Uruguay
Stadt der Traumtänzer
Montevideo lebt in seinem eigenen Rhythmus: Immer schön langsam. Gestressten Europäern gefällt das gut
Der Name, ein Versprechen: Montevideo, Hauptstadt von Uruguay. Vom Wind gezaust, vom Wasser belagert, von der Sonne gegerbt. Eine Hafenstadt ohne jede Eitelkeit. 1,3 Millionen Einwohner, eine Million Bäume, verteilt auf eine hässliche Front zum Meer, auf großzügige Alleen und heruntergekommene Straßen.
Europäer sind angetan von der Stadt, die klein und unscheinbar neben der großen Schwester Buenos Aires liegt. In der Pferdekutschen den Puls angeben, dunkle Barstuben jahrhundertealte Geheimnisse hüten und Männer den Thermoskrug, aus dem sie zu jeder Stunde ihren Matetee aufgießen, zärtlich wie ein Baby herumtragen. Die Europäer genießen die raue Melancholie der Einwandererstadt, die freundlich und offen ist gegenüber den Fremden, aber misstrauisch gegenüber den Moden, die sie mitbringen.
Kürzlich erst haben die Bewohner Uruguays den Versuch ihrer Regierung abgeschmettert, nach dem Vorbild Argentiniens staatliche Einrichtungen wie Post und Telefondienst zu privatisieren. Und auch ihre Hauptstadt zeigt sich bisher resistent gegen die gleichmacherischen Folgen der Globalisierung. Kaum eine Luxusmarke hat in Montevideo ihren Ableger, kein Label verschwendet Geld für große Werbeplakate. »Du bist das Buenos Aires, das wir einmal hatten und das sich mit den Jahren leise davongemacht hat«, so schrieb der Argentinier Jorge Luis Borges über Montevideo.
Es fehlt allerdings nicht an Leuten, die behaupten, die Standhaftigkeit habe wenig mit dem Charakter der Stadt zu tun, aber viel mit ihrer Armut. Montevideo hat seine besten Jahre hinter sich, der Traum von sozialem Fortschritt und sozialem Frieden ist in Uruguay lange ausgeträumt, und möglicherweise verbirgt sich hinter der reizenden Melancholie Montevideos, hinter dem menschlichen Tempo und dem sympathischen Hang zu ausgedehnten Ruhepausen eine tiefe Depression. Auch dagegen haben die Einheimischen ihre Mittelchen gefunden.
Eines heißt medio-medio, gemischt aus trockenem Weißen und süßem Schaumwein. Ein anderes ist der international berühmte Rotwein aus der Tannatrebe, die ein Einwanderer einst aus Frankreich mitgebracht hat. Und wenn das alles nicht hilft, gibt es noch den grappamiel, einen mit Honig gesüßten Grappa.
Es fehlt auch nicht an Einrichtungen, um sich damit das Herz zu erwärmen, Kneipen, alte Hotelbars, Gaststuben, die kein Designer je angerührt hat. In der Altstadt liegt die Bar Fun Fun, wo vor Jahren Carlos Gardel seinen Tango sang und wo seine Lieder bis heute weiterleben, in einem Musiker, der abends sein Akkordeon auspackt, in einem alten Paar, das wie verzaubert zwischen den Holzstühlen tanzt.
Der Tango wurde an den Ufern des Rio de la Plata erfunden. In der Nachbarstadt Buenos Aires wird der Tanz als touristische Attraktion wiederbelebt. In Montevideo lebt er weiter. Im Fun Fun oder in der Bar Iberia, in der vor fünfzig Jahren russische Seeleute jeden unter den Tisch soffen. Und dann gibt es am Ende der Straße Sarandi noch die Spelunke von Neves Fraga. Gegen siebzig geht die Frau, seit 1972 steht sie an der Theke, die zugleich ein Laden ist für allerlei Fischereiartikel. Sie verkauft auch Köder für die Fischer, und wenn sie die paar verkrümmten Sardinen in der Auslage bis abends nicht los wird, frittiert sie das Zeugs für den eigenen Gebrauch.
