Erziehung "Ich war es nicht"

Kinder lügen gerne. Die Eltern sind ehrlich schockiert. Wie viel Unwahrhaftigkeit verträgt die Familie?

Meist drängt sich mir die Tatsache, dass die lieben Kleinen nicht die Wahrheit sagen, im Ausschlussverfahren auf. Jemand hat versucht, den Computer hochzufahren und ist am Passwort gescheitert. Es fehlen fünf Euro im Portemonnaie der älteren Schwester, obwohl sie es seit Tagen nicht angerührt hat. Die englischen Butterkekse, die du ganz oben im Schrank versteckt hattest, sind bis auf einen einzigen verschwunden.

Ich weiß nicht, ob es auch anderen Eltern so geht, aber bei mir ergibt auch die eindringlichste Befragung, dass keines meiner Kinder irgendetwas mit den rätselhaften Geschehnissen in unserem Haus zu tun hat. "Ich war es nicht" – daran wird auch dann noch festgehalten, wenn es ganz offensichtlich nicht stimmen kann.

Warum lügen Kinder? Eine Blitzumfrage unter meinen Töchtern und ihren Freundinnen ergab folgende Gründe: Wenn eine Freundin in Not ist, darf man lügen. Es ist auch okay, wenn man selbst durch eine Lüge einer ungerechten Strafe entgeht. Manchmal ist nicht ganz klar, ob Unwahrhaftigkeit in Ordnung ist: Man lügt etwa, weil man etwas unbedingt haben will, weil man einfach seine Ruhe braucht oder weil "deine Freundin glaubt, sie kann unheimlich gut singen, aber in Wirklichkeit nur scheußlich kräht".

Und dann sind da Fälle, in denen Lügen wirklich nicht geht: Etwa bei der Freundin, die schlechte Schularbeiten verheimlicht und die Unterschriften der Eltern fälscht; bei dem Jungen, der so offensichtliche Lügengeschichten über seine Erfolge beim Fußball erzählt, dass seine Freunde ganz ratlos sind, wie sie reagieren sollen; und der Cousine, die ihrem Vetter in der Provinz weismachen will, in Berlin bewege man sich mit dem eigenen Hubschrauber fort, was schon deshalb sinnvoll sei, weil die millionenschweren Erbjuwelen der Mutter dabei nicht so leicht gestohlen werden könnten.

Als sie ganz klein waren, haben die Kinder nicht gelogen. Es war ihnen auf eine niedliche Weise unmöglich, eine Tat oder einen Gedanken vor den Eltern geheim zu halten. Dann aber fingen sie an, gewisse Dinge vor einem zu verbergen. Sie streiten nun sogar Taten ab, bei denen man Zeuge war. Sie sagen: "Ich habe meine Schwester nicht gehauen" – selbst wenn die Eltern daneben standen. Auch wenn man ihnen liebevoll deutlich macht, dass man es nicht übel nimmt, wollen sie nicht zugeben, was sie getan haben.

Kinder lügen verständlicherweise, um Bestrafung zu vermeiden. Doch es geht beim frühkindlichen Lügen nicht nur darum, sich vor ungewollten Konsequenzen eigenen Handelns zu schützen.

Vom vierten Lebensjahr an beginnen Kinder, mit Lügen zu experimentieren. Dieses experimentelle Lügen ist der krumme Beginn einer neuen Eigenständigkeit. Eltern erleben dies als Vertrauensbruch. Da ist plötzlich ein feiner Riss in der innigen Beziehung. Kinder hingegen empfinden den elterlichen Wunsch, sie sollten ihre Lügen zugeben und sich offenbaren, als Angriff auf ihre neue Selbstständigkeit.

Im Moment der Lüge kommen Freude und Schrecken der neu gewonnenen Unabhängigkeit zusammen: Das Kind hat etwas getan oder gedacht, das die Eltern nicht wissen dürfen. Es ist aus der vertrauten Symbiose mit den Eltern herausgetreten und hat seine eigene Version der Realität gegen ihre behauptet. Darin liegt eine neue Macht. Zugleich ist da die Angst vor dem Entdecktwerden. Lügerei ermächtigt und macht einsam. Im Gesicht eines Kindes, das lügt, kann man diesen Konflikt sehen.

