Deutschtürken

Wir wollen hier rein!

Die Deutschtürken fühlen sich unerwünscht. Sie möchten gern dazugehören und fürchten doch den Identitätsverlust

Ein paar Momentaufnahmen aus einer umkämpften Zone: Jeder zweite Deutschtürke hat das Gefühl, in Deutschland unerwünscht zu sein. Doch zwei Drittel sagen auch: Es war alles in allem gut, dass meine Familie hierhergekommen ist. Die überwältigende Mehrheit der Türken in Deutschland wünscht sich, dass auf ihre Eigenheiten mehr Rücksicht genommen wird. Doch fast die Hälfte hat Schwierigkeiten mit der Vorstellung, einen deutschen Schwiegersohn oder eine Schwiegertochter zu akzeptieren. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag der ZEIT durchgeführt hat. Wir haben versucht, die Gefühlswelt der Bürger zu vermessen, die einen »türkischen Migrationshintergrund« haben. Und weil das so ein hässliches Wort ist, das den Krampf der deutschen Debatte schon in sich trägt, sprechen wir lieber von den Deutschtürken.

Nach den Ereignissen der letzten Wochen konnte man ahnen, dass ein Aufruhr in den Köpfen und Herzen der Deutschtürken tobt. Gleich zweimal in kurzer Zeit war die Trennlinie zwischen »den Deutschen« und »den Türken« neu gezogen worden. Auf Roland Kochs Kampagne gegen »kriminelle Ausländer« folgte Recep Erdoğans Vereinnahmungsfeldzug nach dem Brand von Ludwigshafen.

Wie verorten die Deutschtürken sich selbst? Wie sehen sie Deutschland? Wo liegen ihre Loyalitäten? Wie deutsch sind sie selbst geworden, wie viel Türkisches haben sie bewahren können? Fühlen sie sich durch deutsche Politiker vertreten und ernst genommen? Unsere Umfrage ergibt das Bild einer Gruppe, die zwischen Zu- gehörigkeitswünschen und Selbstverlustängsten zerrissen ist.

Man will anerkannt werden, fürchtet aber, dass dies nur um den Preis der Selbstaufgabe möglich sei. Die Deutschtürken haben ein mehrheitlich positives Bild von Deutschland und nehmen – vielleicht ebendarum – erschrocken und teils trotzig zur Kenntnis, dass dies nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Nicht nur die erste, auch die zweite Generation sieht sich in erschreckendem Maß als unerwünscht. Irritierend sind jedoch auch die selbstabschottenden Gegenreaktionen darauf – womöglich Kompensation empfundener Missachtung.

Mehr als die Hälfte der Befragten stimmen der Aussage zu: »In Deutschland fühle ich mich als Türke, in der Türkei als Deutscher.« Auch unter den Hochqualifizierten und unter den jungen Leuten findet sich diese gespaltene Identität. Es muss nicht in jedem Fall ein unglückliches Bewusstsein damit verbunden sein. Durchaus möglich, dass manche auch ganz bequem mit den beiden Zugehörigkeiten leben. Aber eine gute Grundlage für ein neues Wir in Deutschland ist das nicht.

Eine unserer Fragen rührt an den politischen Kern des Integrationsproblems. Sind die Deutschtürken Teil der hiesigen Öffentlichkeit, fühlen sie sich repräsentiert? Angela Merkel hat gesagt, sie sei auch die Kanzlerin der hier lebenden Türken. Wir wollten wissen, wie glaubwürdig die Deutschtürken diesen Anspruch finden.

Das Ergebnis ist niederschmetternd für eine Regierungschefin, die Integrationsgipfel und Islamkonferenz unterstützt: 78 Prozent der Deutschtürken empfinden Angela Merkel nicht als ihre Kanzlerin. Bei den Frauen sind es sogar 83 Prozent. Und unter den Türken mit deutschem Pass steigt die Ablehnung auf 85 Prozent. Ist das die Quittung für Angela Merkels Unterstützung des Koch-Wahlkampfes? Spiegelt sich darin eine rückwärtsgewandte Fixierung auf das Herkunftsland, die von türkischen Medien und Politikern nach Kräften befördert wird? Für das »Integrationsland Deutschland«, wie die CDU es neuerdings nennt, ist es ein dramatischer Befund.

