Iran

Der Test

Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad hat sein Land isoliert – kriegt er dafür jetzt die Quittung von seinem Volk?

Die Iraner stimmen am Freitag über ein neues Parlament ab, und Präsident Mahmud Ahmadineschad dürfte die Wahl mit bangen Gefühlen verfolgen. Er braucht das Parlament zum Regieren, um etwa Minister zu bestellen und Haushaltsgesetze zu verabschieden. Die Wahl wird aber auch Aufschluss über die Popularität dieses äußerst kontroversen Präsidenten geben – wie seine Anhänger und Unterstützer abschneiden, das ist der erste große politische Test für Ahmadineschad, seit er im Juli 2005 ins Amt kam. Wie beurteilen die Leute seine Bilanz? Welche Folgen hat das für seine Position? In Iran sind die Machtverhältnisse immer im Fluss, auch der Präsident kann sich seiner Stellung nie sicher sein.

Was also hat Ahmadineschad Iran und seinen Bürgern gebracht? Geld – das ist die erste Antwort. Gleich kübelweise hat er es über sein Land ausgeschüttet. 200 Milliarden Dollar sieht seine Regierung für das Haushaltsjahr 2008/09 vor, das sind 18 Prozent mehr, als im Jahr zuvor ausgegeben wurde. Diese gewaltige Summe ist eine direkte Folge der Versprechen, die Ahmadineschad bei seiner Wahl gegeben hat. Er wolle dafür sorgen, sagte er im Wahlkampf, dass die Einnahmen aus dem Ölexport direkt auf die Tische der Armen kämen. Seither reist er mit seinem Kabinett von Provinz zu Provinz und verteilt Geschenke. Diese populistische Politik hat die Inflation angeheizt, sie liegt derzeit bei 19 Prozent. Und so schmelzen die Gaben des Präsidenten auf den Tischen der Armen schnell dahin. Das ist ein Problem für einen Mann, der von den kleinen Leuten gewählt wurde.

Ahmadineschad versucht das Scheitern seiner Wirtschaftspolitik zu verschleiern, indem er weiter Geld in Umlauf bringt. Davon hat er viel, denn die Einnahmequellen sprudeln dank des gestiegenen Ölpreises wie noch nie. 62 Milliarden Dollar nimmt Iran im Durchschnitt jährlich aus seinen Ölexporten ein. Das ist viermal so viel wie in den neunziger Jahren. Ahmadineschad dämpft mit diesen Unsummen die negativen Konsequenzen seines Populismus und verstärkt sie gleichzeitig immer weiter. Auch deshalb suchte er neben seinem Robin-Hood-Image noch eine zweite Rolle, von der er sich Legitimation versprechen konnte. Er fand sie in der Geste des nationalen Führers, der das Recht Irans auf Nukleartechnologie verteidigt und aufsteht gegen die angeblichen Weltherrschaftsansprüche der USA: Ahmadineschad profilierte sich als der Antiimperialist. Das brachte ihm Sympathien in den nationalpatriotischen Kreisen iranischer Mittel– und Oberschichten ein, die ihm ansonsten recht fremd gegenüberstehen.

