SPD Ein Wille, aber kein Weg

Franz Müntefering ist zurück, gerade rechtzeitig. Er hat durchaus Vorstellungen, wie seine SPD noch zu retten ist. Ein guter Kanzlerkandidat allein reicht ihm nicht

Sachlich gesprochen ist es ein Dilemma, menschlich gesehen eine Tragödie. Franz Müntefering, der es lieber nüchtern hat, würde seine Situation also als ein Dilemma bezeichnen: Zu Hause in Bonn ist seine Frau. Noch geht es ihr nicht so gut, dass Politik einen größeren Raum in seinem Alltag einnehmen könnte. In Berlin, da ist die SPD, deren Krise sich gerade beschleunigt. Und dazwischen eben er, der in Bonn helfen will und in Berlin nicht helfen kann. Jedenfalls noch nicht. Ein Dilemma. Eine Tragödie.

In der vergangenen Woche wurde in der Hauptstadt die höchste politische Aktivität des Franz Müntefering seit vier Monaten gemessen. Wenn man ihn beobachtet an diesem oder jenem Schauplatz des politischen Berlin, dann fällt zunächst auf: Er raucht jetzt weniger. Das mag am Rauchverbot liegen, verstärkt aber den ersten Eindruck, er sei etwas weicher geworden, nur eine Spur. Denn Müntefering hat den Rauch nie bloß entweichen lassen, er hat ihn herausgeblasen wie an der Schnur aufgezogen. Zusammen mit seinen leicht Ottmar-Hitzfeld-haften Mundfalten und der schmalen Statur war der Mann in Gestalt und Rauch sehr gerade, ganz Linie.

Die Berichte von seinem neuen Leben klingen privater, ja häuslicher als sonst. Es geht sehr um seine Frau, natürlich. Daneben läuft er viel, drei bis fünf Kilometer, mehrmals in der Woche. Und er kann tun, was er sich schon lange gewünscht hat: mehr lesen, im Moment Rüdiger Safranskis Bestseller über die deutsche Romantik.

Woraus man keine falschen Schlüsse ziehen sollte, weder über die Romantik noch über Müntefering. Denn was ihn in dieser Woche umtreibt, was ihn zu einem langen Brief an den neuen SPD-Chef und seine Stellvertreter provozierte und was ihn viele, manche sagen: zu viele Gespräche führen lässt, das ist weder idealistisch noch gar naiv, es ist härteste Machtpolitik. Franz Müntefering will etwas, und er sucht einen Weg.

Echte Politprofis wie er denken immer rückwärts, von einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft aus. Dieser Zeitpunkt ist an diesem Abend die Bundestagswahl 2009. Ihr geht der Wahlkampf voraus, der wiederum spätestens mit der Wahl des Bundespräsidenten im Mai desselben Jahres beginnt. Da endet sozusagen die politische Friedenspflicht. Bis dahin muss der sozialdemokratische Kanzlerkandidat schon auf vollen Touren laufen, also bereits Ende 2008 bestimmt worden sein. Nach Lage der Dinge, wie sie Kurt Beck nun einmal angerichtet hat, kann der selbst es nicht sein, denn ihm glaubt man nicht mehr, dass er im Bund keine Koalition mit der Linkspartei schließen wird. Also Frank-Walter Steinmeier, was aber nur dann Sinn hat, wenn er nicht Kanzlerkandidat einer Partei ist, die von jedweder Agenda-Politik gar nichts mehr hält, die Linke jedoch durchaus zu schätzen weiß. Folglich muss die SPD bis zum Herbst ihren Blick wieder von der Linken wegwenden, sich in die Mitte bewegen. Und zwar glaubwürdig. Und zwar schnell. Darum darf sich die von Kurt Beck einberufene Funktionärsversammlung am 31. Mai nicht mit Koalitionen beschäftigen, sondern muss ein Programm formulieren für die sozialen und zugleich wirtschaftlichen Reformen der nächsten zehn Jahre, zum Beispiel. Das muss allerdings gut vorbereitet sein.

Wann also ist dann der Zeitpunkt für die Wende zum Besseren gekommen, wann soll die Rettung der SPD beginnen? Bald? Nein: jetzt!

