DISKOTHEK POP Sex, Drugs und Hormonüberschuss
Eigentlich ist doch alles wie immer. Es geht um Sex, Drugs & - RocknRoll. Mit Jungs wie diesen konnte die Unterhaltungsindustrie über ein halbes Jahrhundert große Erfolge feiern, in Songs wie diesen feiert das männliche Ego wüste Etappensiege im Kampf der Geschlechter.
James Browns Mans World wird bei der Band The Teenagers zu einem Spielplatz für endlose Sex-Fantasien, die mit robustem Vokabular befeuchtet werden: »I fucked my American cunt« lautet der Mitsing-Refrain ihres bis dato bekanntesten Songs.
Die chauvinistischen Liedtexte gehören definitiv zum Marketingpaket »Teenagers«. Die Musiker, drei Mittzwanziger mit großen Morrissey-Brillen, die sich seit Schultagen in Paris kennen, proben gerade den Aufstand der kleinen Sex-Strolche gegen die großen Rock-Langeweiler. In den Internetforen, die die Teenagers seit Bandgründung mit einem Strom von MP3s, Remixes und Fotogalerien, mit Geschichten und Interviewfilmchen versorgen, kommt das gut an. Selbst das reduzierte Englisch der kleinen Proll-Franzosen finden Fans sexy.
Nun setzt das Teenagers-Debütalbum Reality Check die Selbstvermarktung auf Platte munter fort: Kauft unsere T-Shirts, erzählt überall von uns, schreibt unsere Namen auf eure Körper, fordern sie im heißblütigen Song Feeling Better. Was man darüber hinaus geboten bekommt, ist eine stolze Mixtur aus Dumme-Jungs-Theater und hymnischem Elektropop mit einigen obsessiven Spitzen (Starlett Johansson). Nur die Krachgitarren und cleveren Synthesizermelodien erinnern daran, dass wir die Achtziger noch nicht überwunden haben. Dem amerikanischen Spin-Magazin verkauften die Musiker ihr Album denn auch als spätes Wunschkonzert. » Es handelt von dem, was wir als Teenager gern erlebt hätten.« Das ist jetzt im Video zum Song Homecoming zu besichtigen.
Sänger Quentin Delafon grinst aus der Bettwäsche, während seine Traumgirls ihre Hintern in Hotpants rotieren oder Pompons fliegen lassen. Man kann darin die jugendfreie, klinisch weiße Variation der afroamerikanischen Erzählung vom pimp erkennen, der seine bitches tanzen lässt bei den Teenagers wird die Schlampe zum Blitzableiter für die Unbilden des Lebens. Neu daran ist allenfalls die Soundfarbe.
Mit den Teenagers rückt der Chauvinismus in den Rang einer Modenschau.
The Teenagers: Reality Check
(XL Records/Indigo)
- Datum 20.03.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 19.03.2008, S.44
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