Schulzeitverkürzung
Mehr Mut zu G8
Die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre führt in Bayern zu Unmut bei Eltern, Lehrern und Schülern. In Thüringen ist man mit dem »G8« rundum zufrieden. Warum ist das so? Ein Ländervergleich
Sechs Wochen bleiben ihr bis zu den Abiturprüfungen. Zeit zum Theaterspielen hat Anne trotzdem noch. »Als ich das Wort ›Turbo-Abitur‹ gehört habe, dachte ich, die machen das jetzt in elf Jahren«, sagt sie. Wenn sie Ende April ihre Klausur im Leistungskurs Deutsch schreiben wird, hat Anne insgesamt zwölf Jahre die Schulbank gedrückt. Sie ist 18 Jahre alt und besucht das Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium im thüringischen Nordhausen, der Stadt am Südrand des Harzes mit rund 45.000 Einwohnern. »Ich kann die Diskussion über zu wenig Zeit nicht nachvollziehen«, sagt Anne. »Die Schule gehört doch zur Kindheit dazu.«
Viel wird über das sogenannte Turbo-Abi geredet, nicht erst seit der Moderator Reinhold Beckmann den Verlust der Kindheit beklagte, wenn Schüler nach 12 statt nach 13 Jahren das Abitur ablegen. Als erstes westdeutsches Bundesland hat das Saarland zum Schuljahr 2001/02 die Verkürzung auf acht Jahre Gymnasium beschlossen, inzwischen haben die anderen nachgezogen. Und die Beschwerden häufen sich: zu viel Stress für die Schüler, der gleiche Stoff in weniger Zeit, kaum mehr Zeit für Freunde. Dabei wird gern übersehen, dass Sachsen und Thüringen nach der Wende bei der in der DDR üblichen zwölfjährigen Schulzeit geblieben sind. Und sich dort viele Schüler gar nicht vorstellen können, noch ein weiteres Jahr in der Schule zu verbringen.
»Wir sind froh, aus der Schule rauszukommen«, sagt Anne nach der Theaterprobe und spielt mit ihrer Perlenkette. Das gewonnene Jahr, sagen sie und ihre Mitschüler, könne man doch für einen USA-Austausch nutzen. »Es gibt in unserem Bildungssystem größere Probleme als das, wo man zu Mittag isst«, meint auch Anna-Marie aus dem Deutsch-LK. »Noch nicht mal in Nordhausen kann ich problemlos auf eine andere Schule wechseln.« In Thüringen sei die Kindheit ganz normal, wie im Westen auch – trotz des achtjährigen Gymnasiums: Die Schülersprecherin spielt neben der Schule Cello und Basketball.
Doch die Schüler in Thüringen haben eben immer nur das achtjährige Gymnasium gekannt, im Nachbarland Bayern wächst die erste G8-Generation gerade erst heran.
Das Rudolf-Diesel-Gymnasium in Augsburg sieht aus wie viele andere Schulen auch: eine Betonburg mit Tischtennisplatten auf dem Hof. Und auch die Probleme mit G8 gleichen denen anderswo. Die 7d hat in der ersten Stunde am Donnerstag Deutsch. Die Schüler üben die Argumentation. Thema: »Ganztagsschule«. Sie werden in acht Jahren Abitur machen, 33 Stunden haben sie in der Woche, am Montagnachmittag bis 15.15 Uhr. Für den Ganztag aber ist nur Magdalena. »Man identifiziert sich dann eher mit der Schule«, sagt sie, »weil man länger mit den Freunden zusammen ist.« Magdalena steht mit ihrem Heft vor der Klasse und trägt ihre Argumente vor. Von ihren Mitschülern erntet sie einige Buhrufe, schon der Name »Ganztagsschule« klinge nicht schön, meinen einige. Mit G8 säßen sie etwa anderthalb Stunden jeden Tag an ihren Hausaufgaben, dazu am Freitag und am Samstag. Der Lehrer sagt, die 7d schlage sich noch sehr wacker mit dem gestrafften Programm, aber in anderen Stufen herrsche ein heilloses Tohuwabohu.
