Der Laie kann es nicht besser wissen, und so nennt er die Unpässlichkeit einfach "tote Hose". Der Urologe hingegen weiß fein zwischen zwei Formen der Impotenz zu unterscheiden: Zwischen der Impotentia coeundi und der Impotentia generandi. Im ersten Fall scheitert der Beischlaf aufgrund mangelnder peniler Standfestigkeit, und im zweiten Fall gelingt zwar die Penetration, nicht aber die Zeugung. Je nach Motivationslage wird Letzteres den einen Mann betrüben, den anderen erfreuen. Vorstellbar ist aber auch, dass manche zeugungswillige Männer die Idee haben, die blaue Pille Viagra, die gerade ihren zehnten Geburtstag gefeiert hat, brächte gleich beides wieder ins Lot.

Doch damit könnte es Schwierigkeiten geben. In Belfast wollen ein paar Wissenschaftler herausgefunden haben, dass Viagra impotent macht – zwar nicht coeundi aber dafür generandi. Die Spermien enthalten im sogenannten Acrosom eine kleine Menge Enzym, welches den Eintritt ins Ei gewährt. Der Potenzstoff kann jedoch angeblich dieses Acrosom beschädigen. Mäusemännchen mit Dauererektion jedenfalls zeugten 40 Prozent weniger Embyronen als naturbelassene Mäuseriche.

Natürlich beeilte sich der Viagra-Hersteller Pfizer, jeden Verdacht auf Zeugungsunfähigkeit durch Viagra zu zerstreuen. Millionen glücklicher Männer, denen Viagra schließlich zur Vaterschaft verholfen hat, könnten nicht irren. Aber da die Fraktion älterer Herren die Hauptklientel der Droge ist und die Zeugungsfähigkeit in diesem Alter ohnehin herabgesetzt ist, würden sich medikamentenbedingte Unterschiede schwerlich feststellen lassen.

Auch wenn es Restzweifel an der Schutzbehauptung der Viagrafans gibt, kann man diesen Stoff wohl kaum als Verhütungsmittel für den Mann propagieren. Angeblich gibt es eine ungefährlichere, wenn auch diffizilere Methode für die Behebung der Mannesschwäche: Chinesische Impotenzforscher aus Hongkong untersuchten, ob ein Zusammenhang zwischen Einkommen und erektiler Dysfunktion existiert. Und siehe da, ein solcher Kontext ist tatsächlich festzustellen. Männer über 65 mit einem höheren Einkommen haben scheinbar weniger Probleme mit der Impotentia coeundi als ihre etwas ärmeren Altersgenossen.

Allerdings war das Untersuchungskriterium, was einen reichen Mann auszeichnet, etwas seltsam. Zu den wirklich Vermögenden wurden nämlich die Männer gezählt, die sich ein Hausmädchen leisten konnten. Ein Schurke, wer Schlechtes dabei denkt.