Finanzkrise Der Staat muss die Banken retten
Die Düsseldorfer IKB, die nur dank staatlicher Milliardenhilfen noch existiert, bat zur Hauptversammlung. Dass Banken ihre Verluste sozialisieren, empört. Doch unter einem Crash würden jene am meisten leiden, die ohnehin kaum über die Runden kommen
Wer sagt, der Staat solle den Banken helfen, der meint auch: Steuergelder, die für Schulen, Universitäten oder Kindertagesstätten ausgegeben werden könnten, sollen in die Tresore von Geldhäusern fließen, die in den vergangenen Jahren Milliarden verdient haben und jetzt um Stütze betteln. Schön ist das natürlich nicht!
Doch führt an solchen Rettungsaktionen kein Weg vorbei. Nicht aus Mitleid mit den Managern. Sondern aus Sorge um die Wirtschaft. Wenn ein Bauunternehmen pleitegeht, dann ist das schlimm, aber verkraftbar. Banken jedoch sind die Lebensadern einer modernen Ökonomie, sie versorgen Unternehmen und Verbraucher mit Geld und Kredit. Wenn diese Adern verstopft sind, dann droht der Kollaps der gesamten Volkswirtschaft. Die Welt ist diesem Punkt gefährlich nahegekommen. Immer neue Milliardenabschreibungen fressen das Kapital der Finanzhäuser auf; wer noch Geld hat, hortet es lieber, statt es zu verleihen. Wenn jetzt noch ein Institut pleitegeht und seine Vermögenswerte zu Schleuderpreisen auf den ohnehin paralysierten Markt wirft; wenn sich vor den Geldhäusern Schlangen bilden, weil die Menschen ihre Konten plündern – dann ist die Panik programmiert. Die Folgen wären verheerend.
Japan bezahlte die zögerliche Reaktion des Staates auf eine eigentlich nur mittelschwere Finanzkrise mit einer Stagnation, die mehr als zehn Jahre dauerte. Und der Börsencrash 1929 mutierte zur großen Depression, weil Währungshüter und die Finanzminister nicht entschlossen gegensteuerten. Dabei ist es keineswegs so, dass in solchen Krisen nur die Vermögen der Reichen dahinschmelzen. Im Gegenteil: Die Geschichte lehrt, dass diejenigen am schwersten getroffen werden, die ohnehin kaum über die Runden kommen. Weil der Job weg ist. Oder der Kredit für das Haus aufgekündigt wird. Die Stütze für die Banken ist nicht nur gut für die Wirtschaft, sie ist auch sozial.
Nun darf man getrost davon ausgehen, dass Josef Ackermann mindestens an zweiter Stelle den Aktienkurs der Deutschen Bank im Kopf hat, wenn er nach dem Staat ruft. In der Sache aber hat er recht. Soll es Richtschnur der Politik werden, etwas nicht zu tun, nur weil Ackermann es fordert? Die Lage ist schlicht zu ernst für hehre ordnungspolitische Grundsätze. Wer das nicht anerkennt, der macht sich die Maxime des trotzigen deutsch-römischen Kaisers Ferdinand I. zu eigen: Fiat justitia et pereat mundus – Gerechtigkeit geschehe, auch wenn die Welt dabei zugrunde geht.
Der Staat muss den Banken jetzt und auch in Zukunft helfen. Finanzkrisen sind so alt wie der Kapitalismus. Sie haben ihre Ursache in unser aller Gier. Man müsste die Geldinstitute schon verstaatlichen oder mit einem engmaschigen Aufsichtsnetz überziehen, wollte man Verwerfungen an den Märkten verhindern. Aber das wäre keine gute Idee. Private Banken können den Fluss des Kapitals besser steuern als Ministerialbürokraten. Das zeigen nicht zuletzt die vergangenen Jahre. Die Exzesse an der Wall Street gingen einher mit einer der längsten Boomphasen in der Weltwirtschaft. Das waren nicht nur windige Spekulationen mit billigem Geld, da ist viel ganz realer Wohlstand geschaffen worden, der die Turbulenzen überdauern wird – übrigens gerade in den ärmsten Ländern. Die Apokalypse sieht anders aus.
Laisser-faire ist allerdings nicht mit Narrenfreiheit zu verwechseln: Die Banken müssen einen Preis dafür bezahlen, dass sie mit Staatsgarantie spekulieren. Also müssen die Institute an den Kosten der Krisenbeseitigung beteiligt werden. Das kann durchaus bedeuten, dass die Aktionäre fast leer ausgehen und die betroffenen Institute – vorübergehend – unter öffentliche Kontrolle gestellt werden. Falsch wäre es, wenn die Behörden den Finanzhäusern die faulen Papiere in ihren Büchern einfach nur abkauften, wie es jetzt diskutiert wird. Denn es kann nicht sein, dass sich die privaten Eigentümer einer Bank an den öffentlichen Hilfszahlungen bereichern, sich sonst aber nichts ändert.
