Auslandsstudenten Zu Gast bei FremdenSeite 2/2

Diesen Schwierigkeiten versuchen nun viele Hochschulen mit innovativen Projekten zur aktiven Integration zu begegnen.

In Köln sollen Sprachtandems ausländische Studenten fördern

»Früher noch sind viele ausländische Studenten einfach 18 Semester an der Uni geblieben«, sagt Jochen Hellmann. »Manche brauchten einfach so lange, um sich hier zurechtzufinden.« Jetzt, wo die Studiengänge immer strukturierter werden und zudem Gebühren fällig sind, können sich immer weniger angehende Akademiker diesen Luxus leisten. Die Hamburger Hochschulen setzen deshalb neuerdings auf ausgeklügelte Vorbereitungskurse: Ein Semester lang werden die Ausländer vor dem eigentlichen Hochschulstart in den Studienkollegs auf die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems vorbereitet. Der Schnellkurs, den die Hamburger Hochschulen gemeinsam anbieten, wird für die Interessenten der jeweiligen Fachgruppen maßgeschneidert. »Wer daran teilnimmt, lernt auch gleich schon die deutsche Fachterminologie und kann danach umso reibungsloser in den Hochschulalltag starten«, sagt Jochen Hellmann. Das einzige Problem: Noch gibt es nur 80 Plätze für alle ausländischen Studenten in Hamburg. Wenn die Pilotphase erfolgreich endet, soll die Kapazität aber aufgestockt werden.

Einen anderen Weg zur besseren Integration erprobt die Kölner Universität. »Wir versuchen, Ausländer und Deutsche möglichst häufig miteinander in Kontakt zu bringen«, sagt Stefan Bildhauer vom Akademischen Auslandsamt. So bietet die Uni sogenannte Sprachtandems an, bei denen sich zwei Studenten aus unterschiedlichen Ländern gegenseitig ihre Muttersprache beibringen. Es gibt sogar Überlegungen, dass sich künftig alle Kölner Studenten, die selbst einen Auslandsaufenthalt planen, obligatorisch mit ihren Kommilitonen aus dem künftigen Gastland treffen. Das Tandemsystem ist vielerorts seit Langem bekannt, aber systematisch und mit professioneller Unterstützung wird es erst an wenigen Hochschulen betrieben. »Von einer solchen Konstellation können alle profitieren«, sagt Bildhauer. »Die Ausländer finden Anschluss an Einheimische, und die deutschen Studenten erweitern ihren Horizont.«

Tatsächlich ist die Integration für die Deutschen selbst eine Herausforderung. Gerade einmal jeder Fünfte hat regelmäßigen Kontakt mit ausländischen Kommilitonen, hat Bildungsforscher Ulrich Heublein bei einer anderen HIS-Studie zur Internationalität der deutschen Universitäten herausgefunden. Um eine bewusste Kontaktvermeidung handele es sich in den meisten Fällen zwar nicht – »aber eben auch nicht um eine bewusste Kontaktsuche«. Das Paradoxe an der Situation: Mehr als die Hälfte der deutschen Studenten spricht sich leidenschaftlich dafür aus, dass ihr Studiengang internationaler wird. »Wir können ein riesiges Potenzial heben, wenn wir diese beiden Pole zusammenbringen«, sagt Heublein. Seiner Einschätzung nach braucht man dafür nicht einmal aufwendige Konzepte. Den ersten Schritt könne jeder Professor selbst gehen, indem er die Ausländer im Seminar gezielt als Experten für ihr jeweiliges Heimatland anspricht und einbezieht. Dann machen sogar die Deutschen Auslandserfahrungen – selbst wenn sie ihr ganzes Studium an der Heimat-Uni bleiben.

 
Leser-Kommentare
    • Maze73
    • 01.04.2008 um 11:26 Uhr

    Integration ist als Ideal zwar gewünscht, aber noch mehr wird gewünscht, erstmal möglichst viele, zu wenig vorgebildete Studenten loszuwerden.

    D.h. nicht nur ausländische Studenten, sondern auch die deutschen Studenten werden zunächst gründlich des-integriert, über den Weg sog. "Frontalunterrichts" wird ihnen deutlich gemacht, dass die Hochschulen im Bezug auf Wissensvermittlung unbedarft bis konzeptlos sind.

    Vielmehr werden an Hochschulen vielerorts nur bestimmte Vorbildungen oder Auto-Didaktentum abgeprüft, ohne pädagogische oder didaktische Ansprüche. Besonders Didaktik ist ein Fremdwort - siehe die aktuelle HIS-Studie: weniger als die Hälfte der Studenten billigt 2007 ihren Hochschulen didaktische Fähigkeiten zu. D.h. Ausbildung - Fehlanzeige.

