»Faust« Bücher zum Faust
Es ist aussichtslos, sich in den Abertausenden von Büchern zum Faust auskennen zu wollen. Aber hier sind ein paar lesenswerte: Pünktlich zum 200. Geburtstag erscheint Michael Jägers Global Player Faust oder Das Verschwinden der Gegenwart (wjs Verlag, Berlin 2008; 134 S., 18,– €), das den Faust, ganz ohne germanistischen Jargon, als »Rastlosigkeitstragödie« versteht, in der die »Katastrophe der Natur sowie der Zivilisation« gestaltet ist. Derselbe Autor hat auch eine grundlegende Studie zu Goethes kritischer Phänomenologie der Moderne verfasst, Fausts Kolonie (Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2004; 668 S., 49,80 €). Als »Repräsentanten der Menschheit« und zugleich als »Exponenten der Moderne« hat Gerhard Kaiser den Faust gedeutet und mit seinem konzentrierten Buch Ist der Mensch zu retten? Vision und Kritik der Moderne in Goethes »Faust« (Rombach aktuell, Freiburg 1994; 115 S., 12,30 €) auch ein Beispiel dafür gegeben, was historische Hermeneutik sein kann. Der Physiker und Philosoph Gernot Böhme führt in seiner Studie Goethes Faust Naturforschung und Dichtung zusammen und macht in dem alten Text aktuelle Fragen wie die der Bioethik erkennbar (Die Graue Edition, Kusterdingen 2005; 286 S., 21,– €). Fast klassisch ist bereits die Studie des Ökonomen Hans Christoph Binswanger von 1985 über den Faust als Kritik des modernen Kapitalismus: Geld und Magie (neu im Murmann Verlag, Hamburg 2005; 165 S., 19,90 €). Als kleine, feine Geburtstagsfestschrift, quer durch den Faust-Dschungel, liest sich der Insel Almanach auf das Jahr 2008: Zweihundert Jahre Goethes »Faust« (Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2007; 264 S., 8,90 €). Und die gültige Ausgabe aller Teile und Fassungen des Faust ist die des Deutschen Klassiker Verlags, besorgt von Albrecht Schöne (Frankfurt a. M. zuerst 1994; 2 Bde., zus. 1976 S., 124,– €). Elisabeth von Thadden
- Datum 20.03.2008 - 05:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.03.2008 Nr. 13
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Es ist richtig, dass Millionen von Seiten zum Thema Faust erschienen sind.
Eine Liste von Buechern zum Thema “Faust und Modernitaet” ist aber nie komplett ohne Ulrich Gaiers “Goethes Traum von einem Faustfilm”. Einen hervorragenden Ueberblick, leider nur in englischer Sprache erschienen, bietet auch Osman Durranis “Faust: Icon of Modern Culture”. Der bedeutendste Gewinn fuer Leser, Literaturwissenschaftler und Interessierte ist jedoch der Fakt, dass das Thema Faust auch in der Zukunft ueber die Grenzen der Literatur hinaus behandelt werden wird und somit hoffentlich, wenigstens gelegentlich, wieder Anreiz zum Lesen von Goethes Faust I und II bietet.
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