Problematisch bei der Einführung von G8 in Bayern 2004 war vor allem der Mangel an Information und Vorbereitung, da sind die Lehrer sich einig. Noch 2003 hatte der damalige bayerische Ministerpräsident Stoiber angekündigt, beim Abitur in neun Jahren bleiben zu wollen. Nach der Wahl im selben Jahr war plötzlich alles anders. Schnell sollte es gehen mit der Umstellung. Gerade waren die neuen Pläne für das neunjährige Gymnasium ausgearbeitet, sie wurden nun angepasst und die Bücher lediglich um einige Passagen gekürzt. »Entdeckendes Lernen« war das neue Motto, nur dass mit G8 eben in weniger Zeit mehr entdeckt werden muss.
In Thüringen waren die Verhältnisse 1991 ähnlich chaotisch. Als die Gymnasien nach der Wende ihre ersten Schüler aufnahmen, gab es noch keine ausgereiften Lehrpläne und Bücher, außerdem wurden Zehntausende Lehrer auf ihre Vergangenheit und die Eignung für den Schuldienst überprüft. Doch Thüringen bekam die Probleme in den Griff: 1993 wurde das neue Schulgesetz verabschiedet und ein zweigliedriges Schulsystem mit Regelschule und achtjährigem Gymnasium etabliert. 1999 legte der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos eine Studie vor, in der er die Arbeitsbelastung von Schülern in Thüringen und Bayern verglich. Das Ergebnis: Kinder, die in acht Jahren Abitur machen, verwenden mehr Zeit auf die Schule – sie sind aber nicht zwangsläufig gestresster. Die Schüler im Osten waren sich vermutlich bewusst, dass zur Schule auch ein gewisser Einsatz gehört. Und schon bei der Pisa-Studie im Jahr 2000 lag das Land im bundesdeutschen Vergleich im guten Mittelfeld.
Das Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium in Nordhausen liegt auf einem Berg gegenüber einer Straße mit renovierten Fachwerkhäusern. Anne hat in der 11. und 12. Klasse »Darstellen und Gestalten« belegt. Ein arbeitsintensives Fach, viermal haben sie den Drachen von Jewgeni Schwarz über das Wesen von Diktaturen in diesem Schuljahr schon gegeben. Die Inszenierung war so erfolgreich, dass sie noch eine Vorstellung dranhängen. »Wir treffen uns auch außerhalb der Schulzeit, sonnabends und am Nachmittag«, sagt die Lehrerin Silvia Rieche. Quatsch sei das mit dem Stress, meint sie. »Die Schüler wollen doch gefordert werden. Mal ehrlich, wenn sie jeden Tag zwei Stunden eher nach Hause kämen, würden sie die Zeit nur vergammeln.«
34 Wochenstunden haben die Schüler am Humboldt-Gymnasium in der 10. Klasse, in der 11. und der 12. Klasse sind es 32 oder 33. Dazu kommt noch mit insgesamt vier Stunden das Seminarfach, in dem die Schüler eine wissenschaftliche Arbeit schreiben und öffentlich verteidigen. Die Seminararbeit ist 1997 vom thüringischen Kultusministerium eingeführt worden, um auf die erforderlichen 265 Jahreswochenstunden bis zum Abitur zu kommen. Die Zahl 265 hatte die Kultusministerkonferenz im selben Jahr auf Drängen der alten Bundesländer festgesetzt. In Bayern zum Beispiel waren zu G9-Zeiten etwa 280 Jahreswochenstunden je nach Leistungsfach üblich. 265 Stunden für acht Jahre sollten da die Vergleichbarkeit gewährleisten. Nach der Umstellung auf G8 diskutieren nun die Länder im Westen eine Reduzierung der seinerzeit für den Osten festgelegten Stundenzahl. Der jüngste Beschluss der KMK besteht auf 260 Stunden bis zum Abitur. Über den Rest können die Bundesländer frei verfügen.
