Fernsehen Der letzte MohikanerSeite 5/5
Stattdessen muss Thomas Gottschalk auch an diesem Wochenende in Halle den gesamten Ablauf der Sendung quälende drei Male durchgehen, mit allen Wetten und allen Kandidaten (nur die prominenten Gäste werden gedoubelt), bevor er wirklich auf Sendung geht. Seine Produzenten sagen ihm, das müsse sein, damit die Kamerabilder später säßen, damit jeder im Team wisse, was er wann zu tun habe. Er beugt sich alldem. Aber er langweilt sich.
Als er sich von einem Wettkandidaten zum ersten Mal das Wohnmobil zeigen lässt, mit dem dieser später
Wetten dass…?
an eine Wand schreiben wird, ist Gottschalk neugierig, macht eine spitze Bemerkung darüber, dass Mann und Frau offenbar getrennt voneinander schlafen müssen. Doch von Durchlauf zu Durchlauf wird er uninteressierter. Beim vierten Mal ist es die Livesendung.
Um die Proben abzukürzen, hat er einen Trick. Anstatt sich jedes Mal mit den Gesprächspartnern zu unterhalten, begrüßt er sie kurz und sagt: "Dann unterhalten wir uns… Gesprächgespräch… danke, servus." Gesprächgespräch, Sendungsendung. Danke, servus.
Was kann Thomas Gottschalk tun? Einfach weitermachen, die Probleme verdrängen? Die meisten in seinem Umfeld arbeiten schon lange für ihn und für die Sendung, meist über 20 Jahre. Man ist gemeinsam alt geworden, einige sind schon in Rente, der langjährige Regisseur Alexander Arnz ist vor vier Jahren gestorben. Wer sagt Gottschalk offen die Meinung? Am späten Samstagnachmittag, wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, zieht er sich mit dem Unterhaltungschef des ZDF, Manfred Teubner, zurück. Worüber sprechen sie dann? "Ich rede ihm gut zu, muntere ihn auf", sagt Teubner. Es klingt, als tätschele er ein altes Ross, das noch mal ins Rennen geschickt wird.
Was ist jetzt zu tun? Noch einmal angreifen, an der Sendung feilen, neue Leute dazuholen? Thomas Gottschalk streitet aber nicht gern. Er braucht Harmonie. Schon vor zehn Jahren hat er gesagt, er sei nicht mehr gut, wenn er um sein Leben kämpfe. Müsste er nicht trotzdem ein paar Schneeballschlacht-Diskussionen führen wie sein Freund Günther Jauch?
In diesem Frühjahr wird Thomas Gottschalk zusätzlich eine Musical-Show im ZDF moderieren. 2010 läuft sein Vertrag mit Wetten dass…? aus. Dann ist er 60 Jahre alt. Wie kann man in Würde alt werden in der Peter-Pan-Industrie? Wo holt er sich den Applaus für das eigene Ego? Harald Schmidt tritt dafür vor 200 Fans im Kabarett auf. Günther Jauch wird vielleicht doch noch eines Tages eine politische Sendung machen. Aber Gottschalk? Er hat bis in die achtziger Jahre hinein, als er längst ein Star war, Staubsaugervertreter-Versammlungen und Kaufhauseröffnungen moderiert. Es ging ihm auch ums leicht verdiente Geld. Aber es zeigt die Extreme, zwischen denen sich der größte deutsche Entertainer in seinem Leben bewegt hat: Kaufhaus und Wetten dass…? .
Sein Vorbild ist bis heute Hans-Joachim Kulenkampff geblieben, genannt "Kuli", der vor zehn Jahren gestorben ist. Auch Kulenkampff galt als bester Entertainer seiner Zeit, spontan, frech, überzog ebenfalls gerne seine Sendezeit. Auch er hatte den einen großen Erfolg, die Samstagabendshow
Einer wird gewinnen.
Er moderierte sie von 1964 an. Erst 1987, im selben Jahr, als Gottschalk
Wetten dass…?
übernahm, hörte Kulenkampff aus Altersgründen auf, seine Sendung wurde eingestellt.
