Finanzkrise P wie Panik

Die Finanzkrise eskaliert. Die USA tun alles, um eine Lawine von Bankenpleiten aufzuhalten. Wenn das misslingt, leidet die ganze Welt

Die Nachricht kam, als auf dem Parkett der New Yorker Börse schon Wochenendstimmung herrschte. Die Händler lockerten ihre Krawatten und tauschten Tipps fürs Golfen aus. In ein paar Minuten würde die Glocke läuten, da lief eine Information über die Bildschirme und Ticker, die wie ein gewaltiger Kübel Eiswasser wirkte. Die Investmentbank Bear Stearns, eine der »Großen Fünf « an der Wall Street, stand kurz vor dem Kollaps. Sie konnte gerade noch durch einen Notfallkredit, eine Blitzaktion der New Yorker Notenbank und der Großbank JPMorgan Chase, gerettet werden.

Danach dauerte alles nur ein paar Sekunden. Der Dow-Jones-Index raste zu Tal, der Aktienkurs von Bear Stearns halbierte sich. »Ich hatte mir gerade einen Kaffee geholt, und als ich zurückkam, traute ich meinen Augen nicht«, sagt Howard Simons, Investmentstratege bei Bianco Research. »In all den Jahrzehnten, die ich jetzt mit dabei bin, habe ich so etwas nicht erlebt.« Gott sei Dank: Schließlich war das, was das 85-jährige Traditionsinstitut Ende der vergangenen Woche erlebte, ein klassischer bank run . Ein Bankensturm. Ein äußerst seltenes Ereignis an den Finanzmärkten und eine klassische Begleiterscheinung großer Krisen.

Bear Stearns hatte besonders eifrig in jene hochriskanten Wertpapiere investiert, die auf amerikanischen Hypothekenkrediten basierten. Das Finanzinstitut verwettete mehr als die Hälfte seiner Bilanzsumme. Weil die amerikanischen Hauspreise inzwischen ins Bodenlose stürzen und Hypothekenkredite reihenweise platzen, zweifelten die Gläubiger auch an der Zahlungsfähigkeit von Bear Stearns – und forderten ihr Geld zurück. »Binnen 24 Stunden«, klagte der Bear-Chef Andrew Schwartz, »hat sich unsere Lage beträchtlich verschlechtert.«

Alles schon Geschichte. Als die Banker und Händler der Wall Street am Montag wieder in ihre Büros zurückkehrten, gab es Bear Stearns nicht mehr. JPMorgan hatte sie zum Spottpreis von zwei Dollar pro Aktie übernommen und obendrein zur Sicherheit noch Garantien der US-Notenbank erhalten. Vielen Marktbeobachtern saß aber der Schreck in den Knochen: War es die letzte Bank? Sagt man nicht auch von anderen Finanzhäusern wie Lehman Brothers, dass sie ähnlich stark in US-Immobilienpapiere investiert haben? Wie viele Banken kann die Federal Reserve Bank retten?

»Das ist etwas anderes, als wenn etwa Chrysler umfällt und die Folgen auf eine Region oder Branche beschränkt sind«, sagt Richard Bove, ein Wall-Street-Veteran und Bankenanalyst bei einer Forschungsfirma. Der Ausfall einer Bank könnte wie eine Laufmasche das komplizierte Gewebe des internationalen Finanzmarktes und seiner Milliarden-Transaktionen zerstören. In Windeseile könnte der Schock andere Finanzhäuser treffen, in Amerika und im Rest der Welt.

Die Angst vor einer solchen Bankenschmelze macht längst die Runde. Sie tut ein zerstörerisches Werk. In New York läuft ein Mann herum, den sie den Nostradamus von der Wall Street nennen: Nouriel Roubini, ein redegewaltiger Wirtschaftsprofessor an der New York University. Den Spitznamen haben Spötter ihm verliehen, weil er schon seit Jahren den Kollaps der Weltkonjunktur heraufbeschwört – und auch wegen seiner Neigung zu säuberlich durchnummerierten Ablaufplänen des Untergangs.

Doch man muss es ihm lassen: Erst Anfang Februar hatte Roubini unter dem Titel »12 Schritte zum finanziellen Desaster« die flapsig formulierte, aber treffende Voraussage gemacht. »Schritt 9: Eines oder zwei der für das System bedeutsamen Brokerhäuser gehen hops.« Am Wochenende setzte er genüsslich noch einen drauf: »Bear ist nur das erste Brokerhaus, das es trifft.« So ist Roubini heute nicht nur einer der gefragtesten Kommentatoren in Amerika geworden. Viele Wirtschaftsforscher reden heute wie er.