Auf dem Grill liegt alles, was das Rind hergibt
Von Neves Fragas Kneipenladen aus kann man dann weitergehen zum Wasser hinunter, das die Einheimischen Meer nennen und ihre argentinischen Nachbarn Fluss, die breite Mündung des Rio de la Plata, und man kann über eine prekäre Mole, an Dutzenden von Fischern vorbei, einen Kilometer weit hinaus. Und wenn man zurückschaut, hat man die ganze Geschichte der Stadt vor Augen. Man sieht den Hügel, der ihr den Namen gab, aus nicht ganz geklärten Gründen. »Monte vidi eu!«, soll ein portugiesischer Mastgucker ausgerufen haben, als er die Erhöhung erspähte. Der sechste Hügel von Ost nach West, behaupten andere, »Monte VI e o« in der Schreibweise der alten Kartografen, liege dem Namen zugrunde.
Man sieht die Bucht, erahnt ihren strategischen Wert, der den spanischen König bewog, seinem Stellvertreter in Buenos Aires die Gründung einer Stadt auf der andern Flussseite zu befehlen. Die ersten Siedler, die 1726 die Fahrt übers Wasser wagten, bekamen ein Grundstück und das Recht, sich Herr zu nennen.
Man sieht den Hafen, lange von Spaniern, Engländern und Portugiesen umkämpft, heute der Hauptumschlagplatz des südamerikanischen Binnenmarktes Mercosur. Man sieht das historische Viertel, auf drei Seiten von Wasser umgeben. Die Ramblas, die lange Strandpromenade, Sauerstoffdepot und Freizeitvergnügen der arbeitenden Bevölkerung. Man sieht, wie sich die Stadt ostwärts ausbreitete, dem Ufer entlang, und wie ein paar wenige neue Hochhäuser versuchen, großstädtisches Flair zwischen Lagerhallen und Strandburgen zu tragen.
Aber die Wärme der Stadt erschließt sich nicht dem Blick von außen, man muss hinein in die Geschichte, hinein in den Markt am Hafen, dessen gusseiserne Hallen in Liverpool in Auftrag gegeben wurden, 1865, als Montevideo eine blühende Einwandererstadt war.
Um diese Zeit wurde hier das erste Theater in Lateinamerika gebaut, wurden die ersten Filme der Brüder Lumière gezeigt, legten französische Gartenbauer großzügige Parks an. 1904 schließlich schlugen die städtischen Einwanderer einen Aufstand der konservativen Landbevölkerung nieder und machten Uruguay zu einer der fortschrittlichsten Nationen der Welt: Acht-Stunden-Arbeitstag, Stimmrecht für die Frauen, kostenloser Unterricht für alle, Trennung von Staat und Kirche.
Der Markt am Hafen beherbergt eine Reihe von kleinen Restaurants, die alle ein Holzfeuer am Zucken haben. Die Glut erhitzt einen riesigen Grillrost, auf dem alles liegt, was das Rind hergibt, von den Schweißdrüsen bis zum Schwanz. Die Grillkunst ist das Erbe der Gauchos, die Fleischproduktion nach wie vor die große Stütze der Exportwirtschaft.
In einer Ecke versteckt liegt der Schuppen von Dona Selva, der Einzigen, die hier Fisch verkauft, vom Grill oder in der Suppe. 64 ist sie und hat seit acht Jahren keine Ferien mehr gemacht. Bis zu ihr dringen die Touristen der Kreuzfahrtschiffe nicht vor, die Montevideo immer häufiger anlaufen. Zu Selva kommen die traurigen Liebhaber vergangener Zeiten, und nach dem ersten oder zweiten Glas Weißen kommt die unweigerliche Frage auf den Tisch: Was, um Himmels willen, ist aus uns geworden?
»Wir träumen«, sagt Enrique, der Arzt, »wir träumen immer noch von der Stadt, in der es kein Elend gibt und keinen übertriebenen Reichtum und alle Bewohner ihre drei Monate Sommerferien am Strand verbringen. Und derweil verlassen jährlich 26000 junge Leute das Land, um andernorts Arbeit zu suchen.« – »Wir lassen«, sagt Marcelo, der Maler, »das Leben langsam an uns vorüberziehen. Wir müssen einen anderen Rhythmus finden, und das fällt uns schwer.« Und Daniel, der Priester, sagt: »Es gibt keine soziale Utopie mehr, die uns ein gemeinsames Ziel setzt. Seit den sechziger Jahren, seit den goldenen Zeiten des Fleischexports, bricht die Gesellschaft auseinander.«
Auch das ist, gemessen an der sozialen Polarisierung, die in den Nachbarländern stattgefunden hat, ziemlich übertrieben. Gewalt und Kriminalität halten sich in Grenzen; nach wie vor profitiert ein großer Teil der Bevölkerung von einem vorbildlichen staatlichen Bildungssystem.
