Nahrungskrise Noch hungern nur die Armen

In Ägypten bedroht der Protest gegen Hunger die Regierung, auf den Philippinen müssen Soldaten die Reissäcke bewachen. Ein Report über die Ursachen der Nahrungsnot, Lösungen des Problems – und die Folgen für das reiche Europa

Die junge Frau hat sich mit dem Namen Hind vorgestellt. Man redet sich mit dem Vornamen an, hier in Kairo, und vielleicht ist es in der nervösen Stimmung dieser Tage auch ratsam, nicht jedermann seinen Nachnamen preiszugeben. Hind ist 32 Jahre alt und Hausfrau, mit einem Textilarbeiter verheiratet. Sie trägt ein locker gebundenes grünes Kopftuch und ist an diesem Morgen früh zum Einkaufen aufgebrochen. »Ich laufe immer an den Bäckereien vorbei, die französisches Weißbrot verkaufen«, sagt sie. »Wir können nicht im Traum daran denken, es zu kaufen.«

In Hinds Haushaltsplan für den Mann und ihre drei Kinder tauchen weder Weißbrot noch Fleisch oder andere Extravaganzen auf. Sie kocht meist Reis mit Nudeln. Darüber ein paar Dosentomaten und Kichererbsen, schon ist das ägyptische Nationalgericht Koshari fertig. Es ist beliebt, weil es einfach ist – und bisher stets erschwinglich war für eine Familie, die von 170 Pfund im Monat lebt, also etwa 20 Euro. Seit einigen Monaten ändert sich das aber. Reis wird teurer. Die Preise steigen auch für Nudeln und Linsen und jene Vollkorn-Brotfladen, die Hosni Mubaraks Regierung seit Jahren subventioniert und günstig verteilen lässt. »Bald werden meine Kinder und mein Mann nicht mehr satt«, sagt Hind. »Und etwas Billigeres als Brot und Reis finde ich nicht.«

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Vor zehn Tagen kam es deshalb zur Explosion in Kairo. Hinds Mann war mit dabei. Plötzlich schlug der stille Frust in erbitterten Ärger um. Breite Proteste flammten auf gegen die Teuerung. Erst gingen die Arbeiter einer großen Textilfabrik in den Ausstand. Dann war überall die Polizei zu sehen. Viele Arbeiter wurden mit Drohungen und Schlagstöcken zurück an die Werkbänke gezwungen, andere demonstrierten weiter. Steine flogen, Ladenfenster gingen zu Bruch, einige Menschen plünderten. Überall hätten Verletzte gelegen, sagt Hind, und in den Nachrichten war später von zwei Toten die Rede. Nach zwei Tagen war der Aufstand niedergeschlagen.

Hunger ist gefährlich. Für jene, die nichts zu essen haben – und manchmal auch für die Machthaber. Die ägyptische Regierung ist seit den Ereignissen der vergangenen zwei Wochen alarmiert: Proteste gegen die Nahrungsmittelknappheit waren für das Regime schon in den siebziger und achtziger Jahren bedrohlich geworden. Doch Ägypten ist nicht allein. Schon Anfang 2007 gingen in Mexiko 75.000 Menschen auf die Straße, um gegen hohe Tortilla-Preise zu demonstrieren. Seither hat es so etwas immer wieder gegeben. Kürzlich erst kam es zu Demonstrationen und Massenverhaftungen im Senegal und in der Elfenbeinküste. Dutzende Bürger starben in Kamerun nach Streiks und Plünderungen. Ein Generalstreik legte Burkina Faso lahm, es gab Krawalle in Bangladesch. In Haiti brannten Barrikaden, die Regierung steckt in der Krise.