»Ich glaube, dass die amerikanische Volkswirtschaft jetzt in einer Rezession steckt«, sagt Martin Feldstein, ein Harvard-Ökonom und Mitglied jenes Komitees, das in den Vereinigten Staaten die offizielle Buchführung über Auf- und Abschwünge in der Konjunktur übernimmt. Es könne sogar die »schlimmste Rezession der Nachkriegsgeschichte« daraus werden. Auch der US-Ökonom Paul Krugman schreibt, dass die Lage »zunehmend nach einer der großen Finanzkrisen der Geschichte« aussehe.

Seit dem vergangenen Sommer reißen die schlechten Nachrichten vom Finanzmarkt nicht ab; und auch nicht die vom amerikanischen Arbeitsmarkt und von den Konsumenten, die nicht mehr konsumieren wollen. Der Dollar – dessen Kurs man ja als Ausdruck des Vertrauens in die amerikanische Wirtschaft begreifen kann – fällt und fällt. Der Preis von Gold – das stets in Zeiten der Angst gebunkert wird – stieg zuletzt auf über 1.000 Dollar pro Unze. »Amerika erlebt einen Margin Call«, titelte das Wall Street Journal . Das ist Finanzlatein und bedeutet: Die Welt will ihr Geld zurück. Und das könnte radikale Antworten erfordern, wie sie die Marktwirtschaft lange nicht gesehen hat – bis hin zur Verstaatlichung von Banken.

Die ganz großen Zusammenbrüche in der Weltwirtschaft, warnen Wirtschaftshistoriker, hätten die Leute stets aus heiterem Himmel getroffen. Obwohl sie selbst, die Wirtschaftshistoriker, das eigentlich schwer verständlich finden. »Über Ländergrenzen und Jahrhunderte hinweg folgen ökonomische Krisen nämlich dem gleichen Muster«, beteuert Carmen Reinhart von der Universität Maryland.

Erst gibt es einen Boom: eine technische Erfindung wie die Eisenbahn oder eine Finanzinnovation wie die Aktiengesellschaft oder – wie diesmal – komplizierte Derivate auf amerikanische Hypothekenschulden. Sie begeistert die Investoren. Banken und Investmentgesellschaften verschulden sich, um kräftig am neuen Boommarkt mitzumischen. Die Leute sagen: »Diesmal ist alles anders.« Doch irgendwann schwindet die Zuversicht, dann scheitern meist ein paar besonders übermütige Finanzinstitute, und dann fällt der Kater ähnlich übertrieben aus wie vorher der Rausch. Angst breitet sich aus. Banken vergeben keine Kredite mehr, also wird für Häuslebauer, Unternehmer und Konsumenten das Geld knapp. Das Wachstum stockt. In schlimmen Fällen schrumpft es, dann spricht man von einer Rezession.

In den vergangenen fünf Jahren hat der boomende Markt mit Derivaten auf Hypothekenkredite den ganzen Immobilienmarkt beflügelt. Plötzlich wollte jeder ein Haus kaufen, und an der Wall Street wurde so gut verdient wie noch nie. All das währte, bis im vergangenen Sommer die ersten Investoren Milliardenverluste meldeten und die Angst sich ausbreitete. Jetzt haben Banken und Brokerhäuser in aller Welt begonnen, ihre Bilanzen wetterfest zu machen und höhere Sicherheiten zu verlangen. Was alles noch verschlimmert.

So ähnlich war es auch schon bei der Großen Depression, die mit einem lauten Börsencrash im Jahre 1929 begann und die Goldenen Zwanziger Jahre ablöste. Damals lösten fallende Vermögenspreise eine Abwärtsspirale aus. So war es auch in Japan, wo Ende der 1980er Jahre der Immobilienmarkt einbrach, was die Banken ruinierte und das Land für ein Jahrzehnt in die Krise rutschen ließ. Noch behauptet niemand, dass es für Amerika ganz so schlimm kommen muss. Doch schon die Wachstumshemmung nach kleineren Wirtschaftskrisen hält oft jahrelang an, und sie überschreitet schnell Ländergrenzen.