Auch politische Beobachter denken gern rückwärts, aber von der Gegenwart aus, von heute an rückwärts. Wie ist es denn gekommen zu diesem sozialdemokratischen Desaster, zu dieser Bedrängnis, dazu, dass es auf einen Mann nun wieder ankommt, der eigentlich nicht mehr wollte, dass es auf ihn ankommt?

Franz Müntefering bezweifelt mittlerweile, dass es richtig war, den Parteivorsitz von Gerhard Schröder zu übernehmen. Diese Machtteilung im Februar 2004 hatte zur Folge, dass die SPD in der Zeit danach ohne echte Führungsreserve dastand. Und sie schuf die folgenschwere Illusion, die sozialdemokratische Seele ließe sich vor der schmerzhaften Regierungspolitik schützen. Schröder sagte damals: »Franz Müntefering macht nichts anderes, er macht es nur anders.« Das funktionierte nicht, Partei und Wähler wollten es nicht nur anders, sie wollten eine andere Politik. Und sobald die Parteiführung diesem Bedürfnis durch die Machtteilung nachgab, gab es kein Halten mehr.

Kein Fehler, so sieht es der ehemalige Parteichef heute, war dagegen der zweisame Neuwahlbeschluss von Schröder und Müntefering vom Mai 2005. Die Idee war klar: Sie wollten die SPD in die Große Koalition retten, besser: Sie wollten sie durch Regieren retten. Dahinter steckt eine Einschätzung Münteferings von seiner Partei, die sich heute bitter zu bestätigen scheint: Je geringer die disziplinierende Wirkung des Mitregierens, desto schneller geht die Drift nach links.

Noch einmal verschärft wurde diese Entwicklung aus Münteferings Sicht von außen, von der CDU. Sie hat bei ihrem Dresdner Parteitag im November 2006 einen Schritt nach links gemacht und die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I beschlossen. Damit sei klar gewesen, dass die SPD ihrerseits einen Schritt weg von der Agenda 2010 würde machen wollen. Und noch einen und noch einen, so lange, bis den Genossen nicht mehr wirklich klar war, was sie von der Linken so sehr unterscheiden soll, dass man mit ihr nicht koalieren und regieren könne.

Auch Müntefering hat sich dagegengestemmt und dabei doch unfreiwillig seinen Beitrag geleistet zu der fatalen Drift der SPD, an drei Stellen. Zunächst beim Bochumer Parteitag im November 2003. Dort hat der Kanzler Schröder verzweifelt versucht, seine Partei von der Agenda 2010 zu überzeugen, und ist gescheitert. Franz Müntefering hingegen, damals Fraktionschef, gewann die Herzen der Partei, indem er den Delegierten eine Agenda-Rede ersparte und nur in ruhrgebieterischem Tonfall ausrief: »Partei gut, Fraktion gut, Glückauf!« Großer, erleichterter Beifall. In dieser Sekunde wurde die Illusion geboren, es ließen sich Kopf und Herz, Regieren und Opponieren, Kanzler und Parteichef trennen.

2007 fiel Müntefering seiner Eitelkeit (»Ich bin eher eitel als ehrgeizig«) anheim. Bei der fatalen Spargelfahrt im vergangenen Mai hat er Kurt Beck so brillant an die Wand geredet, dass die alsbaldige menschliche wie politische Trennung beider unausweichlich schien. Sie hält bis heute an.

Und schließlich war da sein eigener Rücktritt vom Parteivorsitz. Menschlich konnte man das verstehen, die Partei wollte ihm seinen Wunschgeneralsekretär nicht geben, was der Vorsitzende als Misstrauensvotum verstand. Aber wie schwer wiegt das im Rückblick? Wenn man sieht, was danach kam und wo die SPD jetzt ist?

Was die Handlungsfähigkeit von Müntefering heute aber weit mehr einschränkt als seine Eitelkeiten und Gekränktheiten, ist neben den heimischen Verhältnissen zweierlei: Er konnte eben nie beweisen, dass er mit Reformpolitik Wahlen gewinnen kann. Und er hätte auch jetzt Schwierigkeiten, Positionen zu formulieren, die rechts von Beck und zugleich links von Jürgen Rüttgers sind. So nah ist die CDU gerückt. Aber das ist noch nichts gegen die personellen Probleme: Auf wen soll er um Himmels willen bauen, wenn er es Beck nicht richtig zutraut?

