Leben

Evolution findet statt

Die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard über die Entstehung von Leben, den Erfolg von Stammzelltherapien und die Intelligenz von Frauen und Männern

Wie lässt sich Leben definieren?

Lebende Wesen können wachsen, sie können sich selbst vermehren. Die Moleküle, die durch ihre Struktur bereits das Rezept zu ihrer Selbstverdopplung in sich tragen, sind die Nukleinsäuren, aus denen die Gene bestehen. Leben erzeugt komplexe geordnete Strukturen entgegen der Entropie, nach der alle Systeme »von selbst« dem Zustand größtmöglicher Unordnung entgegenstreben. Die dabei verwendete Energie kommt aus dem Sonnenlicht.

Was war die wichtigste Erkenntnis der Biologie in den vergangenen Jahren?

Durch den Vergleich der Gensequenzen verschiedenster Organismen wurde offenbar, dass die Baupläne der unterschiedlichsten Tiere durch sehr ähnliche Gene gesteuert werden. Das bedeutet, dass die Signalwege, die diese Entwicklung steuern, in einem gemeinsamen Vorfahren bereits sehr früh in der Evolution entstanden sind.

Welchen Durchbruch erwarten Sie in nächster Zukunft?

Dass Stammzellen zur Therapie von Krankheiten eingesetzt werden können – embryonale Stammzellen oder rückprogrammierte Körperzellen. Wir sehen Ansätze dazu bisher nur im Tiermodell. Bis zum Einsatz in der Medizin wird es vermutlich noch lange dauern.

Was wissen Sie, ohne es beweisen zu können?

Dass Leben aus unbelebter Materie »von allein« entstanden ist. Dass Evolution im Darwinschen Sinn über Variation und Selektion der Organismen stattgefunden hat und stattfindet. Dass Frauen genauso kreativ und intelligent wie Männer sein können.

Was war der größte Irrtum in der Geschichte Ihrer Disziplin?

Die Theorie, nach der erworbene Eigenschaften weitervererbt werden können, die von Lyssenko verbreitet wurde.

Auf welche Einsicht wartet Ihre Forschergemeinde am sehnsüchtigsten?

Dass die grüne Gentechnik einen Fortschritt und eine Chance für Welternährung und Umweltschutz bedeutet – und nicht einen Irrweg. Für den Einsatz der Gentechnik in der Biomedizin, die sogenannte rote Gentechnik, hat sich diese Erkenntnis ja bereits durchgesetzt. Bei der Gentechnik auf dem Acker müssen wir endlich die ideologischen Hürden überwinden.

Die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard forscht am Max-Planck-Institut in Tübingen

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Leser-Kommentare

  1. Der Blick in den klaren Sternenhimmel, das Ahnen der unfaßlichen Weiten des Universums, die Vielfalt der Evolution, die offenen Fragen in Medizin und Biologie,Schaft dies nicht Demut vor unserer Existenz.Der Mensch als Krone der Schöpfung? Ein Ebenbild Gottes? Na ja.Wie funktioniert ein Heilungsprozeß. Warum wird er nach der Wundheilung im passenden Moment gestoppt. Welche Kommunikation erfolgt hier im chemischen oder elektrischen Bereich. Sind noch andere Ebenen der Zellkomunikation denkbar?Unterhalb der Hormone, der Chemie und der elektrischen Ebene der Nerven und Synapsen. Hilft hier die Quantenphysik? Für Biologen sicher eine Herausforderung!Die Erde war auch mal eine Scheibe und befand sich im Mittelpunkt. Die Sonne geht auch heute noch im Osten auf und dreht sich über uns. Sehen wir täglich.Wir leben alle unter einem Himmel, aber nicht alle haben den gleichen Horizont.Doch wie gehen wir mit der Schöpfung und den Wundern der Evolution um?Ethik als Leitpfad? Wer bestimmt unsere Ethik? Neugier und auch Denkverbote in der Wissenschaft?Zerstörung im Dienst von Wirtschaft und des Profits. PFT auf dem Acker, karzinogene Stoffe im Wein? Die Liste ist auch unfaßbar groß.Wir müssen noch sehr viel lernen. Vieles wissen wir auch.Nur wird es dem eigenen Vorteil untergeordnet.Hilft der Blick in den klaren Sternenhimmel?Den haben wir auch schon lange!

