IslamUnter strengen Brüdern

Die Rahman-Moschee in Aachen ist im Visier des Verfassungsschutzes. Hier wird der salafistische Islam gepredigt, der viele Heilige Krieger hervorgebracht hat, darunter Osama bin Laden. Seinen Krieg lehnen die Aachener Salafis ab. Unser arabischsprachiger Autor durfte sich zehn Tage in ihrer Moschee aufhalten von Albrecht Metzger

Es war ein Autounfall, der Imad* zum gläubigen Muslim machte. Als der junge Deutschmarokkaner am Heiligen Abend 2000 sein Mercedes-Cabriolet über die Autobahn scheuchte, kam ihm ein Lastwagen in die Quere und zerlegte sein Auto in drei Teile. Imad überlebte, außer einer Rippenprellung trug sein kräftiger Körper keine Blessuren davon. Ein Wunder – ein göttliches?

Jedenfalls war das die Stunde, in der Imad seine Wiedergeburt erlebte. Er fuhr in seine Wohnung nach Aachen, nahm alles Bargeld und begab sich auf den Spendenpfad. Imad wollte sich reinwaschen von den Sünden, die er angehäuft hatte. 13.000 Mark schickte er anonym an Unicef, 47.000 Mark nahm er mit nach Marokko und verteilte das Geld an die Armen. Auch seine Uhr von Cartier musste dran glauben, ein Symbol der Dekadenz, das auf Nimmerwiedersehen im Rhein verschwand. Dort rottet es vor sich hin, das Prachtstück im Wert von 15.000 Mark.

Imads Reichtum stammte aus einem Gewerbe, in dem Geschäfte in bar abgewickelt werden und sich nur Männer mit Schlagkraft durchsetzen. Er war Zuhälter. Vierzehn Huren schafften für ihn in der Aachener Innenstadt an, er kontrollierte die Bar Tegale am Hansemannplatz und besaß ein Bordell in der Antoniusstraße. »Ich habe nie eine Frau geschlagen«, sagt er. »Wenn ich abends mein Geld abgeholt habe, habe ich mich bei den Frauen bedankt.« Ein richtig netter Lude. Doch Männer, die ihm komisch kamen, hatten schlechte Karten. Das galt besonders für Optimisten, die glaubten, ihm sein Terrain streitig machen zu können. Imad trainierte bei einem stadtbekannten Kickboxer. »Wir haben gelernt, einen Menschen mit zwei Tritten zum Krüppel zu machen.« Ein Tritt auf die Kniescheibe, einer ins Gesicht des Gekrümmten, das war’s. Die nötige Muskelmasse baute Imad im Fitnessstudio auf, und als ihm die Natur Grenzen setzte, begann er, Anabolika zu schlucken. Bis heute hat er das Kreuz eines Möbelpackers.

So hätte es weitergehen können, wäre nicht dieser Vierzigtonner gekommen und hätte er nicht Imads Weltbild zerknautscht. Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich hier? Als Zuhälter hatte er sich das nie gefragt, Moral war etwas für Schlappschwänze. Durch das Nahtoderlebnis änderte sich das komplett. Imad, als Muslim geboren, hatte seinen Glauben nie sonderlich ernst genommen. Jetzt stand er vor dem Neubeginn und spürte das Bedürfnis nach Reinigung.

Imad zog durch Aachens Gotteshäuser und landete in der Rahman-Moschee, einem Treffpunkt arabischer Muslime, den der Verfassungsschutz seit Jahren im Visier hat. Hier sollen Parallelwelten existieren, in denen ein Islam gepredigt wird, der nach Saudi-Arabien passt, nicht aber ins Rheinland. Ein Nährboden für islamischen Extremismus, fürchten Verfassungsschützer. Warum fand Imad ausgerechnet hier seinen Seelenfrieden – und ist er nun zu einer Gefahr für die deutsche Gesellschaft geworden?

Seit dem 11. September 2001 sind weltweit Forschungsinstitute aus dem Boden geschossen, die sich mit einer Frage beschäftigen: Warum werden junge Männer zu Terroristen? Homegrown terrorism heißt der englische Fachbegriff für ein Phänomen, das Europas Sicherheitsbehörden Sorgen bereitet – frei übersetzt: hausgemachte Terroristen. Damit sind junge Muslime gemeint, die hier aufgewachsen sind und einen solchen Hass auf die westliche Gesellschaft entwickelt haben, dass sie bereit sind zu morden.

Menschen wie Mohammed Bouyeri, der im November 2004 den niederländischen Islamhasser Theo van Gogh rituell abschlachtete und mit diesem Akt der Barbarei die Welt schockierte. Bouyeri war ein hausgemachter Terrorist. Was trieb ihn an?

Im vorigen Jahr veröffentlichte die New Yorker Polizei einen Forschungsbericht: Radicalization in the West: The Homegrown Threat. Dessen Autoren vergleichen die Radikalisierungsprozesse von Leuten wie Bouyeri, um herauszufinden, wie diese früh zu erkennen und zu unterbinden seien. Unter den Merkmalen, die alle hausgemachten Terroristen zu teilen scheinen, stechen zwei hervor: Erstens vollziehen sie an einem gewissen Punkt ihres Lebens einen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit und begeben sich auf Identitätssuche. Die Auslöser solcher Sinnkrisen können verschieden sein: die Erfahrung von Ausgrenzung und Rassismus – real oder subjektiv wahrgenommen –, der Verlust eines Jobs, der Tod geliebter Menschen oder eben ein schwerer Unfall. Zweitens landen sie bei der Identitätssuche irgendwann bei einer bestimmten Form des Islams: dem Salafismus.

