Blickfang Im Auge des Lenkdrachens
Aus dem Blickwinkel der Götter nähert sich Nicolas Chorier Indiens heiligen Flüssen, Hütten und Palästen. Seine Kamera ist an den Schnüren eines Lenkdrachens befestigt und fliegt bei günstigen Winden 330 Meter hoch. Der Fotograf steuert sein Glasfiber-Luftschiffchen vom Boden aus. Per Videoverbindung kommen die Bilder auf einen tragbaren Monitor. Der Kamelmarkt in der Pilgerstadt Pushkar, das Mehrangarh Fort in Jodhpur (unser Bild), die langen Schatten der Badenden an Goas Stränden kurz vor Sonnenuntergang, die Nymphen, die in den rosa Sandstein des Vishwanath-Tempels gemeißelt sind aus der Drachenperspektive wird enthüllt, wie Indien von oben aussieht und was dem geerdeten Betrachter verborgen bleibt. Und weil sich die Inder den bunten Flugkörpern, die sie »patang« oder »tikkal« nennen, mindestens so verbunden fühlen wie dem Kricketspiel, begegnen sie auch Choriers Windmanövern wohlwollend: Die Fischer von Calicut stehen auf einem Silberteppich aus getrockneten Sardinen und lächeln himmelwärts dorthin, wo das Auge des Drachens sie gerade fixiert.
Nicolas Chorier: »Indien von oben«. Frederking & Thaler, München 2007 - 192 S., 39,90 EURO
- Datum 20.03.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 19.03.2008, S.60
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