In der Nacht von Saint Bartholomew versammeln sich die Utupuer zu einem Brauch, dessen Bedeutung niemand mehr kennt. Sie legen eine Piroge mit der Oberseite nach unten in den Sand, und drei, vier Jungen beginnen, mit wilder Kraft darauf zu trommeln. Das Stakkato schmerzt in den Ohren, der Rhythmus der Schläge bebt in Mark und Bein. Und bald beginnt die halbe Insel, Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge, im Kreis um die Piroge zu tanzen. Man nimmt uns auf in den Kreis der Utupuer, man lacht über unsere Bewegungen und vielleicht über unsere Unfähigkeit, sich völlig hinzugeben an einen Freudentanz.

Noch vor Sonnenaufgang weckt uns der Bootsführer. Wir hatten gehofft, nur einen einzigen Tag länger bleiben zu können. Aber der Geschäftsmann aus Nendo, dessen Boot uns herbrachte, hat heute noch einen Termin für eine andere Transportfahrt angesetzt.

Der Morgen des Abschieds ist sonderbar blau. Völlig still liegt das Meer in der Bucht von Nembao. Utupuas Kinder schlafen noch. Ein letztes Mal die Silhouette der Insel, wildes Grün, von der Morgensonne berührt, über den Berggipfeln heimkehrende Fregattvögel. Utupua, hatte der Bischof gesagt, heißt auf Polynesisch »Kopf Gottes« oder auch »gotterfüllt«.

An der Wand der Kirche von Nembao hängt ein Brief der Landbesitzer von Utupua an den Sekretär des Umwelt- und Forstministeriums in Honiara. Darin heißt es: »Wir, die Besitzer der Ressourcen unseres Stammes, genehmigen die Einladung von jeglichen Investoren oder Zulieferern zur Abholzung oder Abfräsung des Stammeslandes der Insel Utupua.« Das Schreiben, das direkt daneben hängt und in einer seltsamen Auflistung »Brücken, Straßen, Stipendien, Kliniken, Schulen, Märkte« verspricht, haben vier Utupier unterschrieben. Die letzte Signatur ist in einer Kinderschrift aus wackeligen Großbuchstaben geschrieben.