Der Salafismus ist eine sehr strenge Form des Islams , die strikt Gut und Böse unterscheidet und keine Zweifel kennt. »Die wahre Religion« heißt die Website des deutschen Konvertiten Pierre Vogel, eines salafistischen Predigers – ihr Name bringt das Credo der Salafis auf den Punkt: Wahr ist nur die Religion, die sich buchstabengetreu an den Koran und an das vorbildhafte Verhalten des Propheten Mohammed hält, alles andere ist unwahr.

Christen und Juden fallen bei dieser Prüfung ohnehin durch, aber auch Muslime, die nach Meinung der Salafis vom rechten Pfad abweichen. Musik, Tanz, jegliche Vergnügungen sind nach salafistischer Lesart frevelhafte Praktiken, die Gott mit dem Höllenfeuer bestraft.

Für unsichere Seelen auf der Suche nach Halt ist der Salafismus attraktiv: Er liefert ihnen strikte moralische Parameter, die sie nur befolgen müssen, um über Nacht auf der richtigen Seite zu stehen. Aus Böse wird Gut, aus dem Hurenbock ein Rechtgläubiger. Am erhobenen Zeigefinger des Besserwissers kann man viele Salafis erkennen. Das Gefühl, die Wahrheit auf der eigenen Seite zu haben – und damit Gott –, habe etwas »Ermächtigendes«, so der amerikanische Islamwissenschaftler Bernard Haykel.

Es hat auch etwas Abgrenzendes. Viele Salafis wollen mit der ungläubigen Welt um sie herum nichts zu tun haben. Sie leben in Parallelwelten. Das wird dann zum Problem, wenn es einhergeht mit dem Gefühl, den Islam gegen wirkliche oder vermeintliche Feinde verteidigen zu müssen. Anlass dafür gibt es genug, wenn man sich in die Probleme hineinsteigert, die einem als Muslim in Europa begegnen können. Das fängt mit alltäglicher Diskriminierung an und endet bei weltpolitischen Konflikten wie in Palästina oder Afghanistan, allen voran aber dem amerikanischen Angriff auf den Irak 2003, der einen Radikalisierungsschub unter Muslimen in Europa verursacht hat.

Längst nicht alle Salafis sind gewalttätig. Die meisten konzentrieren sich auf die Daawa, die islamische Mission. Doch Hochmut und Erniedrigung, Gefühle, die viele Salafis gleichzeitig in sich tragen, können zu einer explosiven Mischung werden, wenn junge Männer einmal zu der Überzeugung gelangt sind, die Zeit sei gekommen, den Islam zu verteidigen.

Was letztlich Gewalt auslöst, darüber zerbrechen sich Experten die Köpfe. Eines ist aber klar: Alle Täter, die in der Studie der New Yorker Polizei unter die Lupe genommen werden, durchliefen einen schleichenden Radikalisierungsprozess, an dessen Anfang der Besuch einer salafistischen Moschee stand. Was passiert in so einer Moschee? Das ist nicht leicht zu sagen. Es handelt sich um eine verschlossene Welt, die normalerweise keine Fremden hereinlässt, Journalisten schon gar nicht. Wir versuchen es trotzdem.

Die Rahman-Moschee taucht in keinem offiziellen Bericht des Verfassungsschutzes auf, politische Aktivitäten gehen von ihr anscheinend nicht aus. Trotzdem, ein Prediger soll dort das Paradies in den schönsten Farben geschildert und den jungen Männern eine Welt angepriesen haben, in der sie mit gestähltem Körper herumliefen, ohne trainieren zu müssen. Wenn das Wort Paradies fällt, klingen bei deutschen Staatsschützern die Alarmglocken: Sie sehen darin den ersten Schritt, jungen Männern den Märtyrertod schmackhaft zu machen, der nach islamischer Überlieferung geradewegs ins Paradies führt.

Das Gebetshaus liegt mitten in einer Wohngegend nicht weit vom Aachener Hauptbahnhof und ist von außen nicht als Moschee zu erkennen, kein Schild deutet darauf hin, kein Minarett. Wir betreten das Haus zum ersten Mal an einem Freitag im August zur Gebetszeit. Niemand fragt, wer wir sind, niemand hält uns auf. Um 14 Uhr steigt Scheich Omar Bakri Habou auf die hölzerne Kanzel. Er stammt aus Syrien und hält die Predigt auf Arabisch, seiner Muttersprache. Mit Gesten geht er sparsam um, er benutzt nur seine linke Hand – nach islamischer Tradition die unreine. Die Rechte bleibt in der Tasche seines Umhangs verborgen. Sie fehlt, wie wir später feststellen. Abgerissen von einem Böller, den Scheich Omar als kleiner Junge zu lange in der Hand hielt. So sagen die Leute.

Der Gebetsraum, eine ehemalige Tanzschule, misst 16 mal 24 Meter. Wo früher Männer und Frauen – womöglich unverheiratet – bei argentinischem Tango verschmolzen, neigen sich nun rund 200 Gläubige gen Mekka. Die Frauen sitzen hinter einer weißen Holzwand. Sie kommen und gehen durch einen separaten Eingang. In den zehn Tagen, die wir hier verbringen, treffen wir keine einzige – ein Männerclub.

