MACHER & MÄRKTE Alitalia: Verkauft
Nach einer 16-stündigen Marathonsitzung hat der Verwaltungsrat der italienischen Fluggesellschaft Alitalia in der Nacht auf Sonntag die Kaufofferte von Air-France-KLM angenommen. Dabei hatten die Franzosen nur 138 Millionen Euro für die Übernahme geboten, knapp ein Fünftel des derzeitigen Börsenwertes von Alitalia. Zum Vergleich: Der Fußballklub Inter Mailand hat in der laufenden Saison auf dem Transfermarkt mehr ausgegeben.
Doch Alitalia bleibt keine Wahl. Weil in den Kassen gerade noch 200 Millionen Euro sind, werden schon die Grundstücke rund um den römischen Flughafen Fiumicino zum Kauf angeboten. Die Verhandlungen mit Air France werden sich nun allerdings noch mindestens bis Juni ziehen am 14. April wird in Italien erst einmal eine neue Regierung gewählt. Sie soll den Verkauf dann später absegnen. Bis dahin muss die marode Airline, die täglich eine Million Euro Verlust schreibt, noch durchhalten. Damit die Fluglinie, mit der auch der Papst fliegt, nicht am Boden bleiben muss, gewährte der italienische Finanzminister Anfang der Woche noch schnell weitere 300 Millionen Euro Kredit. Ein Protest der EU-Kommission folgte prompt.
Zur Sanierung von Alitalia hat Air France eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro angekündigt. Beim Flugpersonal sollen 1600 Stellen gestrichen werden, zudem will Air France die verlustträchtige Bodentruppe AZ Servizi fast komplett dem italienischen Staat überlassen. Die Gewerkschaften, deren Einverständnis die französische Airline zur Bedingung für die Übernahme gemacht hat, sind bisher dagegen. Verhandlungen sollen noch vor Ostern anlaufen.
Auch von anderer Seite droht Widerstand: Air France will künftig nur noch auf Rom-Fiumicino als internationales Drehkreuz setzen.
Mailand-Malpensa soll zum Regionalflughafen zurückgestutzt werden dagegen wehren sich der Oppositionsführer Silvio Berlusconi sowie sein Bündnispartner Lega Nord. Vom Ausgang der Wahlen hängt das Schicksal der Alitalia also gleich in mehrfacher Hinsicht ab.
- Datum 20.03.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 19.03.2008, S.30
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