Plagiate Erwischt!

Nicht nur in Deutschland kopieren und täuschen Studenten wie die Weltmeister. Auch in England hat der Kampf gegen Hochstapler gerade erst begonnen.

Felix Krull würde sich unter heutigen Hochschulabsolventen und Berufsanfängern vermutlich recht wohlfühlen, vielleicht sogar von ihnen lernen.

Mit welcher Leidenschaft und Überzeugung da manche Haus- und Abschlussarbeiten plagiieren, wie sie Lebensläufe frisieren oder gleich komplett erfinden, wie sie Karriere (meist eine kurze zwar, aber immerhin) machen als Arzt oder Jurist, ist schon beachtlich.

Anzeige

Dass das nicht nur in Deutschland gängige Praxis ist, zeigt ein Vorhaben der britischen Regierung. Sie will allen Bürgern über 14 Jahren jetzt eine unique learner number verpassen.

Zu dieser Nummer gehört ein fälschungssicherer Lebenslauf, der ins Internet gestellt wird. Darauf sind sämtliche Abschlüsse bis hin zu Zeugnisnoten gespeichert; auch, ob einer einmal von der Schule geflogen ist, ist festgehalten. Potenzielle Arbeitgeber sollen darauf Zugriff haben.

Also Schluss mit Plagiat und Hochstapelei. George Orwell könnte darüber nur müde lächeln, aber in England ist die Aufregung unter Eltern und Bürgerrechtlern groß.

Ganz abgesehen davon: Was würde eigentlich passieren, wenn diese Daten verloren gingen? Hätte dann keiner mehr einen Schul-, geschweige denn Uni-Abschluss, müsste jeder wieder von vorn anfangen?

Zählte man das Plagiat zu einer Spielart der Hochstapelei, ließe sich dieses Experiment natürlich auch noch von einem anderen Standpunkt aus kritisieren. Hatte doch der österreichische Feuilletonist Alfred Polgar vor langer Zeit einmal den schönen Satz formuliert: »Das Plagiat war schon immer die ehrlichste Form der Verehrung.«

 
Leser-Kommentare
  1. Polgar hat recht - und auch Abkupfern macht Arbeit: Man muss recherchieren, das Richtige finden und es so intelligent verändern, dass es nicht (so leicht) auffällt. Dabei gewinnt man Zeit - zu leben.

  2. [Entfernt. Bitte posten Sie Ihre Kommentare nicht zweimal./ Die Redaktion; ew]

    • konne
    • 24.03.2008 um 23:44 Uhr

    Wozu sich so aufregen.Bald wird die Gesellschaft lernen, dass es nicht die Schulabschlüsse und Kurse sind die in den LEbensläufen aufgeführt werden, die wichtig sind sondern die wirkliche Qualifikation am Arbeitsplatz. Wozu so gute Noten wenn man in der Praxis dann einen "Null" ist? dies ist die Form des Umdenkens. Weiter so!