Alles ist karg. Kein Bild, keine Kalligrafie an der Wand, nichts soll die Gläubigen von ihrer Pflicht ablenken, Gott anzubeten und zu preisen. Die einzigen Farbtupfer sind zwei Plastikstühle, einer grellorange, einer giftgrün, für Gläubige mit Gehschwäche.

Scheich Omar predigt eine Dreiviertelstunde, das ist lange für eine Freitagspredigt. Er bläut den Männern ein, ihre Töchter zu verschleiern, das sei sehr wichtig in einer unislamischen Gesellschaft wie dieser, und ruft sie zu brüderlichem Verhalten auf: »Viele von euch kennen sich gar nicht. Besucht euch, unterstützt euch gegenseitig!« Am Ende wird es politisch: Er wettert gegen die Schiiten, die im Irak die Sunniten abschlachteten und vom Westen unterstützt würden, um die Einheit der Muslime zu schwächen.

Nach der Predigt warten wir auf die Moscheeführung. Unser Besuch war nicht angekündigt, wir befürchten einen barschen Empfang. Nichts dergleichen – ein freundlicher Herr mit langem schwarzem Bart erscheint und fragt nach unserem Begehren. »Sie wollen einige Tage in der Moschee verbringen? Gut. Wir werden uns beraten und Ihnen Bescheid geben.«

Abu Hafsa ist der zweite Vorsitzende der Moschee. Er strahlt Zuversicht aus: kräftiger Händedruck, offener Blick. Scheich Omar dagegen kann seine Skepsis kaum verbergen. Was will dieser Christ hier? Etwas in dieser Art scheint er zu denken, so schräg, wie er uns von der Seite anschaut. Doch die Beratung verläuft positiv. Nach einigen Tagen meldet sich Abu Hafsa und erklärt, die Moscheeführung habe dem Projekt zugestimmt. »Allerdings unter einer Bedingung: Es dürfen keine Menschenfotos gemacht werden! Wir haben die Gemeinde gefragt, die Mehrheit war dagegen.« Die Brüder hätten Angst vor politischen Komplikationen. »Bilder sind gegen die Scharia«, fügt Scheich Omar Bakri hinzu und beendet so die Diskussion. Über Gottes Gebote lässt sich nicht streiten. Nachfragen zwecklos.

Wir kehren am Ende des Fastenmonats Ramadan zurück. Die Moschee ist jetzt fast 24 Stunden offen, selbst um zwei Uhr früh kommen Gläubige, um zu beten – für Muslime eine gesegnete Zeit, in einer dieser Nächte sei der Koran herabgesandt worden. Ein Gebet in der »Nacht des göttlichen Beschlusses« ist tausendmal so viel wert wie sonst. Für uns gilt es, eine Mauer des Misstrauens zu überwinden. Sie ist hoch. Schon am ersten Abend droht der Rauswurf.

Wir treffen gegen sieben Uhr in der Rahman-Moschee ein. Im Gebetsraum riecht es nach Reis und Hühnchen. Etwa dreißig junge Männer sind hier, um gemeinsam das Fasten zu brechen. Das Fastenmahl ist eine Spende der Moschee, jeden Tag beauftragt ein anderer Bruder seine Frau, für die vielen Studenten aus Afrika und Asien zu kochen. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen genießt einen guten Ruf im Ausland.

Die Fastenbrecher kommen aus Algerien, Marokko, dem Libanon, Jordanien, dem Irak, Syrien, Togo, Kamerun et cetera. Nach dem Essen bleiben einige da. Sie beten, diskutieren oder dösen vor sich hin. Der blasse Qutaiba ist in Irbid aufgewachsen, einer jordanischen Provinzstadt nahe der syrischen Grenze. Er lernt Deutsch, danach will er sein Ingenieurstudium aufnehmen. Qutaiba erlebte einen Kulturschock, als er vor sechs Monaten in Deutschland ankam, dem ersten nichtarabischen Land, das er je sah. All die leicht bekleideten Damen, die laxen Sitten.

Und dann die Iraner im Sprachkurs, die ständig über Politik reden wollten. »Ich will aber nicht über Politik reden«, sagt Qutaiba. Der Auswahlvorgang des Deutschen Akademischen Austauschdienstes hat ihn eingeschüchtert. Er musste schriftlich angeben, ob er problematische Länder wie Syrien oder Pakistan besucht habe. Jede Fehlinformation, warnte der Formulartext, könne zur sofortigen Ausweisung führen. Qutaiba fühlt sich unter Beobachtung. Trotzdem hätte er gerne Kontakt zu Deutschen. Außer der Sprachbarriere gibt es da aber ein flüssiges Problem: »Die Deutschen trinken Bier, wenn sie sich treffen. Ich nicht.«

Man kann sich die Einsamkeit vorstellen, die ein schüchterner Araber in der Fremde empfinden muss, wenn er das Gefühl hat, bei Kontakten zwischen leichten Mädchen, betrunkenen Studenten und fanatischen Persern wählen zu müssen. In der Rahman-Moschee findet Qutaiba Halt. »Ich habe den wahren Islam erst hier kennengelernt«, sagt er. »Die Brüderlichkeit, die Unterstützung.« Und dann den Satz, den alle Muslime sagen, wenn sie für ihre Religion werben wollen:

»Islam bedeutet Frieden.«

»Ja«, sekundiert Musa, ein junger Marokkaner, der mit ihm am Studienkolleg Deutsch lernt: »Al-salamu aleikum – der Friede sei mit euch, das ist der islamische Gruß.« So viel Friedfertigkeit. Aber gibt es da nicht den Dschihad, den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen? Jetzt meldet sich Mohammed zu Wort, ein Student der TH aus Kamerun, ein sympathischer Typ, er sitzt im Schneidersitz da, im Bundeswehrparka und ohne Socken: »Dschihad bedeutet zuerst, an sich selbst zu arbeiten. Das hat nichts mit Krieg zu tun.«

