Die Geburt der berüchtigtsten Droge der Gegenwart vollzieht sich am 21. August 1897 in einem Labor der Firma Bayer. An diesem Tag mischt der Chemiker Felix Hoffmann die Substanz Diacetylmorphin zusammen. Ein neues Mittel gegen Husten und Schmerzen, das Bayer zunächst an Meerschweinchen und Katzen ausprobiert, danach an Teilen der eigenen Belegschaft. Weil Tiere wie Menschen das neue Medikament gut vertragen, kommt es als Pulver, Saft und Zäpfchen auf den Markt. Es heißt: Heroin. Diesen Namen wählen die Bayer-Chefs, weil sie ihre Neuentwicklung besonders heroisch finden.

Zunächst behalten sie recht. Heroin etabliert sich als gängiges Mittel nicht nur gegen Husten, sondern auch gegen Schmerzen, Depressionen, sogar gegen Magenkrebs. Manche Patienten berichten von einer leichten Euphorie, abhängig wird niemand. Zu gering sind die Mengen, zu langsam gelangt das geschluckte Medikament in die Blutbahn. Erst als sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg herumspricht, dass geschnupftes oder gespritztes Heroin eine stärkere Wirkung als Morphium hat, ist schnell ein neues Wort in der Welt: »Heroinismus«.

Ab 1930 international geächtet, macht Heroin Ende der sechziger Jahre wieder von sich reden – als illegale Straßendroge. Das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo beschreibt 1978 das Leben der heroinsüchtigen 14-jährigen Christiane F. Die jährliche Zahl der Drogentoten in Deutschland steigt von 106 Anfang der siebziger Jahre auf 2030 im Jahr 2000 – die meisten sterben durch Heroin. Erst danach werden es weniger. Ausstiegs- und Beratungsprogramme zeigen Wirkung. Und andere illegale Drogen wie Kokain, Crack, Ecstasy und Speed kommen in Mode. Trotzdem bleibt Heroin europaweit das von Drogensüchtigen am häufigsten konsumierte Rauschmittel. uch