»Die Aufweichung der 265-Stunden-Regel ärgert mich allerdings«, sagt der Schulleiter am Humboldt-Gymnasium, Ralf-Gerhard Köthe. »Erst hieß es, darunter geht nichts, und jetzt plötzlich soll gekürzt werden.« Köthe wundert sich nicht über die Klagen aus dem Westen. G8 könne eben nicht per Dekret eingeführt werden, Strukturen brauche man – und die seien 1990 in Ostdeutschland vorhanden gewesen. Köthe findet vor allem, dass die ganze Diskussion einmal versachlicht werden sollte.
In Ost und West sind sich die Schulleiter in diesem Punkt einig. »Es ist ein gefühlter Unterschied, der den Kindern zu schaffen macht«, sagt der Direktor am Rudolf-Diesel-Gymnasium im bayerischen Augsburg, Jakob Gaßner. Die Klagen kämen vor allem aus Familien, die in der Rückschau meinten, dass ältere Geschwister weniger zu tun gehabt hätten.
In Bayern macht dann auch vor allem die neue Unterrichtsstruktur den Schülern und Lehrern zu schaffen: Was früher aufeinander aufbaute, werde nun durcheinandergewürfelt. In der 8c etwa nimmt die Physiklehrerin gerade die Energieformeln durch – die Schüler müssen Wurzeln ziehen, das lernen sie aber eigentlich erst ein Jahr später.
Wegen des Nachmittagsunterrichts haben es auch Arbeitsgemeinschaften schwer, genügend Teilnehmer zu finden: nicht nur weil die Kinder gestresst sind, sondern weil es einfach keine Termine gibt, an denen alle Zeit haben. Und klar gibt es die Schüler, die wegen der gestiegenen Anforderungen auf AGs verzichten. Ranja aus der 8c hat mit dem Turnen aufgehört, weil sie in der Schule schlechter wurde.
»Die neuen Schulbücher, die Curricula – nicht alles klappt sofort, aber deswegen das achtjährige Gymnasium zu verdammen, ist absurd«, sagt Wilfried Bos vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung. Mit der Umstellungsphase würden auch die Irritationen verschwinden.
»G8 kriegt Feuer, das es gar nicht verdient«, meint auch ein Sportlehrer am Rudolf-Diesel-Gymnasium in Augsburg. »Das Thema wird in Wahlkampfzeiten aufgerührt, wie Kaffeesatz.« Denn die Eltern seien Wähler, und die ergriffen nun das Wort für Kinder, die vielleicht gar nicht für das Gymnasium geeignet seien. Das eigentliche Problem, so sehen es die meisten hier, sind die zu großen Klassen.
Im Nachbarland Thüringen hat man Verständnis für die Schwierigkeiten. »Die alten Bundesländer müssen zu viel auf einmal umsetzen«, sagt der Schulleiter in Nordhausen: die Reformen nach Pisa, die Umstellung auf »Lernen lernen« und auf Methodentraining statt auf pure Wissensvermittlung und dann noch die Verkürzung der Gymnasialzeit. Einen Unterschied zu seinen westdeutschen Kollegen sieht Köthe aber auch: »Sie wenden sich an die Politik und fordern bessere Bedingungen, wenn Änderungen anstehen, das Bewusstsein haben wir gar nicht. Wir machen einfach, so sind wir sozialisiert.«
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- Datum 6.4.2008 - 05:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.04.2008 Nr. 15
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ist ja alles schön und gut, dass das in Thüringen so toll klappt und man in Bayern offensichtlich einfach noch ein bisschen Zeit braucht und sich das 8jährige Gymnasium dann auch da einpendeln wird. Aber:1. Die Schwierigkeit des Abiturs variiert offensichtlich in Deutschland. Je weiter man nach Norden und nach Osten geht, desto leichter wirds. Ich erinnere mich, dass wir uns damals über die als Übung absolvierten Abiturprüfungen verschiedener anderer Bundesländer kaputt gelacht haben, das war alles Stoff den wir schon nach der 11. Klasse draufhatten (ich komme ursprünglich aus Baden-Württemberg).2. Da in 8 Jahren nciht so viel gelernt werden kann wie in 9, muss entweder Stoff herausgekürzt werden, was die Qualität der Schulen beeinträchtigt. Oder aber die Schüler haben wesentlich mehr Wochenstunden, was wiederum ihre Lebensqualität beeinträchtigt.
