Fernsehen Der letzte Mohikaner

Thomas Gottschalk ist seit 20 Jahren der erfolgreichste deutsche Moderator. Doch er weiß selbst: Das wird er nicht mehr lange bleiben. Ein Blick hinter die Kulissen

Wann er zum letzten Mal allein war, ganz für sich, ohne Mitarbeiter, ohne Familie, ohne Publikum? Da muss Thomas Gottschalk lange nachdenken. "Warten Sie", sagt er, "ich bin nun mal ein geselliges Kerlchen und auch nicht alleine, wenn kein anderer da ist." Wie meint er das? "Ich habe dann immer noch mich. Ich sitze ja oft ewig lang im Flieger. Da verabschiede ich mich zwischendurch schon mal zu einem kleinen Solosketch in die First-Class-Toilette und pflaume mein Ebenbild im Spiegel an. In allen möglichen Dialekten und Rollen. Es haben sich aus meinen Hotelzimmern auch schon Zimmermädchen erschrocken aus dem Staub gemacht, weil sie gedacht haben, ich hätte Besuch. Oder 'ne Meise."

Thomas Gottschalk, Entertainer, moderiert sich durchs Leben, das ist sein Prinzip. Im Mai wird er 58 Jahre alt. Er ist seit knapp vier Jahrzehnten im Geschäft, einer der bekanntesten Deutschen. Seit 1987 moderiert er die Samstagabendshow Wetten dass…? , die erfolgreichste Fernsehsendung des Landes. Er ist mit seiner Arbeit und als Werbefigur für Hamburger, Gummibärchen und die Post ein reicher Mann geworden. Er ist seit 32 Jahren mit seiner Jugendliebe Thea verheiratet, glücklich, wie alle bestätigen, die ihn kennen. Auch seine zwei Söhne Roman und Tristan, 25 und 18 Jahre alt, machen ihm keinen Kummer.

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Und doch sitzt an diesem Samstagabend Anfang März, kurz nach Ende einer Wetten dass…?- Sendung, in Halle hinter der Bühne ein Mann auf einem Sofa, der zetert und schimpft, der unzufrieden ist, weil er weiß, was alles schiefgelaufen ist, und wohl auch, weil er es nicht verhindert hat. Er erklärt, warum die Stadtwette langweilig war, die Zusammenstellung der Gäste eine Katastrophe, zu viele deutsche Schauspieler, obwohl die doch bekannt dafür seien, dass sie nicht gerne aus sich rausgingen. Er weiß, dass der Hollywood-Glanz gefehlt hat. Einen Clooney hätte es gebraucht!

Es ist nicht so, dass Thomas Gottschalk diese Kurzrezension ohne Witz vorträgt. Die Stadtwette, 100 Menschen sollten mit Beatles-Haarschnitt auf die Bühne, weil in Halle ein Beatles-Museum existiert, habe den Charme eines Pfarr-Familienabends verströmt, sagt er. Auch bei der Selbstkritik bleibt Thomas Gottschalk Entertainer. Er kann nicht anders.

Es klopft an der Tür, der Regisseur betritt den Raum. Ein Wettkandidat war rückwärts über Hürden gelaufen, hatte sich dabei leicht verletzt und deshalb einen Eisbeutel zur Kühlung in die Hand gedrückt bekommen, den er sich merkwürdigerweise ans Ohr hielt. Der Regisseur hatte Gottschalk dazu einen Gag zugeraunt. Er solle doch sagen: Sieht ja aus wie ein "Eisphone", wie "iPhone" mit "Eis". Der Regisseur fragt, warum er den Gag nicht verwendet habe. Gottschalk, der doch immer einen Spruch auf den Lippen hat, weiß nicht, wo er hinsehen soll. Also sieht er verlegen auf die Tischplatte. Sein gesenkter Blick sagt: Eisphone – wo bin ich nur gelandet? Der Regisseur beendet die peinliche Situation: "Du hast das gar nicht gehört, Thomas, stimmt’s?" Und Gottschalk nickt.

Seine Sendung ist ins Gerede gekommen und er mit ihr. Noch immer ist Wetten dass…? die Nummer eins unter den Unterhaltungssendungen. Doch die Zuschauerzahlen gehen seit Jahren zurück, lagen zuletzt nur noch knapp über zehn Millionen. Das liegt auch an der veränderten Medienlandschaft. In den achtziger Jahren empfingen die meisten Zuschauer nur drei oder vier Programme. Heute sind es knapp 30. Viele jüngere Zuschauer wenden sich ab, besonders wenn bei den Privatsendern gleichzeitig Shows wie Deutschland sucht den Superstar laufen. Früher ging die Konkurrenz am Samstagabend Thomas Gottschalk aus dem Weg, sendete parallel alte Spielfilme und Dokumentationen. Vorbei.

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann die Sendung unter die 10-Millionen-Grenze rutscht. Und schon machen Gerüchte die Runde. Die Süddeutsche berichtete, das ZDF habe Hape Kerkeling gefragt, ob er nicht Thomas Gottschalks Nachfolger werden wolle. Kerkeling ließ sich daraufhin mit dem Satz zitieren: "Gottschalk und Wetten dass…? sind eine Einheit", was wie eine Verteidigung von Thomas Gottschalk klang, aber eben auch, als sei das Ende von Wetten dass…? erstmals denkbar geworden.