Es war keine gute Idee, gleich am ersten Abend eine Dschihad-Diskussion vom Zaun zu brechen. Das weckt das Misstrauen von Tariq, einem Marokkaner, der sich schon zuvor über »das verzerrte Islambild in den deutschen Medien« beschwert hatte. »Das ist hier wie ein Tribunal«, sagt er, »als wenn der Islam auf der Anklagebank steht. Du musst die fragen, die etwas vom Islam verstehen, und nicht irgendwelche Studenten.«

Tariq verlässt den Gebetssaal. Zehn Minuten später erscheint Scheich Omar Bakri Habou. Er ist nicht friedlich gestimmt. »Wer hat dir erlaubt, einfach mit den Leuten hier zu reden? Die wissen nichts vom Islam. Außerdem habe ich gehört, dass du schlecht über den Islam geschrieben hast. Ab jetzt wird dich immer jemand begleiten, wir wollen von allen Interviews Mitschnitte haben.« Die Standpauke endet mit einer Drohung: »Wenn du uns falsch zitierst, werden wir dich verklagen.«

Das erinnert an Methoden seines Heimatlandes Syrien, wo der Geheimdienst omnipräsent ist. Selbst manche Besucher der Rahman-Moschee halten den Scheich für leicht paranoid und raten uns: »Haltet euch an Abu Hafsa, der ist offener.« Doch auch der scheint besorgt, jemand könnte sich verplappern. »Jeder spricht für sich selbst und nicht im Namen der Moschee«, erklärt er der Gemeinde, als er uns einführt. »Wir übernehmen keine Verantwortung.«

Viele salafistische Moscheen sind bemüht, ihre friedlichen Absichten zu betonen. Sie distanzieren sich von Osama bin Laden. Dennoch geraten aus dem Umfeld solcher Moscheen immer wieder junge Männer ins Visier der Staatsschützer, weil sie sich für den Dschihad im Irak oder sonst wo begeistern. »Das sind Einzelne, dafür können wir nichts« – so lautet dann die Reaktion der Moscheeführungen.

Genau genommen stimmt das, denn offen zum Dschihad ruft seit dem 11. September 2001 kaum ein Imam mehr auf. Und so findet die eigentliche Radikalisierung junger Salafis meist außerhalb der Moscheen statt, in konspirativen Zirkeln. Übereifrige brechen häufig sogar mit der Moscheeführung und werfen ihr vor, zu lasch zu sein.

Das zumindest besagen die Erkenntnisse der Studie Radicalization in the West der New Yorker Polizei. Gleichzeitig sehen deren Autoren die Moscheen aber als wichtige Einstiegspunkte für Radikalisierungen: Hier werde den jungen Männern nahegelegt, sich vom Rest der Gesellschaft abzuschotten; hier werde ihnen das Gefühl vermittelt, Brüder einer einzigartigen Gemeinschaft zu sein, deren Bestand vom Feind bedroht wird, der dort draußen lauere.

Indessen gibt es im Salafismus unterschiedliche Strömungen. Die Forschung dazu steckt in den Anfängen, zumal in Deutschland. Die aktuellste Untersuchung in deutscher Sprache ist der Auswertebericht Salafismus des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen vom April 2007 – eine Verschlusssache. Der Salafismus wird darin in drei Strömungen geteilt, relevant sind diese zwei: der Mainstream-Salafismus, der sich auf die Daawa, die islamische Mission, konzentriert. Und der Dschihad-Salafismus, der Krieg zur Durchsetzung seiner Ziele befürwortet.

Die meisten Mainstream-Salafis lehnen den Dschihad hier und heute ab. »Der Dschihad muss von einem islamischen Herrscher ausgerufen werden«, sagt Scheich Omar Bakri, der dieser Strömung zuzurechnen ist. »Aber den gibt es derzeit nicht. Es kann nicht jeder Muslim einfach einen Dschihad ausrufen.« Um seine Worte zu unterstreichen, holt er aus der Moschee-Bibliothek das Buch des saudischen Gelehrten Scheich al-Anbari – den beschimpfen Dschihad-Salafis im Internet als Lakaien der saudischen Königsfamilie. Denn al-Anbari liefert eine theologische Begründung, warum es nicht erlaubt sei, islamische Herrscher des Unglaubens zu bezichtigen und sie anzugreifen, wie es Osama bin Laden tut.

Wir treffen uns einen Tag nach dem Eklat mit Scheich Omar, um die Wogen zu glätten. Er redet nicht gern über seine Vergangenheit. Aus Aleppo kommt er, der zweitgrößten Stadt Syriens. Sie hat sich zu einer konservativen Hochburg entwickelt. Kaum eine Frau wagt sich noch ohne Kopftuch auf die Straße. Das müsste eigentlich Musik in den Ohren von Scheich Omar sein. Trotzdem fühlt er sich in Deutschland wohler. »Hier kann ich wenigstens meine eigene Moschee eröffnen«, sagt er, »in Syrien darf ich das nicht.« Er bedankt sich artig bei den deutschen Behörden für ihre Großzügigkeit.