Zwei Drittel glauben, man könne guter Muslim und Deutscher sein

Er wird untermauert durch das Gefühl, kulturell nicht angenommen zu werden: 89 Prozent der Deutschtürken sind der Meinung, die deutsche Gesellschaft solle »stärker auf die Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen«. Und ganze 93 Prozent finden es »wichtig, dass die Türken in Deutschland ihre eigene Kultur bewahren«. In der starken Betonung des Eigenen kann man ein Echo der Aufforderung Erdoğans vernehmen, die Türken sollten sich nicht »assimilieren« lassen. Immerhin: Für die unter 24-Jährigen ist das nicht so wichtig. Nur 55 Prozent von ihnen und nur 49 Prozent der Abiturienten stimmen »stark zu«.

Sind die dennoch bemerkenswert hohen Zahlen ein Zeichen der Selbstabgrenzung, oder stehen sie für ein kulturelles Selbstwertgefühl, das per se nichts Schlechtes sein muss? Ist das Beharren der Deutschtürken auf der eigenen Kultur etwas Normales, das nur den Deutschen mit ihrer Neigung zur nationalen Selbstkritik und -verleugnung aufstößt? Im Stolzgefälle, das unsere Umfrage aufweist, haben Deutsche und Deutschtürken etwas, das sie aneinander befremdet.

Zwei Drittel der Befragten – 65 Prozent – sind der Meinung, man könne »gleichzeitig ein guter Muslim und ein guter Deutscher sein«. Bei Männern ist diese Meinung weiter verbreitet (72 Prozent) als bei den Frauen, wo sie nur jede Zweite teilt. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass es falsch ist, von Türken und Muslimen zu reden, als wären dies deckungsgleiche Gruppen. Große Teile der Deutschtürken haben offenbar eine erhebliche Distanz zur Religion. Bedenken über die Vereinbarkeit von Islam und westlicher Moderne sind keineswegs nur in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, sondern auch bei den Einwanderern selbst festzustellen – und bei den Frauen in erhöhtem Maß. Für die Islamkonferenz, die hauptsächlich die Vertreter der orthodoxen Richtungen des Islams zu Wort kommen lässt, ist das ein nützlicher Hinweis darauf, dass die organisierten Muslime nicht als Sprecher aller Deutschtürken verstanden werden können.

Wie stehen die Deutschtürken zu der Kardinalforderung der Integrationsdebatte, gute Sprachkenntnisse seien der Schlüssel des Erfolgs? Satte 83 Prozent unterschreiben die These. Offenbar haben die Deutschtürken andere Prioritäten, als Erdoğan suggerierte, als er zur Gründung türkischer Schulen und Universitäten in Deutschland aufrief. Das klare Votum für Deutsch als Verkehrssprache ist eine stille Anerkennung der Notwendigkeit eigener Integrationsleistungen und mithin der Politik des Förderns und Forderns.

Zu den ermutigenden Befunden zählt des Weiteren, dass 41 Prozent der Deutschtürken angeben, mindestens zur Hälfte deutsche Freunde zu haben. Mit höherem Bildungsabschluss nimmt der Anteil noch zu. Die getrennten Welten beginnen sich also zu mischen, und das Bildungssystem ist immer noch – trotz der ethnischen Entmischung an vielen Schulen in unseren Großstädten – ein Katalysator dieser Entwicklung.

Einen deutschen Schwiegersohn fände jeder Zweite problematisch

Wie aber sieht es auf dem türkischen Heiratsmarkt aus, der durch Berichte über Importbräute und Zwangsehen in Verruf gekommen ist? Die Bereitschaft zur interkulturellen Ehe ist ein wichtiger Indikator für die Integration. Wir wollten darum wissen, wie die Deutschtürken es finden würden, eine deutsche Schwiegertochter oder einen deutschen Schwiegersohn zu bekommen. Nahezu die Hälfte der Befragten gab an, Probleme damit zu haben. Wobei die über 60-Jährigen erstaunlicherweise am offensten sind und die 25- bis 34-Jährigen mit 55 Prozent die größte Reserve zeigen. Die zweite Generation der türkischen Einwanderer igelt sich stärker ein als die erste. Immerhin lassen die Berührungsängste mit steigendem Bildungsniveau stark nach.