Wie also geht es Thomas Gottschalk, dem einstigen Sonnyboy, dem Thommy der Nation, der mit seinen Sprüchen, seiner Spontanität, seiner Unerschrockenheit erst das Radio in Bayern und dann das Fernsehen in Deutschland von Grund auf verändert hat? Auf die Anfrage an sein Management, ob er einem Porträt zustimmen würde, hatte er selbst geantwortet. Er gebe derzeit keine Interviews, denn er sei in einer Phase seiner Karriere, in der man besser den Mund halte und seinen Job mache. Man könne ihn aber als sein Schatten bei der Entstehung einer Wetten dass…?- Sendung begleiten. Er haue ohnehin dauernd Sprüche raus, die man sich ja merken könne.

Man muss sich den Thomas Gottschalk außerhalb des Fernsehens genauso vorstellen wie im Fernsehen: Die Stimme, die Sprüche, das Hoppla-hier-komm-ich, die spontane Art, auf fremde Menschen zuzugehen, das Duzen, all das hat sich bei ihm über all die Jahre nicht verändert. Er wirkt wie ein Junge mit Falten im Gesicht. Sein langjähriger Freund, der Moderator Fritz Egner, bestätigt das. Hat Gottschalk das Peter-Pan-Syndrom? "Mag sein", sagt Egner, "aber der Thomas arbeitet auch in der Peter-Pan-Industrie."

Am Samstagmittag sitzt Peter Pan in seinem Hotelzimmer, schwarze Jogginghose, Slipper ohne Socken, auf dem Kopf eine Mütze. Noch ist er unrasiert, und die Falten um die Augen sind noch nicht weggeschminkt. Die blonden Locken sind noch nicht toupiert, die Geheimratsecken nicht weggefönt. Ein langjähriger Freund erzählt, er habe Gottschalk schon Anfang der neunziger Jahre geraten: Schneid dir die Haare ab, dann hast du es hinter dir. Peter Pan aber wollte Peter Pan bleiben.

Seine blauen Augen sind kleiner als im Fernsehen, wie schmale Schlitze, er blinzelt mehr, als dass er wirklich in die Welt hinaussieht. "Mein privates Altern ist nicht mein Problem", sagt er. "Privat ist mir mein Doppelkinn wurscht. Ich lebe in Malibu, und da laufen viele ältere Herren in kurzen Hosen rum, bei denen ich nie weiß, macht der jetzt einen auf Mel Gibson, oder ist das vielleicht Mel Gibson selber." Die Vorstellung, dort als Rentner herumzuspazieren, amüsiert ihn. "Aber", fügt er hinzu, "beruflich ist das nicht so einfach, wenn du plötzlich von einigen Medien als lustloser Lustgreis wahrgenommen wirst, der seine Show nur noch macht, um seinen weiblichen Gästen an die Wäsche zu gehen. Doch damit muss ich wohl leben." Mit der Hand zeichnet er eine Bergspitze in die Luft: "Es ging immer rauf, aber irgendwann bist du oben. Und dann gibts halt nur noch eine Richtung…"

Wie geht er damit um? Früher, erzählt er, habe seine Frau ihn immer bewundert für seine Unbekümmertheit, heute ermuntere sie ihn, sich nicht zu viele Sorgen zu machen. "Der Thomas ist dünnhäutiger geworden", sagt auch Fritz Egner, "er kennt jeden Schrecken, der um die Ecke lauert." Gottschalk sagt: "Der Spaß ist noch da, aber die Wurschtigkeit ist weg. Manchmal spüre ich einen Druck, den ich früher nicht kannte. In solchen Momenten frage ich mich manchmal schon, ob ich mir das noch antun muss."

Mit "das antun" meint er Wetten dass…? . Thomas Gottschalk kennt die Sendung in- und auswendig. Er hat sie nicht erfunden (das war Frank Elstner), aber er hat sie geprägt. Sendung und Moderator sind eins geworden. Er hat jede mögliche Variante von Gabelstapler-Wetten erlebt, die Schauspielerin Iris Berben bereits acht Mal auf dem Sofa begrüßt und ein Dutzend Mal den Musiker Peter Maffay angekündigt. Er hat so viele Pannen erlebt (der Buntstiftschummler!), so viele zickige Hollywood-Sternchen und so viel nackte Haut (Cher! Sarah Connor!) gesehen, dass ihn eigentlich nichts mehr schrecken dürfte. Wie kommt es dann, dass das Gegenteil der Fall ist? Dass er Druck verspürt, Unzufriedenheit ausstrahlt? Er, der Strahlemann?

Im Fernsehgeschäft wird der Quotenverlauf im Ein-Minuten-Takt gemessen: Alle 60 Sekunden kann man feststellen, ob Zuschauer wegzappen oder dazukommen oder bleiben – und wie alt sie sind. Bei einer Sendung, die zwei Stunden dauert, ist dieser Verlauf besonders wichtig. Jeder einzelne Baustein, jede Wette, jedes Gespräch, jeder Musikerauftritt wird auf Quotentauglichkeit überprüft. Dieser Takt ist Thomas Gottschalk in Fleisch und Blut übergegangen. "Ich habe eine Art innere Umschaltpanik entwickelt", sagt er. "Ich spüre die Fernbedienung der Zuschauer geradezu körperlich, live, während der Sendung."

