Österreich Im falschen Film

Eine Religion zu gründen ist in letzter Zeit leichter geworden. Früher war dies mit Verfolgung oder gewaltsamem Tod verbunden. Heute reichen psychische Labilität und ein Hang zur Realitätsverschiebung. um eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die, gemessen an der Abstrusität der vertretenen Ideen, einen vergleichsweise hohen Wirkungsgrad zu erzielen vermag. Mr. Hubbard etwa, der sich gern eines abgeschlossenen Hochschulstudiums mit Bestnoten rühmte, flog tatsächlich nach kürzester Zeit wegen ungenügenden Erfolgs von der Uni. Es wäre aber vorschnell, jetzt in jedem Studienabbrecher gleich einen potenziellen Sektengründer sehen zu wollen. Ohne den nötigen Geschäftssinn geht da gar nichts. Wer also in den USA, wo die Möglichkeiten unbegrenzt sind, während der Zugang zur Wirklichkeit aber eher begrenzt erscheint, Vorträge abstrusen Inhalts hält, ist steuerpflichtig. Beansprucht man für diese Tätigkeit hingegen den Status einer religiösen Verkündigung, entgeht man dem Fiskus. Weiß man zudem auch noch über die suggestive Kraft von Science-Fiction-Storys Bescheid, dann lässt sich eine Dreigroschengeschichte basteln, die Suchende zu begeistern vermag. Wenn also vor ewigen Zeiten der noch ewigere Geist Thetan durch Hypnose gefangen genommen und geschwächt wurde und nur ein Scientologe die Macht der Thetane mittels Drill zurückgewinnen kann, klingt das manchen verführerisch. Denn so ist es dem Eifernden möglich, allein durch Willenskraft Krankheiten zu heilen. Hubbard hat diesen Plot in Hollywood als Drehbuch eingereicht, der Film wurde nie realisiert. Mitunter ist die Unterhaltungsindustrie klüger, als man denkt. Alfred Dorfer

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben

 
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