Eine Beobachtung der Entwicklungspsychologie legt nahe, darauf mit einer gewissen Gelassenheit zu reagieren. Je intelligenter Kleinkinder sind, desto früher fangen sie damit an. Die Fähigkeit zur Lüge ist nämlich an die intellektuelle Entwicklung gekoppelt. Kann ein Zweijähriger schon lügen, darf dies als Zeichen früher Reife gelten. Kann ein Fünfjähriger es noch nicht, muss man ein besorgniserregendes Entwicklungsdefizit vermuten. Wer lügen kann, hat nämlich das Konzept der Wahrheit begriffen – die Voraussetzung dafür, dass man eine alternative Realität zu dem als wahr Erkannten entwerfen kann.

Kurz gesagt: Lügen lernen ist ein wichtiger Teil der kognitiven Entwicklung. Es gibt kein soziales Leben ohne Lüge. Nur Autisten können ganz ehrlich durchs Leben gehen. Wer mit Kindern lebt, muss ihnen darum viele offensichtliche Lügen lassen, weil ihre noch brüchige Autonomie daran hängt.

Was die Sache kompliziert macht, ist Folgendes: Eltern sind einerseits die Instanz der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit für Kinder. Andererseits sind sie selber ganz offensichtlich nicht immer wahrhaftig. Einige der besten Tricks kann man sich bei ihnen abschauen. Letzte Woche habe ich mich selbst dabei erwischt, wie ich einer meiner Töchter beim Lügen geholfen habe. Sie hatte keine Lust, eine Freundin zu treffen, die gerade anrief. Hilflosen Blicks kam sie auf mich zu, drückte mir das Telefon in die Hand und sagte halblaut: Papa, ich will nicht, sag du was! Ich übernahm und erfand eine ziemlich plausible Ausrede. Nicht genug damit: Ich riet meiner Tochter, nächstes Mal lieber zu sagen, sie rufe gleich zurück, um sich so Luft zum Erfinden besserer Ausreden zu verschaffen.

Warum habe ich sie nicht angehalten, ihrer Freundin schonend und freundlich die Wahrheit zu sagen? Ich war müde, ich wollte meine Ruhe haben, ich wollte keinen Konflikt. So fängt es meistens an. Bestimmt hatte sie schon oft gehört, wie kreativ Erwachsene dabei sind, lästige Anrufer abzuwimmeln ("Bin gerade auf dem Sprung!"). Und Kinder sehen unsere fromme Miene, wenn wir Tante Marthas ungenießbare Konfitüre loben, die wir in Wahrheit sofort entsorgt haben.

Wir loben Kinder, wenn sie sich nett und rücksichtsvoll verhalten und aus Höflichkeit eine Haltung einnehmen, die ihnen eigentlich zuwider ist; wenn sie sich etwa demonstrativ über ein Geschenk freuen, das ihnen eigentlich nicht gefällt, damit sich der Schenker besser fühlt. Wir halten das nicht für eine Lüge, sondern für eine Demonstration sozialer Kompetenz. Für Kleinkinder gibt es diesen feinen Unterschied nicht.
Warum bin ich dann irritiert, wenn meine Kinder sich genauso verhalten wie ich?

Es ist für Eltern nicht leicht zu akzeptieren, dass sie von ihren Kindern belogen werden. Aber alle Kinder lügen, und zwar nicht nur hier und da einmal. Amerikanische Verhaltensforscher haben beobachtet, dass der durchschnittliche Vierjährige alle zwei Stunden eine Lüge vorbringt, der durchschnittliche Sechsjährige sogar alle eineinhalb Stunden. Das sind ziemlich schockierende Zahlen. Mir kommen sie nicht übertrieben vor.