Wie sieht das Fazit der Deutschtürken aus? »Alles in allem war es richtig, dass meine Familie nach Deutschland gekommen ist«: Knapp zwei Drittel stimmen dieser Aussage zu. Das ist kein schlechtes Ergebnis, doch der Blick aufs Detail zeigt auch alarmierende Tendenzen. Den über 60-Jährigen fällt es nämlich auch hier deutlich leichter, sich zu Deutschland zu bekennen, als den 25- bis 34-Jährigen. In der zweiten Generation – die die Türkei meist nur aus dem Urlaub kennt – haben viele ein ambivalentes Verhältnis zu Deutschland. Sie träumen sich weg in die Zugehörigkeit zur imaginären Heimat Türkei.

Deutschland gelingt es nicht, die Gebildeten unter den türkischen Einwanderern für sich zu gewinnen: Mit steigender Bildung sinkt die Neigung, die Einwanderung als Erfolgsgeschichte zu bilanzieren. Dies spiegelt sich wider in der Reaktion auf die Aussage: »Deutschland ist ein weltoffenes Land, in dem es jeder unabhängig von der Herkunft zu etwas bringen kann.« Auch hier sind die Höhergebildeten die Skeptischsten: Nur jeder fünfte Befragte mit Hochschulreife hält Deutschland für ein Land der Chancen. Im Schnitt jedoch stimmen immerhin zwei Drittel der Deutschtürken diesem Satz zu. Damit liegen sie über dem deutschlandweiten Trend: Der Glaube an die Chancengerechtigkeit kommt auch zunehmend den Alteingesessenen gründlich abhanden, wie alle Umfragen zeigen.

Auf dem Weg zu einem neuen Wir, das zeigt unsere Umfrage, stehen wir erst am Anfang. Es gibt aber eine Reihe von Deutschtürken, die dabei vorneweg marschieren. Sechs von ihnen bekennen sich auf den folgenden Seiten zu einem Deutschland ohne ethnische Mauern. Der 38-jährige Ali Ertan Toprak aus Recklinghausen, der mit zwei Jahren nach Deutschland kam, vertritt heute als Generalsekretär die Glaubensgemeinschaft der Aleviten. Toprak scheut das Pathos nicht: »Ja, ich habe Deutschland umarmt«, schreibt er. »Ich möchte nirgendwo sonst leben.«

Unsere Umfrage macht deutlich, dass noch viel geschehen muss, bis sich mehr Deutschtürken so freimütig bekennen können. Die Deutschtürken fühlen sich nicht angenommen, und viele reagieren darauf mit Rückzug. Kochs Kampagne und Erdoğans Besuch haben die Fronten verhärtet. Sie haben aber immerhin auch Klarheit geschaffen: Integration ist eine Willensfrage – für beide Seiten.

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Leser-Kommentare

  1. Die FAZ hat es heute mit ihrer Schlagzeile "Erdogan lädt Merkel nach Deutschland ein" auf den Punkt gebracht.Verkürzt lässt sich das Problem der Deutschtürken und unseres mit ihnen so formulieren: "Je weniger Islam(ismus), desto geringer die Angst vor Identitätsverlust". Wer aber geistig nie in Deutschland angekommen ist, sondern immer noch seiner anatolischen Heimat verhaftet ist, sollte die Schuld dafür nicht bei den anderen, sondern bei sich selbst suchen.

    • 13.03.2008 um 8:51 Uhr
    • smoha

    Bitte hört auf Erdogan und Koch, in einem Atemzug zu nennen. Erdogan ist Ministerpräsident in der Türkei und hat es dort mit anderen Problemen und Bevölkerungsstrukturen zu tun als wir sie hier haben. Koch (hoffentlich) war Ministerpräsident in Hessen und spricht deutsche Probleme an!

    Also setzt bitte die in ihrer Masse weniger gebildete Bevölkerung in der Türkei nicht gleich mit der deutschen Bevölkerung. Allgemein gilt: Erdogans Meinungen müssen uns nicht sonderlich interessieren, er redet in erster Linie für die Türkei. Also reicht das, was Herr Greven dazu sagte aus:

    Mehr Gelassenheit bitte!http://www.zeit.de/online/2008/07/intergration-kommentar
    Aber was Kochs Aussagen angeht, dürfen wir das auf keinen Fall so hinnehmen. Zumindest dann nicht, wenn wir ein Einwanderungsland sein wollen.

    Ich bin „Deutscher mit Migrationshintergrund“, und weil es (endlich) als UNWORT anerkannt wurde, nenne ich mich im Sinne dieses Artikels Deutschperser.