  2. Es freut mich sehr dass sogar eine Nobelpreisträgerin zugibt dass man die Darwinistische Evolution nicht beweisen kann. Somit wird die sogenannte Evolutionstheorie zu einem "Glaubensmodell" wie auch der biblische Bericht von der Schöpfung ein "Glaubensmodell" ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Beweisen lassen sich theoretische Aussagen innerhalb eines Glaubenssystems (math. Axiome, z.B.). Glaubensaussagen, welche keine Möglichkeit zum Beweis haben, fehlt eine dazu notwendige innere Struktur. Beweise im logisch-math. Sinn sind also eine Verfeinerung des Glaubens, nicht mehr, nicht weniger.

    Was das Wissen betrifft, dazu braucht es einen Bezug zur Aussenwelt, also Beobachtungen. Für wissenschaftliche Qualität braucht es wiederholbare Beobachtungen, also Experimente, was mittels einer Theorie ermöglicht wird, wobei eine Theorie wiederum ein systematisiertes Glaubenssystem ist.

    Wissenschaft ist also strukturierter Glaube mit kontrolliertem Realitätsbezug.

    Was die biblische Schöpfungsgeschichte betrifft, da wird eine Entwicklungsgeschichte in wenigen Absätzen erzählt, auf mythischem Niveau. Hoch abstraktes subjektiv erkanntes Wissen. Direkt geschöpft, könnte man sagen. Handelt im Grunde vom gleichen Thema wie die Evolution, aber mit einer anderen, einfacheren Sprache.

    Wenn die Wissenschaft noch ein bisschen weiter forscht, kommt sie evtl. auch mal' zu so einer einfachen und doch umfassenden Darstellung, mit öffentlich zugänglicher Qualitätskontrolle dann. An der Stelle spiesst es sich derzeit, weil so manche Glaubensexperten noch der Wissenschaft ablehnend gegenüber stehen.

    • 29.03.2008 um 16:37 Uhr
    • WITCH

    Die Wissenschaft hat vieles, aber nicht alles bewiesen. Die Bibel (und aehnliche Schriften) haben gar nichts bewiesen.

  3. schon gelesen wieviel die Bibel über die Schöpfung sagt?

    • 29.03.2008 um 17:58 Uhr
    • WITCH

    "nichts bewiesen."

    • 02.01.2009 um 16:58 Uhr
    • el-mar

    Beweisen lassen sich theoretische Aussagen innerhalb eines Glaubenssystems (math. Axiome, z.B.). Glaubensaussagen, welche keine Möglichkeit zum Beweis haben, fehlt eine dazu notwendige innere Struktur. Beweise im logisch-math. Sinn sind also eine Verfeinerung des Glaubens, nicht mehr, nicht weniger.

    Was das Wissen betrifft, dazu braucht es einen Bezug zur Aussenwelt, also Beobachtungen. Für wissenschaftliche Qualität braucht es wiederholbare Beobachtungen, also Experimente, was mittels einer Theorie ermöglicht wird, wobei eine Theorie wiederum ein systematisiertes Glaubenssystem ist.

    Wissenschaft ist also strukturierter Glaube mit kontrolliertem Realitätsbezug.

    Was die biblische Schöpfungsgeschichte betrifft, da wird eine Entwicklungsgeschichte in wenigen Absätzen erzählt, auf mythischem Niveau. Hoch abstraktes subjektiv erkanntes Wissen. Direkt geschöpft, könnte man sagen. Handelt im Grunde vom gleichen Thema wie die Evolution, aber mit einer anderen, einfacheren Sprache.

    Wenn die Wissenschaft noch ein bisschen weiter forscht, kommt sie evtl. auch mal' zu so einer einfachen und doch umfassenden Darstellung, mit öffentlich zugänglicher Qualitätskontrolle dann. An der Stelle spiesst es sich derzeit, weil so manche Glaubensexperten noch der Wissenschaft ablehnend gegenüber stehen.

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