Die Preise für Weizen und Reis sind doppelt so hoch wie vor einem Jahr

Schlagartig hat sich das Bild des Hungernden gewandelt – vom apathischen Flüchtling in einer Dürrezone zum randalierenden Plünderer in einem Großstadt-Slum. Mit einem Mal ist der Hunger nicht mehr eine Frage des Mitleids und der Spendenbereitschaft für die Wehrlosen der Welt, sondern ein politischer Faktor, eine Gefahr für Frieden und Stabilität. Die Weltbank schätzt, dass in 33 Ländern Hungersnöte drohen und daher auch Unruhen und Aufstände. Manche »Regierungen werden den dramatischen Anstieg des Reispreises nicht überleben«, glaubt Muhammad Yunus, der Gründer der Armenbank Grameen und Friedensnobelpreisträger des Jahres 2006. »Das können Sie noch so gründlich erklären, die Bürger vergeben es nicht.«

Derzeit gibt es eine Menge zu erklären. Jahrzehntelang waren Reis, Weizen und überhaupt die Grundnahrungsmittel billiger geworden. Seit Mitte der siebziger Jahre fielen die Preise um drei Viertel. Das half dabei, den Hunger in der Welt zurückzudrängen. Komplett gelang das nie. Doch immerhin konnten Entwicklungspolitiker und -organisationen Ende des 20. Jahrhunderts berichten: Am Mangel an Nahrung liegt es nicht mehr. Hunger, das sei jetzt vor allem eine Frage der Verteilung der Lebensmittel.

Doch seit 2002 hat sich der Trend umgekehrt: Grundnahrungsmittel werden teurer, besonders dramatisch in den vergangenen zwei Jahren. Hierzulande wird diese Entwicklung auch schon besorgt debattiert, sie löst Inflationsängste aus und gelegentliches Geschimpfe über steigende Preise beim Bäcker und im Butterregal. Anderswo auf der Welt geht es um Leben und Tod. Schon Ende 2007 konnten sich 880 Millionen Menschen nicht genug Essen kaufen Und jetzt? Sind es eine Milliarde Menschen oder mehr, schätzt man. Die FAO, die Ernährungsorganisation der UN, prognostizierte am vergangenen Freitag, dass allein die Getreideimporte der ärmsten Länder im laufenden Jahr noch einmal um 56 Prozent teurer würden. Ende März seien die Preise für Weizen und Reis schon »doppelt so hoch wie zur gleichen Zeit im Vorjahr« gewesen, teilten die FAO-Statistiker mit, »der Preis für Mais lag um ein Drittel höher«.

Was ist da schiefgelaufen? Die Experten sagen: Wir sind uns nicht einig. Die Märkte hätten verrückt gespielt, vermuten die Optimisten, angestachelt durch eine Serie von Missernten und Dürren und verstärkt durch Spekulanten an den Warenterminbörsen. Bald werde sich die Sache einpendeln.

Nein, hier gehe eine Ära zu Ende, entgegnen Pessimisten. Die Panik der Markthändler sei auch auf lange Sicht gerechtfertigt: Erträge aus der Landwirtschaft könne man kaum noch ausreichend steigern, Ackerflächen und Wasser würden knapp, der Klimawandel vernichte mehr Ernten denn je. Mit großer Verspätung werde nun die berühmte Prophezeiung des englischen Sozialforschers Thomas Malthus wahr, der 1798 vorausgesagt hatte: Die Produktion von Nahrungsmitteln könne unmöglich mit dem Wachstum der Menschheit Schritt halten.

Wird es auf der Welt noch dauerhaft genug zu Essen geben? Wenn nicht, ist auch der Wohlstand in Deutschland bedroht. Nahrungsmittel würden empfindlich teurer, denn auch Deutschland ist auf Importe angewiesen. Absatzchancen deutscher Firmen im Ausland gingen verloren. Viele Flüchtlinge kämen ins Land, denn der Kampf um Ackerland ist eine Hauptursache für Bürgerkriege. Der Terrorismus würde möglicherweise zunehmen. »Wenn wir alles so lassen, riskieren wir nicht nur eine nationale Katastrophe in den Ländern selbst«, sagte der FAO-Chef Jacques Diouf. »Das wird Einfluss auf die Stabilität in der ganzen Welt haben.«

Die Philippinen, Provinz Laguna. Das Örtchen Bay, zwei Autostunden südlich der Hauptstadt Manila. Am Fuß des laubgrünen Mount Makiling trocknen Reiskörner in der Sonne, verteilt auf meterlangen Plastikplanen. Eine Reiskrise findet nicht statt. Nicht hier. Die Ernte war gut, sagen die Farmer von Bay.