Zwischen dem thüringischen Abitur und dem bayerischen besteht ein himmelweiter Unterschied. Leider wird dieser Unterschied aus politischer Rücksichtnahme von offizieller Seite in Bayern nicht so betont wie der Unterschied beispielsweise zum NRW-Abitur, obwohl gerade das thüringische keinem Vergleich standhält.Dies betrifft so gut wie alle Kernfächer, insbesondere Mathematik und die Fremdsprachen. Bei ersterem ist das Abitur-Niveau allenfalls auf Höhe des Endes der 11. Klasse in Bayern. Und dies heißt: durchschnittliches Bayern-Niveau. Wer hierzulande Glück oder Pech hat (wie man's nimmt) und ein Gymnasium besucht, das an sich einen besonders hohen Anspruch stellt, zu dem ist der Abstand noch um Dimensionen größer.Insofern werden hier wieder einmal Äpfel und Birnen verglichen und dann versucht Schlüsse zu ziehen.
Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: Dieses ewige Rumgejammere in D. gerade über G8 geht echt an die Substanz. Und jetzt kommt auch noch die neue "alte" Leier: Das Abi in Thüringen und Sachsen kann ja einfach nur schlecht sein, wenn die nur 12 Schuljahre hatten.
Wie bitte?? Das Zentral-Abi in Thüringen war noch nie zu unterschätzen und bei uns haben die Lehrer zugebenermaßen nicht alles an Stoff im Unterricht geschafft und entweder hat der lernwillige Gymnasiast sich dann selbst rangesetzt und ein paar Bücher zum Thema gewälzt (manche Schüler sollen ja tatsächlich noch lesen können..., obwohl schon viele Studenten das sehr schwer finden.) oder ein engagierter Lehrer hat extra Vorbereitungsklassen angeboten.
Das man als Thüringerin immer wieder für sein ach-so schlechtes Abi gebasht wird, ist echt das Letzte! Das 13. "Schauspieljahr" braucht ja nun wirklich keiner. Schule bis 15 Uhr und länger gehört in der Oberstufe nun mal dazu und meine Kindheit war deswegen ganz sicher nicht versaut. Inzwischen schreibe ich an der Magisterarbeit und weiß: Lernen ist ein lebenslanger Prozess, nicht nur von der 1 bis zur 12 oder 13 Klasse. Also bitte, liebe Leute, get real! Diese ewigen Vergleiche bringen nichts! Wer 13 Schuljahre haben will, bitte schön! Aber lasst endlich die Thüringer und Sachsen in Ruhe. Danke sehr.
Man lernt in unserer Schule in 1 1/2 Jahren Lesen und Schreiben - das sind ca. 3 Wochen pro Buchstabe. Dabei haben wir geschätzte 4 - 10 Millionen funktionelle Analphabeten produziert - das sind Menschen, die meist nicht trotz sondern wegen ihrer ca. 10.000 Unterrichtsstunden nicht lesen können. Bei einer Klassenstärke von 25 sind - rein rechnerisch - 160.000 Lehrer nötig, um dieses Ergebnis zu "erwirtschaften"; de facto sind es natürlich nicht so wenig.