Ruhe ist die oberste Politikerpflicht, wenn eine solch angespannte Lage droht. Bloß nicht vom P-Wort sprechen. Von der Panik. Schon die Angst vor der Panik kann zur Panik führen. Aus diesem Grund sagt Präsident George W. Bush: »Die USA haben die Lage im Griff.« Darum spricht der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück zwar mit ernstem Gesicht von der »schwierigen Situation« an den Finanzmärkten, will aber von größeren Gefahren für die Volkswirtschaft nichts wissen. »Unsere unmittelbare Aufgabe ist es jetzt, die Märkte zu beruhigen«, verrät ein hochrangiger Regierungsbeamter.

Hinter der Kulisse der Beschwörungen, dass alles gut sei, wächst aber auch in Deutschland die Angst. Auch hierzulande sorgen sich Beamte im Finanz- und im Wirtschaftsministerium, dass es einen credit crunch geben könnte – dass also die große Unruhe die Banken davon abhält, Kredite zu vergeben, das Elixier der Marktwirtschaft. Dafür gibt es zwar im Augenblick noch kaum Anzeichen im Euro-Gebiet, aber die amerikanische Erfahrung lehrt, dass es über Nacht anders kommen kann. Dann wäre das Wachstum hierzulande, ohnehin schon angezählt, erst recht in Gefahr. Gerade senkte das Kieler Institut für Weltwirtschaft seine Wachstumsprognose für das Jahr 2009 von 1,6 auf 1,2 Prozent; in dieser Woche wird die Industrieländerorganisation OECD ihre Deutschlandprognose für 2008 nach unten korrigieren. Der Pessimismus hat viel mit der Finanzkrise in den USA zu tun, mit dem Abkühlen der amerikanischen und in der Folge der globalen Konjunktur.

Das Nervenzentrum der internationalen Finanzwelt befindet sich nicht in New York, London oder Tokyo, sondern am Oberrhein im beschaulichen Basel. Nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, ragt ein zylinderförmiges Bürogebäude aus dunkelbraunem Beton in die Höhe – der Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Diese BIZ ist so etwas wie die UN der Zentralbanken, die Dachorganisation der Währungshüter. Alle zwei Monate kommen Notenbanker aus allen Teilen der Welt nach Basel, um über die globale Wirtschaft zu beraten.

Das jüngste Treffen am Montag der vergangenen Woche verlief angespannt. Die Lage in den USA galt als bedenklich. So bedenklich, dass man sich erneut auf ein großes, international abgestütztes Rettungspaket unter der Regie der amerikanischen Notenbank verständigte: Jetzt ist vereinbart, dass Banken problembeladene Hypothekenpapiere bei der Federal Reserve Bank für einen Zeitraum von 28 Tagen hinterlegen können und dafür im Gegenzug hochwertige amerikanische Staatsanleihen erhalten.

Am vergangenen Sonntag legte die Führung der Federal Reserve Bank noch einmal nach und belebte eine Notverordnung aus der Zeit der Großen Depression neu: Die Federal Reserve Bank darf jetzt nicht nur Banken, sondern auch Brokerhäusern auf solche Weise Geld zuschanzen. Nach einigen Schätzungen könnte sie bald bis zu 400 Milliarden Dollar zweifelhafter Hypothekenpapiere in ihren Büchern stehen haben, etwa die Hälfte ihrer ganzen Bilanz. Das soll den Kursverfall dieser Papiere aufhalten und die Anleger beruhigen. Die Notenbank wird zum Pfandhaus der Nation.

Es ist nicht das erste Mal, dass die großen Zentralbanken eingreifen, um die Märkte zu stabilisieren. In den vergangenen Monaten haben sie kräftig die Zinsen gesenkt und immer wieder mit Milliardenkrediten das Finanzsystem flüssig gehalten. Der amerikanische Währungshüter Ben Bernanke trieb es dabei so toll, dass Kritiker ihm vorwarfen, die Sache zu übertreiben. Er belohne mit seinen Rettungsaktionen bloß die Spekulanten. Er sorge mit so viel Aktionismus erst recht für Verunsicherung – und womöglich auch für eine anhaltende Inflation und einen Dollarsturz. Doch Bernanke hält dagegen: Er hat einst ein ganzes Buch über die Weltwirtschaftskrise vor achtzig Jahren geschrieben und fürchtet, dass die Geschichte sich wiederholt. Er glaubt, dass Notenbanken mit aller Macht gegensteuern müssen, wenn das Finanzsystem in seinen Grundfesten erschüttert ist.

