Menschen ohne Furcht
Vor sechs Jahren am 11. März 2002 ist Marion Gräfin Dönhoff gestorben. Um das Andenken an die frühere Chefredakteurin und langjährige Herausgeberin der ZEIT wachzuhalten, haben die ZEIT, die ZEIT-Stiftung und die Marion Dönhoff Stiftung den »Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung« gestiftet. Er wird jährlich verliehen.
Der Preis geht an Menschen, die wissen, worum es geht so der Titel eines ungeheuer erfolgreichen Buches der Gräfin, das sie vor 32 Jahren schrieb. Darin schilderte sie Menschen, die ihr Eindruck gemacht haben. » Sie haben alle eins gemeinsam«, schrieb sie im Vorwort. » Sie sind ganz echt sie lassen sich nicht vom Zeitgeist oder von Werbeagenturen stilisieren. Sie machen keine Konzessionen an Publikum, Mode, Karriere. Sie sind ohne Furcht. Sie folgen ihren eigenen Maßstäben und ihrer Intuition.«
Für die Jury des Dönhoff Preises hat die Gräfin damit verbindliche Maßstäbe festgelegt. Zu den Juroren zählen Vertreter der ZEIT und der beiden Stiftungen, daneben einige langjährige Weggefährten: der Soziologe Lord Dahrendorf, der in Breslau geborene amerikanische Historiker Fritz Stern, Bundeskanzler a. D. und ZEIT-Mitherausgeber Helmut Schmidt, Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker, Janusz Reiter, den Marion Dönhoff 1979 als Hospitanten zur ZEIT holte und der nach der Wende 1989/90 Polens erster Botschafter in der Bundesrepublik wurde. 2007 kam die Journalistin und Fernsehmoderatorin Anne Will zur Jury hinzu.
Im Jahre 2003 ging der mit 20000 Euro dotierte Hauptpreis an Rupert Neudeck, den Gründer und ersten Vorsitzenden der Hilfsorganisation Cap Anamur. Sie rettete Vietnamflüchtlinge, unterhält Krankenhäuser und leistet Nahrungsmittelhilfe in Elendsregionen der Welt. 2004 erhielt den Preis Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), 2005 bekam ihn die Lepraärztin Ruth Pfau für ihr Lebenswerk, 2006 der polnische Politiker und Europa-Parlamentarier Bronisaw Geremek für sein Bemühen um die Verständigung zwischen Deutschen und Polen. Der Dönhoff Preis 2007 ging an den südafrikanischen Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, dessen Engagement für einen gewaltlosen Wandel in Südafrika Gräfin Dönhoff lange unterstützte.
Mit dem Förderpreis in Höhe von 10000 Euro werden Aktionen und Projekte ausgezeichnet, die der Versöhnung zwischen den Völkern dienen. Er ging 2003 an den Verein Heim-Statt-Tschernobyl, der den leidgeplagten Menschen der verstrahlten Zone hilft - 2004 an das Maximilian-Kolbe-Werk für sein Engagement zur Verständigung zwischen Polen und Deutschen - 2005 an das Junge Klangforum Mitte Europa, 2006 an die Kinderhilfe Afghanistan und 2007 an die Kreisau-Initiative Berlin e. V.
Nun werden die Preisträger des Jahres 2008 gesucht. Wieder bitten wir die ZEIT-Leser, uns »Menschen, die wissen, worum es geht« für den Dönhoff Preis vorzuschlagen. Zugleich können sie Projekte nennen, die förderungswürdig sind. Die Preise werden am 30. November 2008 im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg verliehen. Wir bitten, Vorschläge bis zum 15. Mai 2008 einzureichen, damit der Jury ausreichend Zeit zur Sichtung der eingegangenen Nominierungen bleibt. Ihre Vorschläge richten Sie bitte an: DIE ZEIT, Presse- & - Öffentlichkeitsarbeit, Stichwort »Marion Dönhoff Preis«, Speersort 1, 20095 Hamburg oder per E-Mail an Marion-Doenhoff-Preis@zeit.de.
- Datum 20.03.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 19.03.2008, S.10
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