In der 1. Klasse rechnet man mit den Zahlen von 0 - 9 ca. 40 x 5 = 200 Stunden im Zahlenraum 1 - 20 ( in der lernbehinderten Schule im Raum 1 - 6). Das mag als Beispiel für Mathe genügen. Die Frage ist: Wer hält das aus, ohne nicht mindestens neurotisch zu werden? Die neue Ich-kann-Schule stellt die Frage: Was würde passieren, wenn ich die Schulräte Ihres Regierungsbezirkes in einen großen Saal sperrte und zwänge, 200 Stunden lang im Zahlenraum 1 - 6 oder 1 - 20 zu rechnen??? Gäbe es nicht vor der 100.Stunde bereits die ersten Mord- und Selbstmordversuche?
Diese Beispiele bringe ich nicht, um für eine weitere Steigerung der Dummheit zu plädieren und etwa gar das im Gymnasium weggestümperte - es ist ja etwas anderes, ob man etwas entwickelt oder ob man ein Stück abschneidet - Jahr auf die Grundschule vorzuverlegen. Nein. Wo unser gesamtes päd. Konzept nicht stimmt, möchte man eher mit B. Sterns tiefgründigem Buch rufen: "Schluss mit Schule!" Nach Zeiten des formalen Zu-Tode-Perfektionierens befinden wir uns - wohl logischerweise - in der Phase hektischen formalen Weiterwurstelns. Wenn die Not groß genug ist, werden wir in Pädagogik und Schule etwas wiederentdecken, wovon schon seit Jahrzehnten dort nicht die Rede ist: GEIST.
Wenn jemand eine Schule reformieren will, sollte er zumindest einmal im Herkunftswörterbuch nachschauen, was Worte wie Schule, Lehren, Lernen, Gymnasium, ..... bedeuten - fast immer das Gegenteil dessen, was wir inzwischen daraus gemacht haben. Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
Es ist denke ich nicht von der Hand zu weisen, dass die Schule dringend reformiert werden muss. Dies sollte aber wohl überlegt sein und nicht in einem populistischem Schnellschuß enden.Die Schulzeit um ein Jahr zu verkürzen und gleichzeitig nichts am zu verarbeitenden Schulstoff zu ändern, halte ich für nicht richtig. Die Schüler stehen viel zu sehr unter Druck und haben für ganz individuelle Interessen nur noch sehr wenig Zeit. Warum geht man nicht mal an eigentlich unnötige Privilegien heran. Benötigen Schüler und Lehrer wirklich 12 Wochen Ferien im Jahr? Würde nicht eine Verkürzung der Ferienzeit den schulischen Zeitdruck nehmen? Wäre es nicht ein entspannteres Lernen und Arbeiten? Ich denke man sollte auf diesem Wege versuchen zu einer Lösung zu kommen, dann wäre auch G8 aus meiner Sicht denkbar. Wobei ich grundzätzlich nicht darauf drängen würde, die Schulzeit zu verkürzen!MfGFebty
Es ist immer wieder erheiternd zu lesen, dass es tatsächlich jemanden gibt, der ernsthaft glaubt, ein Abitur aus Bayern oder Baden-Württemberg sei mehr Wert als eines aus Sachsen, Thüringen oder Berlin. Tatsächlich werden dabei eine ganze Reihe Fragen völlig sinnlos in einen Topf geworfen.Richtig ist, dass das Bildungsniveau in einigen alten Bundesländern höher ist als in den neuen und dass die Schulen dort in den Vergleichstests besser abschliessen. Doch liegt das wirklich an der Dauer des Abiturs oder der Lehre ansich? Natürlich nicht - wer das behauptet, offenbart nur dünkelhafte Vorurteile und eine peinliche Aversion gegen Menschen aus den neuen Bundesländern. Im Osten ist der Bildungsstandard geringer, weil zum einen der Durchschnitt der Bevölkerung ungleich sozialschwächer ist als vergleichsweise im Bayern und auch die Aussattung der Schulen oft zu Wünschen übrig lässt. Während Bayerns Schulen über neue Computer oder Mikroskope nachdenkt, überlegen sich Schulen in Brandenburg, wie sie das Dach wieder dicht bekommen.Tatsächlich