Natürlich träumt Thomas Gottschalk insgeheim davon, dass Wetten dass…? mit ihm zu Ende geht. Er sieht sich seit Jahren als "der letzte Dinosaurier". Umso mehr müssen ihn die Gerüchte schmerzen, das ZDF habe Hape Kerkeling gefragt, ob er die Show nicht übernehmen wolle. "Der Hape ist ein großartiger Komiker, wenn er sich hinter einer Maske verstecken kann. Ich mag ihn sehr. Wir sehen uns zwischendurch auch privat." Es wird dann offenbar nicht nur Smalltalk geredet. "Er hat mir versichert: Was immer seine Pläne für die Zukunft sind, die Moderation von Wetten dass…? gehört nicht dazu."
Gottschalk will sich einfach nicht vorstellen, wie das Fernsehen nach Gottschalk sein wird. Er weiß, wie schnell in der Branche vergessen wird. Lange Zeit wurde er als "Kulis Nachfolger" bezeichnet, bis Kulenkampff starb. Heute redet niemand mehr über Kulenkampff.
Gottschalk hat sein Vorbild einmal zu Hause besucht, in Österreich am Attersee. "Haus am See hört sich gut an, aber es war dunkel", erinnert er sich mit Grausen. "Da saß der größte Unterhalter, den ich kenne, in einem Häuschen mit Matschwiese." So wollte er nicht enden. Nicht im Dunkeln, nicht er, der das Scheinwerferlicht doch so liebt und so braucht. Rein beruflich.
Vor drei Jahren hat sich Thomas Gottschalk das am Rhein gelegene Schloss Marienfels gekauft. Als er Günther Jauch die Baupläne zeigte, fragte der irritiert, wann denn die Sonne auf die Terrasse scheine. Das Schloss liegt auf der Schattenseite des Rheins. Da stutzte Gottschalk. Dann ist ihm doch noch ein Gag eingefallen. "Wo ich bin, scheint immer die Sonne!" Doch es scheint, als holten ihn die Schatten so langsam ein.
Thomas Gottschalks Karriere begann 1971 beim Bayerischen Rundfunk. Er moderierte die legendäre Radiosendung "Pop nach acht". Seit 1976 ist er mit seiner Frau Thea verheiratet, die Familie lebt überwiegend in Malibu, Kalifornien. Mit seinem Freund Günther Jauch moderierte er auch gemeinsam – Jauch übernahm 1987 Gottschalks Sendung "Na sowas". 1992 startete Gottschalks Late-Night-Show auf RTL, nach drei Jahren war Schluss.
- Datum 17.06.2011 - 16:39 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin LEBEN, 19.03.2008 Nr. 13
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Wenn man alleine die paar Interna, die im Artikel zur Sprache kamen kennt, dann muss sich beim ZDF auch keiner über sinkende Quoten wundern-an Gottschalk liegt es jedenfalls nicht!Ich hab immer gedacht, der Gottschalk will nicht mehr und macht das nur wegen der Kohle, hetzt seine Kandidaten durch die Wetten und schmeisst sie dann schnell von der Bühne... Aber wenn da alles X-Mal geprobt wird und der Quotendruck die Dramaturgie bestimmt, dann würd ich auch nicht anders moderieren können, da ist es auch egal, ob man Talent hat oder nicht.Die Sendung lebt doch wirklich von all dem, was nicht geplant wird! Zumal Gottschalk ja nun wahrlich die Fähigkeiten und das Talent besitzt, diese Sendung komplett ohne Probe über die Bühne zu bringen.Man könnte doch auch mal die unsäglichen Werbemomente der deutschen Autobauer oder der Fussballnarren streichen-es wirkt albern, wenn Milliardenkonzerne ihre Teurokutsche ins Bild drängen, anstatt einfach von sich aus zu spenden. Und es will auch nicht einleuchten, wenn der Milliardenkonzern DFB für seinen Fussballnachwuchs um Geld bettelt etc..Und anstatt dröge deutsche Schauspieler die unterdurchschnittlichen Filmchen