Wie sich diese Panik ausdrückt? Im Laufe der Sendung aus Halle etwa bei einer Wette von zwei Installateuren, die sich Wasser über die Unterarme laufen lassen, um die Temperatur zu erraten. Eigentlich müssen die beiden viermal richtigliegen, um zu gewinnen, doch schon beim ersten Mal dauert es dem Moderator zu lange. Wieder und wieder lassen sie sich das Wasser über die Arme laufen. Bei Gottschalk setzt die Panik ein, er spürt die Fernbedienung, gibt, für die Kameras unsichtbar, der Regie mit dem Zeigefinger der linken Hand ein Zeichen, als wolle er vorspulen. Wie spult man eine Livesendung vor? Indem man kurzerhand die Regeln ändert. Plötzlich sagt er: "Drei Richtige, und ihr habt gewonnen!"

Es ist nicht nur der ewig fluchtbereite Zuschauer zu Hause im Wohnzimmer, den Thomas Gottschalk im Nacken spürt. Es sind auch die Fernsehkritiker und ihre Verrisse. Er kennt jeden Kritiker beim Namen. Jedes Gespräch mit ihm beginnt mit einer Schelte der Kollegen, miesepetrige Intellektuelle allesamt, die keine Ahnung haben, wie man Samstagabendunterhaltung macht. Selbst dabei verliert Gottschalk nie seinen Humor. "Ich habe auch meine masochistischen Momente. Dann gebe ich bei Google News meinen Namen ein und lese, wer sich wieder über mich ausgekotzt hat. Manchmal sind das eine ganze Menge. Die ersten drei lese ich, aber dann denke ich, die können mich alle mal. Das hat irgendwie eine befreiende Wirkung."

Er wirkt nur nicht gerade befreit, wenn er davon erzählt. Er muss dann lesen, dass er Frauen nicht so oft anfassen soll, dass er zu viele schlüpfrige Witze macht und schlecht vorbereitet wirkt und vor allem, dass er seinen Gästen keine journalistischen Fragen stellt. Er liest diese Vorwürfe seit Jahren, doch erst seit einiger Zeit scheint die Kritik Spuren zu hinterlassen – weil mittlerweile auch die Quote sinkt. Und deshalb spricht ausgerechnet er, der doch sonst so viel Wert darauf legt, ein Millionenpublikum erreichen zu wollen, in manchen Momenten von Wetten dass…? nur zu den vier, fünf Fernsehkritikern, die er vor dem Bildschirm vermutet.

Als er in Halle dem jungen Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg eine Frage stellt, antwortet der: "Interessante Frage, die ist mir heute Nachmittag auch in einem Interview gestellt worden." Und Gottschalk? Vergisst das Millionenpublikum, denkt nur an seine Kritiker und sagt: "Ah, dann war die Frage ja gar nicht so schlecht!"

Jeden Sonntagmorgen nach Wetten dass…? liest Thomas Gottschalk als Erstes den üblichen Verriss auf Spiegel Online . "Bis elf Uhr denke ich, dann höre ich eben auf. Um halb zwölf tastet mich der Typ in der Flughafenkontrolle ab und sagt: Super Show gestern! Der Sitznachbar ruft seinen Sohn an und hält mir das Handy hin, und die Stewardess entschuldigt sich, dass sie nur die halbe Sendung gesehen hat, aber die fand sie klasse. Ab dann beschließe ich, doch weiterzumachen."

Was für ein Leben: ausgerichtet auf den ständigen Applaus – wehe, er bleibt er aus. Kann es einen Moment geben, an dem der Applaus zu leise wird? Wenn nur noch neun, acht, sieben Millionen zuschauen? Thomas Gottschalk weiß darauf keine rechte Antwort. "Wenn ich aus dem Himmel der Zweistelligkeit falle, und das wird passieren, werde ich mir das wahrscheinlich auch wieder schönreden."

So ist es also gekommen, dass Thomas Gottschalk, der ewige Optimist, der Amerikaner im Herzen, in die Defensive geraten ist. Er ist nervös, unsicher, und er versteckt das nicht. Er tut gar nicht erst so, als laufe alles rund. Manchmal bricht ein Zynismus durch, den man nicht von ihm kennt. Bei den Proben fragt er schon mal laut in die Runde, ob hier irgendjemand außer ihm gerade aufpasse. Und beim letzten Durchlauf am Samstagmittag sagt er gegen Ende: "Die Sendung wird besser, als wir alle glauben."

Thomas Gottschalk bewegt sich heute in einem selbst geschaffenen, oft virtuellen Kosmos zwischen Malibu und Messehallen, zwischen Quoten und Kritiken, zwischen Flughafen-Lounges und Limousinen mit Fahrer, per Handy und Internet verbunden mit seiner Familie in Amerika. Es ist ein Kosmos, der auf den ersten Blick nichts mit der Welt zu tun hat, aus der er kommt. Aber ohne sie wäre aus Thomas Gottschalk, dem fränkischen Bub, nicht Thomas Gottschalk, der große Star, geworden.

Er wurde am 18. Mai 1950 in Bamberg geboren und wuchs in Kulmbach auf. Als er klein war, gab es in der Nachbarschaft nur drei Fernseher. Deshalb ging der kleine Thomas oft sonntagnachmittags los, um heimlich bei den Herzogs Western zu gucken. Rudolf Herzog, der Nachbarsjunge, erinnert sich, dass "die Eltern von Thomas sehr streng waren. Die durften nicht wissen, dass er bei uns fernsah."

