gedealt werden muss, kostet es wahnsinnig viel und wird gestreckt. Verdienen tut dabei die Mafia, sonst keiner (ach ja: und die Polizei, die ja extra Gelder zur Drogenbekämpfung bekommt, solange Drogen verboten bleiben).

  4. frankmayer schreibt:"Nach allem, was man heute über die Abhängigkeit von starken Drogen weiß, handelt es sich dabei um eine Krankheit. Den Menschen, die von dieser Krankheit heim gesucht werden eine Linderung am Stand der Technik zu verweigern ist nach meinem Verständnis Menschen verachtend und verletzt zudem deren Würde - von Staats wegen." Also für mich ist Heroinsucht ein Charakterfehler, keine Krankheit.  Wieso habe ich bei der Lektüre von Uchatius' Artikel wieder das Gefühl, dass diese Entwicklung auf Erpressung hinauslaufen könnte. Nach dem Tenor: Ein Spießer wie ich, der gegen Heroin auf Rezept ist, hat Schuld, dass der arme Arne sein eines Auge verloren hat. Wohlgemerkt: Uchatius argumentiert nicht so. Aber wenn man diesen Weg der Freigabe weitergeht, könnte bald argumentiert werden:Auch Kokain sollte es auf Krankenschein geben, sonst muss die süchtige Studentin auf den Strich gehen, um ihre Sucht zu finanzieren. Und ein Spießer wie ich, der es ihr weigert, ist dann Schuld, ist gleichsam ein Zuhälter. Und wenn sie sich Aids holt, bin ich auch Schuld, ich Monster!

  5. Charakterfehler klingt so, als müsse man sich nur genug anstrengen, um clean zu werden - und dass jeder es so schaffen könnte. Eben das ist aber der Trugschluss - und ein fataler dazu.Nicht nur, dass es demjenigen das Leben kostet, der auf diesen Abweg geraten ist. Es ist eben auch, dass man offenen Auges (wenngleich verlegen "weg-sehend") Menschen im wahrsten Sinne des Wortes in der Gosse verrecken lässt. Und zu allem Überfluss kommt hinzu, dass die damit verbundene Kriminalität billigend in Kauf genommen wird - ja sogar kriminelle Strukturen indirekt gefördert anstatt ausgetrocknet werden. Natürlich kann man nach der Polizei und dem starken Staat rufen, die diese ekligen Subjekte doch bitte aus der Gesellschaft heraus halten solle - aber das kostet abermals, es ist ein Kampf gegen Windmühlen und es ist absehbar, dass man diesen Kampf verlieren wird.Wenn aber so klar ist, dass es diese ferngeteuerten Drogen-Zomies geben wird und man mit dem Repressions-Ansatz zwangsläufig scheitert, dann erfüllen eben diese Kreaturen offensichtlich einen Zweck in der Gesellschaft. Und den einzigen Zweck, den ich wage erkennen kann, ist der zu zeigen was passiert, wenn man/frau vom rechten Wege abkommt. Man (eben die C-Politiker) markieren damit die Bestrafung des Fehlverhaltens und die Grenzen eines sozialen Staates. Man muss aber bedenken, dass das Moralin-saure Prinzipien sind und keinesfalls in Stein gegossene Naturgesetze - es sind Menschen, die andere Menschen durch Versagen von Hilfe zum Tode verurteilen.Eben das lässt mich in aller Deutlichkeit an der Menschlichkeit dieser Christen-Politiker zweifeln, die diese kranken Menschen einem IMO noch krankeren Prinzip opfern. Diese klaren Chancen Vorteile ungenutzt verstreichen zu lassen ist IMO eine klare ideologische Verblendung einiger weniger christlicher Politiker.F. Mayer P.S.:So, wie ich die Heroin-Abgabe an die Schwerst-Abhängigen verstehe, kann es unmöglich um eine Therapie im Sinne einer Heilung gehen.Es geht doch vielmehr darum, dem Betroffenen ein Stück seiner Würde zurück zu geben, ihm einen Teil physischer Gesundheit wieder zu ermöglichen und vielleicht auch wieder in die drogenfreie Gesellschaft zurück zu kehren. Aus pragmatischer Sicht auch darum, Die Anzahl von Drogenkriminalitäts-Delikten zu verringern, was der Bevölkerung sicher auch ganz recht ist.

    • Anonym
    • 18.03.2008 um 20:17 Uhr

    gegen den rest einer hartleibigen republik.sucht ist krankheit. substitution ist hilfe und schutz der gesellschaft. dieser einsicht sich zu verweigern grenzt an moralische verkommenheit.und @zel: "Jeder, ausnahmslos jeder weiß, worauf Heroinkonsum hinausläuft".mit dem argument werden sie unser gesamtes solidarsystem aushebeln: und das ist es doch, was sie wollen, oder?ich frage mich, ob sie das junkie-elend kennen oder nur in der Bunten davon gelesen haben.

  6. In den Grenzen Ihres Postings haben Sie 100% Recht. Heroin ist nicht nur billig, sondern gehört auch zu den am wenigsten toxischen Substanzen überhaupt. Vor 150 Jahren wurde das noch ganz legal gehandelt, z.B. als Mittel gegen Husten. So wie generell der Genuss von Opiaten per se erst mal nicht problematisch ist. Unser Dichterfürst von Goethe hat regelmäßig Opium konsumiert. Das kaufte er ganz legal in der Apotheke; was damals so normal war wie etwa wenn Unsereiner beim Wochenendeinkauf im Supermarkt eine Flasche Klaren ins Körbchen legt. °Es gibt aber einen anderen Aspekt. Nämlich den, dass die Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn es einen Konsens, eine Kultur gibt. Und wenn jedermann seinen Teil (im Rahmen seiner Möglichkeiten) beiträgt. Leider sind wir gerade dabei den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen. Unter der Flagge der Liberalität wird die Gesellschaft Stück für Stück zerstört. Noch hat das BVerfG den Inzest verboten. Aber wir können getrost davon ausgehen, dass bei der nächsten Vorlage in 10 Jahren auch diese Schweinerei gestattet wird. Wer finanziert eigentlich die 5 bildungsunfähigen Kinder der geistesgestörten Mutter?Rauschgiftkonsum ist nicht wegen der Toxizität der Subtanzen verwerflich, sondern wegen des Asozialität des ganzen Vorganges. Goethe ist der Gemeinschaft nicht zur Last gefallen durch das Kassieren von Sozialhilfe oder Beschaffungskriminalität. Aber wir reden hier nicht über Goethe - sondern über Arne B. & Co. Die Junkies sind (auch wenn die Umverteilungsfraktion mit dem üblichen Geschwurbel uns das weismachen will) keine Opfer - sonder asoziale Elemente. Alle Versuche (die ich noch vor 10 Jahren gut fand), dieser Plage mit Kuschelpädagogik Herr zu werden sind gescheitert. Also bleibt nur noch die harte, strafende Hand. Das mag einem gefallen oder nicht, aber so ist es leider nun mal.Und so lange die Umverteilungsfanatiker kein besseres Rezept in petto haben, bitte ich die, die Nazikeule stecken zu lassen!

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