lobhudeln zu lassen, könnte man doch mal amerikanische Serienstars einladen. Die dürften ja nicht so viel kosten wie Mel Gibson, die würden so vermute ich auch gerne mal in eine solch große Show (nach europäischen Verhältnissen) kommen und die sind auch beliebt bei den Leuten und man interessiert sich für die. Wenn die Privaten schon die guten Serien zeigen, dann kann das ZDF zumindest die Stars der Serien bringen-aber doch nicht dauernd die Ferres oder den Lauterbach oder den hauptberuflichen Casanova Boris Becker, die will, nein die kann doch mittlerweile keiner mehr sehen, genauso wenig, wie deren Filme oder Bücher.Und bei den Wetten für die "Stars" auch bitte nicht mehr diese albernen Wetteinsätze. Die lieber ganz streichen und mehr Interviewzeit. Oder eben Einsätze, die Publikumskontakt bedingen, muss ja nix aufwendiges sein, irgendwas, was man innerhalb der Sendezeit machen kann.Gottschalk muss da garnicht in die Sackgasse laufen und glauben, er müsse sich da einem Druck stellen oder gar Angst haben. Da können die einen Kerkeling im Doppelpack reinstellen, der holt nach der Auftaktsendung auch nicht mehr Quote bei dem momentanen Konzept. Schon komisch, aber das ZDF verspielt seine beste Sendung und verheizt seinen besten Moderator gleich mit. Da könnte man fast meinen für Gottschalk wäre eine erfolgreiche Mobbingklage drin, so wie da gegen ihn gearbeitet wird. Quote hin oder her, da rennen sie ja nun alle hinterher. Vielleicht täte es dem ZDF gut, mal nicht mit dem Strom zu schwimmen und die Quote links liegen zu lassen. Sonst guckt nämlich bald jeder nur noch Video on Demand und den klassischen Sendebetrieb kann man in 10 Jahren einmotten. Es ist natürlich leicht zu sagen, man würde es selber besser machen, schon gar mit den Millionen aus der GEZ. Aber so langsam beschleicht einen das Gefühl, das es eben leider doch nicht nur dahergesagt ist. Warum sonst schalten weniger Leute ein?
Sehr interessantes Portrait eines großartigen Moderators. Gottschalk ist und bleibt einer der Besten die es gibt. Und es liegt größtenteils nicht an ihm, dass die Quoten sinken. In der letzten Sendung wurde z.B. nur Werbung für irgendwelche ZDF-Fernsehfilme gemacht und die Wetten waren ehre mau.
Es ist fast schon traurig, wie die Lieblingssendung meiner Kindheit sich somit selbst zerstört. Aber nochmal: Gottschalk ist noch so ziemlich das Beste an dieser Show. Wenn er richtig aufdreht, ist er hundertmal besser als jeder Raab, Jauch oder Pocher. Wie er Roberto Begnini parodierte, Horst Schlämmer und Claudia Schiffer beinahe verkuppelte oder selbst aus langweiligsten Kinderwettkandidaten lustige Antworten rauskitzelte, ist schon erste Klasse. Er ist immer noch schlagfertig und hält diese bunte Show-Mischung irgendwie noch zusammen.
Zu den ganzen Verissen und Kritikern: Ich kann es schon lange nicht mehr ertragen, mit was für einer Häme, Agression und Arroganz z.B. Spiegel Online jeden Sonntag nach der Sendung darüber berichtet. Da wird irgendein untalentierter Jungjournalist dazu verdonnert, seinen Samstagabend zu opfern, sich die Sendung anzuschauen und alles in den Dreck zu ziehen. Das hat Methode, wird gut angeklickt und ist genauso kalkuliert wie der Wetteinsatz von Hollywoodstars.
Die älteren unter den Journalisten, die ihm vorgeworfen haben, zu viel an jungen Damen auf dem Sofa rumzugrabeschen, sind in Wahrheit vor allem eines: Verdammt neidisch.