Als Vorbild taugt vielmehr der norwegische Weg. Als dort in den neunziger Jahren nach ähnlichen Fehlentwicklungen wie jetzt in den Vereinigten Staaten die Banken in die Schieflage gerieten, wurden sie verstaatlicht. Man schickte die Manager in die Tundra, bereinigte die Bilanzen und konnte die Institute später mit Gewinn wieder privatisieren. Für den Steuerzahler war die Rettungsaktion alles in allem günstig.
Die Finanzindustrie muss zudem dazu gezwungen werden, selbst besser für mögliche Risiken vorzusorgen. Der Staat kann den Banken vorschreiben, in guten Zeiten mehr Kapital als Risikopuffer zurückzulegen, statt es an Aktionäre, Händler und Manager auszuschütten. Und er muss die noch unregulierten Bereiche des Kreditsektors kontrollieren. Denn die Krise ist auch deshalb so ernst, weil Hedgefonds und andere Schattenbanken ohne jegliche Aufsicht und jeglichen Kapitalpuffer spekuliert haben und ihre Verluste jetzt bei den Banken abladen. Wer das ändern will, der muss es im internationalen Gleichschritt tun. Wenn die momentanen Probleme etwas Gutes haben, dann ist es die Tatsache, dass allmählich auch in den angelsächsischen Ländern die Einsicht wächst, dass es so nicht weitergeht.
Krisen wird all das nicht verhindern, die Notwendigkeit staatlicher Hilfsaktionen auch nicht. Aber es macht sie billiger. Man muss Banken als einen Teil der Infrastruktur eines Landes betrachten, in ihrer Funktion Brücken und Straßen nicht unähnlich. Sie verursachen Kosten, aber wir leisten sie uns, weil es sich am Ende rentiert.
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- Datum 08.04.2008 - 05:37 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 27.03.2008 Nr. 14
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"... an solchen Rettungsaktionen kein Weg vorbei. Nicht aus Mitleid mit den Managern. Sondern aus Sorge um die Wirtschaft."Wie bitte? Der Steuerzahler, also wir alle, sollen für das Zocken unfähiger Bankmanager bezahlen? So lange diese vergoldeten Versager vom Schlage Ackermann & Co zB 14 Millionen EUR Jahresgehalt einstreichen gibt es keine Veranlassung für staatliche Hilfe. Diese Edel-Zocker wollen üppig bezahlt werden- dann sollten sie auch bei Versagen mit ihrem Vermögen haften. Erst wenn das geschehen ist, können wir weiter sprechen. Warum hat der Staat diesen Zockern nicht auf die Finger geklopft als vor wenigen Jahren bei zweistelligen prozentualen Gewinnen tausenden von Mitarbeitern entlassen worden sind?
"... Ihr habt nichts zu verlieren, als Eure Prämien."Schon lustig dass die Wirtschaft jetzt nach Marxismus schreit. Hätte jemand aus der Linksfraktion die Verstaatlichung vorgeschlagen, dann hätte es im Chor "Enteignung!!!" gehiessen.
Zukünftige Krisen: es wird ein staatlich verwalteter Krisenfond eingerichtet, in den die Banken abhängig von ihrem Gewinn einzahlen.Jetzige Krise: alle Banken die Zuschüsse bekommen, müssen diese später abstottern und zwar vollständig.Auch wer behauptet solche Krisen seien "ganz normal" für den Kapitalismus, macht es sich zu bequem. Wenn man dieses kranke globale Finanzsystem schon nicht so ohne weiteres ersetzen kann, dann sollte man zumindest seine Fehler sehr genau analysieren und bekämpfen. Es kann doch nicht angehen, dass hiesige Mittelständler aufgrund von Basel2 keine Kredite mehr bekommen und gleichzeitig die Banken das eingesparte Geld über unkontrollierte Tochterunternehmen in Hochrisikoanlagen verspekulieren. DA LÄUFT WAS FALSCH! Jeder Blinde mit Krückstock kann das erkennen.