Sonst verbindet ihn wenig mit diesem Land. Obwohl er seit Jahren in Deutschland lebt, spricht er kaum Deutsch. »Ich gehe sowieso nur von meinem Haus in die Moschee und zurück.« Seine Tochter schickt er in die Niederlande in den Kindergarten, weil sie dort ein Kopftuch tragen darf. Deutsche Einrichtungen hatten sich geweigert, ein Kind aufzunehmen, das seinen Körper verhüllen soll, obwohl es noch Jahre von der Geschlechtsreife entfernt ist. Für Scheich Omar ein klarer Fall von Rechtsbruch: »Das ist gegen die Religionsfreiheit, die Deutschen verletzen ihre eigenen Gesetze.«

Apropos Gesetze. Wie hält es Scheich Omar mit der Demokratie? Ein überlegenes Lächeln huscht über sein Gesicht. »Demokratie? Demokratie bedeutet, dass Menschen über Menschen herrschen. Die Herrschaft gehört aber Gott allein. Demokratie ist unislamisch!« Viele Besucher der Rahman-Moschee haben einen deutschen Pass, sie könnten wählen gehen. Scheich Omar rät ihnen ab. »Man weiß ja auch gar nicht, wen man da wählt.« Man könnte es wissen, würde man gelegentlich Zeitung lesen. Dazu müsste man aber Deutsch können. So schließen sich die Kreise der Desintegration.

Das also ist die Welt, in die Imad, der Zuhälter, nach seinem Unfall eintauchte. Warum ausgerechnet die Rahman-Moschee? »Ich weiß nicht, mir hat die Atmosphäre gefallen.« Auch Scheich Omar habe ihn beeindruckt, »er sagt immer, was er denkt, er macht keine Kompromisse«. Keine Kompromisse! Laut Untersuchungen sind besonders Konvertiten und Wiedererweckte anfällig dafür, radikal mit der Vergangenheit zu brechen und in ein anderes Extrem zu wechseln. Sie stehen ganz oben auf der Sorgenliste deutscher Staatsschützer.

»Wenn ich meine Lebensausrichtung vollkommen ändere und den Sinn des Lebens woanders suche, dann gehe ich an die Sache mit viel größerer Intensität ran als jemand, der in den Glauben reingewachsen ist«, sagt Hartwig Möller, Chef der Verfassungsschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen. »Die Gefahr ist dann groß, dass man es mit dem Glauben übertreibt. Wenn Sie dann noch in die falschen Hände geraten, kann das gefährlich werden.«

So gesehen, wäre Imad genau der richtige Kandidat für den Dschihad: Er hat in seinem früheren Leben schwer gesündigt und hat nun Angst vor der Strafe Gottes. Der Märtyrertod könnte, aus dieser Perspektive betrachtet, genau der richtige Ausweg aus dem Dilemma sein. Davon ist Imad weit entfernt, im Gegenteil: Er will leben, und obwohl er ein strenger Muslim geworden ist, sieht er sich als Teil dieser Gesellschaft. Für ihn ist das kein Widerspruch.

Imad hat sich einen Sinn für Realitäten des Lebens bewahrt, der anderen Salafis abgeht. Er möchte eine saubere, eine islamische Gesellschaft, also müsste er der Prostitution den Kampf ansagen. Aber er sieht das pragmatisch: »Ohne Nutten gäbe es viel mehr Vergewaltigungen. Die machen einen wichtigen Job. Ich bin gegen die Prostitution, aber sie muss geduldet werden.« Ähnlich hält er es mit Pornografie: »Sollen die Männer sich doch einen runterholen, das ist besser, als wenn sie Frauen belästigen.«

Imad sagt, er wolle sich integrieren. »Ich bin ein europäischer Muslim, ich bin für Demokratie.« Er geht regelmäßig wählen, seine Stimme bekommt die CDU, »weil die am besten für die Wirtschaft sind«. Wenn Scheich Omar das für unislamisch halte, sei das seine Sache. Spielt uns Imad etwas vor?

Wir treffen ihn in der Stadt. Strenge Salafis erkennt man leicht: langer Bart, wie ihn der Prophet laut Überlieferung trug. Hosen, zehn Zentimeter über dem Knöchel endend. Das sei eine Geste der Demut, erklärt uns Imad, außerdem werde so der Schmutz der Straße, der sich leicht am unteren Hosenbein sammeln könne, aus der Moschee ferngehalten. Wer seinen Respekt vor Gott bezeugen will, trägt also Hochwasser. So gesehen, ist Imad kein guter Salafi. Er ist rasiert und trägt Jeans. »Ich würde mir gern einen Bart wachsen lassen«, rechtfertigt er sich, »aber meiner Frau gefällt das nicht.« Auch seine weiße, enge Lederjacke entspricht kaum der Mode, wie sie in Mekka vor 1400 Jahren geherrscht haben dürfte.

Imad hat immer noch viele Kontakte außerhalb der Moschee. Eine Bekannte küsst er zur Begrüßung auf beide Wangen – strenge Salafis geben einer Frau nicht einmal die Hand. »Die meisten meiner Freunde sind gar keine Muslime«, sagt Imad. »Jeden Donnerstag gehe ich Fußball spielen, da bin ich der einzige Ausländer.« Sagt es, obwohl er die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

All das wirkt glaubwürdig, es sei denn, wir sind Zeugen einer grandiosen Inszenierung. Eines ist sicher: Imad nimmt seinen Glauben ernst, er studiert regelmäßig den Koran, um sein Verhalten zu überprüfen. Sein Leben wird immer islamischer. Mittlerweile isst er nicht mal mehr Rindfleisch im Restaurant, das Tier könnte ja falsch geschlachtet worden sein.