Ich habe drei Strategien, um mit dieser Situation umzugehen. Ich erhöhe den Druck bis zur robusten Befragung: "Niemand verlässt den Raum, bis ihr die Wahrheit sagt." Ich appelliere moralisch: "Sag mir die Wahrheit, ich bin gar nicht böse." Ich lasse die Sache stillschweigend und resigniert fallen und setze darauf, dass die kindliche Lügerei sich im Laufe der Entwicklung mit wachsender sozialer Kompetenz auswächst. Keine der drei Strategien ist bisher sehr erfolgreich.

Heißt das, Eltern sollten über kindliche Lügen gnädig hinwegsehen, wie es in vielen Erziehungsratgebern steht? Ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Die nachgiebigen Eltern, die ich kenne, werden jedenfalls nicht durch größere Wahrhaftigkeit belohnt als diejenigen, die auf Regeln beharren.

Wenn Eltern die Lügen ihrer Kinder aus Konfliktscheu durchgehen lassen, ist das schlecht für das moralische Mikroklima der Familie. Mit allzu offensichtlichen Lügen nicht konfrontiert zu werden, muss ein Kind als eine Form von Vernachlässigung empfinden. Die Eltern signalisieren damit, dass sie offenbar ihre Rolle als Garanten der Wirklichkeit und der Moral nicht wahrnehmen wollen – aus Müdigkeit, aus Trägheit, warum auch immer. Mit Lügen systematisch durchzukommen unterläuft das Selbstbild des Kindes, dass es ein "guter Mensch" sei. Vielleicht ist dies sogar noch schlimmer, als gelegentlich durch inquisitorische Verhöre in die Ecke getrieben zu werden.

Da ist noch etwas, vielleicht sogar das Wichtigste. Unter allen Ergebnissen, die meine kleine Kinderumfrage übers Lügen gezeitigt hat, hat mir diese Aussage einen richtigen Stich versetzt: "Manchmal musst du lügen, weil deine Eltern noch nicht reif für die Wahrheit sind." Da war zum Beispiel die Sache mit dem Gameboy. Ich muss zugeben, ich hasse die Dinger auf eine fast schon blindwütige Weise, weil sie "euch süchtig machen und verblöden", wie ich oft genug gesagt habe. Alle Versuche meiner Töchter, mich von ihrer sittlichen Reife im Umgang mit den Daddelkisten zu überzeugen ("Ich kann mir schon selber einteilen, wie viel ich spiele"), prallten an mir ab. Also haben sie sich einen bei einer Freundin geliehen und heimlich gespielt. Dass man unter der Bettdecke fleißig gedaddelt hatte, wurde bestritten, bis es nicht mehr haltbar war.

Das war gegen unsere Regeln. Aber irgendwie nehme ich ihnen nicht übel, dass sie mich reingelegt haben. Mit mir war über Gameboys kein rationales Gespräch mehr möglich. Indem sie mich belogen, haben sie mir implizit das Zeugnis ausgestellt, nicht konfliktfähig zu sein. Und da haben sie, was Gameboys angeht, durchaus einen Punkt erwischt.

Kinder lernen von uns zu lügen. Wenn sie zugleich lernen, dass Streit eine Form von Respekt sein kann, ist das womöglich halb so wild. Denn am wenigsten wird dort gelogen, wo man sich ohne Angst die Meinung sagen kann.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum lügen (Ihre) Kinder, Herr Lau? Bei den von Ihnen offenbar eingesetzten Erziehungsmitteln - verstecken, verbieten - bleibt Kindern als einziges Mittel der Selbstbehauptung gegen eingesetzte elterliche Macht nur die Lüge - nachzulesen in jeder Menge von Märchen: Lüge ist die Gegenmacht der Ohnmächtigen gegenüber den Mächtigen.Ändern Sie Ihren Erziehungsstil aus einem autoritären "Kinder-brauchen-Grenzen-Stil" um in einen partnerschaftlichen, wo Lösungen gemeinsam erarbeitet werden - und das Lügen hört auf. Garantiert.