Auf den Feldern schneiden Arbeiter mit Sicheln die letzten Halme der Saison. Bis die Ähren gedroschen, die Körner in Säcke verpackt und zum Markt transportiert sind, wird ihr Preis vermutlich ein weiteres Mal gestiegen sein. Vor zwei Monaten noch wurde Reis auf Manilas Märkten im Schnitt zu 24 Peso pro Kilo gehandelt. Inzwischen ist kaum noch eine Sorte unter 30 Peso zu haben. Umgerechnet sind das 46 Eurocent. Viel, wenn man ein Kellner oder ein Taxifahrer ist, der pro Tag nur rund 300 Peso zum Leben hat und drei Kilo Reis braucht, um eine Familie mit vier Mitgliedern zu ernähren. Meistens sind es ohnehin mehr. Auf den katholischen Philippinen wächst die Bevölkerung, pro Minute kommen drei Babys zur Welt. Der Treibstoff des Alltags im Inselstaat ist der Reis. Reis gibt es zum Frühstück, zum Mittagessen, zum Abendessen und zwischendurch. Aber der Reis ist auf dem Weltmarkt knapp geworden, er ist teuer geworden.

Auf Reisfeldern entstanden Fabriken, Wohnsiedlungen und Golfplätze

Freilich ist es die Art von Entwicklungen, die Verlierer, aber auch Gewinner hat. Resurreccion Dimasuay sitzt im Innenhof ihres Hauses in Bay im Schatten und lächelt mit blassrosa gemalten Lippen. »Für uns ist es natürlich gut, wenn die Preise steigen«, sagt die 76 Jahre alte Farmerin, »jedenfalls ein bisschen.« Das eigentliche Geschäft machen die Zwischenhändler, meist Monopolisten aus Tradition, mit besten Beziehungen zu den Behörden in der Region.

Die zwei Hektar Land, die Resurreccion besitzt, hat sie von ihren Eltern geerbt. Immer wieder, sagt die Frau, habe die Regierung den Landwirten Unterstützung versprochen, Programme aufgelegt, Initiativen gestartet. In Bay sei aber nie etwas angekommen. Sie schiebt ein Päckchen Kräcker über den Tisch. An ihrer Schulter klimpern Heiligenbilder an einer Sicherheitsnadel. Resurreccion Dimasuay, die Gewinnerin, jedenfalls ein bisschen.

Es stimmt, der Agrarsektor auf den Philippinen ist lange Jahre vernachlässigt worden. Mit voller Absicht, es sollte ein Aufbruch in die Moderne sein. Auf Reisfeldern sind Fabriken, Wohnsiedlungen und Golfplätze entstanden. Der Staat subventionierte den Reisimport, was den Bauern daheim zusätzliche Konkurrenz bereitete, während ihre Kosten für Dünger und Pestizide stiegen. Hätte man dafür Sorge getragen, die maroden Bewässerungssysteme zu warten, könnten heute 1,69 Millionen Hektar Land zusätzlich zum Reisanbau genutzt werden. Doch viele Bauern sind ohnehin längst auf andere Nutzpflanzen umgestiegen. Auch Resurreccion, die heute auf der Hälfte ihres Besitzes Gras für die Landschaftsgärtnerei anpflanzt. Fertigrasen, wie er in den Vorgärten wohlhabender Menschen gebraucht wird.

