Vieles spricht für das Nichtrauchen, und noch mehr, seit fast überall außer im Freien das Rauchen verboten ist. Ein dritter Weg zwischen Rauchen und Nichtrauchen kommt aus China: die elektrische Zigarette. Im Internet gibt es eine Menge Angebote, ich teste die ES-301 von esmoker.de. Es handelt sich um ein Gerät aus Blech, das wie eine Zigarette im XXL-Format aussieht. Die eFluppe besteht aus einem Lithium-Ionen-Akku, einer Verdampfkammer und einem Depot mit nikotinhaltiger Flüssigkeit.

Akku geladen? Depot voll? Los geht’s. Man kann dieses Gerät nicht wie üblich an die Lippen kleben, dazu ist es zu schwer. Es wird zwischen die Zähne geklemmt. Feuer? Ist nicht, saugen reicht. Ein neckisches Lämpchen simuliert Glut. Und dann kommt Dampf. Nach ein paar Zügen spüre ich, dass Nikotin in die Blutbahn gerät. Tatsache: eRauchen erinnert an Rauchen! Der Stängel glimmt, man pafft, die Droge wirkt. (Und außerdem kostet es einen Haufen Geld.)

Was fehlt? Der brenzlige Geruch verbrannten Papiers und kokelnden Tabaks. Feinstaub, Teer und die rund 4.000 teils krebserregenden Chemikalien, die beim Rauchen entstehen, man denke an Formaldehyd, Blausäure oder Benzol. Auch vermisst man gelbe Tapeten, Finger und Zähne. Die krause Nase beim küssenden Partner. Und schließlich fällt der Ärger im Büro weg, im Kino, im Restaurant, im Flugzeug, also überall, wo Rauchverbot herrscht – eRauchen ist nun mal kein Rauchen.

Denn was hier qualmt, ist bloß Dampf, erhitztes Propylenglykol, auch als Diskonebel bekannt. Der Stoff ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Seine Unbedenklichkeit ist allerdings nicht sofort ersichtlich, und darum hatte ich vor dem ersten Schritt in die Öffentlichkeit Ärger erwartet. Der blieb aus. Es gab zwar in Bus und Bahn irritierte Blicke. Doch ich musste nur einiges erklären, dann wurde gelacht und gestaunt. Auf lebhaftes Interesse stieß ich in einer vom Nichtraucherschutz bedrohten Bahnhofskneipe. Die Bedienung in einem leicht gehobenen Restaurant ließ Entrüstung gar nicht erst aufkommen und schaltete rasch auf amüsiertes Zurkenntnisnehmen. Lediglich für den Betrieb der eZigarette im Flugzeug empfiehlt der deutsche Vertrieb, die Chose zuvor mit dem Bordpersonal abzuklären. Irritationen an Bord von Flugzeugen sind bekanntlich besonders unwillkommen.

Ein Depot kostet knapp zwei Euro und entspricht 12 bis 17 Zigaretten. Vielleicht werden die Kosten des eRauchens demnächst sogar von der Krankenkasse übernommen. Wenigstens stelle ich – als Gelegenheitsraucher – nach einer Woche mit der elektrischen Zigarette einen erstaunlichen Effekt fest: Echte Zigaretten mag ich überhaupt nicht mehr. Und das Glykolpaffen? Bleibt vermutlich ein rite de passage. Burkhard Strassmann

Das ES-301-Startset kostet mit Ladegerät, 2 Akkus und 8 Nikotindepots 129 Euro (www.esmoker.de)