Ferienhaus Raus ins Haus

Heim in der Fremde oder Spießeridyll? Am Ferienhaus scheiden sich die Geister. Ein Pro

Ich hatte keine Chance, zu meinem Glück. Meine Eltern besaßen schon ein Ferienhaus, als Urlaub noch mein kindlicher Daueraggregatzustand war. Beinahe jedes Wochenende fuhren wir nach Schoondijke, Südholland, in eine Art umgebauten Pferdestall, wo Hühnerleitern in die Schlafkammern unterm Dach führten. Als Ferienhäusler verwandelten wir uns rasch von abzockbaren Urlaubsgästen in echte Mitbürger, die wie die Einheimischen mit einem Topf am Imbisswagen die Fritten holten und sich vom Nachbarn, einem Kunstmaler, in Landestracht und Öl verewigen ließen.

Unser Häuschen besitzen wir schon lange nicht mehr, aber dem Prinzip bin ich treu geblieben. Im Urlaub kommt nur ein Haus ins Haus, egal ob in Irland, Italien oder auf den Kanaren. Ich könnte jetzt lange die praktischen Vorteile aufzählen, den größeren Raum, den das Ferienhaus der Hotelsuite voraushat; den Garten, den Pool, den Grillplatz, die Liegestühle, die man mit keinem Prosecco-Prösterchen-Pöbel teilen muss; die Ruhe, weil sich im Nebenzimmer keine Freunde von Heavy Metal oder lautstarkem Beischlaf einnisten können; die innere Entspannung, weil die Kinder mit ihren frühmorgendlichen Piratenüberfällen nur die eigene Familie und nicht ein ganzes Hotel terrorisieren; schließlich die Kosten, denn oft zahlt man für ein Ferienhaus pro Woche gerade so viel, wie der vergleichbare Platz in einem Hotel in einer Nacht verschlingen würde. Allein für all diese Privilegien nehme ich das eigenhändige Kochen und Abwaschen gern in Kauf. Und wenn es dann auch im Journalismus mal wieder Gehaltserhöhungen wie bei der IG Metall gibt, leiste ich mir ein Haus mit Butler oder wenigstens mit Spülmaschine.

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Aber Urlaub soll ja nicht nur praktisch sein, sonst könnte man ja gleich daheim bleiben, mare TV gucken und den Pizzaservice anrufen. Das Ferienhaus gibt einem das schöne Gefühl, in der Fremde nicht nur Tourist, sondern daheim zu sein. Ist in Wahrheit nur Feigheit, sagen jetzt die Spötter, aus Furcht vor Eingeborenen und unbekannten Eierspeisen miete man sich das Haus als Festung, in der von der Erbsensuppe bis zum Fernsehprogramm alles ist wie in Übach-Palenberg, nur scheint halt die Sonne drauf. Nein, umgekehrt wird ein echter Urlaub draus: Mit dem Einzug ins Ferienhaus signalisiert man sich selbst und seiner Umgebung, dass es sich nicht um eine Stippvisite handelt, sondern um ein Sesshaftwerden auf Zeit. Und seit es Google Earth gibt, lässt sich auch das Risiko minimieren, ein Wohnklo neben der städtischen Kläranlage angedreht zu bekommen.

Natürlich ist es eine Illusion, für zwei, drei Wochen im ganz Anderen anzukommen; in dieser Hinsicht ist jede Reise ein Selbstbetrug. Aber das Ferienhaus ist die romantische Variante davon. Denn wie sagt Novalis: Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause.

Ferienhäuser - Ein Contra von Sibylle Berg »

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Leser-Kommentare
    • eviola
    • 26.03.2008 um 15:47 Uhr

    Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, ein Ferienhaus könne spießig sein.Da sollte man evtl. an die Region denken...In Holland z.B. konnte man schon  vor ca 30 Jahren feinste Ferienkultur genießen, denn in Ferienhäusern z.B. auf Texel herrschte hoher Standart. Keine plüschigen, ausgesessenen Sofas, keine "Sammelteller". Sondern Ledersofas, Geschirr von Villeroy&Boch und wunderschöne Häuser.Bei 4 Kindern wäre das Hoteldann auch teuer geworden, unpraktisch (wo bleibt man abends, wenn die Kleinen schlafen), peinlich...-wenn die Kleinen nicht schlafen wollten.Und ja, es stimmt. Man fühlt sich wie zu Hause, gehört etwas dazu....Holländer sind/waren übrigens nicht spießig, eher ziemlich cool, kinderlieb. (Ganz anders als zu Hause..In Italien war es ähnlich- niemals hätten wir mit den 4 Gören im Hotel wohnen mögen!Und in der Bretagne, mit jetzt 4 Halbüchsigen, einem verrückten Hund? Nein, da bleibt das Ferienhaus.  Oder Florida ohne Kinder: Was bitte, ist da spießig. Einfach nur schön, elegant, praktisch. Ein geräumiges Haus, ein Pool am Haus nur für uns Zwei, baden tagsüber an einsamen Stränden, nicht im abgezäunten Gebiet  vor dem Hotel und und und...Das Bischen  (meine Güte, wie schreibt man denn das...)Haushalt.....da ist Arbeitsteilung gut und schon klappts! Und abends geht man fein essen , im Restaurant oder der Kneipe seiner Wahl und nicht im hoteleigenen, jeden Tag gleichen Speisesaal mit gleichen Gästen...Also, wenn man mich fragt, bedeutet das Ferienhaus Freiheit, nicht Spießertum.....

  1. Ich glaube ich war zum ersten Male im Hotel , da war ich schon fast 30. Ich muß sagen, ich fand das doof. Ichwar danach noch viele mal im Hotel und ich fand es immer irgendwie doof.
    Mit 4 Geschwister und Arbeiterkind, da bin ich 16 Jahre meines Lebens nur im Zelt und mit den Eltern im Wohnwagen unterwegs gewesen. Das war imemr prima. Hier ist schön, hier übernachten wir. So mache ich es uch heute noch manchmal. Das Zelt im Mietauto und los gehts. Abends am Feuer mit fremden Leuten und unter den Sternen sitzen hat was.
    Aber Ferienhaus ist schön, muß ich sagen. Da kann man sich wohl fühlen und selbst kochen. Hier in den Supermarkt und lokale Köstlichkeiten als den Mist den man im Hotel bekommt. Das geht gar nicht.
    In Italien ein Häuschen mit Steinwaschbecken und riesigem Kamin, das hat Charme und kostet nicht viel.
    Ferienhaus ist auch meine Alternative für Camping. Den das wurde ja so in, und jeder Jack Wolfskinträger erzählt mir was vom Kugelgrill. Das geht nicht und ich denke gerne zurück an die alten rostigen Blechgrills aus meiner Kindheit, als man vom Grill nur aß wenn man vollkommen asozial war. Schade sie haben es alle herausgefunden.

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