  2. @lonetalSo ein Unsinn. Dass Kinder lügen, hat nichts mit autoritärer Erziehung zu tun. Lügen, d.h., die Wirklichkeit durch Erzählung zu verändern, ist ein urmenschliches und spontanes Bedürfnis, um die unangenehmen Konsequenzen des eigenen Fehlhandelns zu vermeiden.Erst, wenn den heranwachsenen Kindern durch eine gute Erziehung das nötige Selbstbewußtsein und das nötige Rückgrat vermittelt worden ist, für eigene Fehler einzustehen, werden sie nicht mehr lügen.

  3. Glaubwürdiges Lügen will gelernt sein! Man kann nicht früh genug damit beginnen, dies zu trainieren. Verstehen Sie mich richtig - es geht hier rein um's Überleben.
    Die "Wahrheit" schmerzt einfach zu oft. Dies ist erstens unerbaulich und zweitens zerstört es jede Motivation. Beispiel: Ihr Partner/Ihre Partnerin hat erhebliche Speckrollen, quält sich aber schon über einen Monat mit einer der vielversprechenden, brandneuen Diät aus irgendeiner Zeitschrift. WER brächte es über's Herz, der/dem Liebsten brutal in's Antlitz zu schleudern, dass er/sie kein Gramm abgenommen hätte - jedenfalls nicht sichtbar?
    Meine Meinung: Die sogeannte "Wahrheit" wird hierzulande bzw. andernorts schlicht überbewertet! O.k., man soll ja möglichst immer nah an der Wahrheit bleiben - aber bitte nicht übertreiben!
    Lügen können Ehen retten, Beziehungen kitten, Selbstwertgefühl stärken und vieles mehr. Die Dosis macht's halt, wie immer.
    Chronische Lügner leben übrigens genauso gefährlich wie chronische Wahrheitsfanatiker.
    Schönen Donnerstag noch.
     
     
     

  4. "die Wirklichkeit durch Erzählung zu verändern, ist ein urmenschliches und spontanes Bedürfnis," - richtig. Nur nennt man das üblicherweise Phantasie, nicht Lüge: ein nur scheinbar kleiner, in Wirklichkeit sehr bedeutsamer Unterschied. Und dass Lügen sehr viel mit autoritärer Erziehung zu tun hat, ist sozialwissenschaftlich längst eine Binse, durch unzähliche Untersuchungen belegt (und übrigens in jeder Diktatur zu beobachten), die der Zeitgeist um keinen Preis wahrhaben will. Das hat seinen Preis. "Kinder brauchen Grenzen" erschien 1993. Seitdem wird diese Art der autoritären Erziehung praktiziert. Die Folgen lassen sich inzwischen beobachten, so dass inzwischen der Ruf nach "Erziehungslagern" ertönt. Warum wohl? Weil die izwischen bevorzugten erzieherischen Praktiken so erfolgreich sind? Allerdings kann man den Deckel mit Gewalt nur so lange auf einen Topf mit brodelndem Wasser drücken, bis einem der Laden um die Ohren fliegt. Wir sind auf dem Weg dahin.

  5. Gut lügen zu können ist eine Form der sozialen Kompetenz, genauso, wie mit Besteck zu essen oder anderen nicht ins Wort zu fallen. Wir lügen doch alle. Wir setzen uns in Vorstellungsgesprächen in Szene, wir schmücken Geschichten aus, wir tun so, als würden wir uns freuen, wenn uns unsympathische Angehörige besuchen, wir verletzen die Gefühle von Freunden nicht, die sich für Autoren oder Maler halten, wir sind nicht immer ganz hundertprozentig aufrichtig bei der Steuererklärung, wir plustern uns gerne auf, wenn wir einen potentiellen Partner kennen lernen.
    Man sagt nicht umsonst: "Die Wahrheit tut weh." Lieber sind mit Kinder, die Lügen, als Kinder, die aus lauter knallharter Aufrichtigkeit keine Freunde haben, später im Job scheitern etc.
    Eltern sollten sich nicht sorgen, wenn Kinder lügen. Einziger Grund zur Sorge ist, wenn Kinder für ihr Alter schlecht lügen. Aber wie der Autor richtig bemerkt: Wir bringen es ihnen bei, wie wir ihnen vieles beibringen, was sie brauchen, um im Leben zu bestehen.