So ist aus dem klassischen Reisanbauland Philippinen ein Reisimporteur geworden. Noch werden über 90 Prozent des Bedarfs für die rund 90 Millionen Einwohner durch eigenen Anbau gedeckt, und doch zählen die Philippinen schon zu den weltweit größten Reisimporteuren. 2,1 Millionen Tonnen müssen allein in diesem Jahr eingekauft werden, um die Versorgung zu sichern.

Wie den Filipinos erging es vielen Bauern in vielen Teilen der Welt. Ausgerechnet jene Länder gaben am wenigsten für ihre Landwirte aus, in denen bis zu zwei Drittel der Bevölkerung von der Agrarproduktion abhängen. Auch die Entwicklungshilfe für diesen Bereich sank: Flossen 1982 noch rund 6,2 Milliarden Dollar aus Industrieländern in die Landwirtschaft, waren es 2002 nur noch 2,3 Milliarden Dollar. Teils weil Mittel scheinbar ohne sichtbare Erfolge versickerten. Teils wegen einer Ideologie.

So verlangten die Weltbank und der Internationale Währungsfonds als Auflage für ihre Entwicklungskredite stets, solche staatlichen Stellen abzubauen, die Nahrungspreise regeln, Feldfrüchte vermarkten oder den Bauern mit Kleinkrediten, Saatgut und Beratung zur Seite stehen. Gewiss waren diese Agenturen und Genossenschaften von Kenia bis Indonesien oft korrupt und ineffizient. Doch nachdem sie »mit der Sense abgemäht« wurden, wie Eric Holt-Gimenez von der kalifornischen Aktivistenorganisation Food First formuliert, sei wenig Neues an ihre Stelle getreten.

Das stimmt nicht ganz: An ihre Stelle traten Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Ineffiziente Anbieter wurden verdrängt, die Spezialisierung wurde vorangetrieben. Private Agrarproduzenten konzentrierten sich fortan auf die fruchtbarsten Regionen und auf die Produkte mit den größten Margen. Sie ließen eher Gemüse und Schnittblumen für den Weltmarkt wachsen als Grundnahrungsmittel.

Reis, Weizen, Mais oder Bohnen wurden zwar auch weiterhin hergestellt. Den Handel damit dominierten ein paar technisch fortgeschrittene Superexporteure, die andere Länder preiswerter beliefern konnten denn je: Thailand beim Reis, Brasilien beim Soja, frühere Sowjetrepubliken beim Getreide. Außerdem blieb es bei den Exporten von Agrarprodukten aus Europa oder den USA, die deutlich weniger marktwirtschaftlich agierten, an ihrer staatlichen Förderung festhielten und so die Märkte der Entwicklungsländer mit billigen Agrarprodukten belieferten.

So wurden zahlreiche Länder von Selbstversorgern zu Importeuren. Das war schlecht für die Kleinbauern in vielen Ländern, zumal ihnen auch niemand mehr helfen wollte. Initiativen für Landreformen wurden gestoppt, Subventionen gekürzt, Ausgaben für Agrarforschung heruntergefahren. Bewässerungsprojekte nicht weiter verfolgt, Kühlhallen und Silos nicht errichtet, Straßen auf dem Land nicht gebaut.

Es war ein System, das jahrzehntelang hervorragend funktionierte – soweit man auf die Welt als Ganzes schaut und aus den Statistiken abliest, dass trotz wachsender Produktionsmengen ständig die Preise sanken. Doch schuf es auch Abhängigkeiten.

Das allerdings merkt man erst, wenn etwas schiefläuft. In den vergangenen zwei Jahren ist eine Menge schiefgelaufen. Gleich in mehreren Teilen der Welt verdarben Dürreperioden, Fluten oder Schädlingsepidemien die Ernten. Die hohen Ölpreise machten alles schlimmer, weil sie die Transportkosten erhöhten, und außerdem gewinnt man viele Düngersorten aus Öl. Plötzlich wurde es den Regierungen mehrerer Länder, die sonst bereitwillig Reis oder Weizen in alle Welt exportierten, mulmig. Länder wie Indien und Vietnam beschränkten ihre Ausfuhren.