Das Problem ist nur: Mit Zinssenkungen allein, auch mit Rettungsprogrammen wie den in Basel vereinbarten, lässt sich die Krise offenbar nicht mehr in den Griff bekommen. Da ist etwa das Problem der Liquiditätsfalle. Der Ökonom John Maynard Keynes hatte damit in den 1930er Jahren die Klemme der damaligen Weltwirtschaftskrise beschrieben: Selbst wenn die Zinsen sinken und sinken, bleiben die Investoren ängstlich auf ihrem Geld sitzen. Sie stecken in einer Angstfalle. Tatsächlich: Die Kosten für einen Hypothekenkredit in den USA sind heute höher als im Januar, als die Fed mit ihren hastigen Zinssenkungen begann.

Etliche amerikanische Finanzhäuser geizen aber noch aus anderen Gründen mit Krediten. Die Löcher in ihren Bilanzen werden größer, es geht an die Substanz. »Bei vielen Instituten wird das Eigenkapital knapp«, sagt Stephen Checchetti, Professor an der Brandeis-Universität und designierter Chefvolkswirt der Basler BIZ. Von irgendwoher müssen dauerhaft neue Finanzmittel kommen. Sinkt das Eigenkapital unter einen bestimmten Wert, droht die Schließung. Jetzt rächt sich, dass so viel Kapital als Bonuszahlungen und Dividenden ausgeschüttet wurde.

In dieser unsicheren Lage findet sich aber kaum ein Investor, der sich an Banken beteiligen will. Selbst die mächtigen Staatsfonds aus Ostasien und den Golfstaaten, die in den vergangenen Monaten manches Finanzinstitut mit Milliardenspritzen stützten und als Retter in der Not auftraten, scheuen inzwischen offenbar das Risiko. Das chinesische Brokerhaus Citic hat eine schon angekündigte Milliardenspritze für Bear Stearns zurückgezogen.

Recht hilflos erscheinen da manche Reaktionen aus der Politik: Von überall her erschallt gerade der Ruf, schleunigst neue Spielregeln für die Banken zu erlassen, den Finanzmarkt besser zu beaufsichtigen und das riskante Spiel der Händler einzugrenzen. Der amerikanische Finanzminister Henry Paulson denkt in diese Richtung. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen die Banken dazu verpflichten, mehr Eigenkapital als Sicherheitspuffer für ihre Geschäfts zu horten. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, will, dass seine Behörde zu einem Frühwarnsystem für Finanzkrisen ausgebaut wird. Doch solche Vorschläge werden frühestens bei künftigen Krisen etwas nützen.

Lauter werden nun auch die Rufe nach einer ganz anderen Art von Wirtschaftsprogrammen, die man lange in der Historienschublade abgelegt hatte. Da meldete sich der Vizechef des IWF in einem Appell: Die Staaten der Welt sollten notfalls mit Ausgabenprogrammen einen Absturz verhindern. »Das Undenkbare« nannte er das.

In Washington haben sie immerhin ein Steuersenkungsprogramm für die Konjunktur aufgelegt, das auf 160 Milliarden Dollar veranschlagt wird – aber es gibt noch viel weiter gehende Vorschläge, die den Steuerzahler massiv belasten würden: die Immobilienbesitzer des Landes und die Banken staatlich zu retten. Barney Frank, Vorsitzender des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus, fordert Staatsgarantien für Hypotheken. Die Regierung könnte leer stehende Häuser kaufen, um den Immobilienmarkt zu entlasten. Die Zentralbank könnte den Geldhäusern schlechte Wertpapiere dauerhaft abkaufen.

Unter Ökonomen wird nicht einmal mehr ausgeschlossen, dass der amerikanische Staat angeschlagene Banken stützen muss, indem er sich an ihnen beteiligt. Der Schwarzseher Nouriel Roubini glaubt gar, dass weite Teile des US-Finanzsektors vorübergehend verstaatlicht werden müssen. Originellerweise hat er offenbar Verbündete bei der Investmentbank Morgan Stanley gefunden. Die gab am Montag einen Bericht namens »Die Regierung schlägt zurück« heraus und begrüßte, dass Washington nun beherzter eingreift. Dass sie so lange gewartet hätte, schimpfte ihr Autor Paul O’Brien, liege an der »Ideologie des freien Marktes« und »bürokratischer Trägheit«.

