DRINNEN Wir bringen Liebe

Eine Deutsche und eine Amerikanerin in Österreich: Die 24-jährige Mariella Zickler aus Kiel und die 21-jährige Jini Suttner aus St. George, Utah, bringen den Menschen Liebe und das Buch Mormon.

Friede. Wir sind Missionarinnen von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Nach dem Buch Mormon, das wir neben der Bibel als weitere Zeugschaft für Jesus Christus ehren, nennt man uns Mormoninnen. Auf Mission leben und arbeiten wir in Zweierteams, zwei junge Männer oder eben zwei Mädchen. So wachsen wir zusammen. Wir beide sind jetzt schon beste Freundinnen. Bei der Arbeit siezen wir uns allerdings. Sister Suttner. Sister Zickler. Wir haben zufällig beide berühmte Verwandte. Alexander Zickler, der Stürmerstar von Red Bull Salzburg, ist ein Cousin von Sister Zickler. Und die Ahnen von Sister Suttner stammen aus der Familie der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Wir kommen beide aus kinderreichen Familien mit sieben und acht Geschwistern.

Zu Hause studieren wir. Sister Zickler Spanisch, Italienisch und Pädagogik. Sister Suttner Betriebswirtschaft. Unsere 18 Monate dauernde Mission finanzieren wir selbst durch Erspartes. Eltern und Kirche helfen mit. Hier in Wien teilen wir eine kleine, sehr moderne Wohnung. Morgens treiben wir Sport und bereiten anschließend den Tag vor. Vorzugsweise tragen wir Business-Look, dunkle Kostüme und helle Blusen. Wenn alles besprochen ist, gegen zehn Uhr, machen wir uns auf den Weg, um unseren prall gefüllten Terminkalender abzuarbeiten. Wir besuchen Menschen, die unsere Hilfe brauchen oder etwas über Gott erfahren möchten. Wir klingeln aber nicht wahllos an Türen, sondern vereinbaren unsere Treffen vorab.

Engel. Oft bringen wir zu den Besuchen das Buch Mormon mit. Es erzählt, wie Jesus den Menschen im alten Amerika nach seiner Auferstehung in Jerusalem erschienen ist. Es ist in 105 Sprachen übersetzt, allein in unserer Wohnung lagern 40 verschiedene Ausgaben.

Meist suchen die Menschen Antworten auf die drei großen Fragen: Woher komme ich? Warum bin ich hier? Wohin gehe ich? Das Buch Mormon antwortet, indem es die Menschen auf den Weg zu Gott führt.

Wir bringen den Menschen Liebe. Heute Morgen haben wir ein Mitglied unserer Kirche besucht. Sie geht durch eine schwere Zeit und braucht uns. Vor ein paar Tagen halfen wir einer alten Frau, die Wohnung zu reinigen. Sie sprach uns auf der Straße an, dann haben wir gemeinsam geputzt. Es war sehr chaotisch und sehr schmutzig, aber auch sehr schön, dass wir unseren Dienst tun und ihr helfen konnten. Meist bedanken sich die Menschen herzlich. Manche nennen uns Engel. Oder sie erzählen, dass ihr Leben durch Gott nun voll Friede und Freude sei.

Das ist dann der Lohn für unseren Dienst.

Aufgezeichnet von ernst Schmiederer

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.13 vom 19.03.2008, S.A14
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  • Schlagworte Jesus | Liebe | Kirche | Literatur | Spanisch | Utah | Pädagogik | Frieden | Österreich | USA
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