Den Zerfall der Altstadt hat der linke Bürgermeister Mariano Arana in den neunziger Jahren mit Renovierungskrediten und einer neuen Fußgängerzone gebremst. Das historische Zentrum ist wieder zum viel besuchten Ausgehviertel geworden. Und Arana, der ehemalige Bürgermeister, beobachtet jetzt als Wohnbauminister, mit Wohlgefallen, wie Europäer und Kanadier die Häuschen kaufen und erhalten, die der heimische Mittelstand sich nicht mehr leisten kann. »Montevideo«, sagt er, »hat seinen familiären Charakter erhalten, und die große Metropole haben wir vor der Haustür: Buenos Aires.«
Regina Rebmann kam schon 1980 zum ersten Mal nach Montevideo, eine Krankenschwester aus dem Badischen, sie verliebte sich, 1995 war sie eine Pionierin bei der Rückeroberung der historischen Stadt, eröffnete das Café Bacacay gegenüber dem Theater Solis, dem ältesten Lateinamerikas. Ihre schmucklose Taverne ist zum Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen geworden, der Sänger Jaime Roos hat hier seinen Stammplatz, die Schriftsteller Mario Benedetti und Eduardo Galeano sind regelmäßige Gäste.
Sonntags trifft sich die ganze Stadt auf dem Markt von Trastan Narvaja
Regina Rebmann erschrickt fast, wenn jetzt all die Ausländer zu ihr kommen, die auf der Flucht vor dem Stress der Globalisierung die stille Behaglichkeit Montevideos entdecken. Denn gerade das, was die Besucher an Montevideo so schätzen, bringt Regina inzwischen zur Verzweiflung: Seit er ihnen vor hundert Jahren eine vorbildliche soziale Gesetzgebung gab, glauben die Uruguayer an ihren Staat; dieser Staat beschäftigt heute ein Sechstel der arbeitenden Bevölkerung, 250000 Beamte, welche die Bürokratie am Leben erhalten und dafür sorgen, dass niemand den Kopf zu hoch trägt, der sich als kleiner Unternehmer selbstständig macht.
Montevideo, sagen die Einheimischen, ist wie eine Hand, die sich fest in den Kontinent stützt, der Daumen ist die Altstadt, die ins Meer ragt, und die Finger sind die vier breiten Straßen, die in die Vororte und aufs Land hinausführen.
Eine von ihnen, die Avenida 18 de Julio, ist Ausgangspunkt eines der liebenswertesten Spektakel, die Montevideo zu bieten hat, des Markts von Tristan Narvaja. Jeden Sonntag zwischen 8 Uhr morgens und 16 Uhr legen die Leute an Hunderten von Ständen, über viele kleine Straßen verstreut, aus, was sie nicht mehr brauchen: zerschlissenes Kinderspielzeug, Schallplatten, Fahrradketten, manchmal auch nur ein paar Schrauben und Nägel. Die ganze Stadt trifft sich an diesem Markt, weniger um zu feilschen, als sich im friedlichen Gefühl zu bestätigen, dass die Gegenwart schöner ist mit dem Rost der Vergangenheit.
Information
Anreise:
Einen direkten Flug gibt es von Madrid aus, sonst führen die Verbindungen über Rio de Janeiro, São Paulo oder Buenos Aires. Von Buenos Aires aus kann man Montevideo günstig mit der Fähre oder über den Landweg erreichen
Hotels:
Hotel Four Points, Ejido 1275, Tel. 00598-2/9017000,
www.starwoodhotels.com
. 135 Zimmer und ein schöner Blick über die Stadt von der Dachterrasse aus, DZ ab 100 Euro
Hotel Plaza Fuerte, Bartolomé Mitre 1361, Tel. 00598-2/9156651,
www.plazafuerte.com
. Der Charme der Belle Époque in der Altstadt, der Lift hinauf ins Pub im obersten Stock ist ein schönes Beispiel für die in Montevideo gepflegte Kultur der Langsamkeit. DZ ab 70 Euro
Sehenswert:
Mercado del pueblo (Piedras 237). Die alte Markthalle am Hafen beherbergt einige der besten Restaurants der Stadt, und in einer versteckten Ecke bereitet Doña Selva ihre Fischspeisen zu
Tango:
In der Bar Fun Fun (Ciudadela 1229, Tel. 00598-2/9158005,
www.barfunfun.com
) spielen abends von 22 Uhr an Live-Musiker. Unterricht gibt es im Mercado de la Abundancia (San José 1312) und bei Doña Margot (Constituyente 1812). Ihre Wohnung wird abends auch zum Treffpunkt der Tango-Tänzer