Sollte sich nicht der Staat aus der Wirtschaft heraus halten? Hieß es nicht bei der leisesten Kritik, die Deutschen hätten nicht verstanden, wie Wirtschaft funktioniert und keine Ahnung, nur BWLler könnte da was sagen und urteilen, der Rest sollte gefälligst das Maul halten? Und hieß es nicht in perpetuo mobile, die 'Naturgesetze des Marktes' würden alles regeln und da könne nichts schief gehen?Jetzt wird von genau diesen Leuten nach dem Staat gerufen. Jetzt kann man sich u.U. auch eine Verstaatlichung von Banken vorstellen - als letzter Ausweg vor dem Kollaps. Wenn, so heisst es dann all zu oft, auch nur ein Bankhaus zusammenbrechen würde, würde dies eine nicht mehr zu kontrollierende Kettenreaktion auslösen; alles wäre dann weg. Ich glaube, wenn ein Wirtschaftssystem derartig anfällig für Krisen ist, wie es das seit 1990 etablierte System des globalisierten Kapitalismus ist, dann sollte es einmal grundsätzlich in Frage gestellt werden.
Der Artikel ist vernünftig formuliert, es ist leider so, daß es im Sinne der Allgemeinheit ist, die Strukturen aufrecht zu erhalten, auch wenn es Geld kostet. Für die Lösung des Problems bin ich eindeutig für das norwegische Modell: Die feudalen Nobelzockermanager dort hin, wo der Pfeffer wächst, mit einem oneway-ticket. Damit wäre man auch vermutlich die meistens Grossaktionäre los, die vermutlich am lautesten nach hohen Dividenden schreien (lassen). Ich wäre auch dafür, das Privatvermögen, auch das in Stiftungen gelagerte Vermögen zur Wiedergutmachung einzuziehen. Als Privatmann stehe ich auch für einen von mir verursachten Schaden mit meinem gesamten Vermögen ein. Gleiches Recht für alle...... . Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt doch, wer soll die derzeitigen Manager ersetzen? Kennt jemand einen Finanzmanager, welcher für die Kunden arbeitet?Auch wurde das Volk in den letzten Jahren vermehrt zum Aktienkauf, auch von Banken, verleitet. Diese Menschen werdn sicher auch mit gemischten Gefühlen auf allfällige Gewinnausfälle reagieren. Was sagen nun die Politiker zu den Vorgängen, die zum Aktienkauf animiet haben? Bisher vernehme ich nicht die leiseste Regung.Es wird ein hartes Stück Arbeit, diesen Scherbenhaufen zu beseitigen, die, die diesen verursacht haben, sollten entgeltlos an der Beseitung mitarbeiten!
Sehr geehrter Herr Schieritz
Gleich im ersten Absatz Ihres Artikels outen Sie sich als Zyniker mit der Aussage, dass es nicht schön sei, die Steuerzahler für die Rettung der Banken heranzuziehen - will sagen ein Schönheitsfehler ?? Haben Sie noch gebührenfrei studiert ?? Und Ihre Kinder, so Sie denn welche haben, gehen sicher auf Privatschulen. Mit anderen Worten, Sie werden so oder so, nie zu leiden haben.
Bleiben wir erst einmal bei der IKB. Die gehört nur zu ca 40% dem Staat - der Rest, also ca 60% ist Privatbesitz, so jedenfalls kann man sich das aus den bröckchenweise verlautbarten Informationen zusammenreimen. Daraus ergibt sich für mich als Steuerzahler gleich die erste Frage:
Sind die Privatbesitzer der IKB in gleicher Höhe zur "Rettung" herangezogen worden, wie der Staat ? Soweit ganz leise irgendwo gesagt wurde: NEIN!!
Aber auch dafüe haben Sie sicher eine Erklärung, die sich schon darin ankündigt, dass unter einem Crash die am meistein leiden würden, die ohnehin kaum über die Runden kommen.
Dem Tenor Ihrer ganzen Schreibe hier kann ich nicht entnehmen, dass Sie damit die Aktionäre gemeint haben könnten.
Und Ihr Zynismus geht weiter, wenn Sie weiter unten sinngemäß schreiben, dass auch Dividende gezahlt werden müssten, wenn eine Bank mit Steuermitteln am Tropf hängt.
Selbst der siegreiche Herr Ackermann hat ihre ganze Sympathie, wenn er verlangt, dass Privatbanken vom Steuerzahler gerettet werden müssten und es ist Ihnen nicht zu billig den Weltuntergang an die Wand zu malen um Ihre abstrusen Thesen zu stützen, denn Beweise führen Sie nicht an.
Der freie Markt soll ja alles richten - keine Kontrolle, keine ausreichenden gesetzlichen Regularien - die ganze Finanzbranche ist zu einem Zockerparadies verkommen und der Staat wird von Verbrechern in die Kniee gezwungen.