  1. Jeder Studienanfänger in Deutschland steht vor den gleichen Herausforderungen, wie sie im Artikel geschildert wurden : Welche Kurse finden wie und wo statt ? Pflichtkurse vs freie Seminare vs Lesungen ? Anmeldeverfahren ? Prüfungsrichtlinien, -inhalte, - bewertungen und -zeitpunkte ? Studentenszene cum Vita Universitariae ? usw uswIm Gegensatz zu verschulten, tutorierten angloamerikanischen Universitäten bieten deutsche Unis größere Freiräume in der Studiengestaltung. Diese richtig zu nutzen erfordert soziale und kommunikative Kompetenz sowie analytische Insistenz. Kurz : wer kontaktfreudig ist, sich durchfragt und bei Informationsmangel- oder verweigerung auf Klärung besteht, wird ein erfolgreiches Studium absolvieren.Und diese Fähigkeiten werden während des Studiums in Deutschland weiter stimuliert. Da liegt der große Gewinn.Genauso ist übrigens das Leben; in der Familie, im Sportverein und im Beruf.Im Gegensatz dazu liefern U.S. und asiatische Unis Fachidioten. Akademiker, in einem engen Fachgebiet zwar gut ausgebildet, ansonsten aber weltfremd, naiv, sozial inkompetent, mono-disziplinär. Die Auswirkungen solcher "Spitzenleute" auf Politik und Wirtschaft sind täglich weltweit sichtbar.Ich sehe keinen Grund, einem angehenden indischen Informatiker oder einer chinesischen Chemikerin eine akademische Sonderbehandlung zukommen zu lassen.Wer nicht mit ausreichenden Sprachkenntnissen und dem Willen und Können sich deutsche Studentenfreunde zu suchen herkommt, von dem wird Deutschland auch nach dem Studium nichts haben.

  2. Das Problem besteht doch nur weil das Auslandstudium überall sinnlos gehypt wird. Zu anderen Zeiten haben nur ein paar Wenige dieses Unternehmen begonnen; Menschen mit der Fähigkeit und mit dem Willen sich zu integrieren, die wirklich von sich aus daran interessiert waren; Menschen, die schon im frühen Alter genug Lebenserfahrung gesammelt hatten. Die Luschis sind meist schon an den ersten Hürden gescheitert.In der heutigen Zeit ist der erste Grund für ein Auslandstudium, die Verschönerung des CV. Und man braucht nur noch ein oder zwei Formulare ausfüllen: ja, wo möchte ich denn hin? Hm, Deutschland klingt gut, hm, ja, Köln... Dann noch ein paar Kästchen ankreuzen: hm, Studentenwohnheim, ja, cool... Und dann hat man schon fast das Auslandsstudium begonnen. Klar, dass dann viele mit der Realität nicht zurecht kommen.

  3. Das Wichtigste was ich in den sieben Jahren Studium gelernt habe, ist Autodidaktik: Meinen Studenplan nach Belieben zusammenzustellen, auf meine individuellen Bedürfnisse hin optimiert, Hausarbeitsthemen selbst auszusuchen (natürlich mit abschließender Absprache mit dem Dozenten), ohne Hilfe von anderen oder Bevormundung von übereifrigen Dozenten die richtige Literatur finden und schließlich die fertige Hausarbeit abgeben. Das einzige wofür ich die Dozenten jemals gebraucht habe, ist die Berichtigung meiner Hausarbeiten, was mir natürlich auch viel gebracht hat. Sonst gibt der Dozent den groben Themenkomplex im Rahmen eines Seminars vor. Die Richtung anweisen also, mehr sollte ein Dozent nicht tun, denn wir sind nicht mehr Schüler, sondern mündige, eigeninitiative Studierende. Und kaum eine Eigenschaft  ist im Berufsleben so wertvoll und geschätzt wie die Eigeninitiative, und diese Eigenschaft  ist nunmal Resultat der Möglichkeit der freien Fächereinteilung und der lockeren Atmosphäre an deutschen Universitäten und aufgrund derer deutsche Absolventen im Ausland so begehrt sind: Weil sie so eigeninitiativ sind. Und dieser freie Geist wird im Zuge der Verschulung der hiesigen Universitätslandschaft durch Bachelor und Master zunehmend erstickt, so dass auch deutsche Studierende nicht mehr zu unterscheiden sind von ihren ausländischen Kommilitonen. Das ist wohl Globalisierung: Uniformierung der Denkstruktur.

  4. Man moechte denken dass auslaendische Studenten die vorhaben in D. zu studieren und Examen zu machen wenigstens rudimentaete Sprachkenntnisse mitbringen.Denn ich glaube nicht dass eine Hochschule dazu da ist um die Sprache in der gelehrt wird noch zu lernen. Auch denke ich dass man schon ein bischen Selbstiniatitive mitbringen.

  5. Es muss natuerlich ' rudimentaere' Sprachkenntnisse heissen.

  6. Selbstverständlich muß man manchen Studenten - auch einheimischen - manchmal helfen. Auch dabei, sich zurechtzufinden. Dafür gibt es, soweit ich weiß an jedem Institut, Studienberatungen und namentlich bekannte Verantwortliche (meist Mittelbau), die auch auf den Webseiten zu finden sind.Extra Vorbereitungskurse für ausländische Studenten sind Abzocke, mit der die Universitäten ein wenig Geld verdienen möchten. Ich würde wetten, daß in absehbarer Zeit solche Kurse auch für DAS (Dümmste anzunehmende Studienanfänger) angeboten werden werden.Theo Rem

  7. 8. ...

    Wer mit diesem freien Geist an deutschen Universitäten nicht zurecht kommt, der wird auch sonst nicht in Deutschland zurecht kommen, denn meines Erachtens sind nicht nur Universitäten, sondern ist das gesamte öffentliche Leben in Deutschland davon durchzogen. Nach 18 Jahren Aufenthalt in Deutschland muss ich das auch heute noch immer wieder erstaunt feststellen.

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