Bars:
La Giraldita (J. Benito Lama 2745, Tel. 00598-2/7099997). Typische Altstadtbar mit dem dazugehörigen Laden
Bar Iberia (Calle Uruguay, Ecke Florida). Traditioneller Treffpunkt der Seeleute
Café Brasileiro (Ituzaingo). Kaffeehaus-Gefühl und Erinnerung an prachtvolle Zeiten im Zentrum der Stadt
Bar Bacacay (Bacacay 1310, Tel. 00598-2/9166074,
www.bacacay.com.uy
). Treffpunkt der Künstler und Intellektuellen
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www.zeit.de/audio
- Datum 13.3.2008 - 05:21 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
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Betr.:
Stadt der Traumtänzer Der
Bericht von Herr Leuthold war eine Aneinanderreihung seichtester Klischees der
übelsten Sorte. Rudimentäre erste Welt Überheblichkeit. Duktus,
Ballermann-Reif. Nehmen
wir an, ein Uruguayer besucht Bayern und würde über München so berichten wie
Herr Leuthold, käme vielleicht etwas vergleichbares wie folgt heraus: „Deutsche
Männer laufen fast alle in kurze Hosen aus Leder herum, ohne Socken, tragen
Hemden, die aussehen wie aus Tischdecken hergestellt und ein Hut mit Rasierpinsel.
Das Volk ernährt sich hauptsächlich von blass aussehenden, nach nichts
schmeckenden Würste, dazu eine süße gelbe Paste und eine Art Brot,
trocken, wie ein offener Knoten der
bedeckt ist von eine dicke Schicht Salz. Der
ganztägige Bierkonsum lässt vermuten, dass die meisten Einheimischen
Alkoholiker sind. Das Straßenbild ist geprägt von Menschen, wie oben
bekleidet, die stets ein von den
Proportionen her viel zu flachen Hund, mit kaum Beinen, an der Leine führen
bzw. zerren, kaum das Tempo der Leineziehenden
mithalten können und fast erwürgt werden. Der Berichterstatter wundert sich,
dass Institutionen wie Greenpeace oder WWF sich nicht schon längst
diesbezüglich über öffentliche Tierquälerei beschwert haben. Eine
interessante Lieblingsbeschäftigung des einheimischen Naturvolkes, welche sehr
gepflegt wird, nennt sich „jodeln“ und klingt wie eine prähistorische orale
Kommunikationsart, dass eventuell zur Paarungszeit verwendet wurde. Diese
altertümliche Ursprache wurde im lauf der Zeit, vermutet der Chronist,
zusätzlich mit Musik untermalt, vielleicht aus Marketinggründen um es den
Touristen akustisch erträglich zu machen.“ Der
Bericht könnte so weitergehen, glaube allerdings dass die Botschaft klar ist. Na,
wie fühlt sich die deutsche Leserschaft? Wenn sich das Teil zwischen Kopf und
Schultern sich beim lesen ausgedehnt hat, habe ich mein Ziel erreicht.
Hola Enpedocles,<......Klischees der übelsten Sorte. Rudimentäre erste Welt Überheblichkeit.>Nun, ob das die passenden Worte zu dem Bemuehen von Herrn Leuchthold sind, will ich auch bezweifeln.Sicherlich, wenn man den Artikel in Ruhe reflektiert, hat man den Eindruck, der Verfasser ist selten bis nie aus der Altstadt herausgekommen. Und den Charme, den er den Kneipen in der Ciudad Vieja unterstellt, habe ich auch noch nicht entdeckt. Jene Tangoromantik zwischen den Stuehlen und die Fischkoedermalzeit, ich glaube auch nicht, dass man damit "Montevideo" richtig beschreibt. Fuer mich hat der Artikel eher so einen touch von Studienrat Info aus der Ferne. Ein paar Daten aus dem Lexikon mit Gardel, Liverpool und der immer wieder zitierten Krankenschwester machen daraus auch kein Montevideo. Tristan Narvaja - na klar, alte Fahradketten und neue Programmkopien, die alle mit Viren verseucht sind.Medio-medio, das ist ein weiteres Indiz, dass Herr Leuchtholz offensichtlich selten aus der "Mercado del Puerto" Idylle herausgekommen ist. Bestellen sie diese Kopfwehpansche irgendwo in der Stadt - die Antwort wird sein: no hay!Aber, wie beschreibt man Montevideo denn nun richtig?Sicherlich nicht mit dem Klischee der hervorragenden Schulbildung. Diese immer wieder abgeschriebene Version vom "europaeischen Montevideo" ist Quatsch. Man sollte sich zu diesem Punkt eher bei "MIDES" (Sozialministerium) informieren, mit welchen Tricks man dort versucht, die Kinder in die Schule zu bekommen.Weltenbummler behaupten, noch nie eine Stadt gesehen zu haben, in der 7000-10000 Pferdekarren in der Millionenstadt taeglich aus den Muellkontainern Abfall aussortieren.