Thomas Gottschalk hat seinen Vater, einen Rechtsanwalt und strenggläubigen Katholiken, oft nachts vor dem Bett knien und beten sehen. Als Thomas 13 Jahre alt ist, stirbt der Vater. Von seinen Eltern lernt er zwei Dinge, die aus ihm den späteren Entertainer machen. "Wenn ich irgendwo gewesen bin, musste ich ihnen anschließend berichten, was ich erlebt habe. Dadurch habe ich gelernt, frei zu reden. Da war nix mit: Ich war mal weg, und jetzt bin ich wieder da. Irgendwann habe ich angefangen, das Erlebte interessanter zu machen, als es wirklich war." Die Mutter gab ihm ein Motto mit auf den Weg, an das er sich bis heute gehalten hat: "Du musst dich vor niemandem verstecken."

Die Mutter ist vor knapp vier Jahren in Kulmbach gestorben. Wahrscheinlich kann deshalb heute niemand (außer seiner Frau) Thomas Gottschalk besser beschreiben als sein langjähriger Weggefährte Günther Jauch. Als der Nachwuchsjournalist Jauch 1977, im Alter von 21 Jahren, beim Bayerischen Rundfunk landete, kannte er Gottschalks Stimme bereits aus dem Radio. Gottschalk moderierte dort jeden Abend Pop nach acht. Jauch war ein Fan. "Für mich war Thomas eine Offenbarung", sagt er heute. "Das hatte nichts mehr zu tun mit dem Verlautbarungsrundfunk, den papierenen Sätzen, die man sonst im Radio vorgelesen bekam. Das war live und spontan und sehr unterhaltsam."

Die beiden arbeiteten bald zusammen. "Der Thomas", sagt Jauch heute, "hatte diese Jung-Siegfried-Mentalität, auch vom Aussehen her, erst beim Radio, dann beim Fernsehen." Günther Jauch wollte eigentlich politischer Journalist werden, doch sein Förderer Gottschalk überredete ihn, es mit der Unterhaltung zu versuchen. Als der Förderer 1987 Moderator von Wetten dass…? wurde, übernahm Jauch Gottschalks Sendung Na sowas und machte selbst Karriere. Heute liegt Jauch in den Beliebtheitsumfragen stets vor Gottschalk, "und reicher ist er auch geworden", sagt Gottschalk gerne und schickt ein Lächeln hinterher.

Aber auch Jauch sieht erste dunkle Wolken am Himmel aufziehen. Seine Quizshow Wer wird Millionär? wird 2009 zehn Jahre alt. Stern TV macht er nun im 18. Jahr. Vor Kurzem überredete ihn seine Redaktion, am Ende der Sendung eine Schneeballschlacht auszutragen. Das Ganze dauerte nur ein paar Minuten, doch anschließend ging Jauch zu seinen Leuten und erklärte: "Mit 15 habe ich die Schneebälle selber geworfen, mit 25 war das noch nicht so lange her, und mit 35 konnte ich es noch gut darstellen. Aber jetzt bin ich über 50, und ich mache so etwas nicht mehr. Betrachtet es meinetwegen als Handicap eures Moderators, aber so ist es nun mal."

Günther Jauch will nicht Peter Pan sein. Wer ihm zuhört, merkt ihm seine Nachdenklichkeit an, die ihn selbst betrifft und auch seinen Freund Gottschalk. "Thomas war lange der gefeierte Jäger, danach hatte er ein schönes Leben in Denkmalposition. Jetzt kommt die Phase, in der er von außen infrage gestellt wird. Einerseits sagst du dir dann: Muss ich mir das eigentlich antun? Andererseits sagst du dir: Es macht mir noch Spaß, und ich verdiene damit mein Geld. Warum sollte ich also aufhören?"

Es sind diese Fragen, die sich Gottschalk auch selbst stellt: Wie viele Kompromisse muss ich eingehen mit den neuen Sehgewohnheiten, mit den Kakerlaken, die sie im Dschungel-TV zeigen, mit den demütigenden Sprüchen eines Dieter Bohlen? Bis wohin und nicht weiter? Oder doch einfach immer ein bisschen weiter? Günther Jauch sagt, dass es einen klaren Punkt gebe, der für ihn selbst das Signal wäre, mit dem Unterhaltungsfernsehen aufzuhören: "Ich möchte beim Fernsehmachen, wenn ich älter werde, nicht mehr Angst haben als früher."

Es ist ja nicht so, dass Thomas Gottschalk nicht einen Plan hatte, wie er im Fernsehen älter werden kann. Anfang der neunziger Jahre erzählte er Helmut Thoma, dem damaligen Chef des Privatsenders RTL, dass er gerne das Format der Late-Night-Show in Deutschland einführen würde. Thoma war begeistert. Gottschalk jeden Abend, das müsste doch ein sicherer Erfolg werden. "Er hat mir damals gesagt", erinnert sich Thoma, "mit der Late Night kann ich in Würde alt werden auf dem Bildschirm. Die Amerikaner machen das dreißig Jahre lang und werden dafür verehrt!"

Gottschalk wechselte zu RTL, bekam seine Late Night und hatte mehr Schwierigkeiten als erwartet. In Deutschland war das Format unbekannt, Gottschalks Publikum von Wetten dass…? lag um Viertel nach elf schon im Bett. Mal lud er den politischen Rechtsaußen Franz Schönhuber ein, mal zeigte er auf einen Wasserkessel und sagte, das sei der "Kessel von Stalingrad".

