Exporte Schöner leben nach dem Crash
Der schwache Dollar stärkt die Exporte der USA und bringt die Weltwirtschaft in eine neue Balance. Was heißt das für Deutschland und China?
Bill Barnett der Dritte hat im Augenblick viele Sorgen. Aber der vergangene Mittwoch war für ihn ein guter Tag. Der Bürgermeister von Spartanburg, einem Städtchen im US-Bundesstaat South Carolina, kämpft wie viele Stadtväter seines Landes mit schweren wirtschaftlichen Problemen: Häuser stehen leer, fast täglich gibt es eine Zwangsvollstreckung. Der landesweite Sturz der Immobilienpreise, die knappen Kredite bei den Banken, die Flaute am Jobmarkt und die verunsicherten Konsumenten – all diese amerikanischen Krisengeschichten kann man auch in Spartanburg erzählen.
Doch in einem Industriegebiet südwestlich der Stadt keimt Hoffnung. Der Münchner Autobauer BMW unterhält dort sein nordamerikanisches Werk, und nun wollen die Bayern 500 Millionen Euro extra investieren. In Zukunft sollen in Spartanburg nicht mehr nur die Geländewagen X5 und X6 entstehen, auch die Produktion des X3 wandert aus Österreich nach Amerika.
»Wegen des Dollarkurses ist das günstiger geworden«, erläutert ein BMW-Sprecher. Schließlich ist der Dollar heute in Euro gerechnet nur noch halb so viel wert wie vor fünf Jahren. Plötzlich lohnt es sich wieder, in den USA zu produzieren. Denn ein von BMW in den USA gefertigtes Auto könnte in Europa theoretisch zum halben Preis angeboten werden. Schlechte Nachrichten für Europa, gute für Amerika: Es rechnet sich, Fabriken in Europa einzumotten und drüben neu zu eröffnen.
Vielleicht ist Spartanburg damit auch der Vorbote einer neuen Weltwirtschaftsordnung. Denn die amerikanische Krise wird in den kommenden Monaten noch schlimmer werden – und wenn sie vorbei ist, wird es in der Weltwirtschaft ein anderes Kräftegleichgewicht geben. Noch fallen die Hauspreise weiter, mit denen der Ärger begann. Eine Hypothekenbank nach der nächsten meldet Schwierigkeiten. Vieles davon braucht noch Zeit, um sich in der Konjunktur bemerkbar zu machen.
Wie ein Paukenschlag jedenfalls klang die Vorhersage, die die Organisation der reichen Länder OECD wenige Stunden vor dem Osterwochenende veröffentlichte: »Nullwachstum« im ersten Halbjahr 2008 in den USA. Andere wie der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini befürchten längst eine Rezession, also eine US-Wirtschaft, die nicht mehr wächst, sondern schrumpft. Mit gravierenden Folgen für den Rest der Welt.
Diese Wirtschaftskrise ist nicht bloß eine Last, sondern auch eine Chance. Denn die Weltwirtschaft braucht ein neues Gleichgewicht zwischen den Wirtschaftsblöcken USA, Europa und Fernost. In den vergangenen 10 bis 15 Jahren funktionierte deren Zusammenspiel kurz gefasst so: Die Vereinigten Staaten konsumierten, und der Rest der Welt produzierte. Die Amerikaner erfreuten sich an Häusern und Autos, die sie auf Pump finanzierten. Die Europäer und Asiaten erfreuten sich einer boomenden Exportwirtschaft. Alle profitierten. Daher spielten alle mit.
China zum Beispiel koppelte seine Währung an den Dollar und verhinderte eine Aufwertung seiner Währung Renminbi. Das ließ seine Exportwirtschaft aus allen Rohren feuern und führte außerdem dazu, dass das asiatische Land einen unvorstellbaren Devisenberg von mehr als 1,5 Billionen ( statt: Milliarden, geändert d.d.Red. ) Dollar aufgeschüttet hat. In Deutschland wurden sogar die Löhne der Kaufkraft nach gekürzt, um auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und ebenfalls mehr zu exportieren als einzuführen. So wurden die Ungleichgewichte von Jahr zu Jahr größer. »Auf Dauer war das nie angelegt«, urteilt Klaus Regling, Generaldirektor für Wirtschaft und Währung bei der EU-Kommission.