(selbstverstaendlich auch mit Kindern)An der Rambla (Uferstrasse) gibt es drei Restaurants. (Ché Montevideo, Viejo del Mar, Atlantico) Aber wer haette auch fuer mehr Lokalitaeten das Geld zum ausgeben? Vielleicht ist es ja auch gut, dass dadurch nicht eine Mallorcastruktur entsteht...Zurueck zur Zentralfrage - was ist Montevideo?Ganz sicher eine Mixtur aus Arm und Reich! In den grossen Supermercados gibt es wirklich alles, was z.B. das deutsche Herz begehrt. (Preis entsprechend logischerweise) An den grossen Strassenkreuzungen stehen die Jungs, die die Windschutzscheibe putzen wollen od. bereits Kinder, die mit drei Baellen jonglieren fuer ein paar Pesos. Die bekannte Nummer mit dem Baby auf dem Arm an der Ampel od. 18 de Julio, um Pesos fuer "leche" (Milch) zu erbetteln, macht das Flair auch nicht aus.Der Ankoemmling wird sicher von der Architektur aus "goldenen Zeiten" gefangen genommen. Da ist doch was - da muss doch was sein!Aber wie ueberall, hinter den Kulissen ist garnichts sonderliches.Der Uruguayer - und dazu gehoert der "Montevideo-aner" ja auch, bezeichnet sich selber als "Grau" - also eher triste. Der Humor geht eher ueber: 1 x 1 denn ueber 2 x 2. Das waere schon zu kompliziert...Das vom Landwirtschaftsminister "Pepe" Mujica iniziierte Programm fuer die Staedter:" Fleisch fuer Alle", kolportiert sich dadurch, dass man an eine Mauer in grossen Lettern schreibt: Das Fleisch vom Pepe ist fettiger, als der Hund vom Schlosser. (also eher Muell)Was der Kommentator bei seinem "Kuh-Bericht" weglaesst, ist, dass die Viecher so zaeh sind und eine Gefahr fuer "dritte Zaehne" darstellen. Jeder weiss, dass das sogenannte "gute Fleisch" in den Export geht und der Mist hier auf dem Grill landet.Das waere ja auch noch nicht so schlimm, aber man hat den Eindruck, als waere die Kuh gerade geschlachtet und landet ohne jegliche "Behandlung" (z.B. marinieren) auf dem Grill. Dafuer werden Unmengen von Holz verbrannt um mit der dann entstandenen Glut das Fleisch zu grillen. (wenn "dunkelbraun" - dann fertig, und natuerlich zaeh)Also mal ein bisschen positiv! Die Infrastuktur der Buslinien ist ausgezeichnet. Man kommt wirklich ueberall hin fuer ca. 16 Pesos. Die Taktfrequenz ist in der rush-hour auch prima. Dass die Haelfte ohne Cat faehrt, weil dadurch "ein paar Liter Diesel" gespaart werden koennen - wie man sagt - interessiert niemanden. (Laerm ist gottgegeben.) - Aber auch das gehoert zu Montevideo und der eilige Tourist wird es womoeglich nicht wahrnehmen: 99% aller Autos haben ein Alarmanlage, die meistens schon beim Vorbeifahren anderer Autos (Windstoss) anspringt. Der tierische Krach interessiert absolut niemanden und hoert, wenn man Glueck hat, nach einer halben Stunde auf. Nachts ist das besonders attraktiv, wenn vor der Haustuer bis zum Erschlaffen der Batterie dieses Sirenengetoese ablaeuft) Die Polizei interessiert das absolut nicht und das Argument fuer die "Alarmanlage" ist: Beim Vorhandensein derselben ist die Autoversicherung billiger.Fast waere man geneigt zu sagen: Montevideo ist Leben und Leben lassen....Relativ guenstige Kultur, Straende, Ablenkung (Shopping Center mit Kinos und Mc Donald), Busterminal, Spielcasinos (die