Der Wächterrat sorgt dafür, dass die Reformer schwach und zersplittert sind

Die Atompolitik ist dabei sein bevorzugtes, ein geradezu ideales Spielfeld. Sie verspricht das größte Unruhepotenzial, vor allem dann, wenn der mutmaßliche Bau einer iranischen Bombe mit der Drohung einhergeht, Israel von der Landkarte zu löschen. Iran als antisemitische Nuklearmacht: Mehr Provokation geht nicht. Eine Frage bei diesen Wahlen ist, ob die Iraner die unnachgiebige Politik Ahmadineschads honorieren werden. Wenn man einer neuen Umfrage des amerikanischen Center for Public Opinion glaubt, wollen die Iraner in ihrer großen Mehrheit Verhandlungen mit dem Westen. 80 Prozent sind für eine Zusammenarbeit in der Nuklearfrage, wenn es im Gegenzug dafür ökonomische Hilfen gibt. Allerdings glauben auch 53 Prozent, dass ein nuklear bewaffneter Iran die Welt sicherer machte. Das scheint Ahmadineschads Kurs zu stützen, doch nur auf den ersten Blick. Für den Fall aber, dass es zu einer Kooperation mit dem Westen kommt und die Isolation des Landes aufgebrochen wird, befürworten nur mehr 17 Prozent den Besitz von Atomwaffen. Die Iraner wollen nicht isoliert sein, ja sie fürchten die Isolation geradezu. Ihr Hauptanliegen ist eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Nun ist aber nicht klar, wem sie die zunehmende Vereinsamung des Landes in den vergangenen Jahren anlasten, ihrem Präsidenten oder dem Westen. Der Leumund des Westens jedenfalls ist in der Region nicht unbedingt besser als jener des radikalen Präsidenten. Ahmadineschad spielt damit virtuos.

Für einen großen Teil des politischen Establishments ist klar, dass Ahmadineschad die Schuld an der Isolation Irans trägt. Prominente Reformpolitiker haben dem Präsidenten in den vergangenen Monaten schwere Vorwürfe gemacht, allerdings dürfte ihn das nicht besonders stören. Die Reformer sind zersplittert, geschwächt, und sie werden bei den Parlamentswahlen kaum eine Rolle spielen. Dafür sorgte schon der konservative Wächterrat. Er schloss Hunderte Reformkandidaten aus.

Die Verbündeten von einst wenden sich ab von ihrem Präsidenten

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Bedrohlicher für den Präsidenten ist die Kritik aus dem konservativen Lager. Allen voran der wieder erstarkte Ex-Präsident Haschemi Rafsandschani attackierte Ahmadineschads Außenpolitik. Doch kommt Widerstand auch aus einem Lager, das dem Präsidenten bis vor Kurzem noch nahestand. Dazu zählen der im Oktober geschasste Atomunterhändler Irans, Ali Larijani, der Teheraner Bürgermeister Mohammed Bagher Qalibaf und Hassan Rohani, gleichfalls ein ehemaliger Atomverhandler. Diese Männer bezeichnen sich selbst als pragmatische Konservative. Der Begriff soll sie unterscheiden von Ahmadineschad, den man am ehesten einen ideologisch motivierten Konservativen nennen könnte. Die Ausdifferenzierung des konservativen politischen Spektrums gehört auch zur Bilanz des Präsidenten – und sie ist vielleicht der interessanteste Teil davon. Die kontroverse Politik Ahmadineschads bringt Spaltungstendenzen innerhalb des Regimes hervor, es werden Widersprüche und Gegensätze sichtbar. Damit entstehen Spielräume – trotz aller Repression ist vieles in Bewegung geraten. Und Ahmadineschad muss 2009 zur Wiederwahl antreten.

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Leser-Kommentare

  1. Warum sollte er? Wir reden hier von einer religiösen Diktatur und die 'Machthaber' - der Wächterrat und hinter diesen die Mehrzahl der Imane sind mit seiner Politik einverstanden.Aber selbst wenn er abgewählt würde, na und? damit hört doch diese Politik nicht auf, denn er führt nur aus, was in den Augen derer, die das eigentliche Sagen haben, richtig ist - und z. B. das Atom-Programm ist richtig. Genauso richtig, wie der Judenhass - und auch da ist es nicht wichtig, ob wir den hören, weil ein Achmed... ihn hinausbrüllt, sondern ob er da ist und gepflegt wird.Die unmenschlichen Verhaltensweisen von Religionswächtern? die Steinigungen, Aufhängaktionen usw....? Das ist nicht Achmedin..., dasss ist das regime, das ist die als von diesen Leuten als wahr gesetzte Auslegung des Islams.Was kann man dann Achmed... vorwerfen? Er hat versprechen gegeben die er nicht halten konnte - und das kann IHM das politische Genick brechen möglicherweise - für wen ? Für jem., der solche Versprechen umsetzen kann - aber nicht für jem., der deshalb in anderen Bereichen eine andere Politik fährt.80% wollen Verhandlungen, vielleicht, mit dem Westen?Wenn man manche Bücher über das dritte reich liest, dann glaubt man auch, dass 80% z. B. keinen Krieg wollten. Dummerweise sind die 80% nicht im Wächterrat und nach einer inneriranischen revolution sieht es irgendwie auch nicht aus.Iran ist nicht wirklich isoliert zudem - und es hat Öl, viel Öl - und wir sind süchtig wie die Junkies danach! Nein, da tue ich den Junkies unrecht - die könnten eher auf ihren Schuß verzichten als wir auf Öl.