Die gute Nachricht lautet also: Endlich ist das reinigende Gewitter da. Die notwendigen Anpassungen sind schmerzhaft, aber sie werden wirtschaftliche Ungleichgewichte verringern: Am Ende werden die Amerikaner wieder eine gesündere Exportwirtschaft haben und nicht mehr so eifrig importieren wie bisher. Und in den wichtigen Wirtschaftszentren Asiens (allen voran China) und Europas (allen voran Deutschland) wird in dieser neuen Welt mehr konsumiert.
Einiges davon geschieht sogar schon ganz von allein. Seit nämlich der Dollar seinen Sturzflug angetreten hat, ist nicht nur bei BMW in Spartanburg der Frühling angebrochen, sondern in großen Teilen der amerikanischen Exportindustrie. Die Ausfuhren von Autos und Automobilzubehör legten – in Dollar gerechnet – im vergangenen Jahr um 14 Prozent zu, bei Maschinen gab es ein Plus von 6,6 Prozent, der Export von Konsumgütern wie Küchengeräten und Pharmaprodukten stieg um 11 Prozent. Tatsächlich schmolz also im letzten Quartal 2007 das berüchtigte Leistungsbilanzdefizit der USA schon ein wenig ab. Die Amerikaner führen mehr aus und weniger ein. Und Patrick Franke, US-Experte bei der Commerzbank, freut sich: »Die Handelsbilanzproblematik entspannt sich ganz erheblich.«
Die schlechte Nachricht aber ist: Diese Anpassung mit den Kräften der Marktwirtschaft geht zu langsam – und ist allein auch nicht zuverlässig genug. Denn die Schieflagen sind gewaltig: Das Leistungsbilanzdefizit der USA war mit 5,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr gewaltig. Bis 2010 könne es höchstens bis auf vier Prozent schrumpfen, schätzt das britische Prognoseinstitut Oxford Economics. Und auch das werde nur dann gelingen, räumen die Briten ein, wenn irgendwer wirklich all diese Sachen kauft, die Amerika plötzlich exportieren möchte.
Wie kann diese Umstellung also in einer Zeit beschleunigt werden, in der sich die Konjunkturflaute weltweit ausbreitet – was eigentlich für weniger und nicht für mehr Konsum in den kommenden Monaten und Jahren spricht? Wie kann man außerdem verhindern, dass die Märkte bei dieser großen Aufgabe überreagieren und nervöse Händler die Nerven verlieren? Ein wildes Auf und Ab von Währungskursen, Rohstoffpreisen und Aktienkursen hülfe jedenfalls niemandem.
Das sind die zwei Gründe, aus denen in diesen Tagen etliche Ökonomen lauter nach dem Staate rufen, als man es von ihnen gewohnt ist. Da werden Notenbanker und Wirtschaftspolitiker aufgefordert, zumindest allzu große Schocks und Sprünge abzufedern. Aus dem früher erzkonservativen Internationalen Währungsfonds (IWF) etwa hörte man Forderungen nach mehr staatlichen Konjunkturprogrammen. Fast klingt es nach einem Abschied vom Laisser-faire, dem wirtschaftspolitischen Leitsatz der vergangenen, erfolgreichen Wirtschaftsjahrzehnte.
Eines ist jedenfalls deutlich: Die europäischen Exporteure verlieren an Boden. Wenn der Euro-Kurs in den jetzigen Höhenlagen bleibt, würden sie große Einbußen erleiden, klagen die Unternehmen.