    Für mich war das eigentlich Entäuschende an dem Koch-Wahlkampf, dass seine Hetzkampagne gegen Ausländer durch die Unterstützung von Frau Merkel auf dem CDU-Parteitag deutschlandweit von der CDU anerkannt wurde. Damit hat die „Kanzlerin für alle Deutschen“ alle Deutschen mit Migrationshintergrund ausgegrenzt.

  2. Liebe DeutschTürken, Liebe Freunde und alle die es noch werden wollen,Ich sage NEIN! Hört auf zu lamentieren. Diese Land ist toll. Wir sind eine offene Gesellschaft. Ihr habt hier alle Chancen, die ihr in der Türkei nicht habt. Aber das ist nicht umsonst! Passt euch an - ihr werdet sehen, es tut nicht mal weh!"dass auf ihre Eigenheiten mehr Rücksicht genommen wird" Diese Gesellschaft ist/war kein Einwanderungsgesellschaft und kann damit nicht umgehen bzw. sich dagegen wehren. Eigenheit ja - aber in Maßen. Bestehen eure Eigenheit darin, dass ihr als Söhne kriminelle Schläger hervorbringt? Dann sage ich NEIN! Zeigt uns, dass ihr unsere Eigenheiten (Sprache, Toleranz, Freiheitsliebe, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Trennung von Religion und Staat, Demokratie, Streben nach Geist und Wissen...) habt oder übernehmen wollt. Ansonsten zurück in die Türkei - es war nett mit euch, aber es funktioniert anscheinend nicht."Doch fast die Hälfte hat Schwierigkeiten mit der Vorstellung, einen deutschen Schwiegersohn oder eine Schwiegertochter zu akzeptieren."DITO!"ein Aufruhr in den Köpfen und Herzen der Deutschtürken tobt"Ich zitiere "wenn das ein Anschlag war, dann gibt es Krieg auf den Straßen". Eine Entschuldigung danach? FEHLANZEIGE! Wer fragt mich danach, was ich darüber denke? Keiner aber ich teile es sowieso mit. Wenn ihr euch hier nicht wohlfühlt sucht euch ein anderes Land aus in dem ihr Leben wollt. Es war nett mit euch, aber es funktioniert anscheinend nicht."Man will anerkannt werden, fürchtet aber, dass dies nur um den Preis der Selbstaufgabe möglich sei."Ich sage NEIN! Wer das nicht will kann Türke bleiben - in der Türkei. Wir sind Deutsche in Deutschland (oder wer umbedingt etwas hinten dran setzen will gerne auch Deutschfranzose, Deutschtürke, Deutschitaliener, Deutschschwede, Deutschschabe, Deutschbayer, Deutschperser...). Gebt euer Türkenturm auf und gewinnt das Deutschtum. Es ist toll Deutscher zu sein. Ich bin hoch zufrieden damit! Es ist nichts falsches unsere Werte und unsere Kultur zu übernehmen. Es tut nichtmal weh.Gefällt euch nicht? Ansonsten zurück in die Türkei - es war nett mit euch, aber es funktioniert anscheinend nicht."Fühlen sie sich durch deutsche Politiker vertreten und ernst genommen?" Fühle ich mich durch einen Özcan Mutlu oder einen Cem "Vielflieger" Ötzdemir vertreten? NEIN! Das sind Türkenlobbyisten."78 Prozent der Deutschtürken empfinden Angela Merkel nicht als ihre Kanzlerin."Dann aber AB zurück in die Türkei!!!! Ihr habt keinen Realitätssinn. Frau Merkel IST die Kanzlering von Deutschland (auch wenn nicht jeder sie gewählt hat oder haben will). Ihr wollt akzeptiert werden? Akzeptiert das! Ansonsten ist Herr Recep Tayyip Erdoğan euer Landeshauptmann. Dann aber zurück in die Türkei - es war nett mit euch, aber es funktioniert anscheinend nicht."Ist das die Quittung für Angela Merkels Unterstützung des Koch-Wahlkampfes?"Anscheinend haben die eingebürgerten Türken (Deutschtürken?!) keine Probleme mit gewaltätigen Ausländern (statistisch erwiesen!!! mit einem überproportionalen Anteil bei Roheitsdelikten -> siehe z.B. Polizeistatistik Berlin 2007, 2006, 2005...). Kein Problem mit Gewaltätern? Dann sage ich: es war nett mit euch, aber es funktioniert DEFINITV nicht."89 Prozent der Deutschtürken sind der Meinung, die deutsche Gesellschaft solle »stärker auf die Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen«."Noch mehr? Ich sage NEIN! Jetzt seid ihr dran - beweißt eure Anpassungsfähigkeit. Ansonsten zurück in die Türkei - es war nett mit euch aber es funktioniert anscheinend nicht."Und ganze 93 Prozent finden es »wichtig, dass die Türken in Deutschland ihre eigene Kultur bewahren«"Wir haben schon eine großartige und viel geachtete Kultur und brauchen keine Gegengesellschaften oder auch nur Parallelgesellschaften.Ich sage NEIN! Jetzt seid ihr dran - beweißt eure Anpassungsfähigkeit. Erhaltet eure Kultur, aber bitte auf IKEA Niveau - nett und freundlich. Ansonsten zurück in die Türkei - es war nett mit euch aber es funktioniert anscheinend nicht."Zwei Drittel der Befragten – 65 Prozent – sind der Meinung, man könne »gleichzeitig ein guter Muslim und ein guter Deutscher sein«"Sicher! Nur nicht die Scharia einfordern! Gebetsräume in öffentlichen Anstalten! Halal-Schlachtungen! Verschleierung von Frauen! Hass gegen Ungläubige! Oder gar ein neues Herrenmenschengefühl entwickeln. Tut mir leid - ich sehe in meiner Stadt zu viele Kopftücher! Weg mit denen und ich nehm euch euren guten Willen ab. Ansonsten zurück in die Türkei - es war nett mit euch, aber es funktioniert anscheinend nicht."Bedenken über die Vereinbarkeit von Islam und westlicher Moderne sind keineswegs nur in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, sondern auch bei den Einwanderern selbst festzustellen – und bei den Frauen in erhöhtem Maß"Es ist nicht vereinbar! Der Islam hat leider verfassungsfeindliche Elemente. Es ist eine Staatsideologie und eine Religion in einem. Und trennbar ist das bisher nicht. Wo in der Welt außer in der Türkei gibt es ernsthafte versuche dazu? Niergendwo. Und selbst die Türkei hat damit stark zu kämpfen. Der Islam ist nicht reformierbar. Schon mal mit Atheismus oder Christentum probiert? Ist auch gut."Wie stehen die Deutschtürken zu der Kardinalforderung der Integrationsdebatte, gute Sprachkenntnisse seien der Schlüssel des Erfolgs? Satte 83 Prozent unterschreiben die These."Nur Herr Erdogan nicht. Warum könnt ihr dann so schlecht Deutsch? Wie anders soll das bitte gehen? BRAVO. Anscheindend haben wir doch etwas gemeinsam!"»Alles in allem war es richtig, dass meine Familie nach Deutschland gekommen ist«"Was gibt es dann noch zu lamentieren????? Migration ist nie umsonst. Man selbst muss immer etwas dafür tun und aufgeben. Aber man gewinnt auch viel! Warum also weiter lamentieren und Opfer spielen?"Auf dem Weg zu einem neuen Wir, das zeigt unsere Umfrage, stehen wir erst am Anfang" Nach wievielen Jahren Türken im Land? Sind es nicht bald 50? ...es war nett mit euch aber es funktioniert nicht. Oder vielleicht doch? Ich bin nicht bereit viel länger zu warten...