So sieht die ehemalige Agenda-Truppe heute aus: Zwei stehen im Sold mächtiger Konzerne, Schröder und Clement, der noch dazu auf die eigene Partei einhackt. Zweien hat es die Sprache verschlagen: Olaf Scholz, einst Generalsekretär, mittlerweile Arbeitsminister, und Frank-Walter Steinmeier, dem neuen Vizekanzler. Und zwei reden sehr forsch, aber wenig diszipliniert herum: Peter Struck und Peer Steinbrück. Die beiden benehmen sich oft so, als wären sie gar keine Spitzenpolitiker, als wüssten sie nicht, dass es bei allen politischen Äußerungen auf das Wie ankommt, auf Timing und Lautstärke. Das ist keine sonderlich starke Truppe, das ist zugleich auch eine indirekte Widerlegung der Agenda-Politik, ihres Ernstes und ihrer Dringlichkeit.

Wenn heute in der SPD trotz alledem so viel über Müntefering geredet wird, dann liegt das nicht an seinen Briefen und Gesprächen. Eher schon am Verhalten der »Rechten« in der SPD, die den amtierenden Vorsitzenden seit dessen Wiederkehr in ihr Schweigen hüllen wie in ein nasskaltes Tuch. Dessen eigene Fehler und seine eigene beredte Sprachlosigkeit schaffen zudem einen Hohlraum, in den hinein nun das Charisma des Franz Müntefering strömt. Man hat in der SPD noch seinen letzten großen Auftritt beim Hamburger Parteitag in Erinnerung. Es war eine Vision, sie handelte von einer sozialen Agenda-Politik, von einem einfachen Mann, der große Reden halten kann, von einem handfesten politischen Nahkämpfer, der strategisch zu denken vermag. Von ihm eben, dem Franz.

Schade, dass sich Franz Müntefering jetzt keinen Zigarillo anzündet. Man würde gern dem schnurgeraden Rauch hinterhersehen.

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Leser-Kommentare
  1. für Überlegungen einer theoretischenNeubestimmung der SPD steht folgender Link:
    http://kommentare.zeit.de/user/124283/contributions
     

    • irisor
    • 23.03.2008 um 7:08 Uhr

    Ich mag den Münte, ehrlich. Aber mit seiner SPD ist kein Staat mehr zu machen. Vergessen das dreckige Grinsen der meuchelnden Nahles, vergessen das Gezetere seiner SPD über die Rente mit 67?Die SPD hat Helmut Schmidt gemeuchelt, hat sich mehr als die meisten CDU-Wähler über den Abgang von Schröder gefreut, hat auch Müntes Abgang und halbherzig bedauert, nachdem sie ihn vorher, vor allem diese Nahles, demontiert haben.Ja, ich mag den Münte, und ich wünschte ihn mir zurück. Und auch ich bin kein SPD-Wähler und würde es wahrscheinlich nur zur Verhinderung einer Diktatur werden. Vieleicht braucht ihn seine Partei, aber sie will ihn nicht.Ich mag den Münte, er sollte sich diesen Gang ersparen und die Zeit seiner Frau und sich selber widmen. Herzlichsti-risor