Aber hat der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück nicht immer gesagt: »Ein starker Euro ist mir lieber als ein schwacher Euro?« Stimmt. Bisher war es ja auch wirklich nicht so schlimm. Die Handelsbilanz Europas insgesamt ist zwar schon heute in etwa ausgeglichen, aber die größte europäische Volkswirtschaft, die deutsche, exportiert deutlich mehr, als sie einführt. 2007 betrug der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 5,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.
Doch jetzt sind auch die deutschen Exporte bedroht, und im Übrigen sind sie bloß ein Teil der Gleichung. Wenn die weltwirtschaftliche Anpassung gelingen soll, sind die Europäer mehr denn je auf privaten Konsum angewiesen. Doch gerade jetzt melden die Verbraucher in Euroland, dass ihre Stimmung getrübt sei. »Der private Konsum wird erst einmal nicht an Dynamik gewinnen«, urteilt der Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. Ein Grund ist der Ölpreis, der für fast alle Nationen gestiegen ist und die Angst vor der Inflation schürt. Zudem kämpfen einige EU-Länder mit einer schwachen Konjunktur. Spanien leidet unter seiner ganz eigenen Immobilienkrise, Italien steckt in einer Rezession, in Frankreich und Portugal wird die Staatsverschuldung in diesem Jahr sehr hoch liegen, sodass staatliche Sparprogramme die Wirtschaft zu bremsen drohen. In dieser Gruppe gehört Deutschland noch zu den Wachstumswundern.
Viele Ökonomen sagen daher: Wenn Europa mit steigendem Konsum künftig die Weltwirtschaft stabilisieren soll, dann muss vor allem die größte Volkswirtschaft Europas vorangehen. Deutschland also. Von selbst wird aber auch das kaum geschehen. Im vergangenen Jahr waren die privaten Konsumausgaben sogar rückläufig.
Drei Optionen hätte die Bundesregierung, um den Konsum anzukurbeln: Sie könnte durch Steuerzuschüsse die Lohnnebenkosten senken, etwa den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung. Sie könnte die Steuersätze für niedrige und mittlere Einkommen senken. Oder sie könnte einer Empfehlung des amerikanischen Ökonomie-Nobelpreisträgers Robert Solow folgen und befristet die Mehrwertsteuer um ein paar Punkte senken.
Doch die Bundesregierung hat sich vorerst für die vierte Option entschieden: gar nichts zu tun und zu hoffen. Dass die Aufwertung des Euro ganz von allein die Inflation bremst, weil so viele importierte Waren jetzt billiger werden. Dass die Verlangsamung der Weltkonjunktur auch die Inflation eindämmt, weil dadurch die Preise für Öl und andere Rohstoffe fallen.
Ob und wann dieser Kurs zu ändern wäre, darüber gibt es in der Bundesregierung keine einheitliche Linie. Wirtschaftsminister Michael Glos würde gern die Einkommensteuern senken, Angela Merkel und Peer Steinbrück sind dagegen. Im Finanzministerium wollen sie erst mal das Ergebnis der Steuerschätzung im Mai abwarten, im Kanzleramt verfolgt man vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt. »Wenn überhaupt«, sagt ein hoher Regierungsbeamter, »dann kommt erst im Wahljahr Bewegung in die Sache.«
Und China , der neue, rasant wachsende Wirtschaftsgigant? In der Volksrepublik war die Förderung des Exports lange das oberste wirtschaftspolitische Ziel. So wollte das Land Anschluss an die reichen Länder der Welt finden. Das Mittel der Wahl war Chinas aggressive Wechselkurspolitik, und tatsächlich: Waren aus China überschwemmten seither die Weltmärkte. So wuchs parallel zu Amerikas Importüberschuss ein weiteres Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft von Jahr zu Jahr: der chinesische Exportüberschuss.