einzigsten auf der Welt, die "Verlust" gemacht haben!! - daemmerts?)Und da sind die Unmengen von Schildern: "Vendo" (zu Verkaufen) Auch wenn man uebers Land faehrt. Man hat den Eindruck, Uruguay ist zu verkaufen.Nachdem die Linksregierung 2007 eine ruckartige Steuererhoehung fuer Grundeigentum und Gehalt eingefuerht hat, ist das ueberall zu spuehren. Der Lebenskostenaufwand ist ueber den Daumen ca. 50% gestiegen.Wenn der Autor schreibt, dass 26000 junge Leute jaehrlich das Land verlassen, ist das der "interessanteste" Aspekt des Artikels. Neulich sagte mir ein Taxifahrer mit schwarzem Humor: In 15-20 Jahren sind wir Uruguayer die Touristen in Uruguay.Und die Anzahl an Beamten, die vom Staat "halbwegs" ernaehrt werden, machen die Produktivitaet des 3 Millionenvoelkchens auch nicht besser. Aber gut, auch das ist nicht Montevideo....Und wenn der "Deutsche" mit der "ultimativen Idee": ....da machen wir eine Kneipe auf! - nach Montevideo kommt, sollte er ganz sicher sein Rueckflugticket bei sich tragen. Dass praktisch alle Sonderangebote mit Ragenzahlungen ohne! Zinsberechnung laufen, sollte klar machen, wieviel Geld im Umlauf ist.Die Taxifahrt - ja, das ist Montevideo, gestaltet sich so, dass der Fahrer nach dem Weg fragt. Und nachdem der Fahrerbereich von der Rueckbank durch eine "sichere" Glasscheibe getrennt ist, gestalten sich die VW´s od. Chevrioletts und Fiats so, dass man ueber 1,70m Groesse besser ein Schlangenmensch als Fahrgast ist.Was Montevideo sicherlich nicht ist, eine Stadt der "Traumtaenzer". Sollte die Formulierung sich auf Illusionisten beziehen - auch dann glaube ich, ist es nicht praezise. Eher, die "stillen Dulder".Aber, wie bei jeder grossen Stadt in der "Fremde", ich glaube keine Beschreibung wird der Realitaet gerecht. Loesung? Kommen - positive Ferienstimmung im Gepaeck - Pesos nicht unerwuenscht - nicht zuviele Illusionen - (Einheimische tragen die Geldboerse oft unter der Unterhose) - Frauenjaeger waehlen besser Rio de Janeiro - eine Tour uebers Landesinnere nicht ausschliessen - Spanischkenntnisse sehr, sehr willkommen.Die Variante mit der Bayernbeschreibung hat mir als Muenchner sehr gut gefallen.To whom it may concern....Saludos a todos los Alemanes...Pocitos
Wenn man nur ein kurzes Wochenende in Montevideo verbringt, noch dazu einen ausgestorbenen Sonntag Nachmittag in der Ciudad Vieja, so kann man durchaus den Eindruck einer verschlafenen und verträumten Stadt bekommen. Und ja, die Geschwindigkeit des Lebens ist in Uruguay wirklich geringer als hier in Deutschland, aber im Inland doch viel extremer als in Montevideo. Der Autor ist aber bestimmt nicht in den Straßen von Pocitos und Punta Carretas herumgelaufen, dort finden sich viele moderne Bars und Restaurants. Außerdem sollte man am späten Nachmittag bei schönem Wetter die Rambla Mahatma Gandhi entlang spazieren, wo Massen von Studenten mit ihrem Mate auf der Mauer sitzen. Überhaupt ist diese Stadt als einzige wirkliche Universitätsstadt in Uruguay so voll von jungen dynamischen Leuten, die kann man doch gar nicht übersehen! Montevideo ist also definitiv nicht nur eine Stadt der Alten und Melancholischen. Außerdem möchte ich hiermit auf einen Fehler in den Reisetipps hinweisen. Der dort empfohlene "Mercado del Pueblo" (also "Volksmarkt") ist ja wohl der "Mercado del Puerto" (bedeutet "Hafenmarkt"). Dass das den "Kennern" von Montevideo nicht aufgefallen ist? Man sieht, wie sehr noch hingeschaut wird beim Lesen... Woher ich mein Wissen habe? Ich bin jetzt 21 Jahre alt und habe mit 17 ein Austauschjahr in Uruguay verbracht. Seitdem kehre ich jedes Jahr zurück, um dieses wunderbare kleine Land und meine Freunde dort zu besuchen.
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