DIE ZEIT: Vor fünf Jahren hat der damalige Berliner Bildungssenator Klaus Böger eine Grundschulstudie bei Ihnen in Auftrag gegeben. Jetzt sind die Ergebnisse da, doch die Bildungsverwaltung will von ihnen nichts mehr wissen. Was ist passiert?

Rainer Lehmann: Die Senatsverwaltung ist nicht glücklich über die Ergebnisse der sogenannten Element-Studie, obwohl sie seit Monaten hätte wissen können, was da auf sie zukommt.

ZEIT: Was haben Sie denn herausgefunden?

Lehmann: Wir haben in Berlin mit der sechsjährigen Grundschule einen Sonderweg, der politisch mit drei Annahmen begründet wird. Erstens: Leistungsstarke Schüler werden durch die Klassen fünf und sechs in ihrer Entwicklung nicht gebremst. Zweitens: Die zwei Extrajahre helfen, soziale Disparitäten abzubauen. Drittens: Der soziale Zusammenhalt in der Schülerschaft und der in Stadt wird gestärkt. Keine der Annahmen ist haltbar.

ZEIT: Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Lehmann: Wir haben eine repräsentative Stichprobe mit knapp 3.000 Grundschülern durchgeführt, dazu eine Vollerhebung unter den rund 1.700 Gleichaltrigen, die schon nach Klasse vier auf ein grundständiges Gymnasium gewechselt sind. Das Ergebnis: Bei gleicher Ausgangslage lernen Schüler an Gymnasien weitaus mehr als an Grundschulen.

ZEIT: Ist das nicht eine Trivialerkenntnis? Schließlich herrscht an Gymnasien eine andere soziale Zusammensetzung.