Fannie Mae und Freddie Mac. Fast immer werden die beiden im selben Atemzug genannt. Wie Ginger Rogers und Fred Astaire. Doch hier geht es nicht um die leichte Muse, sondern um komplexe Finanzakrobatik. Fannie und Freddie sind zwei riesige Hypothekenfinanzierer in den USA. Und bald könnten sie zum nächsten Krisenschauplatz werden.

Die beiden Institute sollen das Wohneigentum in den USA fördern. Das tun sie, indem sie Hypotheken von kleineren Banken aufkaufen, bündeln und schließlich als Wertpapiere an Investoren in aller Welt verkaufen. Damit ermöglichen sie es den Banken, die Hypotheken aus ihren Büchern herauszunehmen und weiterzureichen, das heißt, die Banken können mehr Kredite an potenzielle Hausbesitzer vergeben. Zusammen beherrschen die Institute rund die Hälfte des 10.000 Milliarden Dollar schweren Marktes für Wohnimmobilienkredite in den Vereinigten Staaten. Gleichzeitig sind sie maßgebliche Spieler am billionenschweren Derivatemarkt, wo sie ihr Zinsrisiko absichern.

Solche Geschäfte mit Hypotheken betreiben viele Banken und Investitionshäuser. Doch Fannie und Freddie hatten ihnen gegenüber stets einen Vorteil: Sie sind zwar börsennotiert, zugleich aber öffentlich-rechtliche Einrichtungen. Daher waren die Kosten der Geldbeschaffung für Fannie und Freddie geringer als für private Wettbewerber. Die Investoren waren davon überzeugt, dass im Fall eines Zusammenbruchs die US-Steuerzahler einspringen, auch wenn solche Garantien offiziell nirgendwo stehen. Die Papiere der beiden galten zuletzt als so sicher, dass sie als austauschbar mit US-Staatspapieren angesehen wurden. Viele Zentralbanken und Großinvestoren haben Fannies und Freddies Anleihen und Wertpapiere in ihren Portfolios.

Doch neuerdings wachsen die Zweifel. Im vierten Quartal meldeten Fannie und Freddie zusammen rund sechs Milliarden Dollar Verlust. Der Einbruch am amerikanischen Immobilienmarkt, die Rekordzahl an platzenden Hypothekenkrediten und Zwangsvollstreckungen treffen auch sie. Bisher galt ihre Ansammlung an Hypotheken als vergleichsweise konservativ und sicher. Doch neuerdings erwischt die Immobilienmisere ja auch schon Kreditnehmer, die früher als felsenfest galten.

»Ist Fannie erledigt?«, titelte in der vergangenen Woche das Anlegermagazin Barron’s und wies auf eine Fülle von Schwachpunkten in der Bilanz des Hypothekenfinanzierers hin. Darauf rutschte Fannies Aktienkurs um 13 Prozent ab und Freddies um zwölf. Noch schlimmer erging es der Carlyle Capital Corp., dem über 21 Milliarden Dollar schweren Hypothekenarm der Private-Equity-Gesellschaft Carlyle Group, der überwiegend in erstklassige Papiere von Fannie und Freddie investiert hatte: Er wurde zahlungsunfähig. Die Gläubigerbanken hatten kalte Füße bekommen und forderten neue Sicherheiten, die das Investitionshaus nicht aufbringen konnte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Freddie und Fannie mit Misstrauen zu kämpfen haben. Vor vier Jahren kam ans Licht, dass es bei der Verbuchung der Derivate, die beide Institute zur Absicherung ihres Zinsrisikos einsetzen, zu Unregelmäßigkeiten kam. Freddie Mac hatte einen außerplanmäßigen Gewinn von fünf Milliarden Dollar »versteckt«, bei der Schwester Fannie hatten die Schwankungen am Derivatemarkt ein Loch von sieben Milliarden Dollar gerissen. Die Vorstände mussten gehen, ihre Nachfolger gelobten Besserung. Doch Zweifel an den Bilanzierungsmethoden sind geblieben.

Eigentlich wären Fannie und Freddie als öffentlich-rechtliche Einrichtungen die logischen Ansprechpartner für die US-Regierung, um eine Rettung des Hypothekenmarktes einzuleiten. Doch stattdessen gelten sie jetzt »nicht als die Lösung, sondern eher als Teil des Problems«, warnt Joseph Mason, Finanzprofessor an der Drexel-Universität. Vielleicht lag es auch an diesen Gerüchten, dass die US-Notenbank mit einer ungewöhnlichen Intervention aufwartete: Sie versprach, Hypothekenpapiere mit Toprating – also solche, wie Fannie und Freddie sie ausgeben – als Sicherheit für Kredite zu akzeptieren. Bis zu einer Summe von 200 Milliarden Dollar.