Imads Frau Dschamila ist noch unverschleiert. Außer freitags, wenn sie in der Rahman-Moschee hinter der weißen Holzwand der Predigt von Scheich Omar lauscht. In einigen Jahren will sie ein Kopftuch anlegen. So lange muss sie noch arbeiten – die beiden wollen ein Haus bauen. Sie nehmen das islamische Zinsverbot ernst, darum verzichten sie auf einen Bausparvertrag und arbeiten, bis das Geld zusammen ist. Dschamila arbeitet als Bürohandelskauffrau, »da würde sie nie einen Job kriegen, wenn sie verschleiert wäre«, sagt Imad. Er selbst arbeitet als Fliesenleger und macht in der Abendschule sein Abitur nach.

Das Paar hat einen dreijährigen Sohn und wie jedes Ehepaar Kinderfotos an der Wand hängen, »aber die kommen bald weg«. Wegen des Bilderverbots. Ein trauriger Gedanke. »Ich weiß, für Deutsche klingt das merkwürdig, aber wir Muslime haben Angst vor Gott. Und Bilder sind nun einmal verboten im Islam.« Im Auto hat Imad allerdings noch ein paar Fotos von sich, die er gern zeigt: Sie stammen aus seiner Ludenzeit. Mit nacktem Oberkörper steht er da und präsentiert seine Muskelberge. Eitelkeit schlägt Bilderverbot.

Gern hätten wir Imads Frau getroffen, aber aus Sorge, das könne in der Moschee schlecht ankommen, tritt er von der Idee, uns zu sich nach Hause einzuladen, zurück. »Die meisten sind ja schon dagegen, dass ihr so viel Zeit in der Moschee verbringt«, sagt er, »sie wollen nicht mit euch reden.« Einige erkundigen sich bei Scheich Omar, ob es überhaupt erlaubt sei, Ungläubige in die Moschee zu lassen. Andere beschimpfen den Fotografen, weil er ihre Schuhe ablichtet. Aber welche Motive bleiben, wenn Menschenfotos verboten sind?

Abu Hafsa erklärt die Feindseligkeit mit Unerfahrenheit. »Die Leute hier sind es nicht gewohnt, mit Fremden zu sprechen. Zum ersten Mal ist ein Reporter in die Moschee gekommen. Außerdem misstrauen sie den Medien, es wird viel Falsches über den Islam geschrieben.« Ohne Abu Hafsa wären wir nicht mehr hier. Er hat uns vor dem Rauswurf bewahrt. Als die Moscheeführung nach der Dschihad-Diskussion am ersten Abend zusammenkommt, um über unseren Verbleib zu diskutieren, ist er der Einzige, der für uns spricht: »Wir haben nichts zu verbergen«, verteidigt er seine Position vor den Brüdern.

Nichts zu verbergen – Abu Hafsa glaubt, was er sagt. Leider stimmt es nicht, wie sich nach einem längeren Gespräch herausstellt. Ihm scheint es aber nicht klar zu sein. Abu Hafsa lebt in einer Parallelwelt. Er kam 1991 aus Marrakesch nach Deutschland, mit 21 Jahren. Die Fremde löste bei ihm einen Identitätsschub aus. »Ich habe gemerkt, dass mir irgendetwas fehlt, eine spirituelle Basis.«

Er begann, den Islam zu studieren, und landete bei Ahmad Salam, einem salafistischen Prediger aus den Niederlanden. Von dem gibt es ein berüchtigtes Foto, das jeder Niederländer kennt: der weißbärtige Scheich neben einer angesäuerten Rita Verdonk, damals Integrationsministerin. Es ist der Moment im November 2004, in dem Ahmad Salam der Ministerin den Handschlag verweigerte. Auch Abu Hafsa gibt keiner Frau die Hand, »jeder gebildete Mensch wird das verstehen«, sagt er.

Abu Hafsa ist sofort als strenggläubiger Muslim zu erkennen: die gehäkelte weiße Mütze, der lange schwarze Bart, der ihn älter erscheinen lässt, als er ist, die Hochwasserhose. Damit zieht er Blicke auf sich. Seit dem 11. September 2001 sei das Klima sehr unfreundlich geworden, erzählt er: Busfahrer gäben Gas, wenn er einsteigen wolle, auf Ämtern werde ihm oft kein Stuhl mehr angeboten. Das Schlimmste sei der Polizist gewesen, der bei einer Kontrolle seinen Ausweis sehen wollte, den Abu Hafsa aber vergessen hatte. »Dann schwing dich auf dein Kamel und hol ihn«, habe der Polizist gesagt und das wohl komisch gefunden. Abu Hafsa nicht: »Das war eine Provokation. Trotzdem habe ich nichts gesagt. Gott hat mir befohlen, nur gut mit den Menschen zu reden.«

Abu Hafsa, erst 37, strahlt so etwas wie Altersmilde aus. »Die jungen Menschen sind voller Eifer, man muss sie zügeln. Der Dschihad, den bin Laden führt, ist falsch. Er hat nichts mit dem wahren Glauben zu tun.« Trotzdem kommt das Gespräch an einen Punkt, an dem klar wird, warum Staatsschützer auch friedliche Salafis wie ihn für weniger harmlos halten, als sie sich darstellen. Es geht um Verschwörungstheorien.