Für viele klingt es unerhört, wenn der Staat nun zur Hilfe eilen soll – schon weil der Steuerzahler dabei die Zeche für zügellose Spekulanten übernimmt. Es ist aber in dieser und in früheren Krisen immer wieder geschehen. Das Argument lautet, dass ein Zusammenbruch des Weltfinanzsystems noch viel teurer würde. Auch hierzulande sprang bei der WestLB das Land Nordrhein-Westfalen mit einer Garantie über drei Milliarden Euro ein, bei der Sachsen LB bürgte der Freistaat für 2,75 Milliarden Euro. Mit mehr als 1,2 Milliarden Euro musste sich der Bund an der Rettung der IKB beteiligen.

In Großbritannien verstaatlichte die britische Regierung vor Kurzem ihren angeschlagenen Immobilienfinanzierer Northern Rock. Als Japans Geldhäuser in den neunziger Jahren zusammenbrachen, übernahm der Staat ihre faulen Kredite, und während der schwedischen Bankenkrise garantierte der Staat die Zahlungsverpflichtungen der Finanzhäuser. Freilich: Billig sind solche radikalen Eingriffe nie gewesen. In Japan kostete die Bereinigung der Bankbilanzen den Staat 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Schweden immerhin knapp zehn Prozent.

Was es in Amerika kosten würde, lässt sich noch längst nicht seriös beziffern. Was aber ein Zusammenbruch des US-Bankensystems die ganze Welt kosten würde, mag man sich gar nicht ausmalen.

 
Leser-Kommentare
    • Rellem
    • 18.03.2008 um 10:01 Uhr

    Hi @ll
    Wer mit Luftblasen hantiert und mit *Gewinnerwartungen* spekuliert,
    aber nichts solides in der Hand hat der muß sich nicht wundern wenn er
    baden geht.
    Was bitte haben "Investment-Banken" mit solider Wirtschaft zu tun?
    Nichts.
    Sie handeln mit Luftnummern denen jede vernünftige Basis fehlt, ohne
    diese Hassardeure hätten wir eine Menge Probleme weniger, warum also
    diese "Banken" stützen?
    Gruss
    Rene

    • Anonym
    • 18.03.2008 um 10:24 Uhr

    der unbestreitbare vorteil der jetzigen krise ist, dass die unablässige demütigung, die immer von leuten ausgeht, die so tun als wüssten sie welchen bauplan die welt hat und die lächelnd auf ihre bewunderer und nachhechler herabsehen, um zu beweisen, dass eben manche diesen bauplan kennen und manche ihn nie verstehen werden, verschwindet, wenn man gerade mal den preis für das grundstück in new york erwirtschaftet, auf dem das gebäude zufällig herumsteht.der nachteil ist natürlich, dass mit diesem befreiungsschlag wieder keiner umgehen kann.

  1. Seit der Entdeckung der Exponentialfunktion und des Multiplikatoreffekts sollte die derzeitige Entwicklung an den Finanzmärkten eigentlich kein Erstaunen mehr auslösen.
    Erstaunlich ist lediglich die Behäbigkeit mit der sich die Krise durch das allgemeine Wirtschaftskrise gräbt.
    Noch vor wenigen Tagen konnte der verwunderte Leser in allen Wirtschaftsblättern die erstaunliche Behauptung zur Kenntnis nehmen, die Krise sei nur auf die Finanzmärkte beschränkt, ein Übergreifen auf die Gütermärkte nicht festzustellen.
    Allmählich müssen wir wirklich um den gesunden Menschenverstand unserer Wirtschaftslenker und Finanzpolitiker besorgt sein. Bei der sogenannten seriösen Fachpresse scheint sich das jahrelange Ausdünnen der Redaktionen mittels Billigvoluntariaten endgültig bemerkbar zu machen.
    In einem vorläufigen Fazit bleibt festzuhalten:
    1. Die Landesbanken, die in der Krise ein stabilisierendes Element sein sollten, haben komplett versagt und die Krise sogar angeheizt.
    2. Der Wirtschaftskreislauf, in dem Finanz- und Realwirtschaft untrennbar verknüpft sind, wird neu entdeckt. Welch Wunder!
    3. Wer an einen 1. und an einen 2. Arbeitsmarkt glaubt, glaubt auch an das Märchen von der Unabhängigkeit der Märkte. Solche Leute haben an verantwortlichen Stellen in der Politik nichts zu suchen. Statt dessen dürfen sie als Lobbyisten von Zeitarbeitsunternehmen (fühlen Sie sich ruhig angesprochen, Herr Clement) ihr unseliges Tun rechtfertigen und auf öffentlich-rechtlichen  Sendern für ihre Tätigkeit werben. Für solche Aktionen wurden früher Moderatorinnen entlassen.
    4. Die Kanzlerin fliegt lieber mit der halben Regierungsmannschaft nach Israel, statt sich mit den drängenden Fragen der Finanzwirtschaft zu befassen. Allmählich müßte der Nachholbedarf der Dame doch gesättigt sein. Honecker ist wenigstens in Wandlitz geblieben.
    5. Die Qualität der öffentlichen Berichterstattung über die Weltbörsen wird vollständig durch Frank Lehmann abgedeckt. Bald werden die Unternehmensnachrichten von Dieter Bohlen als Comic präsentiert.
    Gute Nacht, Deutschland.