Er veränderte mehrfach das Konzept, holte einen ehemaligen Chef der Bild- Zeitung in die Redaktion. Zum ersten Mal in seinem Leben musste er kämpfen. Aber kämpfen liegt ihm nicht. Die Quoten erfüllten zwar nicht die Erwartungen des Senders, doch sie waren immer höher als später die Zahlen von Harald Schmidt.

Nach drei Jahren beendeten Thoma und Gottschalk die Sendung. "Mit dem Wissen von heute", sagt Helmut Thoma jetzt, "hätten wir nie aufgeben dürfen. Der Thomas hätte da reinwachsen können." Wie denkt der Moderator selbst darüber? "Die Late Night war nicht so schlecht, wie sie gemacht wurde. Aber ich hätte eine bessere machen können. Das wurmt mich bis heute."

Er hat nicht durchgehalten. Das gilt auch für viele andere Sendungen, die er neben Wetten dass…? gemacht hat. Manche waren Flops, einige liefen gar nicht so schlecht. Aber an Thomas Gottschalk werden eben immer höhere Erwartungen gestellt als an andere Moderatoren. Es ist ungerecht, aber wenn Gottschalk mit einem neuen Format sechs Millionen Zuschauer hat, heißt es, sonst holt er doch zehn Millionen mehr, was läuft schief? Es ist der Fluch von Wetten dass…? .

Und trotzdem weiß er auch, wie das Arbeiten ist ohne seine Show und wie es ihm dabei geht. Als er Late Night startete, gab er Wetten dass…? auf. Wolfgang Lippert, im Osten ein bekannter Moderator, wurde sein Nachfolger. Lipperts erste Sendung sah Gottschalk gemeinsam mit Fritz Egner, zu Hause auf dem Sofa. "Ich weiß nur noch", erinnert sich Egner, "wie der Thomas dauernd sagte: Das kann ich besser. Und er hatte ja recht!"

Die Pause dauerte nicht lange, nach einem Jahr kehrte er zurück, die Quoten der Sendung stiegen wieder. Es war sein Triumph. Er hat die Zeit ohne seine Sendung nicht vergessen. Auf einmal war er nicht mehr Sonnenkönig. Er war angreifbar geworden. Und so ist es besonders perfide, dass Thomas Gottschalk nun, viele Jahre später, mit seiner Show angreifbar geworden ist. Sie bietet ihm keinen Schutz mehr.

In Thomas Gottschalks Kabine in Halle hängt ein braunes Indianertuch in der Ecke, zwei Maskenbildnerinnen sitzen vor ihren Spiegeln. Seine Sekretärin ist da. Und seine Ausstatterin. Welchen Anzug soll er tragen, welches Hemd? Anprobe. Fest steht nur, die silbernen Schuhe will er auf jeden Fall anziehen. Dazu könnte man doch, meint er jetzt, aus seiner bunten John-Galliano-Unterhose ein Einstecktüchlein schneidern. Die Ausstatterin weiß nicht, was sie sagen soll, aber dann nickt sie. Man merkt, das Verkleiden macht ihm immer noch Spaß. Wann hat er eigentlich damit angefangen? In Kulmbach. Als kleiner Junge schenkte ihm ein Onkel einen langen Mantel, den damals keiner trug. Der kleine Thomas schon. Er fiel damit auf und mochte das.

Sein Publikum. Während der Vorbereitungen zu der Sendung ist zu beobachten, was schon oft über ihn geschrieben wurde: Menschen, denen er begegnet, mögen ihn. Er kann mit ihnen. Er geht auf sie zu und sie auf ihn. Je öfter man die Begegnungen beobachtet, desto klarer ist eine Struktur in seinem Publikum zu erkennen. Sie ist auch abends in der Halle zu sehen, wenn 3000 Besucher Platz nehmen. Vereinfacht ausgedrückt: Kinder und Alte. Die in der Mitte, die 20, 30-, 40-Jährigen, sind kaum zu finden.

Seine eigene Generation ist gekommen, die Älteren, die Ende-50-, Anfang-60-, die 70-Jährigen mit den grauen Haaren, die ihr Lieblingsmoderator sich selbst längst wegtönen lässt. Thomas Gottschalk regen solche Diskussionen auf. Mag sein, dass die Werbeindustrie sich auf eine Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen geeinigt habe, sagt er dann, aber seien die 55-Jährigen etwa keine Menschen mehr? Dieses Argument zieht immer, aber er weiß natürlich, dass seine Quoten sinken, weil ihm die jungen Erwachsenen nicht mehr treu sind. Sie haben längst eigene kleine Gottschalks, Stefan Raab und Oliver Pocher zum Beispiel. Sie sind seine Jäger.

"Der Raab kanns, und der Pocher kann noch werden", sagt er. "Eine Show wie Schlag den Raab ist wie eine ungeprobte Wetten dass…?- Ausgabe." Das klingt hämisch, ist aber nicht so gemeint. Denn Gottschalk hasst Proben. "Je mehr du probst, umso weniger kann schiefgehen. Aber je mehr schiefgeht, umso besser werde ich!" Dann hat Thomas Gottschalk seine großen Momente, die ihm keiner nachmacht. Wie damals, als die Schauspielerin Maria Schell ankündigte, sie werde mit Placido Domingo im Duett singen, falls sie verliere. In dem Moment donnerte ein Flugzeug über das Berliner Olympiastadion, in dem die Außenwette stattfand. Gottschalk blickte zum Himmel und sagte: "Das ist Placido Domingo auf der Flucht!"

