KUNSTMARKT Es wird eng in Liechtenstein

Die Erde ist eine Kugel. Ein Kind begreift das spätestens dann, wenn es zum ersten Mal einen Globus sieht. Der Globus ist ein Modell, er verhält sich zum Planeten wie ein Spielzeugauto zum echten Porsche.

Die Filiale des Auktionshauses Christies in Amsterdam wird am 1.

April zwei antike Globen aus der Werkstatt der niederländischen Familie Blaeu versteigern, mit denen Kinder besser nicht zu heftig spielen sollten. Die Christies-Experten in Amsterdam haben den Wert des Paars (ein Globus zeigt die Erde, der andere das Himmelsgestirn) auf 200000 bis 300000 Euro geschätzt. Die Globen sind so teuer, weil sie selten und gut erhalten sind und auch noch aus gutem Hause stammen: Bisher gehörten sie zur Kunstsammlung des Fürsten von Liechtenstein. Zusammen mit 450 anderen Losen lässt der sie nun versteigern, weil ihm der Platz für eine adäquate Präsentation fehle.

Die ersten Globen soll es schon vor dem Beginn unserer Zeitrechnung gegeben haben. Um 1492 ließ der aus Nürnberg stammende Tuchhändler Martin Behaim dann den ältesten heute noch erhaltenen Globus herstellen, er nannte ihn »Erdapfel«. Doch Behaims Erdapfel, den man heute im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum bewundern kann, war schnell überholt. Noch im selben Jahr hatte Kolumbus einen neuen Kontinent entdeckt.

Der Niederländer Willem Janszoon Blaeu (1571 bis 1638) wusste von Amerika, als er 1599 in Amsterdam einen Verlag für Karten und Globen gründete. Er hatte zwei Jahre bei dem dänischen Astronomen Tycho Brahe studiert und sich dann in seiner Heimat als Kartograf einen Namen gemacht: 1599 schuf er seinen ersten Erdglobus, 1635 den umfangreichsten Atlas seiner Zeit, den Atlas Novus. Nach seinem Tod übernahm Sohn Joan das Geschäft, aus seiner Zeit, nämlich von 1645 bis 1648, stammt auch der nun zu versteigernde Erdglobus der Himmelsglobus ist gut 15 Jahre älter. Mit einem Durchmesser von 68 Zentimetern gehören die beiden Globen zu den größten Serienmodellen aus dem Hause Blaeu, handkolorierte Kupferstiche wurden auf eine Kugel aus Pappmaché und Gips geklebt. Damals waren noch nicht alle Teile der Welt korrekt kartografiert, Kalifornien etwa ist auf dem Blaeu-Globus eine Insel. Die Meere sind mit Zeichnungen von Seeungeheuern und Schiffsgeschwadern bevölkert, auch die Chinesische Mauer ist zu sehen, und in Kartuschen, den aufwendig verzierten Kartentiteln, wird der Globus erklärt.

Als diese beiden gut erhaltenen Exemplare hergestellt wurden, dienten Globen noch nicht der Aufklärung von Kindern. Sie waren Repräsentationsobjekte für Reiche und Adlige, einerseits symbolisierten die Weltkugeln Gelehrsamkeit, andererseits Macht. Auf einem Gemälde von George Gower von 1588 tätschelt Königin Elisabeth I.

von England einen kleinen Globus. Ihre rechte Hand liegt dabei auf dem nordamerikanischen Kontinent. Eine Geste, die einen Besitzanspruch demonstriert.

 
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