Die Reaktion fiel dann wieder ganz marktwirtschaftlich aus: eine Preisexplosion auf den Weltmärkten, verstärkt noch von Spekulanten, die Grundnahrungsmittel horten und auf weiter steigende Preise setzen. Alarmstimmung in Afrika, wo ein Land wie Eritrea heute 87 Prozent seines Getreidebedarfs importiert. Alarmstimmung in Ländern wie den Philippinen, die im Vertrauen auf verlässliche Märkte einst freiwillig zu Nettoimporteuren geworden waren.

»Hunderttausende Menschen werden hungern müssen«, sagt der IWF-Chef

Alarmstimmung auch in der US-Hauptstadt Washington. An der 19th Street, dem Sitz der Weltbank. Am Donnerstagmorgen betritt ihr Präsident, der Amerikaner Robert Zoellick, das Pressezentrum, einen fensterlosen Kellerraum. Es geht um Nahrungsmittelpreise. Zoellick spricht und zieht dabei einen Sack Reis unter seinem Pult hervor. In Bangladesch, sagt er, müsse eine arme Familie die Hälfte eines Tageslohns ausgeben, um sich zwei Kilo Reis kaufen zu können. Und fügt hinzu: »Wir glauben, dass die Auswirkung der Lebensmittelkrise weltweit sieben verlorene Jahre für die Armutsbekämpfung bedeutet.«

Die Mächtigen, die sich in der vergangenen Woche zur Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in der amerikanischen Hauptstadt trafen, sind von der neuen Hungergefahr sichtlich bewegt. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück spricht von einem »Ungeheuer, das die politische Bühne betreten hat«. »Hunderttausende Menschen werden hungern müssen«, sagt etwas später der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Darum sollen jetzt Nothilfen her. Zoellick unterstützte in Washington die Idee, 500 Millionen Dollar für die Nahrungshilfen der UN einzusammeln. Die Hälfte des Geldes ist inzwischen da.

Es ist das Schicksal der Armen, das die Regierungsvertreter und die Chefs der Institutionen sorgt, kein Zweifel. Dass sie so schnell agieren, hat aber auch etwas mit Geopolitik zu tun. John Walton, ein amerikanischer Soziologe und Co-Autor des Buches »Freie Märkte und Hungerrevolten«, sieht bereits eine »neue Phase in der Geschichte des Protests« gekommen. Gegen die Globalisierung und freie Märkte – und damit gegen eine Grundlage westlichen Wohlstands. Aufstände und instabile Staaten, in Zeiten des Terrorismus macht diese Aussicht die Verantwortlichen in Washington, London, Berlin und Brüssel besonders nervös. Erst recht, wenn diese Staaten Pakistan oder Ägypten heißen.

Doch was, wenn die Pechsträhne bei den Ernten abreißt? Wenn – wie die FAO es selbst voraussagt – die nächsten Ernten wieder besser werden? Es könnte sein, dass dann bald keiner mehr von der Lebensmittelkrise spricht, dass die Demonstranten wieder nach Hause gehen. Und doch bleibt die Lage ernst. Die Landwirtschaft könnte wieder langfristig auf die politische Agenda kommen, aus einer ganzen Reihe von Gründen.

Der wichtigste Faktor ist das Klima. Schon in rund 40 Jahren werden neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Bis dahin muss also nicht nur die Produktion von Nahrungsmitteln rapide zunehmen – auch der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas wird nochmals kräftig wachsen. Das aber lässt die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre weiter steigen und treibt die Temperatur in die Höhe. Der von den UN berufene Weltklimarat sagte Ende vergangenen Jahres den Marsch in eine um fünf, womöglich gar sechs Grad wärmere Welt voraus, falls die Klimapolitik versagt. Unter solchen Bedingungen würden viele der heute genutzten Pflanzen schlappmachen. Und schon heute vernichten Orkane, Überschwemmungen und Dürren große Ernten.