Stattdessen muss Thomas Gottschalk auch an diesem Wochenende in Halle den gesamten Ablauf der Sendung quälende drei Male durchgehen, mit allen Wetten und allen Kandidaten (nur die prominenten Gäste werden gedoubelt), bevor er wirklich auf Sendung geht. Seine Produzenten sagen ihm, das müsse sein, damit die Kamerabilder später säßen, damit jeder im Team wisse, was er wann zu tun habe. Er beugt sich alldem. Aber er langweilt sich.

Als er sich von einem Wettkandidaten zum ersten Mal das Wohnmobil zeigen lässt, mit dem dieser später Wetten dass…? an eine Wand schreiben wird, ist Gottschalk neugierig, macht eine spitze Bemerkung darüber, dass Mann und Frau offenbar getrennt voneinander schlafen müssen. Doch von Durchlauf zu Durchlauf wird er uninteressierter. Beim vierten Mal ist es die Livesendung.

Um die Proben abzukürzen, hat er einen Trick. Anstatt sich jedes Mal mit den Gesprächspartnern zu unterhalten, begrüßt er sie kurz und sagt: "Dann unterhalten wir uns… Gesprächgespräch… danke, servus." Gesprächgespräch, Sendungsendung. Danke, servus.

Was kann Thomas Gottschalk tun? Einfach weitermachen, die Probleme verdrängen? Die meisten in seinem Umfeld arbeiten schon lange für ihn und für die Sendung, meist über 20 Jahre. Man ist gemeinsam alt geworden, einige sind schon in Rente, der langjährige Regisseur Alexander Arnz ist vor vier Jahren gestorben. Wer sagt Gottschalk offen die Meinung? Am späten Samstagnachmittag, wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, zieht er sich mit dem Unterhaltungschef des ZDF, Manfred Teubner, zurück. Worüber sprechen sie dann? "Ich rede ihm gut zu, muntere ihn auf", sagt Teubner. Es klingt, als tätschele er ein altes Ross, das noch mal ins Rennen geschickt wird.

Was ist jetzt zu tun? Noch einmal angreifen, an der Sendung feilen, neue Leute dazuholen? Thomas Gottschalk streitet aber nicht gern. Er braucht Harmonie. Schon vor zehn Jahren hat er gesagt, er sei nicht mehr gut, wenn er um sein Leben kämpfe. Müsste er nicht trotzdem ein paar Schneeballschlacht-Diskussionen führen wie sein Freund Günther Jauch?

In diesem Frühjahr wird Thomas Gottschalk zusätzlich eine Musical-Show im ZDF moderieren. 2010 läuft sein Vertrag mit Wetten dass…? aus. Dann ist er 60 Jahre alt. Wie kann man in Würde alt werden in der Peter-Pan-Industrie? Wo holt er sich den Applaus für das eigene Ego? Harald Schmidt tritt dafür vor 200 Fans im Kabarett auf. Günther Jauch wird vielleicht doch noch eines Tages eine politische Sendung machen. Aber Gottschalk? Er hat bis in die achtziger Jahre hinein, als er längst ein Star war, Staubsaugervertreter-Versammlungen und Kaufhauseröffnungen moderiert. Es ging ihm auch ums leicht verdiente Geld. Aber es zeigt die Extreme, zwischen denen sich der größte deutsche Entertainer in seinem Leben bewegt hat: Kaufhaus und Wetten dass…? .

Sein Vorbild ist bis heute Hans-Joachim Kulenkampff geblieben, genannt "Kuli", der vor zehn Jahren gestorben ist. Auch Kulenkampff galt als bester Entertainer seiner Zeit, spontan, frech, überzog ebenfalls gerne seine Sendezeit. Auch er hatte den einen großen Erfolg, die Samstagabendshow Einer wird gewinnen. Er moderierte sie von 1964 an. Erst 1987, im selben Jahr, als Gottschalk Wetten dass…? übernahm, hörte Kulenkampff aus Altersgründen auf, seine Sendung wurde eingestellt.

Natürlich träumt Thomas Gottschalk insgeheim davon, dass Wetten dass…? mit ihm zu Ende geht. Er sieht sich seit Jahren als "der letzte Dinosaurier". Umso mehr müssen ihn die Gerüchte schmerzen, das ZDF habe Hape Kerkeling gefragt, ob er die Show nicht übernehmen wolle. "Der Hape ist ein großartiger Komiker, wenn er sich hinter einer Maske verstecken kann. Ich mag ihn sehr. Wir sehen uns zwischendurch auch privat." Es wird dann offenbar nicht nur Smalltalk geredet. "Er hat mir versichert: Was immer seine Pläne für die Zukunft sind, die Moderation von Wetten dass…? gehört nicht dazu."

Gottschalk will sich einfach nicht vorstellen, wie das Fernsehen nach Gottschalk sein wird. Er weiß, wie schnell in der Branche vergessen wird. Lange Zeit wurde er als "Kulis Nachfolger" bezeichnet, bis Kulenkampff starb. Heute redet niemand mehr über Kulenkampff.

Gottschalk hat sein Vorbild einmal zu Hause besucht, in Österreich am Attersee. "Haus am See hört sich gut an, aber es war dunkel", erinnert er sich mit Grausen. "Da saß der größte Unterhalter, den ich kenne, in einem Häuschen mit Matschwiese." So wollte er nicht enden. Nicht im Dunkeln, nicht er, der das Scheinwerferlicht doch so liebt und so braucht. Rein beruflich.

