Zwei Wochen ohne, das wäre vor ein paar Wochen nicht vorstellbar gewesen. Doch nun wird in der Region Kampanien rund um Neapel 15 Tage lang kein einziger Büffelmozzarella produziert. Stattdessen gibt es Kontrollen der Spezialeinheiten von Carabinieri und Forstpolizei in mehr als 600 Käsereien. Der Mozzarella, einst das »weiße Gold« einer Region, die sich »Land der Arbeit« nannte, bevor sie als riesige Müllkippe weltweit in die Schlagzeilen kam, ist tödlich getroffen. Das Vorzeigeprodukt Süditaliens steht unter dem Verdacht, eine Dioxinbombe zu sein.

Im Februar hatten Kontrollen bei 130 Käsereien 25 Überschreitungen des zulässigen Dioxin-Grenzwertes ergeben. Der belastete Käse sei nicht exportiert worden, versicherten die Behörden. Dafür, dass er auch in Italien nicht verkauft wurde, mochte niemand garantieren.

Daraufhin hatte die EU ultimativ gefordert, die Kontrollen zu verschärfen. Ansonsten gab man sich mit dem italienischen Zweiwochenplan erst einmal zufrieden. In Singapur, Südkorea, China, Japan und Südafrika hingegen wurden Importsperren für italienischen Mozzarella verhängt. Frankreich hatte ebenfalls damit gedroht. Die rund 2.000 Büffelzüchter und die Käsereien traf der Einbruch auf dem heimischen Markt hingegen viel stärker. Hier ging der Verkauf um 60 Prozent zurück.

Das Konsortium für Büffelmozzarella mit Herkunftsgarantie, dem 132 Käsereien und rund 1.800 Büffelzüchter angeschlossen sind, sprach angesichts der Reaktionen zunächst von einer »Psychose«. Das Produkt werde ständig kontrolliert und sei sicher. 20.000 Menschen sind an der Mozzarella-Produktion beteiligt, unter ihnen der Fußballweltmeister Fabio Cannavaro als Besitzer einer Käserei. Beschäftigung findet aber auch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Büffel-Stalljungen, die aus Indien stammen. Jedes Jahr nahm der Export bislang zu; Deutschland war größter Auslandsmarkt. Und nun so ein Einbruch.

Verstärkt wurden der Einbruch durch einen Bestseller, durch Fernsehbilder – und durch den Internetdienst YouTube. Denn auf einmal konnten die Verbraucher eine Verbindung ziehen: von dem Dioxin im Büffelmozzarella zu den Müllskandalen in der Region – und zur Mafia. Die gut 800.000 Leser von Roberto Savianos Camorra-Report Gomorrha rieben sich die Augen, als ihnen bewusst wurde, dass »Gomorrha«, das finstere Reich der Paten, dieselben Grenzen besitzt wie das Mozzarella-Land.

Tatsächlich leiden viele Produzenten unter Schutzgeldterror. Da drohte die Camorra etwa damit, die Büffelkühe mit Brucella-Bakterien zu infizieren. Vor gut einem Jahr mussten 900 von Brucellose befallene Büffel geschlachtet werden. Andere Paten machen das »weiße Gold« lieber gleich selbst. In Casal di Principe, dem Heimatort von Saviano und dem berüchtigten Boss Francesco Schiavone alias »Sandokan«, produziert die Familie Schiavone selbstverständlich auch Mozzarella, sehr erfolgreich übrigens.

Dann kamen die täglichen Fernsehbilder von brennenden Müllhaufen in Kampanien dazu. Wenn Müll auf offenem Feld verbrannt wird, erzeugt das Dioxin. Und der Müll brannte direkt neben den Büffelställen und Büffelwiesen. In der Provinz Caserta, dem Zentrum der Mozzarella-Produktion, gibt es für 840.000 Menschen keine einzige öffentliche Müllkippe. Dafür werden in Mozzarella-County rund 1.200 illegale Kippen der Camorra gezählt. 13 Jahre dauert dieser Müllnotstand bereits. Längst begrenzt der Müll Gemüsefelder und Viehweiden. Er ist ein Teil der Landschaft geworden – wie die Büffel. Längst bekannt ist auch, dass die Krebsrate in der Region um ein Vielfaches über dem italienischen Durchschnittswert liegt. Nur schaute vor dem jüngsten Winter kaum einer hin.