Sie hätten auch als One-Hit-Wonder in die Geschichte eingehen können: DJ Danger Mouse und Cee-Lo Green, besser bekannt als Gnarls Barkley. Und noch bekannter als das Duo hinter Crazy. Im Sommer 2006, pünktlich zum hitzigen Weltmeisterschaftssommer, lief das Stück so wunderbar penetrant auf allen Kanälen, vom Frühstücksradio bis zum Minderheitensender, dass eine Wiederholung der schlichten Botschaft, die dem treibendsten Beat der jüngeren Popgeschichte aufgepfropft war, undenkbar schien. Vielleicht haben die beiden deshalb beschlossen, sich für das Cover ihres zweiten Albums nur noch als hellblau eingefärbte Silhouette abbilden zu lassen, durch die ein paar Wolken ziehen.

Wolkig ist das richtige Bild für diese Sammlung seltsamer Sounds aus der großen Plattenkiste. Alles scheint möglich in der Wunderwelt von Gnarls Barkley, kein Detail ist zu aberwitzig, um nicht noch einmal in den großen Kreislauf der Reprisen und Wiederaufbereitungen eingespeist zu werden. Bloß auf die Frage, was diese Musik im Innersten zusammenhält und in welche Schublade des Gemischtwarenladens Pop sie einsortiert gehört, darauf gibt auch der zweite Wurf keine Antwort. Es bleibt bei einer Silhouette. Und bei einem Titel: The Odd Couple.

Wie Dick und Doof, Ernie und Bert stolpern sie durch ihre eigene Komödie

Ein seltsames Paar: DJ Danger Mouse, der bürgerlich Brian Burton heißt, ein ehemaliger Filmstudent aus Athens, Georgia. Und Thomas Callaway alias Cee-Lo Green, Ex-Rapper aus Atlanta, Georgia. Groß und schlaksig der eine, klein und stämmig der andere. Musikalisch ergänzen sie sich perfekt: Der stille, stubenhockerische Burton bastelt am Computer den Hintergrund, vor dem Callaways muskulöse Südstaatenstimme sich erhebt. Ansonsten weiß man wenig über sie. Wie Dick und Doof, Ernie und Bert oder das Urbild des »Odd Couple« – Jack Lemmon und Walter Matthau – stolpern die beiden durch eine Komödie, die sie selbst erfunden haben.

Burlesk geht es darin zu, und manchmal etwas psychotisch. In 13 Szenen durchläuft man eine ureigene Psychopathologie des Alltags. Da gibt es Stücke über Nachbarn, die einem alles nachmachen, den Tod im engeren Familienkreis, die Abgründe der Pubertät , andere ganz große Fragen (Who’s Gonna Save My Soul?) und darüber, wie gut es sich anfühlen kann, wenn man Selbstmitleid mit der Einfühlung in seinen Mitmenschen verwechselt . Als wäre das nicht genug, schlüpft Cee-Lo Green in die Rolle eines mit einer tödlichen Seuche infizierten Monsters, das durch die Straßen irrt und Kinder zu ihrem größten Vergnügen zu Tode erschreckt . Dazu schrammelt mal ein Garagenbeat aus den Sechzigern, mal leiht sich ein Song die Hektik vom Aufputschmittelstakkato des Motown-Soul. Auch Ennio Morricone, der wohl meistgesampelte Soundkonstrukteur der Popgeschichte, lässt sich in Spurenelementen nachweisen. Ein paar Mal glaubt man sogar, Anklänge an den harmoniegesättigten Softpop der frühen Siebziger herauszuhören. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Autoren-Hip-Hop hat man diese Kunst des Zitierens genannt, wegen der musikhistorischen Kennerschaft, die ihr zugrunde liegt. Tatsächlich haben sowohl Burton als auch Callaway ihre Wurzeln im schwarzen Sprechgesang. Burton produziert bis heute für andere Künstler Hip-Hop-Platten; Callaway war einmal Teil des Goodie Mob, einer hartgesottenen Combo aus den Straßen von Atlanta. Seine zahllosen Tattoos zeugen davon, sein Bühnencharisma lebt von der Aura sublimer Gefährlichkeit, die er jederzeit abrufen kann. Doch hat sich diese Variante des Genres längst von der Straße gelöst. Hier lotet ein Duo seine Innenwelten aus. Niemand würde auf die Idee kommen, daraus noch eine soziale Forderung abzuleiten – und sei es der schlichte Wunsch nach vergoldeten Schmuckfelgen.