In Deutschland ists besonders schlimm

Dieser Artikel ist mir aus dem Herzen geschrieben, ich habe meine eigenen deutschen Erfahrungen in den Beispielen wiedererkannt. Schon auf der Universität (Diplomökonom aus Bochum) durfte ich hören, das »wir« (gemeint: die Frauen) mit dem Studium nur Geld der Allgemeinheit zum Fenster rausschmeißen, weil wir hinterher ja doch zu Hause bleiben mit den Kindern.

Mein Berufsleben änderte sich erst mit dem Schritt ins Ausland zu einem großen englischen Konzern in Belgien. Hier bekam ich nach zwei Jahren meinen ersten Managementjob angeboten. Ich habe einige Jahre meiner Managerzeit in Deutschland gearbeitet und fand dies vergleichsweise sehr schwierig, eigentlich eine Zumutung.

Bei einem großen kanadischen Unternehmen wurde ich Vicepresident, und heute bin ich flämische Beamtin, die für die gleiche Leistung dasselbe Gehalt bekommt wie ihre männlichen Kollegen. Sicher: Die Berufswelt ist auch im Ausland nicht ideal für Frauen, aber eine so starke Diskriminierung wie in meiner Heimat habe ich nirgendwo anders erfahren.

Barbara Legermann, Brügge/Belgien

Es stimmt, das Thema nervt durchaus. Vor allen Dingen die Frauen.

Nicht nur, weil es eine Frage der Gerechtigkeit ist. Sondern auch, weil eine schlechte Bezahlung der Frauen die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland behindert. Denn weniger Geld in den Taschen der Frauen heißt auch, dass sie weniger ausgeben und investieren, dass sie weniger für ihre Altersvorsorge zurücklegen und weniger Steuerzahlungen an die Staatskasse abführen.

Wir als Frauennetzwerk haben deshalb die Initiative Rote Tasche ins Leben gerufen. Und die Einführung des internationalen Aktionstags Equal Pay Day zum 15. April 2008 initiiert. Wir wollen aber mit Aktionen in mehr als 25 Städten nicht nur die Debatte beleben. Wir unterstützen Frauen auch ganz konkret: mit Schulungen und Verhandlungstrainings, durch Austausch und gegenseitige Anregungen.

Damit Deutschland nicht eines der Schlusslichter in Europa bleibt, wenn es um gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit geht.

Dr. Bettina Schleicher, Business and Professional Women Germany e. V., Berlin

Frauen erbringen in aller Regel mehr Leistung und emotionales Engagement für den Haushalt und erst recht für die Kinder als Männer.

Es bleibt für den Arbeitgeber weniger übrig als bei den Männern: weniger Kraft, weniger Aufmerksamkeit, weniger Zeit, weniger Berufserfahrung. Dies schlägt sich in der Festsetzung der Verdienste nieder. Es wird sich also so lange nichts ändern, wie die Mehrzahl der Männer nicht gleich viel Leistung für Haushalt und Kinder erbringen.

Klaus-Joachim Oehms, Bad Münster am Stein-Ebernburg

Die finanzielle Benachteiligung von Frauen ist selbst im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes strukturell festgeschrieben. So enthält der BAT eine Vergütungstabelle extra für die Pflegeberufe, in denen bekanntermaßen über 80 Prozent Frauen tätig sind.

In der höchsten Stufe, etwa als Pflegedienstleitung mit Personalverantwortung für mehrere hundert Mitarbeiter/innen, beträgt die maximal erzielbare Grundvergütung lediglich 70 Prozent der eines leitenden Angestellten in einer vergleichbaren Position außerhalb des Pflegedienstes und damit bis zu 1500 Euro weniger.

Dr. A.-K. Cassier-Woidasky, Karlsruhe

Was tun? Emanzipiert fühlen wir uns längst, doch wenns ans Eingemachte geht, meldet sich das brave Mädchen in uns zu Wort, das keinem auf die Füße treten, nicht unverschämt fordern und mit dem schmutzigen Thema Geld am liebsten gar nichts zu tun haben will. Wir sind doch froh, überhaupt tolle Stellen zu ergattern.

Vielleicht sollten wir uns einbläuen, dass dieses Land auf gut ausgebildete Frauen angewiesen ist, dass Politik und Wirtschaft froh sein können, wenn wir uns nicht ins Heim zurückziehen und den Herren der Schöpfung die Arbeit überlassen.

Judith Rachel, Friedrichsthal

 
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