Kommunismus "Die Idee lebt noch"
Ist der Kommunismus gescheitert? Fragen an Alexander Watlin, Professor für Geschichte an der Moskauer Lomonossow-Universität
Ist der Kommunismus 1991 untergegangen?
Nicht völlig. Und das Siechtum begann früher. Nach Chruschtschow wurden die Führer bescheidener. Sie verstanden, dass die Weltrevolution nicht gelingt. Es ging ihnen nur noch um die Sicherung der Macht. Stagnation setzte ein; man konnte kaum mehr von Kommunismus sprechen. Aber die Idee lebt heute noch, in vielen Ländern – aber kaum in Russland.
Woran ist die Weltrevolution gescheitert?
Die Geschichte war klüger als die Bolschewiken. Aber die wollten das nicht anerkennen und hielten stur an der Ideologie von Marx fest. Die Kommunistische Internationale (Komintern), anfangs voller Begeisterung, erstarrte in aufgezwungener Disziplin. Sie degenerierte zum außenpolitischen Unterstützerverein der Sowjetmacht. Das hatte mit Weltrevolution wenig zu tun.
Ihre wichtigste Erkenntnis?
Früher hatte ich gedacht, dass die Komintern als Weltgründung in der Welt operierte. Aber ich erkannte, dass sie viel mehr Teil der Geschichte meines Landes ist: eine russische Gründung mit dem Impetus, den Weltbolschewismus zu schaffen.
Was fehlt in der Kominternforschung?
Ein historisches Gesamtwerk. Auch ist die menschliche Geschichte der Komintern verloren gegangen. Die Bewohner des Hotels Lux lebten ja abgeschottet wie im Elfenbeinturm. Sie waren schockiert, wenn sie Straßenkinder und hungernde Bauern sahen. Bekanntschaften mit Russen waren unerwünscht. Keiner hat ein Tagebuch geführt. In den offiziellen Dokumenten kommen die Kominternler nur als Soldaten der Weltrevolution, nicht als normale Menschen mit Schwächen vor.
Was würden Sie gern herausfinden?
Es gibt Vermutungen, aber keine Belege, dass der vierte der Moskauer Prozesse als Prozess gegen die Komintern geplant war. Es gab ein Verfahren gegen zwei KPDler, die angeblich Kontakt zu Trotzkij hatten. Die öffentliche Meinung war also vorbereitet, dass die Komintern ein Spionagenest sein könnte. Doch für Stalin war es nicht nützlich, sie ganz zu vernichten. So kam es nicht zum Prozess.
Alexander Watlin ist Professor für Geschichte an der Moskauer Lomonossow-Universität
- Datum 19.03.2008 - 09:46 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.03.2008 Nr. 13
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Nur der Kommunismus?Ist Demokratie eine Ideologie, ein Gegensatz zum Kommunismus?Wo steht der Sozialismus, die Diktatur, die Monarchie?Ist nicht bei allen Formen die Sicherung der Macht und die Stagnation ein gemeinsames Attribut?Wo findet eine positive Weiterentwicklung statt?Gesellschaften wurden schon immer in "Mächtige" und "Herrschende" oder Untergebene, eingeteilt. Der Zufall vor einigen hundert Jahren bestimmt noch heute geltendes Recht. Eine Eisenstange oder ein Holzknüppel in der Hand unserer Vorfahren bestimmt im Jahr 2008 noch, wer Pacht oder Miete zahlt.Macht hat nichts mit "Können " oder Streben nach Gerechtigkeit zu tun.Das haben wir in den letzten 100 Jahren gelernt. Seit Kayser Wilhelm und dem Zarenreich hat sich vieles geändert und wir lernen noch immer dazu. Hoffentlich.Vor 4 500 Jahren prägte man in Altägypten den Begriff "Maat" (siehe Wikip.)--> Gerechtigkeit. Wie weit sind wir in den heutigen Kulturen damit?.China, Irak, USA und in ca. 200 weiteren Staaten. Auf die Ideen von Marx und Engels mit der Überheblichkeit späterer Generationen zurückzublicken, ist meist von Leuten, die sie weder gelesen oder sich nie damit auseinander gesetzt haben, heute noch "en vouge".Nur die Umsetzung aller Ideen ist um vielfaches schwieriger und oft gründlich daneben gegangen...Siehe Gerechtigkeit..(Hartz 4) Einkommensverteilung in jeder Volkswirtschaft.Spätere Generationen werden unsere Zeit der Verbalzeit zuordnen.Entschuldigung, dem Informationszeitalter.Wie lange dauerten jeweils Steinzeit. Eisen und Bronzezeit?In Medien, Politik, Gesellschaft..Nur noch Plauderer?Wo sind die Denker, Macher und Könner geblieben?Haben sie resigniert? Oder kommen sie nicht mehr zu Wort?Haben Propheten und Ingenieure das eigene Land verlassen?Vieleicht sind Leistungen heute zu komplex für unsere Medien?Große Ideen wurden oft erst von späteren Generationen gewürdigt.Frohe Ostern
Was sollte denn dieser Quatsch? Schon die Frage "Ist der Kommunismus gescheitert?" ist absurd.
Es gab den Kommunismus nie. Dem Kommunismus ergeht es so aehnlich wie dem Gottesreich des Jesu von Nazareth.
Der Kommunismus kommt. Er ist immer im Werden. Er ist nie fertig. Er ist wie Sysiphos...
Es ist doch eher die Frage nach der Iedelogie, der Weltanschauung der Leute, die hier gemeint ist.
Die Frage ist auch hochbrisant, da die EU den osteuropäischen 2004 Beitrittkandidaten die neoliberale Ideologie aufdiktiert hat und die Schere zwischen Armen und Reichen dennoch aufklaffte.
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