Und nochmal zu den Hollywoodstars: Wie peinlich wäre es bitte, Raab oder Pocher würden solche Gäste empfangen. Gottschalk ist da deutlich weltläufiger und hat Stil - abgesehen von seinen Klamotten.
wird irgend einmal schimmelig.
...von Thomas Gottschalk komme es "immer wieder einmal", so stellt das ZDF in einem Schreiben fest: http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4769353/
Das sagt alles.
spricht nun mal am liebsten über sich selber. er nennt das reflektiert und möchte gestreichelt werden. (das wussten wir schon).
da ist die sendung nur ein zwischenschritt, notwendig leider, und es scheinen auch leider die quoten zu sinken, was im prinzip unvorstellbar ist, weil seit jahren sich alle anderen sender auf absoluten schrott zurückziehen, wenn wetten, dass...läuft.
die leiden des alten werther haben also substanz? oder wird nur die sau durchs dorf gejagt? weder noch. die fernsehkritik hat sich erledigt und wenn der alte werther und die kritiker selbst sich drauf beziehen, so ist das reine wichtigtuerei. lost territory.
jungs, es ist vorbei.
erstaunlich ist dabei jedenfalls, dass das internetprinzip: let the others do the work, das ja das wetten, dass...-prinzip ist, nicht mehr aufgeht. vermutlich stört das starprinzip, das ist eine nichtssagende werbefassade zu viel geworden. an den wetten kann's ja nicht liegen, oder? wetten...?
und wenn das internet millionen melodien für einen verspricht und herr gottschalk eine melodie für millionen, dann muss man sich wahrscheinlich einfach mehr mühe geben, damit die eine melodie stimmt.
da helfen...gleich hab' ich's.
ideen.
dafür ist das fernsehen ja berühmt.
also alles halb so wild.
Ich war immer unumschränkter Gottschalk-Mann. Nicht Fan, nicht Anhänger, sondern ein Mann, der ihn mochte, und der ihn einfach gern sah. Er kann etwas, was vielleicht so ähnlich noch ein paar andere können, aber eben nur so ähnlich, denn Gottschalk war ein Unikat. Sein Talent der größtmöglichen Lockerheit kann ihm keiner streitig machen. Schmidt ist neurotischer und Jauch revanchistischer, wenn ihm mal ein Kandidat nicht passt. Kerner ist sowieso mit den flackernden Augen des mittelpunktsüchtigen Preissammlers ausgestattet. Fast alle anderen suchen den Weg zum Planeten Gottschalk vergeblich. Aber auch ein leuchtender Stern wird einmal zur Supernova und die Kernreaktion im Inneren der Sonne Gottschalk ist längst erzeugt. Hoffentlich merkt er die aufsteigende Hitze und kämpft nicht wie Ali bis ins Ungesunde weiter. Ich bin auch immer noch Gottschalk-Mann, wenngleich mit Narben, geschlagen vom großen Sonnyboy selber. Ich war einmal Kollege von Thommy beim gleichen Sender. Etwa vier Jahre lang. Im vierten Jahr schrieb Gottschalk mal im Spiegel, dass es da offenbar so eine Sendung gäbe im ZDF, die bräuchte es gar nicht. Sie sei total überflüssig. Kurze Zeit später wurde unsere Sendung eingestellt. Viele Leute mochten unsere Sendung, sie war ihnen ein genussvoller Zeitvertreib und sie brachten das zum Ausdruck durch Briefe oder durch persönlichen Begenungen - bis heute, viele Jahre danach. Das war nicht nett vom Thommy, aber ich bin beruhigt: Auch der größte Sonnyboy hat Schattenseiten. Das macht ihn menschlich und das ist sowieso seine größte Stärke. Doch wenn es immer schwerer fällt menschlich zu sein, dann sollte man selber stoppen, denn nichts wirkt im TV zynischer als ein ausgebrannter Stern, der weiter leuchten will.
Es mag ja sein, daß der Insider sofort weiß, welche Sendung einst von ihm sabotiert worden sein soll. Vielleicht kann es dennoch jemand dem Durchschnittszuschauer enthüllen.
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