Köhler? Ja!

Als habe nicht schon (fast) jede der Parteien an der Amtsführung von Horst Köhler scharfe Kritik geübt, überschlagen sie sich nun (fast) alle im Lob des Bundespräsidenten und bieten ihm bereits jetzt ihre Stimme für eine zweite Amtszeit an. Die Kampagne um die Wahl im Mai 2009 ist also schon vorüber, bevor sie recht begonnen hat. Das liegt zum einen an Köhler, das liegt vor allem aber an den Parteien.

Zuletzt hatte SPD-Fraktionschef Struck auf eine schlichte, aber harte Tatsache hingewiesen: Die SPD könnte eine eigene Kandidatur allenfalls und nicht einmal das wäre sicher zusammen mit der Linkspartei durchsetzen - das aber kommt spätestens nach Becks Fallrückzieher nicht mehr infrage, kurz vor der Bundestagswahl 2009, bei der es ja nun definitiv heißen soll: Bloß nichts mit der Linkspartei! Also muss die SPD den Mann preisen, den sie nicht parieren kann.

Westerwelle will spätestens nach der nächsten Wahl mit der Union koalieren können - er darf also an einen Wechselkandidaten nicht einmal denken, ohne selber als Wackelkandidat dazustehen. Die Union wiederum kann nicht einem von ihr erdachten Präsidenten die Wiederwahl verweigern, der populärer ist als sie selber und alle anderen Parteien zusammen. Und weshalb ist Köhler so populär? Weil er so anders ist als die Parteien, die wiederum ihn so anders finden, als sie selber es gerne hätten.

Also alles paletti! Doch halt! noch hat Köhler sich gar nicht bereit erklärt. Nein, er muss einfach Ja sagen, sonst stünden nämlich die Parteien noch dümmer da.

 
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