  2. ...den bestraft das Leben". - So Münefering, damals Generalsekretär der SPD,  im Wahlkampf 1998 über Kohl. Über Kohl, der den gescheiterten Ex-Ministerpräsidenten als letzten Rettungsanker mit in sein Wahlkampf-Team aufnahm. Helmut Kohl, der dieses Land in die Nähe des Staatsbankrotts brachte. Kohl, dessen Arbeitsminister Blüm die Sozialkassen mit einer nie dagewesner Hemmungslosigkeit plünderte. Plünderte, auf daß auch diese fast zahlungsunfähig wurde. Und wiederum Blüm war es, der immer geschickter die Zahlen der Arbeitsmarkt-Statistik manipulierte, der des weiteren Teile der Agenda vorwegnahm. Zusammengefaßt wurden diese Machenschaften als "Soziale Kälte", mit diesem Terminus ging die SPD in den Wahlkampf 98.
    Selbstverständlich wußten Schröder und sein General der maroden Kassenlage, ebenso selbstverständlich war bekann, daß dem ein Ende bereitet werden mußte. Und erst Recht selbstverständlich, das in Abwägung der Kräfteverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit, wer die Kosten trägt. Und jeder,  halbwegs vom Status des staatsbürgerlichen Analphabeten befreite, Wähler wußte es auch.
    So ist kein Fehler in der Erhöhung der Benzinsteuer zugunsten der Rentenkassen erkennbar, falsch allerdings die Umfälschung durch die Bezeichnung "Öko-Steuer. Ebenso wenig falsch große Teile der Agenda, mit Sicherheit falsch aber das Versprechen, dadurch die Massenarbeitslosigkeit merklich zu reduzieren. Die Massenarbeitslosigkeit an der weit über 20 Jahre schon andere scheiterten. Scheiterten und ihr Versagen mit Manipulationen an den Statistiken tarnten.
    Hier versagte die Arbeiterpartei SPD. Nicht das ureigene Klientel, die klassenbewußte und gebildete, sozialdemokratische Avantgarde in den Betrieben, die Gewerkschafter und Betriebsräte, die es, merklich reduziert nach 7 Jahren Rot-Grün, immer noch gibt, wurde angesprochen, befriedigt wurde der staatsbürgerliche Analphabet.
    Das konnte nicht gutgehen. Wozu eine Arbeiterpartei  in der "Mitte"? In der Mitte, die sämtliche Stereotypen mit denen Kohl den Stammtisch befriedigte wiederholt und verschärft. Wozu die Arbeiterpartei, so sie in der Statistik-Fälschung sich Methoden bedient, die die "soziale Kälte" Kohls bei weitem übertraf?
    Richtig ist, das Ding beim Namen zu nennen, die Beantwortung der Frage, wer die Kosten trägt, die Kosten für eine solidarische Politik, also der Politik einer Arbeiterpartei, hätte dem Land noch weitere 4 Jahre Kohl beschert. Ebenso richtig aber ist, eine Agenda durchgezogen von Kohl/Blüm, das wiederum mit dem Verbalfaschismus eines Medienkanzlers und seines Clement, wäre am entschiedenen Widerstand der Arbeiterpartei und der Gewerkschaften gescheitert. Insofern ist es ungerecht, spielt sich ausgerechnet Norbert Blüm nun als Verteidiger der Schwachen auf, dummdreist, und da ist Müntefering ausdrücklich Recht zu geben, die Eintracht zwischen Beck und Rütgers, so sie den "jugendlichen Säufer" gegen den älteren Arbeitslosen ausspielen. Den "jugendlichen Säufer", als wenn nicht bei weitem mehr ältere Arbeitslose alkoholkrank - so der korrekte Ausdruck - sind.
    Das Problem, mittlerweile seit über 30 Jahren, heißt Massenarbeitslosigkeit. Dem sich zu stellen ist Aufgabe einer Arbeiterpartei. Diese Aufgabe hat eine Arbeiterpartei anders zu lösen als eine Partei der Mitte, der Union also. Und genau da versagte die Schröder/Müntefering-SPD. Es reichte nicht aus, als Medienkanzler im Stile Dieter Bohlens zu wirken, nicht aus, wenn Frau Doris in nie dagewesener Penetranz dem geBILDeten Wähler sich als vorweggenommenen Eva-Herman-Klon präsentierte und erst Recht reichte es nicht, daß dem staatsbürglichen Volltrottel abgefeimte Schikanen gegen "Sozial-Schmarotzer" serviert wurde. Der nämlich ahnte immer, wann er selbst in Gefahr ist und wann es zur Notwendigkeit wird, den Wahl- zum Waffenschein umzuändern und zum "Protestwähler" zu mutieren. Das Ergebnis ist bekannt. Im Osten zwei sozialdemokratische Parteien, von denen eine überflüssig ist, daneben die "Protestwähler" der Nazi-NPD. Und im Westen? Da schaue man sich das Klientel der "Linken" einmal ganz genau an.
    Die Mitte, die Union also, scheint da weiter zu sein. Dieter Althaus steht mit der Forderung nach einem einem bedingungslosen Grundeinkommen nicht alleine da. Und die Arbeiterpartei SPD? Da ist zum einen Frau Kraft in NRW, da ist zum anderen Frau Ypsilanti in Hessen. Und bei beiden ist denkbar, daß sie nacholen, was in 16 Jahren Opposition versäumt und in 7 Jahren Regierung zerstört wurde. Das Profil einer solidarischen Arbeiterpartei.
    Zu wem aber Müntefering kommt, den bestraft das Leben.
    Burkard Schulte-Vogelheim
     