Bei den Währungskonferenzen und Ministertreffen war im Lauf der Jahre ein ruppiges Ritual entstanden: Ein Vertreter Europas oder der USA übte Kritik an der Wechselkurspolitik der Chinesen, und die chinesischen Vertreter blafften zurück. Man verbitte sich eine Einmischung in innere Angelegenheiten! Der Ton jedoch ist zuletzt ruhiger geworden. Die exportfördernde Wechselkurspolitik bereitet den Chinesen nämlich zunehmend selbst Ärger. Der boomende Exportsektor droht die Wirtschaft zu überhitzen, der niedrige Preis der Währung treibt die Inflation an, inzwischen beträgt die Geldentwertung fast zehn Prozent im Jahr.
Tatsächlich hat das Land, wenig beachtet, bereits eine schleichende Aufwertung seiner Währung zugelassen. Gegenüber dem Dollar ist der Renminbi seit Anfang 2005 um 14 Prozent gestiegen, gegenüber den Währungen aller wichtigen Handelspartner zusammen immerhin um drei Prozent.
Das heißt: Die chinesischen Exporteure werden schon heute ein wenig gebremst. Warum auch nicht? Stephen Green, Chefvolkswirt bei der Standard Chartered Bank in Shanghai, sagt: »Bei den Wachstumsraten, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, ist es wahrlich kein Desaster, wenn sich die Wirtschaft hier ein bisschen beruhigt.« Allerdings werden die Chinesen nicht umgekehrt über Nacht zu eifrigen Konsumenten und Importeuren werden. Und genau deswegen nützen sie jetzt wenig. Die Chinesen sparen bislang viel zu viel – rund 40 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes –, weil sie kaum für die Bildung ihrer Kinder, fürs Alter oder die Arbeitslosigkeit abgesichert sind und daher selbst vorsorgen.
»Die Chinesen müssen mittelfristig ihre sozialen Sicherungssysteme aufbauen«, schlägt daher Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel vor. Der Harvard-Ökonom Martin Feldstein gab in China schon einen ganzen Katalog konsumfördernder Politikverschreibungen ab, von höheren Dividendenzahlungen der Staatsunternehmen (weil so viele Chinesen Aktionäre sind) bis hin zur leichteren Vergabe von Verbraucherkrediten. Politik ist das in China noch lange nicht. Und selbst wenn, würde es dauern, bis diese Maßnahmen wirkten.
Die Wirtschaftskrise hat in Amerika begonnen – aber wenn die Politiker in Deutschland und China so zaghaft bleiben, könnte sie stärker als notwendig auf den Rest der Welt übergreifen.
Im Augenblick sorgen sich Geld- und Fiskalpolitiker nach Kräften um die Rettung von Banken, und sie wollen einer neuen Panik an den Finanzmärkten oder einem Dollarsturz zuvorkommen. Die Verbindung zur heimischen Nachfrage zieht kaum jemand.
Am 11. April treffen sich in Washington die Vertreter der großen Industriestaaten, um über den Dollar zu reden. Und Wortmeldungen der vergangenen Woche lassen erkennen: Bei panischer Währungsflucht wird eingegriffen. Der europäische Notenbankchef Jean-Claude Trichet betont jetzt bei jeder Gelegenheit, dass er starke Kursausschläge für schädlich hält. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel festgehalten, sie sorgten sich um die »exzessive Wechselkursentwicklung«. Auch der US-Finanzminister Henry Paulson sendet solche Signale: Ein starker Dollar sei im »Interesse Amerikas«.
Die Gefahr besteht darin, dass es hier aufhört. Die Gefahr ist, dass sich die nämlichen Politiker bei der wichtigen, grundsätzlichen Anpassung der Importe und der Exporte wieder ganz auf die Heilungskräfte des Marktes verlassen und viel zu spät an die Förderung des Konsums denken.
- Datum 31.03.2008 - 10:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 27.03.2008 Nr. 14
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Statt einen solchen Unsinn zu schreiben, sollten Sie die eigentlichen Zusammenhänge einmal klar darstellen.