ist es so, dass angesichts der völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in Ost und West die Lernbereitschaft vieler Jugendlicher im Osten ungleich höher ist als im Westen und der Leistungsunterschied daher vergleichsweise gering ist.Wie beschrieben gab es das 'verkürzte' Abitur im Osten schon vor der Wiedervereinigung und auch wenn es so mancher nicht wahrhaben will, so war das Bildungsniveau der Abiturienten in Osten weitaus höher als im Westen. Erst nach der Wiedervereinigung sind die Lernergebnisse im Osten dramatisch eingebrochen.Ich habe in meinem Unternehmen Leute aus dem Osten und dem Westen und dabei sowohl Junge als auch Ältere, die vor der Wiedervereinigung ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Es steht völlig ausser Frage, dass das grösste Allgemeinwissen und das beste naturwissenschaftliche Verständnis jene Älteren haben, die im Osten zur Schule gegangen sind und ihr Abitur in 8 Jahren gemacht haben. Einzig hinterherhinken tun diese Leute in Englisch, wobei viele dieses in Eigeninitiative nach der Wende wieder aufgeholt haben. Kein Vergleich besteht übrigens zwischen Jüngeren und Älteren. Gerade bei den jetzigen Azubis istr Wissensstand deutlich geringer egal woher sie kommen.
oder so ähnlich war doch der Spruch...Wenn man spaßeshalber mal das Musterabiturland Bayern mit dem Aschenputtel Niedersachsen vergleicht fallen folgende Dinge auf:1.) Niedersachsen verfügt seit kurzem über ein Zentralabitur, dessen
Aufgaben in ihrem Schwierigkeitsgrad den bayerischen in nichts
nachstehen.2.) In Niedersachsen erreichen mehr Schüler das Abitur, als in Bayern.3.) Der Abiturschnitt ist in Niedersachsen deutlich niedriger als in Bayern.Es erreichen zwar mehr Schüler ein Abitur in Niedersachsen, dafür müssen sie sich aber mit einer schlechteren Abiturnote zu Frieden geben. Die Welt scheint für mich völlig in Ordnung zu sein und ich kann nicht erkennen, wie die Behauptung, dass bayerische Abitur sei schwerer noch zu rechtfertigen ist.Fakt ist doch, dass der Mythos des bayerischen Abiturs daraus entspringt, dass kaum ein anderes Bundesland ein Zentralabitur geschrieben hat. Die Folge war, dass die Schulen in Bayern weniger Möglichkeiten hatten, den Notenschnitt ihrer Abiturienten nach Gusto zu manipulieren. In anderen Bundesländer gab es in jeder Stadt "Schleiferschulen", die im Ruf standen ein sehr hohes Niveau zu fahren und ein schweres Abitur schreiben zu lassen, sowie Schulen, auf welchen es etwas laxer gehandhabt wurde. Diese Zeiten sind aber seit PISA vorbei, womit auch der Nimbus des bayerischen Abiturs schwindet. Vermutlich der Grund weshalb es im Augenblick in den siebten Himmel gelobt wird.GrüßeTrench
Um zu sehen, dass beispielsweise das baden-württembergische Abitur dem thüringischen um Meilen vorraus ist, reicht es eigentlich, sich die letztjährigen Prüfungen in den Kernfächern, vor allem aber in Mathe und Englisch anzusehen. Und hier geht es nicht darum, Ostdeutsche als dumm oder faul hinzustellen, die ein schwereres Abi nicht gebacken kriegen. Aber ist es nicht auch ein wenig ungerecht, dass sie mit ihrem Kindergartenabi bei der ZVS mit denen konkurieren, die aufgrund des schwereren Abis einen schlechteren Notenschnitt haben? Schon allein deshalb ist es sowieso absolut lächerlich, dass Bildung Ländersache ist. Und meine durchaus sachlichen Argumente schlichtweg mit einer 1Sternebenotung abzustrafen, ist einfach dumm, dumm, dumm!
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