    • Zynix
    • 10.04.2008 um 15:13 Uhr

    ich kann mich dem Motto der Vorredner: "wer nicht schon als Kind das Lügen lernt wird später nie in der Lage sein seine Steuererklärung machen" nicht anschließen. Natürlich ist Wissen wie Lügen funktionieren essenziell wichtig, aber nicht um selbst zu lügen, sondern um die Lügen anderer zu verstehen. In vielen Fällen kann man sich das Lügen einfach dadurch sparen, dass man sich ein wenig in Diplomatie übt. Sprich, dass man immernoch sagt, was man sagen will, das aber eben in eine weniger kränkende Form kleidet. Und hey, warum bitte soll man die unbeliebten Verwandten immer schön besuchen und sich von ihnen besuchen lassen?Wer erst einmal anfängt andere zu belügen, macht sich auch ganz schnell selbst was vor. Denn die Wirklichkeit ist zu großen Teilen das Produkt unserer Vorstellung und wenn man Lügen zu oft wiederholt fängt man an sie selbst zu glauben.

  6. fand ich den Artikel und werde ihn in Ruhe noch einmal durchlesen. Sollte man manche Lügen, die einem offensichtlich erscheinen, nicht als (in stillen Stunden) vielleicht enträtselbares Geheimnis mitnehmen und nicht auf eine Aufklärung dringen? Kann man nicht eine Lüge auch wohlwollend hinnehmen, obwohl man es besser weiss?  Die Geschichte mit den Erbjuwelen und dem Hubschrauber in Berlin ist doch nicht ohne, so dass man sich da doch auch gerne die Fortsetzung anhören würde.