  3. Um was wird hier geredet - um Türken bzw. Deutsche, die Türkische Vorfahren habenoderum Moslems? Die Islamkonferenz geht um das letztere - und offengestanden scheint genau da die miesten Probleme zu liegen, weniger im 'Türkisch-sein', außer dort bei extremen bis hin zu extremistischen Nationalisten.Die Umfrage ist dabei sehr interessent.Aber zum teil scheint nicht sauber unterschieden zu werden zwischen nationalen Fragen und religiösen Fragen.Eine Frage wie die nach dem Schwiegersohn/Schwiegertochter ist keine nationale, sondern aller wahrscheinlichkeit nach eine religiöse - einfach weil fast alle Deutsche nicht-Mosleme sind, und fast alle 'Türken' Moslime, können Antworten beide Ansätze spiegeln als auch die Frage selbst missverständlich beantwortet worden sein. Entsprechende Kontrollfragen wären hier angebracht gewesen.Problematisch ist auch die Frage: "Deutschland ist ein weltoffenes Land, in dem es jeder unabhängig von der Herkunft zu etwas bringen kann."Lau sagt doch indirekt selbst, warum diese Frage ein Problem darstellt:"Auch hier sind die Höhergebildeten die Skeptischsten: Nur jeder fünfte
    Befragte mit Hochschulreife hält Deutschland für ein Land der Chancen.
    Im Schnitt jedoch stimmen immerhin zwei Drittel der Deutschtürken
    diesem Satz zu. Damit liegen sie über dem deutschlandweiten Trend: Der
    Glaube an die Chancengerechtigkeit kommt auch zunehmend den
    Alteingesessenen gründlich abhanden, wie alle Umfragen zeigen.
    "So - und damit haben wir genau zwei Möglichkeiten:a.) diejenigen, die dem Satz nicht zustimmten, drücken damit aus, dass sie sich diskriminiert fühlen aufgrund ihrer Herkunft etc...b.) diejeingen, die dem Satz nicht zustimmen, drücken damit aus, dass sie keine Möglichkeit aus ähnlichen/gleichen Gründen wie die entsprechend antwortenden Deutschen für einen Aufstieg eines Menschen sehen, der noch nicht zur besitzenden oberschicht gehört (= "...deutschlandweiten Trend: Der
    Glaube an die Chancengerechtigkeit kommt auch zunehmend den
    Alteingesessenen gründlich abhanden...
    ").--> Wärend man a.) als ein Integrationsproblem deuten kann, kann man B.) als ein zeichen für geglückte Integration werten. Nämlich deshalb, weil die so antwortenden Deutschtürken dieselben Wertungen wie die Deutschen aus ähnlichen/denselben Gründen tätigten. Ergo: Es muss hierher eine Kontrollfrage - sonst ist das Ergebnis wertlos, da damit die Unterscheidung, auf die die Umfrage abzielt, nicht mehr getätigt wird.