     

  3. Werter Herr Ulrich,<strong>Und sie schuf die folgenschwere Illusion, die sozialdemokratische Seele ließe sich vor der schmerzhaften Regierungspolitik schützen</strong>Eine Ämtertrennung soll eine Illusion zerstören? Gehen Sie da nicht etwas weit? Ein Amt ist eine Institutionalisierung die ersteinmal nichts mit ideologischen Positionen zu tun haben muss, sie ist ein Funktionsprinzip. Es sei konzediert, dass "viele Köche" den "Brei" verderben; keineswegs jedoch ist dies ein ursächliches Moment, bestenfalls eine Verstärkung. Sie verbinden mit "Regierungspolitik" eine von ihnen definierte, weil für "richtig" oder schlimmer "alternativlos" erkannte Form dieser; in diesem Sinne ist eine aufgeklärte Themeopposition staatsbürgerliche Pflicht.<strong>Sie wollten die SPD in die Große Koalition retten, besser: Sie wollten sie durch Regieren retten. Dahinter steckt eine Einschätzung Münteferings von seiner Partei, die sich heute bitter zu bestätigen scheint: Je geringer die disziplinierende Wirkung des Mitregierens, desto schneller geht die Drift nach links.</strong>Wie rettet man eine Partei durch Regierung? Nur dann, wenn die Partei in sich historisch Regierungs- oder Staats(tragende)- Partei war. Das ist die SPD aber nicht. Die Jahre der BRD nach 1949 gehören in überwiegendem Maße der Union resp. Union/FDP. Sich also in Regierung "retten" zu wollen geht fehl, da die SPD nicht weiß wo und wie sie dazu steht. Und genau dieser Kampf tobt in der Partei seit Jahren und wird im Kern immer toben. Das Pendel neigt sich eben ab und an, Konjunktur.<strong>Damit sei klar gewesen, dass die SPD ihrerseits einen Schritt weg von der Agenda 2010 würde machen wollen. Und noch einen und noch einen, so lange, bis den Genossen nicht mehr wirklich klar war, was sie von der Linken so sehr unterscheiden soll, dass man mit ihr nicht koalieren und regieren könne.</strong>Sie verkennen, woher speziell die "WestLinke" kommt: Aus einem ur-sozialdemokratischen Milleu - sieht man man von DKP'lern etc. ab. Dort also eine klare ideologische Trennschärfe ziehen zu wollen grenzt heute an desaströses Wunschdenken, so etwas ginge wenn überhaupt nur über Jahre.<strong>Franz Müntefering hingegen, damals Fraktionschef, gewann die Herzen der Partei, indem er den Delegierten eine Agenda-Rede ersparte und nur in ruhrgebieterischem Tonfall ausrief: »Partei gut, Fraktion gut, Glückauf!« Großer, erleichterter Beifall. In dieser Sekunde wurde die Illusion geboren, es ließen sich Kopf und Herz, Regieren und Opponieren, Kanzler und Parteichef trennen.</strong>Lesen Sie sich die Rede des hochgelobten Franz beim letzten SPD-Parteitag in Hamburg durch. Sie werden nur wenig strikt-agendahaftes wiederfinden. Ist er nun politisch klug, da er die Segel weit weniger hart gegen den Wind stellt um damit sich und seiner "Agenda"-Sache im Hintergrund neue Chancen zu eröffnen oder ist er ein Opportunist?<strong>Und schließlich war da sein eigener Rücktritt vom Parteivorsitz. Menschlich konnte man das verstehen, die Partei wollte ihm seinen Wunschgeneralsekretär nicht geben, was der Vorsitzende als Misstrauensvotum verstand. Aber wie schwer wiegt das im Rückblick? Wenn man sieht, was danach kam und wo die SPD jetzt ist?</strong>Wieder so eine Episode und die Frage bleibt auch heute, ob Müntefering blinglinks, vor Kraft strotzend in diese Wahl ging ohne sich seiner LEute im Vorstand zu versichern? Führt man da vorher keine Gespräche? Hat man nicht seine Vertrauten im Vorstand die einen immer hineingedichteten Putsch zumindest vorher "fühlen" könnten? Es bleibt weiterhin die Frage nach der Bewertung Münteferings nachdem Nahles als "Königsmörderin" sehr schnell qualifiziert wurde.<strong>Auf wen soll er um Himmels willen bauen, wenn er es Beck nicht richtig zutraut?</strong>Scherzen Sie jetzt? Gerade loben Sie Müntes Verwachsenheit in der Partei und jetzt stilisieren Sie ihn zum Lonesome-Hero?Er hat doch seine Leute - Wasserhövel u.a. nur sind diese momentan entweder nicht in führenden, sicheren Positionen oder wagen sich anderweitig nicht hervor.Auf wen setzt er also?Steinmeier, Steinbrück, Struck, Wasserhövel u.a. Es gibt genug auch in verantwortlicher Position.Bei denen gibt es doch nicht einen Hauch von Abkehr von der "Agenda-Politik".@Burkard Schulte-Vogelheim #3:<strong>Und wiederum Blüm war es, der immer geschickter die Zahlen der Arbeitsmarkt-Statistik manipulierte</strong>Das tut die SPD doch auch noch heute und unter Rot/Grün?! Was ist daran anders?Zum Thema:Müntefering der Retter der gebeutelten SPD?Abgesehen davon, dass einer wie er niemals richtig "weg" ist: Womit soll Müntefering punkten? Welche Inhalte?Ist er ein Artikulator für Dinge, die der SPD auf den Nägeln brennen?Mit freundlichen Grüßen

