LÄNDERSPIEGEL ZUM BEISPIEL Marianne Tritz

Berlin

Im September 2006, gerade war das deutsche Werbeverbot für Tabak beschlossen worden, erlebten die Grünen eine ihrer seltenen Sternstunden als Oppositionspartei. » Grüne machen Druck beim Nichtraucherschutz«, verkündeten sie. Das Werbeverbot allein sei viel zu wenig, ein umfassendes Rauchverbot in Gaststätten, öffentlichen Gebäuden und an jedwedem Arbeitsplatz müsse her. Im Fraktionsbüro der Grünen arbeitete damals: Marianne Tritz, ehemalige Bundestagsabgeordnete, Vorsitzende des Grünen-Kreisverbandes Lüchow-Dannenberg, noch früher Sprecherin der berühmten Bürgerinitiative gegen die Atomanlagen in Gorleben.

Im März 2008 stellte der neu gegründete Deutsche Zigarettenverband (DZV) seine Geschäftsführerin vor: Marianne Tritz. Der Vorgänger des DZV, der Verband deutscher Zigarettenhersteller, war im vergangenen Jahr nach internen Streitigkeiten und Vorwürfen von außen auseinandergefallen. Sofort wandte sich die neue Geschäftsführerin gegen eine Ausweitung des Werbeverbots, gegen höhere Tabaksteuern, überhaupt gegen die Diskriminierung von Rauchern. » Es wird noch die Frage kommen, ob man in den eigenen vier Wänden rauchen darf.«

In der Bundestagsfraktion der Grünen löst der neue Job der Ex-Abgeordneten Entsetzen aus. » Wie kann man das eigene berufliche Vorankommen so abkoppeln von der eigenen Grundposition?«, fragt der gesundheitspolitische Sprecher Harald Terpe.

Marianne Tritz hingegen sieht keinen Widerspruch, sondern Kontinuität.

Sie spricht von der »Herausforderung, einen Dialog zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu organisieren«. Erwachsene Menschen, findet sie, »sollen eigenverantwortlich entscheiden können, was sie machen, solange sie niemanden gefährden«. So habe sie grüne Politik immer verstanden. Offenbar nicht immer. 2003, als Abgeordnete, stimmte sie für eine drastische Erhöhung der Tabaksteuer. Damit sollten die Behandlung kranker Raucher und ausdrücklich auch die Prävention von Nikotinsucht finanziert werden.

 
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