Das Logo in der Mitte der Website wirkt wie mit Schwamm-Wisch-Technik hingewässert. Der Curser huscht über den Schriftzug ADIA, ohne dass man weiterklicken könnte, auf Seiten vielleicht, die die Abu Dhabi Investment Authority vorstellen würden. Aber es bleibt bei der kargen Auskunft zu Adresse, Telefon- und Faxnummer, »Cornichestreet 211, Abu Dhabi«.

Ziemlich wenig. Immerhin handelt es sich um den größten staatlichen Investmentfonds der Welt. Wie groß er ist, weiß niemand genau. ADIA veröffentlicht keine Zahlen. Die Schätzungen reichen von 250 bis 875 Milliarden Dollar. Bei dem gegenwärtigen Ölpreishoch liegt der obere Wert wohl näher bei der Wahrheit. Damit könnte ADIA beinahe alle Unternehmen des Dax aufkaufen, von E.on bis zur TUI. Die Summe entspricht in etwa dem Bruttosozialprodukt Südkoreas.

Wer im Vorstand von ADIA sitzt, das bestimmt Seine Hoheit Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan per Dekret. Und in dem steht natürlich drin, dass der Herrscher Abu Dhabis selbst Vorsitzender des Vorstandes ist und dieser sich mehrheitlich aus seinen Brüdern, Neffen und Söhnen zusammen setzt. Sein Bruder Ahmed bin Zayed firmiert als Managing Director, und Scheich Mohammed bin Khalifa, der zweite Spross des Herrschers, gilt als wichtige Führungsfigur. Er überwacht im Sinne seines Vaters die Geschäfte. Der Herrscher selbst hält sich im Hintergrund.

Der Fonds sorgt vor für die Zeit, wenn die Ölquellen versiegen

Cornichestreet 125 lautet die neue Adresse von ADIA – die Hausnummer auf der Website ist veraltet. Ein Besuch mit Hindernissen. Vor einem Jahr bezog ADIA den futuristischen Turm aus Glas und Stahl an der drei Kilometer langen Uferpromenade. Hinter dem Gebäude liegt das Banken- und Geschäftsviertel, vor ihm nur der azurblaue Persische Golf, der hier Arabischer Golf genannt wird. Inlineskater rollen die Corniche zum Emirate Palace hinab, einem Sieben- Sterne-Hotel wie aus Tausendundeiner Nacht.

Abu Dhabi erlebt gute Zeiten: Das Emirat sitzt auf fast zehn Prozent der weltweiten Ölreserven, und der Ölpreis hat Höhen wie nach dem ersten Ölpreisschock in den siebziger Jahre erreicht, rechnet man die Inflation heraus. Damals standen die Golfstaaten plötzlich vor der Verlegenheit: Wohin mit all den Petrodollar aus den Exporterlösen? Der Emir von Abu Dhabi befahl die Gründung der ADIA. Seit drei Jahren nun erlebt die Welt eine neue Phase des »Petrodollar-Recyclings«, und ADIA kann mit Anlagen auf den internationalen Kapitalmärkten weiter für die Zeit nach dem Versiegen der Ölquellen vorsorgen.

Ein segelförmiges Vordach spannt sich einladend über den Eingang. Kurz nach der Eröffnung durfte ein Freeclimber die dreißig Stockwerke erklimmen. Mit dem Spektakel wollte der Staatsfonds Volksnähe demonstrieren. Im Tagesgeschäft dominiert Distanz. Der Empfang am Sicherheitscheck fällt ausgesprochen kühl aus. Der Inder in blauer Dienstbotenuniform lässt nur erlesene Kundschaft durch.