Wem ein schweißnasses Hemd und die fehlende Aussicht auf eine Dusche die Laune verderben, sollte keinen jungle walk machen, schreibe ich auf meinen Notizblock, der ebenfalls schwitzt und die Kugelschreibertinte nicht halten kann. Wo der Pfad sich von der Felsschulter löst und einem Bachlauf folgt, weicht das Blätterdach zurück. Fernblick. Und was für einer! Ich reagiere pawlowartig, mit offenem Mund. Luma lächelt. Der Inselgipfel, schlicht Pico genannt, trägt einen hochgeschlagenen Wolkenkragen, der zum windabgewandten Bergrücken hin ausfranst. Luma ist meinen Blicken gefolgt; ihn interessiert, was mich interessiert, ich bin seine Testperson. In seinem besten Frenglisch sagt er: »C’est juste … we should in our école have … un leçon about weather, you agree?…«

Morgen wird Luma wieder unterrichten – Wetterkunde steht auf dem Stundenplan. Den Südzipfel der Insel muss ich ohne ihn erkunden. Luma hat ihn mir ans Herz gelegt, besonders Rolas, diese Minilandmasse, die São Tomés Südspitze vorgelagert ist. Rolas ist bei den meisten São-Tomé-Touristen, von denen es bis dato nur rund 2000 im Jahr gibt, ein Muss. Dabei ist die Attraktion fiktiv: Der Äquator überquert das Eiland – diese nichtexistente, aber gleichwohl vermessene, reale und mythische Bauchbinde der Erde.

Ich war dort. Zehn Minuten dauerte die Überfahrt mit der Fähre von der Hauptinsel. Obwohl die See ruhig war, herrschte Schwimmwestenzwang. Ein paar Jungs strampelten am Ableger im Wasser und verlangten mit hochgereckten Armen nach doce, Süßigkeiten. Der größere Teil von Rolas gehört der Südhalbkugel an. Luma hatte die Steilküste im Südwesten empfohlen, hier hat der Ozean ein schwarzes Siegestor in die geronnene Lava gemeißelt. Das aber, was alle sehen wollen, obwohl es eigentlich nicht zu sehen ist, befindet sich am Nordrand von Rolas. Der Ort ist gekennzeichnet. Dort, wo der Regenwaldmantel ein Stückchen zurückgeschlagen wurde und einen sauber gemähten Weg freigibt, findet sich auf ebener Erde ein Weltkartenmosaik mit Äquatorlinie aus Messing. Und weil gerade keiner zuschaute, setzte ich kurz einen Fuß auf die Nord-, den anderen auf die Südhalbkugel. Der Äquator ist cool, metallkühl.

Information BILD

Anreise:
TAP Portugal fliegt wöchentlich ab Lissabon nach São Tomé

Einreise: Visumpflicht

Gesundheit:
Gelbfieberimpfung erforderlich. Malariavorsorge angeraten

Beste Reisezeit: Februar bis Juli

Unterkunft:
Miramar (Tel. 00239/222511, www.miramar.st ), Viersternehotel an der Strandpromenade der Hauptstadt, ausgezeichneter Service, komfortable Zimmer, exzellente portugiesische Küche. DZ ab circa 155 Euro

Hotel Residencial Avenida (Tel. 00239/222368), einfaches Mittelklassehotel in São Tomé, DZ ab 70 Euro

Roça São João (São João dos Angolares), schlichte Unterkunft im ehemaligen Herrenhaus einer Plantage, DZ ab 35 Euro

Veranstalter:
One World Reisen mit Sinnen (Tel. 0231/5897920, www.reisenmitsinnen.de ): zwei Wochen mit Wanderungen und Besichtigungen auf São Tomé plus Badeaufenthalt auf der Insel Rolas ab 2880 Euro inklusive Flug, Halbpension, deutschsprachiger Reiseleitung, nächster Termin: 25. Juni; zweiwöchige Rundreise mit Aufenthalt auch auf Príncipe ab 2980 Euro (erst wieder im Winter)

Auskunft:
Botschaft von São Tomé und Príncipe in Brüssel, Tel. 0032-2/7348966. Touristische Informationen unter www.sao-tome.com