Was haben bei der IKB und den Landesbanken unfähige Aufsichtsräte für eine Funktion, wenn sie sich von den Zockern in den Instituten Sand in die Augen streuen lassen in der Gewissheit, dass der Steurzahler für jede Schweinerei gerade stehen wird??
In keinem der vielen Artikel, die ich zu diesem Thema gelesen habe, wird mal Roß und Reiter genannt - als ob dort keine Menschen gearbeitet hätten - alles bleibt schön unter dem dicken Teppich. Transparenz - womöglich Offenheit ??
Im letzten Absatz stellen Sie einige Forderungen, was wie geregelt erden müsste und das auf internationaler Ebene - Sie glauben doch selbst nicht daran, dass sich "das Kapital" das gefallen lässt ?? Eher wird eben mal eine Regierung gestürzt oder eine gabnze Volkwirtschaft ruiniert, als dass die sich vorschreibenlassen, was sie zu tun und zu lassen haben
Fehlanzeige. Es wird höchste Zeit, dass so eine Zockerklique einer Bank als kriminelle Vereinigung in den Knast geschickt wird, den sie dann auch noch selbst bezahlen müssten, damit der soviel benutzte Begriff "Vertrauen" und auch der moralische Wert "Verantwortung" in dieser Republik eine Bedeutung bekommen.
Wünscht sich
Wendelstein
Sie haben voellig recht, Mark Schieritz. Einen Punkt sehe ich, der wesentlich deutlicher herausgestellt werden muss, auch wenn es Herrn Ackermann nicht gefallen wird.
Es mutet an, das die IKB technisch gesehen bankrott ist. Die Bank kann ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, das Anlagevermoegen kann nicht liquidiert oder verpfaendet werden. Wenn die Verbindlichkeiten das Vermoegen ueberschreiten dann muss die Geschaeftsfuehrung der IKB Konkurs anmelden (deutsches Konkursrecht).
Tritt nun der Staat ein um das finale Desaster (die amtliche Pfaendung und Verramschung) zu vermeiden, dann verlieren aber auf jeden Fall die Eigentuemer natuerlich ihr Eigentum. Soetwas kommt in den besten Familien vor und trifft alle in gleicher Weise. Die Kollegen Bankiers haben auf hohem Niveau gezockt und verloren. So ist das nun einmal.
Der Staat (alle Buerger unseres Landes) verhindert den Totalverlust der Bank und wird natuerlich den daraus erwachsenen Profit einnehmen. Die ehemaligen Eigentuemer gehen leer aus, es sei denn sie seien bereit, dass volle Risiko selbst (und persoenlich) zu uebernehmen, was natuerlich nicht zu erwarten ist. Dann wird der Staat ja auch garnicht gebraucht. So einfach ist das.
Irgendwelche Kungeleien sollten vorsorglich verboten werden, sonst finden wir die aktuelle Bundesregierung ein Prominenz diverser Parteien in einigen Jahren komplett in den Vorstandsetagen der Banken wieder.
Juengstes europaeisches Beispiel ist "Northern Rock" in Grossbritannien, die juengst vom Staat uebernommen wurden. Einer der groessten britischen Immobilienfinanzierer, deren Eigentuemer (wie auch bei Bear Stearns) viele Milliarden Euro verloren (jeweil mehr als 10).
Eine Verstaatlichung der Banken ist gerade jetzt eine ganz schlechte Idee - der Staat würde auch die riskanten Positionen, die die Banken aufgebaut haben, mit übernehmen und dann dafür geradestehen müssen. Nein, vielmehr sollte man erst eingreifen, wenn das Finanzsystem kurz vor dem Kollaps steht, und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Kontinentaleuropa hier viel robuster dasteht als die USA oder Großbritannien. Wenn in letzteren Ländern zu extremen Maßnahmen gegriffen wird, dann (und erst dann) könnte das auch hier erforderlich sein. Insbesondere sollte man nicht so tun, als würde die Pleite einer IKB ein Erdbeben auslösen. Wenn ein Institut dieser Größe einmal untergeht, würde das eine heilsame Warnung für das Gehabe der Finanzwelt darstellen, ohne dass das Finanzsystem gefährdet ist. Von mir aus sollen Teile der Bankenwelt also jämmerlich verrecken, damit der Finanzsektor insgesamt auf Normalmaß zurückgestutzt wird. Das ist langfristig vielversprechender als jede Verstaatlichung.Friedrich Poeschel,
University of Oxford,
www.friedrich.poeschel.info
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