Vor drei Jahren hat sich Thomas Gottschalk das am Rhein gelegene Schloss Marienfels gekauft. Als er Günther Jauch die Baupläne zeigte, fragte der irritiert, wann denn die Sonne auf die Terrasse scheine. Das Schloss liegt auf der Schattenseite des Rheins. Da stutzte Gottschalk. Dann ist ihm doch noch ein Gag eingefallen. "Wo ich bin, scheint immer die Sonne!" Doch es scheint, als holten ihn die Schatten so langsam ein.

Thomas Gottschalks Karriere begann 1971 beim Bayerischen Rundfunk. Er moderierte die legendäre Radiosendung "Pop nach acht". Seit 1976 ist er mit seiner Frau Thea verheiratet, die Familie lebt überwiegend in Malibu, Kalifornien. Mit seinem Freund Günther Jauch moderierte er auch gemeinsam – Jauch übernahm 1987 Gottschalks Sendung "Na sowas". 1992 startete Gottschalks Late-Night-Show auf RTL, nach drei Jahren war Schluss.

 
Leser-Kommentare
    • Zel
    • 19.03.2008 um 23:16 Uhr

    Wenn man alleine die paar Interna, die im Artikel zur Sprache kamen kennt, dann muss sich beim ZDF auch keiner über sinkende Quoten wundern-an Gottschalk liegt es jedenfalls nicht!Ich hab immer gedacht, der Gottschalk will nicht mehr und macht das nur wegen der Kohle, hetzt seine Kandidaten durch die Wetten und schmeisst sie dann schnell von der Bühne... Aber wenn da alles X-Mal geprobt wird und der Quotendruck die Dramaturgie bestimmt, dann würd ich auch nicht anders moderieren können, da ist es auch egal, ob man Talent hat oder nicht.Die Sendung lebt doch wirklich von all dem, was nicht geplant wird! Zumal Gottschalk ja nun wahrlich die Fähigkeiten und das Talent besitzt, diese Sendung komplett ohne Probe über die Bühne zu bringen.Man könnte doch auch mal die unsäglichen Werbemomente der deutschen Autobauer oder der Fussballnarren streichen-es wirkt albern, wenn Milliardenkonzerne ihre Teurokutsche ins Bild drängen, anstatt einfach von sich aus zu spenden. Und es will auch nicht einleuchten, wenn der Milliardenkonzern DFB für seinen Fussballnachwuchs um Geld bettelt etc..Und anstatt dröge deutsche Schauspieler die unterdurchschnittlichen Filmchen lobhudeln zu lassen, könnte man doch mal amerikanische Serienstars einladen. Die dürften ja nicht so viel kosten wie Mel Gibson, die würden so vermute ich auch gerne mal in eine solch große Show (nach europäischen Verhältnissen) kommen und die sind auch beliebt bei den Leuten und man interessiert sich für die. Wenn die Privaten schon die guten Serien zeigen, dann kann das ZDF zumindest die Stars der Serien bringen-aber doch nicht dauernd die Ferres oder den Lauterbach oder den hauptberuflichen Casanova Boris Becker, die will, nein die kann doch mittlerweile keiner mehr sehen, genauso wenig, wie deren Filme oder Bücher.Und bei den Wetten für die "Stars" auch bitte nicht mehr diese albernen Wetteinsätze. Die lieber ganz streichen und mehr Interviewzeit. Oder eben Einsätze, die Publikumskontakt bedingen, muss ja nix aufwendiges sein, irgendwas, was man innerhalb der Sendezeit machen kann.Gottschalk muss da garnicht in die Sackgasse laufen und glauben, er müsse sich da einem Druck stellen oder gar Angst haben. Da können die einen Kerkeling im Doppelpack reinstellen, der holt nach der Auftaktsendung auch nicht mehr Quote bei dem momentanen Konzept. Schon komisch, aber das ZDF verspielt seine beste Sendung und verheizt seinen besten Moderator gleich mit. Da könnte man fast meinen für Gottschalk wäre eine erfolgreiche Mobbingklage drin, so wie da gegen ihn gearbeitet wird. Quote hin oder her, da rennen sie ja nun alle hinterher. Vielleicht täte es dem ZDF gut, mal nicht mit dem Strom zu schwimmen und die Quote links liegen zu lassen. Sonst guckt nämlich bald jeder nur noch Video on Demand und den klassischen Sendebetrieb kann man in 10 Jahren einmotten. Es ist natürlich leicht zu sagen, man würde es selber besser machen, schon gar mit den Millionen aus der GEZ. Aber so langsam beschleicht einen das Gefühl, das es eben leider doch nicht nur dahergesagt ist. Warum sonst schalten weniger Leute ein? 