    • 13.03.2008 um 10:07 Uhr
    • amras
    5. ...

    Die Frage nach dem dt. Schwiegersohn, bzw. -tochter ist ungenau gestellt. Ich bin sicher, dass die meisten Deutschtürken (insbesondere die Religiösen) mit einer deutschen Schwiegertochter weit weniger Probleme hätten, als mit dem deutschen Schwiegersohn.Dass gerade die Jüngeren sich weniger zu Deutschland bekennen ist verständlich. Viele kennen die Türkei nur aus dem Urlaub - und im Urlaub sieht man immer nur die positiven Seiten eines Landes. Daher projizieren sie wohl ihre Wünsche und Sehnsüchte in eine "Fantasie-Türkei" die so nicht existiert (und auch nie existiert hat) in der angeblich alles besser ist -- ein ähnliches Phänomen wie mit der Verherrlichung der DDR bei ostdeutschen Jugendlichen. Die Älteren, noch selbst dort aufgewachsen, dagegen WISSEN, dass dort eben nicht alles besser ist (sondern im Gegenteil vieles schlechter) und haben daher auch weniger Probleme mit Deutschland...Vielleicht sollte mancher Deutsch-Türke mal ein, zwei Jahre in der Türkei leben - und zwar nicht im relativ liberalen Istanbul, sondern im konservativen Osten, vielleicht sogar in den Kurdengebieten im Südosten. Die Konfrontation mit der Realität war seit jeher sehr heilsam für Knabenmorgenblütenträume...^^

  4. Die Aussagen, man könne nicht gleichzeitig gläubiger Muslim und guter Deutscher sein (bzw. nicht) kann man m.E. nicht als Skepsis gegenüber dem Islam auslegen (wie dies getan wird, wenn die Aussage, nur die Hälfte der Frauen hielten Islam und Deutschsein für vereinbar, im nächsten Satz mit Distanz zur Religion zusammengebracht wird). Es ist ja nicht gesagt, daß der Mensch, der beides für nicht kompatibel hält, deshalb den Islam ablehnt - er kann genausogut die Identifikation als Deutscher prinzipiell ablehnen. Wenn Frauen die Vereinbarkeit skeptischer beurteilen, spielt dabei vielleicht eine Rolle, daß Männer weniger auffallen, wenn sie strenggläubige Muslime sind (solange es nicht so streng ist, daß sie ein Käppchen und einen allzu wilden Bart tragen; meistens aber ist Männerkleidung im Rahmen der Variationsbreite unserer Mode auch islamisch lösbar, man braucht sich nur iranische Männer anzuschauen). Traditionelle islamische Vorstellungen sind für Frauen viel stärker einschränkend (Stichwörter Kopftuch, Schwimmbad etc.), und deshalb werden diese viel mehr mit Situationen konfrontiert, wo sie sich entweder gegen traditionelle Vorschriften entscheiden oder sich im islamischen Winkel abkapseln müssen. (Wenn man eine Tendenz sehen will, so hat doch m.W. das Kopftuchtragen in den letzten Jahren fast extrem zugenommen).Und darüber, ob (auch aus Sicht der Türken) Türkentum und Islam sich decken, sagen diese Aussagen auch nichts aus. Zu fragen wäre vielmehr, ob man nach ihrer Ansicht gleichzeitig ein guter Türke und ein Nichtmuslim sein kann! (Und ob es erlaubt ist, als geborener türkischer Muslim den Islam abzulegen). Daß nicht jeder Muslim ein Türke ist, dürfte ja jedem klar sein.