    Diemo Schaller

  4. den Artikel finde ich klasse. Ulrich hat genau aufgezeigt, wo die Probleme bei den Sozen liegen. Der CDU/CSU steht diese Debatte noch bevor. Von den restlichen Parteien will ich garnicht erst reden. Deren Probleme sind schon da oder kommen kurzfristig. Ich bin und war nie ein Anhänger der Sozen. Aber Real-Politiker wie Schmidt oder auch den Münte hat es bei den Sozen fast nie gegeben. Willy Brandt war ein Utopist, aber mit realem Hintergrund, der seine Utopien in Realität umgesetzt hat. Bei der damaligen CDU/CSU undenkbar. Trotz oder gerade deswegen bin ich damals in die CDU eingetreten, weil damals die Realitäten so nicht erkennbar waren. Nachdem ich Brandts Erinnerungen gelesen habe, sah mein Bild von Willy ganz anders aus. Aber sei's drum, man lernt nie aus. Mit den heutigen "Größen" Beck, Steinmeier, Steinbrück etc. können die Sozen allerdings keinen Blumentopf mehr gewinnen. Aber dieser Rabulist Oskar grinst sich einen und sein durchtriebener Genosse Gysi, nicht unsymphatisch, lacht dazu. Nur Verantwortung haben diese beiden nie übernommen. Wenn's brenzlig wurde, haben die gekniffen.

  5. 6. @#3

    Ein sich wiederholendes, nerviges Geschwaller dieses Herrn. Diesmal angereichert mit der arroganten Bemerkung "(...) Status des staatsbürgerlichen Analphabeten (...)", der "Selbstverständlich" "Nicht das ureigene Klientel, die klassenbewußte und gebildete, sozialdemokratische Avantgarde in den Betrieben" darstellt. Fehlt als Signatur eigentlich nur noch der "Proletarische Gruß". 

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