Ein anderes Problem ist das Wasser: Die meisten Felder auf der Erde werden ausschließlich vom Regen bewässert. Zusätzliche Bewässerungsprojekte würden teuer und schadeten der Umwelt. Zwar lassen höhere Temperaturen mehr Wasser verdampfen und wieder auf die Erde fallen – aber nur im globalen Mittel. Präzise Voraussagen darüber, wo es mehr und wo es weniger regnen wird, wo der Monsun verschwindet oder wo ein neuer entsteht, sind kaum zu treffen. Dennoch zeichnet sich ein wissenschaftlicher Konsens darüber ab, dass die Erderwärmung die Produktion von Grundnahrungsmitteln beeinträchtigen wird, und das ganz besonders in den tropischen Ländern – wenn die Temperatur um mehr als drei Grad steigt, wie es der Weltklimarat vorrechnet.

Gänzlich unvorhersagbar wird die Entwicklung dann, wenn man neu gezüchtete oder gentechnisch veränderte Nahrungsmittel einbezieht. »Wir arbeiten beispielsweise an aerobem Reis«, erzählt Duncan Macintosh vom International Rice Research Institute in Manila, das Saatgut weiterentwickelt. An überschwemmungssicheren Sorten wird ebenfalls gearbeitet, auch an solchen für salzhaltige Böden. Hightech-Pflanzenforschung soll dabei helfen, dass Nutzpflanzen morgen noch überleben können. Den großen Durchbruch haben die Forscher aber noch nicht vermeldet.

Was die Experten ebenso sorgt, ist der Biosprit: Die Angst geht um, dass Energiepflanzen für den Antrieb von Autos und Maschinen den Nahrungsanbau verdrängen. Im Herzland der Maisproduktion, den Vereinigten Staaten, landet fast ein Drittel der Ernte in subventionierten Spritfabriken. Anderswo fehlt das gelbe Gold als Nahrungsmittel für Menschen oder Viehfutter.

Die Gefahr ist ernst, auch wenn die Folgen uns erst in der Zukunft treffen werden. Vergleichbare Biospritmengen wie in den USA werden bisher nur in Brasilien eingesetzt, wo Ethanol aus Zuckerrohr viele Motoren antreibt. Weltweit gesehen, gehen nur fünf Prozent der Getreideproduktion in Biosprit, was sich aber ändern dürfte. Mittlerweile haben 41 Länder Programme für den Anbau und die Nutzung von Energiepflanzen aufgelegt. Auch die EU-Kommission hält trotz wachsender Kritik an ihrer Vorschrift fest, dass die Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Treibstoffs aus Pflanzen gewinnen sollen.

Allein die Aussicht auf die neuen Märkte hat von Kolumbien bis Indonesien Bodenpreise in die Höhe gejagt. Das Anlegermagazin Focus Money lockte auf seiner Titelseite mit »exzellenten Gewinnchancen« bei den »neuen Superrohstoffen«. Erleben wir einen Showdown – zwischen Tank und Teller? Wenn ja, dann sind auch wir – die reiche Autofahrernation Deutschland – unmittelbare Konkurrenten der Hungerleidenden in der Welt. Andere Szenarien der Schwarzmaler sind hingegen unglaubwürdig. Etwa die Bedrohung durch den chinesischen Heißhunger. Sicher: China hat fast ein Viertel der Weltbevölkerung zu ernähren, aber nur sieben Prozent der Anbauflächen. Mit wachsendem Wohlstand konsumieren die Chinesen außerdem mehr Fleisch und Milchprodukte – und die Tiere werden wiederum mit besonders viel Getreide gemästet. Das ist das Schreckensszenario.

»Chinas städtische Bevölkerung, die jedes Jahr um 15 bis 20 Millionen Menschen zunimmt, verbraucht dreimal mehr Fleisch als die Landbevölkerung«, warnt Jing Ulrich, China-Analystin der amerikanischen Investmentbank JP Morgan. Das kann man über China sagen und genauso über alle anderen Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen eine breite Schicht zu Wohlstand kommt.