  1. Sehr interessantes Portrait eines großartigen Moderators. Gottschalk ist und bleibt einer der Besten die es gibt. Und es liegt größtenteils nicht an ihm, dass die Quoten sinken. In der letzten Sendung wurde z.B. nur Werbung für irgendwelche ZDF-Fernsehfilme gemacht und die Wetten waren ehre mau.
    Es ist fast schon traurig, wie die Lieblingssendung meiner Kindheit sich somit selbst zerstört. Aber nochmal: Gottschalk ist noch so ziemlich das Beste an dieser Show. Wenn er richtig aufdreht, ist er hundertmal besser als jeder Raab, Jauch oder Pocher. Wie er Roberto Begnini parodierte, Horst Schlämmer und Claudia Schiffer beinahe verkuppelte oder selbst aus langweiligsten Kinderwettkandidaten lustige Antworten rauskitzelte, ist schon erste Klasse. Er ist immer noch schlagfertig und hält diese bunte Show-Mischung irgendwie noch zusammen.
    Zu den ganzen Verissen und Kritikern: Ich kann es schon lange nicht mehr ertragen, mit was für einer Häme, Agression und Arroganz z.B. Spiegel Online jeden Sonntag nach der Sendung darüber berichtet. Da wird irgendein untalentierter Jungjournalist dazu verdonnert, seinen Samstagabend zu opfern, sich die Sendung anzuschauen und alles in den Dreck zu ziehen. Das hat Methode, wird gut angeklickt und ist genauso kalkuliert wie der Wetteinsatz von Hollywoodstars.
    Die älteren unter den Journalisten, die ihm vorgeworfen haben, zu viel an jungen Damen auf dem Sofa rumzugrabeschen, sind in Wahrheit vor allem eines: Verdammt neidisch. 
    Und nochmal zu den Hollywoodstars: Wie peinlich wäre es bitte, Raab oder Pocher würden solche Gäste empfangen. Gottschalk ist da deutlich weltläufiger und hat Stil - abgesehen von seinen Klamotten.
     

    • WITCH
    • 20.03.2008 um 18:26 Uhr

    wird irgend einmal schimmelig.

  2. ...von Thomas Gottschalk komme es "immer wieder einmal", so stellt das ZDF  in einem Schreiben fest: http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4769353/
     
    Das sagt alles.

    • Anonym
    • 22.03.2008 um 14:20 Uhr

    spricht nun mal am liebsten über sich selber. er nennt das reflektiert und möchte gestreichelt werden. (das wussten wir schon).
    da ist die sendung nur ein zwischenschritt, notwendig leider, und es scheinen auch leider die quoten zu sinken, was im prinzip unvorstellbar ist, weil seit jahren sich alle anderen sender auf absoluten schrott zurückziehen, wenn wetten, dass...läuft.
    die leiden des alten werther haben also substanz? oder wird nur die sau durchs dorf gejagt? weder noch. die fernsehkritik hat sich erledigt und wenn der alte werther und die kritiker selbst sich drauf beziehen, so ist das reine wichtigtuerei. lost territory.
    jungs, es ist vorbei.
    erstaunlich ist dabei jedenfalls, dass das internetprinzip: let the others do the work, das ja das wetten, dass...-prinzip ist, nicht mehr aufgeht. vermutlich stört das starprinzip, das ist eine nichtssagende werbefassade zu viel geworden. an den wetten kann's ja nicht liegen, oder? wetten...?
    und wenn das internet millionen melodien für einen verspricht und herr gottschalk eine melodie für millionen, dann muss man sich wahrscheinlich einfach mehr mühe geben, damit die eine melodie stimmt.
    da helfen...gleich hab' ich's.
    ideen.
    dafür ist das fernsehen ja berühmt.
    also alles halb so wild.
     
     
     

  3. Ich war immer unumschränkter Gottschalk-Mann. Nicht Fan, nicht Anhänger, sondern ein Mann, der ihn mochte, und der ihn einfach gern sah. Er kann etwas, was vielleicht so ähnlich noch ein paar andere können, aber eben nur so ähnlich, denn Gottschalk war ein Unikat. Sein Talent der größtmöglichen Lockerheit kann ihm keiner streitig machen. Schmidt ist neurotischer und Jauch revanchistischer, wenn ihm mal ein Kandidat nicht passt. Kerner ist sowieso mit den flackernden Augen des mittelpunktsüchtigen Preissammlers ausgestattet. Fast alle anderen suchen den Weg zum Planeten Gottschalk vergeblich. Aber auch ein leuchtender Stern wird einmal zur Supernova und die Kernreaktion im Inneren der Sonne Gottschalk ist längst erzeugt. Hoffentlich merkt er die aufsteigende Hitze und kämpft nicht wie Ali bis ins Ungesunde weiter. Ich bin auch immer noch Gottschalk-Mann, wenngleich mit Narben, geschlagen vom großen Sonnyboy selber. Ich war einmal Kollege von Thommy beim gleichen Sender. Etwa vier Jahre lang. Im vierten Jahr schrieb Gottschalk mal im Spiegel, dass es da offenbar so eine Sendung gäbe im ZDF, die bräuchte es gar nicht. Sie sei total überflüssig. Kurze Zeit später wurde unsere Sendung eingestellt. Viele Leute mochten unsere Sendung, sie war ihnen ein genussvoller Zeitvertreib und sie brachten das zum Ausdruck durch Briefe oder durch persönlichen Begenungen - bis heute, viele Jahre danach. Das war nicht nett vom Thommy, aber ich bin beruhigt: Auch der größte Sonnyboy hat Schattenseiten. Das macht ihn menschlich und das ist sowieso seine größte Stärke. Doch wenn es immer schwerer fällt menschlich zu sein, dann sollte man selber stoppen, denn nichts wirkt im TV zynischer als ein ausgebrannter Stern, der weiter leuchten will.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Es mag ja sein, daß der Insider sofort weiß, welche Sendung einst von ihm sabotiert worden sein soll. Vielleicht kann es dennoch jemand dem Durchschnittszuschauer enthüllen.

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