Gedicht Jorge Luis Borges (1899-1986): Ich

Der Schädelknochen, das geheime Herz,

die Wege des Blutes die ich nicht sehe,

die Tunnel des Traums, der ein Proteus ist,

die Eingeweide, der Hals, das Skelett.

Ich bin all dieses. Unglaublicherweise

bin ich auch die Erinnerung an ein Schwert

und an eine einsam sinkende Sonne,

die sich zu Gold streut, zu Schatten, zu Nichts.

Ich bin der vom Hafen aus Schiffe sieht,

bin die gezählten Bücher, die gezählten

Stiche, die von der Zeit ermüdet sind,

bin der jene beneidet die längst starben.

Noch seltsamer ist es, der Mensch zu sein,

der Wörter flicht im Zimmer eines Hauses.

Jorge Luis Borges: Gesammelte Werke

Band 9 - Der Gedichte dritter Teil - zweisprachige Ausgabe - aus dem Spanischen von Gisbert Haefs - Hanser Verlag, München 2008 - 473 S., 25,90 Euro

 
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