Die Frage, warum die islamische Welt heute so schwach sei, treibt so gut wie jeden Muslim um. Die Antwort lautet dann häufig: weil der Westen es geschafft habe, den Muslimen ihre Identität zu rauben und ihre Einheit zu schwächen. Abu Hafsa sieht das nicht anders. »Auf jedes Krankenhaus, das Entwicklungshelfer in Marokko bauen, kommen fünf neue Kinos. Das wird gemacht, um die Menschen moralisch zu korrumpieren. Der Westen hat Angst vor der Stärke des Islams.«

Jedes Kino wird zum Agenten der Unterdrückung, das Leben im Westen zum permanenten Kampf um die Bewahrung eigener Identität. Manche Muslime sehen die Notwendigkeit, diesen Kampf mit Gewalt zu führen, um die Ehre des Islams zu retten. Darum sehen es Staatsschützer als Problem, wenn sich muslimische Migranten ständig nur mit ihrer Identität befassen und die Realität um sich herum vergessen.

Aber wer steckt eigentlich hinter den Plänen, die islamische Welt zu unterdrücken?

»Die Christen sind genauso Opfer wie die Muslime«, erwidert Abu Hafsa. »Die Juden versuchen die Welt zu dominieren, sie bestimmen, was in Amerika passiert und auch in Europa.«

Wenn Abu Hafsa glaubt, er habe nichts zu verbergen, dann hat er dieses Land nicht verstanden – was es hier bedeutet, antisemitische Verschwörungstheorien zu verlautbaren, als sei es das Normalste der Welt. Er macht sich so glatt zum Objekt des Verfassungsschutzes, wenn er es nicht schon ist.

Andererseits: Ginge Abu Hafsa taktisch vor, hätte er sich den Ausflug in den Antisemitismus gespart, wohl wissend, welche Konsequenzen das haben kann. Im Umkehrschluss hieße das: Was er vorher gesagt hat, seine Distanz zum Dschihad, seine Ermahnung an die jungen Männer, friedlich zu sein, wäre ebenso ehrlich gemeint. Was soll man von alldem halten?

Eines ist klar: In der Rahman-Moschee wird nicht der Dschihad von morgen geplant, und wenn, dann nicht mit dem Segen der Moscheeführung. Zweitens gibt es Leute wie Imad, die sich ein komplexes Weltbild bewahrt haben und weiter mit dem Rest der Gesellschaft interagieren. Wir haben auch andere getroffen, die offen zu uns waren. Was ist aber mit der Mehrheit? Mit denen, die gar nicht erst bereit waren, mit uns zu reden? Wir wissen es nicht.

»Die meisten Salafis in Deutschland sind als nichtterroristisch einzustufen«, sagt Ekkehard Rudolph, Islamwissenschaftler beim Landeskriminalamt in Düsseldorf. »Aber es besteht die Gefahr einer schleichenden Indoktrinierung im Sinne eines intoleranten und gewaltbereiten Islamismus.« Denn auch Mainstream-Salafis konsumieren Literatur, die eigentlich auf den Index gehört. Als Beispiel nennt Rudolph den saudischen Gelehrten Mohammed bin Saleh al-Utheimin, dessen Werke in deutscher Übersetzung im Internet kursieren.

Ein Muslim, der vom Glauben abfalle, sei zu töten, fordert al-Utheimin in seiner Schrift Die Glaubenslehre der sunnitischen Gemeinschaft. Es reiche schon, wenn einer behaupte, eine andere Religion, etwa das Christentum, könne vor Gott Bestand haben. »Von hier ist es nur noch ein Schritt bis zur Legitimation oder sogar Ausübung der Tat«, sorgt sich Rudolph. Auch in der Rahman-Moschee gibt es Gläubige, die Scheich al-Utheimin in Ehren halten.

Mit bloßen Verboten ist dem Salafismus jedoch nicht beizukommen, das wissen auch die deutschen Sicherheitsbehörden. Manche Staatsschützer sehen Leute wie Scheich Omar Bakri Habou insgeheim sogar als Verbündete – ganz einfach deshalb, weil sie sich öffentlich gegen den Dschihad aussprechen. »Im Rahmen einer Strategieentwicklung ist deshalb zu fragen, inwiefern auf Mainstream-Seite auch Potenziale zur Eindämmung dschihadistischer Tendenzen existieren«, heißt es dazu in dem Auswertebericht Salafismus des Landeskriminalamtes Sachsen.

Abu Hafsa hat diesbezüglich einen Rat an die deutsche Politik. »Ich würde alle Prediger, die sich für den Dschihad aussprechen, ausweisen«, sagt er. »Ich weiß nicht, warum die Deutschen das nicht machen. Vielleicht wollen sie herausfinden, welche Verbindungen sie ins Ausland haben. Aber das ist gefährlich. Solange diese Prediger frei herumlaufen, können sie viele Leute indoktrinieren.«

Klingt fast wie eine Bewerbung als Sicherheitsberater bei Wolfgang Schäuble.

* Name von der Redaktion geändert

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Leserkommentare
  1. Wer jetzt noch den Islam oder den Bau neuer Moscheen befürwortet, dem ist nicht mehr zu helfen.
     