    • konne
    • 25.03.2008 um 10:37 Uhr

    Wozu sollten wir uns darüber aufregen, dass wie wid kopiert wird? schon seit Beginn unserer Evolution wurde kopiert. Unsere Kultur wäre gar nicht entstanden wenn nicht kopiert worden wÄre (ich denke hier an die Sagen und Märchen die in Europa ihren Platz gefunden haben. Aber auch in derTechnologie, Medizin Regigion wurde alles kopiert, übersetzt und ein bisschen geändert. Später wurden Texte wortwörtlich übersetzt unda ein anderer Autor bemächtigte sich jenen Werkes. Heute finden wir Texte die wortwörtlich übersetzt worden sind (vor allem ist Südamerika eine Fundgrube, wo die Autoren meist nicht geschützt sind), der Name wurde geändert und schon ist die Arbeit fertig. Wenn wir mal einen kleinen Spaziergang durch die Bibliotheken machen oderuns im Buchladen umsehen können wir sehen dass auch dort grosse Autoren wie wild kopieren. Wenn wir  uns nun mal die Doktorarbeiten ansehen, können wir feststellen was für ein Unsinn als Doktorarbeit vorgestellt wird. Man sollte mal einen Blick auf Arbeiten von  oder über Goethe und Schiller werfen um einen kleinen einblick zu bekommen. Gibt es wirklich so viel Neues? Nein! Es ist eine Gewohnheit! Wenn wir uns der Sprachwissenschaft zuwenden werden wir viele Sprachtheorien wie die von Saussure u.v.a. wortwörtlich dort antreffen. Auch in den Deutschbüchern sehen wir das Gleiche dass einzige was sich mal ändert sind die Beispiele. Anderen Wisschenschaften geht es genauso. Man kann nicht jährlich tausende von Neuheiten produzieren die auch sinnvoll sind.Neuheiten sind rar und werden es immer mehr. Was nützt mir eine Arbeit die sich mit der Theorie befasst ob die Engel männlich oder weiblich sind? Die Dozenten, die stapelweise Arbeiten auf ihren Tisch liegen haben überfliegen sie, da auch sie bewusst oder unbewusst diese Arbeiten als einen reinen Stuss sehen.Andere Arbeiten werden gar nicht gelesen. Einer der einen Doktorenarbeit gemacht hat ist für mich noch kein guter Arbeiter. Wie viele blendenede Köpfe hat die Geschichte hervorgebracht wobei jedoch die meisten nicht lehren konnten!Wir sollten uns mehr der Praxis zuwenden und jemandem den Doktorentitel verleihen, der mit seiner Mühe seinem Fleiss und seiner Arbeit wirklich was zustande gebracht hat und ein guter Arzt, Lehrer ......ist. Was nützt mir ein Arzt der die Theorie zwar weiss jemanden aber nicht behandeln kann? Was bringt mir ein Lehrer der nicht lehren kann weil er nicht kommunikativ ist oder Kinder hasst? Vielleicht sollten wir mal umdenken dann wird wenigstens die Volksverdummung ein bisschen eingeschränkt. Was nützt mir ein Student der alles auswendig kann und alles herunterrappeln kann, ohne zu wissen was gesagt wird? Dann kommt seine Entchuldigung "Ach später wenn ich meinen Job ausübe habe ich ja Internet" oder "Der Computer wird das für mich schon machen". Man lernt mathematische Formeln auswendig ohne zu wissen wozu sie gebraucht werden. Dies ist der Preis den wir für den Fortschritt bezahlen müssen. Die Forschung muss auch lernen, dass mit all dem viele Theorien und Arbeiten unter Verschluss gehalten werden. Was nützt mir 25 Jahre an einer Arbeit herumzu tüffteln um sie dann wieder in einer anderen Ausgabe unter einem anderen Namen vorzufinden? Auf der anderen Seite sehen wir wie im Internet bizarre Informatioenen gebracht werden die von den Schülern einfach mir nichts dir nichts einverleibt werden. "Schneewittchen und die 7 Zwerge" wurde von 48 Studenten als eine Walt-Disney Produktion eingestuft. Vom Märchen keine Spur. Nur 2 von ihnen dachten an ein Märchen.Mal sehen wie dieses Märchen vom Internet und der Kopiererei ausgehen wird. Ich bin gespannt.

    • Anonym
    • 25.03.2008 um 14:15 Uhr

    Ehrlich gesagt beunruhigen mich Plagiate nicht sonderlich.Die Frage, um die es geht heißt: Ist der Kandidat qualifiziert?Die formalen Prüfungen besitzen da sowieso nur relativ geringe Aussagekraft. Sie sind vor allem Abwehrmaßnahmen durch die Meß- und Zählklientel, um Statusbesitzern einen Wettbewerbsvorteil zu sichern bzw. um die Anzahl er Bewerber durch Vorauswahl verringern zu können.Das gilt umso mehr, als die formalen Anforderungen nicht als Mindest- sondern eher als Höchststandards verstanden werden.Wenn jemand trotz "Hochstapelei" in seinem Beruf Karriere macht, so wirft das eher ein Schlaglicht darauf, wie gering die Bedeutung dieser Arbeiten ist und wie hoffnungslos die Ergebnisse überschätzt werden.Ist man mal auf diesem Standpunkt angelangt, kann man Plagiate durchaus auch als Ausdruck von Intelligenz verstehen! Vor allem, wenn das eine Berufsausübung mangels Wissen nicht behindert. Berthold Grabe

