STIL Tillmann Prüfer fragt: Wie kann man Zähne schminken?

Das meiste, was uns entgegenlächelt, ist Lüge. Denn ein perfektes Gebiss verdankt seinen Glanz selten der Zahnbürste seines Besitzers, sondern seiner Geldbörse. Etwa Carla Bruni: Wer glaubt denn, dass solch ein Lotterleben, wie sie es geführt hat, ein so makelloses Lächeln hinterlässt? Menschen zwischen 30 und 50 Jahren haben durchschnittlich vier eigene Zähne verloren. Wir blicken also allenthalben in Zahnruinen, vor denen wir nur deshalb nicht erschaudern, weil Mediziner Keramikfassaden davor gebaut haben. Unsere Zähne sind eben keine Schönlinge, sondern Schwerarbeiter. Innerhalb von 50 Jahren zerkleinern sie 18 Tonnen Nahrung. Das entspricht etwa 10000 Brathähnchen. Solche Plackerei muss Spuren hinterlassen.

Trotzdem stellen wir an Zähne höchste Ansprüche: Umfragen zufolge machen zwei Drittel aller Menschen die Attraktivität ihres Gegenübers generell vom Gebiss abhängig. Dieser Reflex rührt noch aus der Steinzeit her. Wer keine Zähne mehr im Mund hat, hat eine schlechte Überlebensprognose, wenn es darum geht, rohes Mammutfleisch zu zerkauen. Mit so jemandem gründet man besser keine Familie. Heute könnte man zwar auch mit fauligen Stümpfen überleben, trotzdem hat die gefühlte Attraktivität von Menschen mit zerstörtem Gebiss nicht zugenommen. Vielmehr boomen Zahnkosmetika. Und manche Anwendung verlangt unserem Gebiss mehr ab, als 1000 Broiler. Es gibt Bleaching-Strips, die unsere Zähne einem Bleichbad aussetzen, vergleichbar einer Wasserstoffblondierung. Oder Schönheitszahnpasten, die mit Schleifkörpern die Beläge abschmirgeln und den Zahnschmelz gleich mit. Einen sanfteren Weg verspricht da Swiss Dent. Mit einer Bürste trägt man eine Art Schönheitszahnbelag auf. Man schminkt die Zähne weiß, anstatt sie abzuschleifen. Man kann also dem Mobiliar der Mundhöhle einen neuen Anstrich geben, anstatt es zu ersetzen. Denn das sollte man sich vergegenwärtigen, bevor man sich ein blitzweißes Lächeln in den Kiefer betonieren lässt. Eine perfekte Zahnreihe wirkt künstlich, und wer offensichtlich künstliche Zähne hat, sieht immer etwas nach Rentenalter aus, auch wenn er noch ganz jung ist.

Vielleicht hat er dann Glück, einen Partner an der Seite zu haben, der so ursprüngliche Steinzeitreflexe hat, dass ihn das nicht stört. So gesehen, hat Carla Bruni alles richtig gemacht.

Zahn-schönheit

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 19.03.2008, S.M44
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