  2. @SchnarzanSie haben den Artikel nicht verstanden, weil Sie ihn offenbar nicht bis zum Ende gelesen haben. Wenn Sie es naemlich getan haetten, dann wuerden Sie verstehen, dass der Artikel durchaus das Gegenteil von Verboten propagiert. Es geht nicht um den Verbot des Baus von Moscheen, sondern darum, wie man Muslime daran hindern kann in extreme Richtungen zu driften. Mit einem Verbot erreichen Sie ueberhaupt nichts, im Gegenteil - Sie befoerdern damit die Entwickung eines Islams, der in Hinterhoefen oder im Untergrund brodelt. Genau das ist zu vermeiden! Es geht darum sich offen mit ihm auseinander zu setzten. Verbot ist etwas fuer Schnarchnasen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Aus dem Artikel: "Dschihad bedeutet, an sich selbst zu arbeiten, es hat nichts mit Krieg zu tun" Mein Kommentar: Dschihad bedeutet Anstrengung und kann in den großen und den kleinen Dschihad differenziert werden. Der Große Dschihad umfasst die Arbeit an sich selbst, die Überwindung der eigenen Schwächen. Der Kleine Dschihad umfasst Quital/Kampf und Futuhat/Öffnung. Es sind also gewaltmäßige Aktivitäten erlaubt und geboten, wenn sie  dem Islam dienen im Sinne von Verteidigung des Islam und der Verbreitung des Islam. Das Wort Krieg/Harb kommt innerislamisch nicht vor, sondern nur in Zusammenhang der Bewohner des Hauses des Krieges/Dar al-Harb. Das sind die Gebiete des Nicht-Islam. Krieg kommt also stets in Gebieten der Nicht-Muslime vor. Im Haus des Islam/Dar al-Islam kommt lediglich Dschihad vor, was aus muslimischer Sicht nichts mit Krieg, sondern nur mit geistigen, aber auch Gewalt-Aktivitäten zum Nutzen des Islam zu tun hat. Aus dem Artikel: "Islam bedeutet Frieden." Mein Kommentar: Islam bedeutet Hingabe, Ergebung, Unterwerfung hinsichtlich Allah und nicht Frieden. Allerdings gehen islamische Denker davon aus, wenn der Islam herrscht, herrsche auch Friede. Letztendlicher Friede herrscht universell dann, wenn die ganze Welt islamisch ist. Die Empirie spricht allerdings nicht für diese Annahme. Schon bei den vier rechtgeleiteten Kalifen kamen drei durch Mord, auch innerislamisch,  um.

  4. »Ich würde alle Prediger, die sich für den Dschihad aussprechen,
    ausweisen«, sagt er. »Ich weiß nicht, warum die Deutschen das nicht
    machen.Ich auch nicht.Vielleicht wissen die Deutschen das im Einzelfall gar nicht - man sollte das herausfinden.

    • Ranjit
    • 31. März 2008 21:48 Uhr

    ... aber was ist mit alltäglicheren Problemen. Der Artikel ist sehr interessant, gut geschrieben und versucht sich mit durchaus einigem Erfolg an einer ausgewogenen Betrachtung. Was mich jedoch etwas stört, ist der Fokus auf die Terrorgefahr. Aber was ist mit den alltäglichen Problemen. Was ist mit Verständigungsschwierigkeiten aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse? Was ist mit der Diskriminierung von Personen, die nicht in dieses Schema passen.Am meisten Sorge bereitet mir da Imads Sohn, als Person sowie als Stellvertreter für die Kinder anderer streng gläubiger Familien (wobei ich hierbei nicht nur den Islam meine). Was wenn er gerne Musiker werden würde oder Maler? Wenn er, Gott bewahre, Homosexuell ist? Oder man stelle sich vor, es wäre kein Sohn sondern eine Tochter...Ich möchte hier nicht den Islam generell verteufeln. Nur ist es einfach extrem schwehr für Kinder und Jugendliche derartig isoliert und gefesselt zu werden, wenn sie die Welt da draußen direkt vor der Nase haben. Das soll nicht heißen, das alle Kinder von Muslimen leiden. Je nach Wertevorstellung und erlernten Normen kann man es wirklich als normal erachten, sich als Frau verschleiern zu müssen. Ohne den Schleier würde sich eine solche Frau so nackt fühlen, wie wir mit einem Ureinwohner Lendenschurz. Und das obwohl die entsprechenden Völker das als völlig normale Bekleidung sehen würden. Was ich nur gerne sehen würde ist, dass solch enge Religiöse Zirkel dann jene einfach gehen lassen könnten, die sich diesen Regeln nicht unterwerfen wollen. Und genau diese Chance sehe ich bei derart hermetischen Gemeinden wie der hier beschriebenen Moschee nicht gegeben.

  5. (Auf Wunsch des Benutzers gelöscht. Die Redaktion/jk)

  6. 7. Aha

    "Die meisten Mainstream-Salafis lehnen den Dschihad hier und heute ab. »Der Dschihad muss von einem islamischen Herrscher ausgerufen werden«, sagt Scheich Omar Bakri, der dieser Strömung zuzurechnen ist. »Aber den gibt es derzeit nicht"So und was machen wir mit unseren Schäfchen wenn so ein Scheich der Meinung ist das einer der Dschihad-Rufer in seinen Augen legitimiert ist?Ich sehe nicht ein das wir uns hier mit solchen potentiellen Zeitbomben abfinden sollen. Das widerspricht jeglicher Logik!Gegenüber einer Zeitbombe nutzt Toleranz eher wenig.  

  7. Na herzlichen Glückwunsch Deutschland, für diese kulturelle Errungenschaft.Die Leute sind vielleicht keine Terroristen, dennoch lassen sich da oft integrationsfeindliche Züge, gepaart mit mittelalterlichem Denken, erkennen auf die ich in Europa gerne verzichten kann.

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  • Schlagworte Osama bin Laden | Islam | Syrien | Dschihad | Irak | Marokko
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