  5. Wenn diese Umfrage ein Gutes hat, dann ebenso wie die aktuelle
    Islamkonferenz, daß nachdrücklich den selbsterklärten “Gutis” die
    Karten aus der Hand geschlagen werden - Wille und Ziel der weit übergroßen Mehrheit der hier lebenden
    Muslime wurden in der Umfrage erklärt, die Islamkonferenz macht die
    Linie der aktivistischen islami(sti)schen Speerspitzen deutlich:- einig sind sich “schweigende” muslimische Mehrheit und Islamvertreter, daß eine Integration abgelehnt wird- zentrale Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens
    (freie Partnerwahl, exogame Familienorientierung, freie Soziabilität
    der Einzelnen) wird abgelehnt- Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung wird abgelehnt: Schuld sind immer die Anderen- eigene Anstrengungen zur besseren “Integration” sind kein Thema -
    es gilt immer nur Angebote der anderen Seite einzufordern - sei es mit
    süßen Worten, und wenn das nicht hilft, dann mit Gewaltandrohung und
    GewaltFazit: Giordano hat auf der ganzen Linie Recht - die Integration
    der muslimischen Bevölkerung ist gescheitert: wenn man das Scheitern
    von 80-90 % der hier lebenden Muslime als pars pro toto gelten lassen
    darf.Diese Integration wird auch in Zukunft unterbleiben - weil dazu auf muslimischer Seite kein Interesse besteht.Jede “Generation” auch der hier geborenen und aufgewachsenen Muslime
    wird weiterhin “erste (integrations) Generation” bleiben, solange die
    muslimische Familienverfassung unangetastet bleibt. Und DAß sie
    ungangetastet bleibt, dafür sorgen hierzulande politische Anbiederei,
    Appeasement, kulturelle Desorientierung und Feigheit….Das ganze Elend mal aus außereuropäischer Sicht (Herr Lau! Auch Sie werden darin zitiert!):Where Every Generation Is First-Generationhttp://www.nytimes.com/2007/05/27/magazine/27immigrant-t.html?_r=2&oref=slogin&oref=sloginKommentar von Molinocampo |

    • 13.03.2008 um 10:35 Uhr
    • Mates

    Dazu fällt mir ein früherer Kollege ein der sich immer als "Deutschtunesier" vorgestellt hat.Irgendwann hat er erklärt seine Tochter sei ja Tunesierin, denn die tunesische Regierung hat bereits vor Jahrzehnten die tunesische Staatsbürgerschaft als "unabänderbar" erklärt. Seiner Aussage nach mit dem Ziel Arbeitsmigranten die Möglichkeit zu geben sich in den jeweiligen Aufenthaltsländern einbürgern lassen zu können um alle Vorteile der jeweiligen Systeme ausschöpfen zu können. Seine wörtliche Aussage dazu: "unsere Regierung hat uns geschützt".Wer hat was getan? Wessen Regierung? Bei sowas kommt mir die Galle hoch!Und was ist ein Deutschperser? Vorne deutsch, hinten persisch? Wahrscheinlich umgekehrt, machen sich doch die deutschen in schöner Regelmäßigkeit zum A(Allerdings bitten wir Sie, Ihre Worte mit Bedacht zu wählen. Gekürzt. Die Redaktion/jk).

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  • Von Jörg Lau
  • Datum 17.3.2008 - 03:56 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 13.03.2008 Nr. 12
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