  2. eine quittung könnte nur ausgestellt werden von jemandem der eine rechnung stellt, nicht wahr. da aber oppositionelle garnicht erst zur wahl zugelassen werden ist nicht zu erwarten das sich irgendetwas ändert, politisch.
    was sonstige änderungen betrifft kann ich mir immer noch vorstellen, daß es irgendwann zu "störfällen" in iranischen industrieanlagen, bzw. atomanlagen kommt um die bedrohung durch ein wie auch immer existierendes atomprogram abzuwenden. ich bin schon sehr gespannt.

    • 14.03.2008 um 12:27 Uhr
    • issa

    Hier bei uns sagt man WAS der BAUER nicht kennt ISST er nicht.
    Bis jetzt Deutschlands ganze Medien nennen Iran und den iranischen President als Dektator oder Achse der Bösenangehörigen !
    Wenn ein Regim, nicht in unsere Politik passt dann ist das der Test für neue Wege in unserer Außenpolitik, obwohl wir an der außenwirtschaftlischen Politik weltweit und insbesondere an islamischen Ländern 100 prozentig hängen. Aber warum passt die islamische Republik Iran nicht an uns? Weil, Der Islam, der spur der 12 Imamen folgt! Warum gefällt dem Westen ein "schiitischer" Islam nicht?
    Wenn wir den islam nicht kennenlernen wollen, dann müssen wir ihn nicht als "ACHSE des Bösen" bezeichnen.
    So wäre die Logik...
    So sagen es Die positiven Denker,...
    so sagt Derjenige es, der sich selbst nicht belügen will...
    Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
    2. Der Reichtum zusammengeschart hat und ihn berechnet Mal um Mal.
    104. Der Skandalöse Händler (Al-Humazah)

  3. Das war noch ein toler Begriff, und immer noch fragen sich Leute warum der iranische President s viel dafür getahn hat das ihn den preis jder gern verleihen würde. Es hätte ja auch einfach den Mund halten können und seine Träume von nuklearen Auslöschen Israels für sich behalten. So sollte sich das Volk, wenn sie ihn denn bestätigen, darauf gefast machen das man ihn nachher nicht glauben will wenn es sagt das es ja nur Ausgenutz wurde und nichts machen konnte. Es sollte wohl jeden klar werden das wenn der Iran kein Öl hätte er schon Länge komplet isoliert wäre duch sein Äuserungen, nun sollte das volk wenn es dann reden wil ldieses auch zeigen, auch ein Wahlbojkot könnte eine solche Achricht nach ause darstellen.

    • 15.03.2008 um 21:00 Uhr
    • issa

    3 Verse aus der Quran entscheidet die Zukunft Israels
    Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
    47. O ihr Kinder Israels! gedenket Meiner Gnade, die Ich euch erwiesen, und daß Ich euch erhob über die Völker. 48. Und fürchtet den Tag, da keine Seele als Stellvertreterin wird dienen dürfen für eine andere Seele, da keine Fürbitte für sie gelten und kein Lösegeld von ihr genommen werden wird; und es wird ihnen nicht geholfen werden. 49. Und (gedenket der Zeit) da Wir euch erretteten von Pharaos Volk, das euch mit schlimmer Pein heimsuchte; sie erschlugen eure Söhne und schonten eurer Frauen; und darin war eine schwere Prüfung für euch von eurem Herrn.

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  • Von Ulrich Ladurner
  • Datum 14.3.2008 - 03:48 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
  • Kommentare 6
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