"unvorstellbaren Devisenberg von mehr als 1,5 Milliarden Dollar aufgeschüttet hat".solche Schreibfehler sind ärgerlich.
>>Die Vereinigten Staaten konsumierten, und der Rest der >>Welt
produzierte. Die Amerikaner erfreuten sich an >>Häusern und Autos, die
sie auf Pump finanzierten. Die >>Europäer und Asiaten erfreuten sich
einer boomenden >>Exportwirtschaft. Alle profitierten. Daher spielten
alle >>mit.Wie kommt der Autor darauf, dass ich mich an der boomenden Exportwirtschaft erfreute. Für mich war es eher ein Zustand wie in der alten DDR. Die besten Produkte wurde exportiert, die Bevölkerung selbst konnte sie sich aber nicht leisten. Was nützen mir riesige Exporterfolge von BMW in den USA, wenn ich mir selbst bei fallendem Reallohn so eine Kiste nicht mehr leisten kann. Wüsste keinen Grund, warum ich mich darüber freuen sollte. Und fangt mir jetzt nicht mit den vielen schönen Arbeitsplätzen an! Arbeit ist nun mal kein Selbstzweck, auch wenn es ohne Arbeit auch irgendwie ungut ist.
von Auslaendern, einschliesslich den Amerikanern.
Amerikaner kaufen BMWs 20% (mindestens) billiger als Einwohner in Konstanz oder Berlin.
Warum?
Eines Tages wird es ihnen einfallen, die Mehrwertssteuer fuer sich selbst zu kassieren. Sie, die Amerikaner, haben auch Sozialkosten, und warum sollte man gerade BMWs billiger kaufen koennen als Wagen aus Tokyo oder Detroit?
Vielen Dank für Ihren Hinweis - wir haben den Fehler inzwischen korrigiert.Mit freundlichen Grüßen,Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT online
Das ist wohl so eine Sache mit der Wirtschaft in der Der Zeit. Eigentlich fühlt man sich fast am geahnten Ziel, wenn der Artikel kurz davor steht, die bekannte linke sozialhedonistische Hymne von der wirtschaftsstimulierenden Kraft eines gesteigerten Konsums anzustimmen, wozu manch krause Überlegung über das globale Gleichgewicht geführt hat: jetzt helfen nur Lohnerhöhungen in Deutschland, um die Weltkonjunktur zu stützen. Dann wird kurz davor Halt gemacht, vielleicht hat man es auch gestrichen, es hätte all zu abenteuerlich geklungen. Die USA haben also bislang konsumiert und wir haben produziert und gezwungenermaßen zu billig exportiert, was sich an der Unzufriedenheit unserer Arbeiter mit ihren Löhnen zweifelsfrei erweist. Das werde sich nun umkehren, die USA werde für uns billig produzieren (ihr Preisniveau liegt ja – von der Kaufkraft her- deutlich unter unserem) und wir werden die billigen Importe endlich konsumieren können. Aha und wovon soll der Konsum dann gezahlt werden? Bei einem Land etwa wie Deutschland, das seine Wettbewerbsfähigkeit allein aus dem Export herleitet und das schon seit den fünfziger Jahren? Ach ja, ich hatte ja vergessen, natürlich wird der Konsum angekurbelt werden durch Steuersenkungen und dann wohl doch, worüber sich der Artikel ausschweigt, über eine gerechte Lohnerhöhung und das was gerecht ist, beschließen die Empfänger der Erhöhung. Den Reichen wird man durch eine in diesem Sinne auch gerechte Steuererhebung noch etwas mehr wegnehmen können und dann bleibt es doch unvermeidbar, den in den Konsum der früheren DDR geflossenen Billion noch einige hundert Milliarden fürs Erste an Schulden hinzuzufügen. Es geht schließlich um die Ankurbelung der Weltkonjunktur. So endet die fair handelnde Wirtschaftspolitik wie immer im neuen Schuldenmachen und Leben auf Kosten unserer Kinder.
Karsten Cascais
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