    • Anonym
    • 10.04.2008 um 15:39 Uhr

    Lügen beruht auf mindestens einer von fünf Triebkräften (wobei Überschneidungen möglich sind):1. Die Lüge wird als asymmetrische Strategie benutzt, um die Regeln einer politischen (oder häuslichen) Ordnung zu umgehen, um sich also einen persönlichen Vorteil zu verschaffen.2. Die Lüge wird, wie unter Punkt 1, als asymmetrische Strategie benutzt, jedoch nicht zur direkten persönlichen Vorteilsgewinnung, sondern um einem vermeintlichen höheren Zweck zu dienen. Das kann ein falsches Kompliment sein, aber auch Guerillakrieg oder Terrorismus.3. Lügen als Ausdruck von Kreativität in der Entwicklungsphase, wie von Jörg Lau sehr gut beschrieben. Dahinter steckt der Versuch herauszufinden, was man "drauf hat", wo die eigenen Grenzen liegen.4. Lügen als Mittel zur Selbstverteidigung in einer Notlage, die einem von aussen aufgezwungen wurde.5. Lügen aus Rache, um jemand anderen zu schädigen.Eltern sollten - gemeinsam mit ihren Kindern - herausfinden, welche Motivation einem Fehlverhalten zugrunde lag, also analytisch darüber nachdenken, warum gelogen oder geklaut wurde.Durch die Neutralisation der Motivation wird die Wiederholungsgefahr verringert.Auch wird die kreative Lüge (Punkt 3) überflüssig, weil das Kind etwas von der Macht des eigenen Geistes verspürt, also auf positive Weise mit dem Verstand arbeitet.Wenn man diesen Prozess des Nachdenkens nicht mit Sanktionen verbindet (das Fehlverhalten wird geahndet, die Lüge bestraft, es werden Vorwürfe gemacht und dadurch Schuldkomplexe vermittelt), dann hat das den sehr grossen Vorteil, dass das Kind sich künftig nicht genötigt sieht, Lügen als ein Mittel zur Selbstverteidigung zu verstehen (Punkte 2 und 4), was zum Beispiel passiert, wenn durch das Lügen ein anderes, vorheriges Fehlverhalten vertuscht werden soll.Davon abgesehen sollten Kinder natürlich lernen, sich vor Angreifern zu hüten und zu schützen, und sich auch zu wehren.Der Prozess des gemeinsamen Nachdenkens (warum habe ich was getan?), frei von Schuldempfinden und Sühne, hat auch den positiven Effekt, dass das Kind dadurch lernt, dass es für sein Fehlverhalten "moralisch" nicht verantwortlich ist - weil es ja in der bestimmten Situation noch nicht wusste, was es jetzt weiss.Und das Kind lernt auf ganz natürliche Weise, dass auch ANDERE eigentlich "nichts können" für ihr Fehlverhalten.Dadurch entsteht die Einsicht, dass es sinnlos ist, sich an anderen zu rächen (Punkt 5).Durch erfolgreiches gemeinsames Nachdenken lernt das Kind frühzeitig, spätere Probleme mit Kollegen oder Freunden (auch Gegnern) offen und ehrlich anzusprechen.Wird die Empathiefähigkeit eines Kindes ganz allgemein gefördert durch die liebevolle, aber nicht verhätschelnde Zuneigung der Eltern, dann wird auch der Antrieb gedämpft, sich auf Kosten anderer unrechtmässig zu bereichern (Punkt 1).Mit gutem Vorbild vorangehen:Wenn man selber - als Elternteil - gelogen oder etwas "angestellt" hat, dann sollte man das gegenüber den Kindern auch zugeben.Und ihnen auch zeigen, dass es beim Lügen graduelle Unterschiede gibt.Den völlig missratenen Kuchen der Oma zu loben ist keine schlechte Tat, weil die Kritik am Kuchen ja nicht dazu führen würde, dass die Oma künftig besser backt - und nur darin kann der Sinn von Kritik oder gut gemeinter Aufklärung liegen.Zuguterletzt:Wenn man von dieser Vorgehensweise überzeugt ist, dann sollte man sich konstant daran halten, und in kritischen Situationen nicht ständig anders reagieren, weil das beim Kind nur Verwirrung stiftet.Und dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn das Kind nicht positiv reagiert, wenn man zufällig mal die richtige Methodik anwendet.

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    puh, ich glaub ich will nicht dein kind sein.der ansatz, nicht mit strafe und sühne zu denken gefällt mir, aber "das Kind dadurch lernt, dass es für sein Fehlverhalten "moralisch" nicht verantwortlich ist - weil es ja in der bestimmten Situation noch nicht wusste, was es jetzt weiss." geht ja nur beim ersten mal. was machst du beim 2., 3. usw. mal? erwartest du dass dein kind ab dem punkt da es ja jetzt wissend ist, sich richtig verhält?"Dadurch entsteht die Einsicht, dass ..." diese erwartung ist brutal und schiebt eine ungeheure verantwortung aufs kind, welche es nur zu weiteren notlügen treibt.allein dein grundsatz, dass es sich um "fehlverhalten" handelt finde ich fragwürdig.und alles kognitiv zu lösen kann (gerade bei kindern, aber auch bei erw.) nicht die absolute lösung sein.

    puh, ich glaub ich will nicht dein kind sein.der ansatz, nicht mit strafe und sühne zu denken gefällt mir, aber "das Kind dadurch lernt, dass es für sein Fehlverhalten "moralisch" nicht verantwortlich ist - weil es ja in der bestimmten Situation noch nicht wusste, was es jetzt weiss." geht ja nur beim ersten mal. was machst du beim 2., 3. usw. mal? erwartest du dass dein kind ab dem punkt da es ja jetzt wissend ist, sich richtig verhält?"Dadurch entsteht die Einsicht, dass ..." diese erwartung ist brutal und schiebt eine ungeheure verantwortung aufs kind, welche es nur zu weiteren notlügen treibt.allein dein grundsatz, dass es sich um "fehlverhalten" handelt finde ich fragwürdig.und alles kognitiv zu lösen kann (gerade bei kindern, aber auch bei erw.) nicht die absolute lösung sein.

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