  2. "Das Finanzinstitut verwettete mehr als die Hälfte seiner Bilanzsumme."Wer auch nur ansatzweise verstanden hat, was diverse "Finanzinstitute" in den letzten Jahren ihrer Investorenklientel als "Geldanlage" angeboten haben, konnte schon längst den Eindruck haben, dass etliche Banken sich in "Wettbüros" verwandelt hatten.Während hier für etliche wichtige Entwicklungen keine Geld zu bekommen war, ist weltweit die Blase aufgepumpt worden. Und jetzt, da aus den Global-Playern die Global Plärrer werden, sollen die Staaten ( und damit die Steuerzahler ) die Zeche bezahlen.Denn lieber im Tollhaus als kein Dach über dem Kopf, so das Fazit dieses ZEIT-Artikels.Wohlan denn!!

  3. Noch vor ein paar Jahren hieß es, der Staat solle sich bitteschön aus der Ökonomie heraus halten - man könne dort gut auf sich selber aufpassen, schließlich gelte dort das eherne Naturgesetz der freien Marktwirtschaft. Kritik an dieser Auffassung war nicht erwünscht, schließlich würde die Globalisierung von Spezialisten gestaltet, die allerbeste Kontakte und über eine allerbeste Ausbildung verfügten.Wenn man sich nun die Aussagen etwa eines J.Ackemann anhört, dann ist da heraus zu hören, dass die Bedenken, die schon seit Jahren am wildwuchernden Marktfetischismus geäußert wurden, richtig waren. Jetzt ruft man seitens derjenigen, die den Nachtwächterstaat früher forderten, nach einem starken Staat, der den Karren wieder aus dem Dreck zieht, da sonst ein Kollabs bevor stünde. 

  4. you made my day.
    Ich kann mich an Zeiten erinnern, da das Wort "Staatsdirigismus" gerne benutzt wurde, um unserem Wirtschaftssystem die letzten Zügel abzunehmen. Und nun redet man im Mutterland der Zügellosigkeit von Verstaatlichung der Banken und der grinsende Ackermann ruft nach staatlicher Intervention.

  5. 7. Mist

    Also, mal wieder: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, auf dass wir auch alle teilhaben an dem Spaß. Das Beste aber ist die Begründung, warum jetzt der Staat, also wir alle, zahlen sollen: wenn wir's nicht täten, würde alles noch viel schlimmer werden.Ja, wer glaubt denn diesen Mist noch?

  6. Zitat:Ich kann mich an Zeiten erinnern, da das Wort "Staatsdirigismus" gerne
    benutzt wurde, um unserem Wirtschaftssystem die letzten Zügel
    abzunehmen.
    Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass vor nicht all zu langer Zeit Kritik an diesem Kurs "sozialistisches" bzw. "kommunistisches" Gedankengut unterstellt wurde. Ich erinner nur an den G8-Gipfel in Heiligendamm  - da gerieten Kritiker in Terrorismusverdacht. Ebenso erinnere ich an den G8-Gipfel in Genua, bei dem Kritiker niedergeknüppelt wurden, weil sie mit ihrer Kritik ja grundsätzlich Unrecht hätten, weil die Selbstreinigungskräfte des Marktes alles regeln würden und der Rest ja terrorverdächtig sei. Und ich erinnere nur an den Gipfel von Tokyo, wo man politischerseits "Sprachregelungen" traf, die die Worte "Krise" und "Panik" grundsätzlich vermeiden sollten. Letztendlich hat man mit letzterem Potemkinsche Dörfer gebaut und wie weiland im real existierenden Sozialismus und im Ancien Régime in Frankreich die Realität nicht wahrnehmen können - oder nicht wollen.

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