  3. mit der Meinung der Kommentaristen, dass Universitaetsdiplome und Doktortitel nur der Beweis dafuer sind, dass jemand die Disziplin zum Studieren aufbrachte. Eine Erfolgsgarantie  fuer das Leben und in der Arbeitswelt sind sie nicht. Beweis: der heutige Chef der Bayer AG Wenning ist kein Akademiker, aber aeusserst erfolgreich. Viele seiner akademischen Vorgaenger waren es nicht und haben mehr Schaden als Gutes angerichtet.

    • Hugo_P
    • 28.04.2008 um 8:06 Uhr

    "Zu dieser Nummer gehört ein fälschungssicherer Lebenslauf, der ins
    Internet gestellt wird. Darauf sind sämtliche Abschlüsse bis hin zu
    Zeugnisnoten gespeichert; auch, ob einer einmal von der Schule geflogen
    ist, ist festgehalten. Potenzielle Arbeitgeber sollen darauf Zugriff
    haben."(aus dem Artikel)Wenn Leute ihre Daten freiwillig im Internet rumtragen wollen; bitteschön; ansonsten geht mein Lebenslauf keinen was an mit dem ich nix zu tun habe/haben will. Wo soll diese blöde Kapitalismus-Spiel eigentlich noch hinführen?? Irgendwann wird dann wohl die Fortpflanzung in ökonomischer Hinsicht optimiert und die Kinder gleich ihrem zukünftigen Arbeitgeber in Obhut gegeben, damit sie gleich draufhin erzogen werden, ein effizientes Werkzeug zu sein*kopfpatsch*.Ansonsten sollte das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit im Studium eben eine Übung darstellen, "wissenschaftlich" ein Thema abzuarbeiten. Daß da nicht bei jeder "mickrigen" Studienarbeit das Rad neu erfunden wird, ist u.a. ein Zeitproblem. Z.B. dauern Fernleihen gerne mal 4 Wochen; man hat aber nur 6 Wochen Zeit, sein Thema zu erledigen.Außerdem verteidigt man doch seine Arbeiten und durch Fragen ist doch rauszukriegen; ob der Kandidat sich mit seinem Thema und den angrenzenden Gebieten auseinandergesetzt hat.Im Übrigen ist es ja heutzutage so, daß Leute, die ihren Doktor machen wollen, gezwungen sind, nebenbei einen Artikel nach dem anderen in irgendwelchen Publikationen zu platzieren und da nehmen halt viele ne Abkürzung. Irgendwoher will da doch jeder beschissen werden, denn heutzutage muß ja am Besten alles gestern erledigt worden sein.Kann sich noch wer an den Blödsinn mit der Halbwertzeit des Wissens erinnern??Kam auch durch ne wahnsinnig gut unterfütterte "Arbeit" (in Harvard glaub ich) auf, dieser Blödsinn.Da hat nämlich einer die Quellenverzeichnisse von wissenschaftlichen Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten "statistisch" erfaßt und - oh Wunder!- rausgekriegt, daß die Quellen immer mehr an den Zeitpunkt der verfassten Arbeit ranrutschten. Is ja auch klar, wenn ich z.B. ein Integral brauche oder die potentielle Energie eines Steins aufm Hochhaus ausrechnen will, zitiere ich ein aktuelles Tafelwerk/Physikbuch und nicht die Arbeiten von Newton oder Leibnitz, die ja wiederum z.B. auf der altgriechische Geometrie aufbauen.Neue Erkenntnisse/Anwendungen basieren nun mal auf z.T. "uraltem" Wissen; es ist aber nicht so, daß der "Wissensschatz" proportional zum Papierverbrauch für wissenschaftliche Arbeiten wächst.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service