Doch bei genauem Hinsehen fehlen die Beweise dafür, dass hungrige Newcomer am Weltmarkt künftig Felder und Ställe leerkaufen. Vor allem stimmt das nicht für China selbst. Dort gab es zuletzt eine Überproduktion beim Reis und auch bei vielen anderen Grundnahrungsmitteln. Nur Sojabohnen und Futtermittel für die Hühner wurden im großen Stil importiert. »Die Nachfrage aus China wird sich nicht massiv erhöhen«, glaubt auch Josef Schmidhuber, ein Experte bei der FAO in Rom. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch ist mit 50 Kilogramm pro Jahr schon heute mehr als halb so hoch wie in den Industrieländern. Trotzdem führte das Land zuletzt netto noch Fleisch aus.

Viele chinesische Experten sehen ganz im Gegenteil China als erfolgreiches Modell dafür, wie man der Welt-Ernährungskrise entkommen kann. Xue Guangjian von Greenpeace in Peking lobt Chinas Verzicht auf Biodiesel. Und Huang Jikun von der chinesischen Wissenschaftsakademie erklärt, dass China immer noch über 250 Millionen bäuerliche Haushalte verfüge. Das sei das Ergebnis der sozialistischen Landreform vor 30 Jahren, die jeder Bauernfamilie ein kleines Stück Land zur privaten Bewirtschaftung überließ. Wenn nun die Getreidepreise steigen, sagt Huang, würden in Ländern wie den Philippinen und Indonesien vor allem Großbauern profitieren. In China aber sei jeder dieser Haushalte an den höheren Einnahmen aus dem Getreide beteiligt.

Die Präsidentin will Wucherer ins Gefängnis werfen

Huang spricht damit zugleich den wundesten Punkt der aktuellen Debatte an: Ja, die Produktion muss weltweit steigen, und im Prinzip können die höheren Preise dabei sogar helfen. »Das bietet den Antrieb und die Gelegenheit, jetzt die Agrarproduktion drastisch hochzufahren«, sagt Pedro Sanchez, ein Agrarexperte der Columbia-Universität in New York. Aber vielen Regierungen erscheint die andere Herausforderung größer und drängender: die Verteilungseffekte in den Griff zu bekommen, die viele Menschen gerade so wütend machen, weil sie teuren Reis und Weizen einkaufen müssen und so wenig besitzen, dass ihnen das wehtut.

Arme Städter auf den Philippinen zum Beispiel. Viele von ihnen haben die Präsidentin Gloria Arroyo gewählt, und jetzt sind sie bitter enttäuscht. Arroyo kämpft dagegen an. Publikumswirksam drohte sie den Händlern, sie werde »jeden ins Gefängnis werfen, der dem Volk Reis stiehlt« – der Wucherpreise verlangt oder Getreide hortet. Ihr wichtigstes Mittel, die Bevölkerung zu beruhigen, ist die National Food Authority (NFA). Die gibt subventionierten Reis aus.

In Barangay Commonwealth, mit rund einer halben Million Einwohner einer der größten Slums Manilas, laufen die Frauen am Morgen rastlos die Hauptstraße auf und ab, wo der Verkehr mal sechs-, mal achtspurig läuft, durch die Rußwolken der knatternden Jeepneys, die mit Routenplänen nach Kundschaft wedeln. Niemand weiß genau, wann der NFA-Lastwagen mit dem Reis kommt.

Der NFA-Reis soll von niederer Qualität sein, hört man. Die Körner laufen nur einmal durch die Mühle, bleiben spelzig und hinterlassen beim Schlucken ein Kratzen im Rachen. Doch als der Lkw gegen neun Uhr am gegenüberliegenden Hügel auftaucht, beginnen die Frauen zu rennen, kämpfen um die besten Plätze an der Laderampe. Innerhalb weniger Minuten wächst die Schlange auf 100 Meter bis ins Tal, Frauen, Männer und Kinder, Mütter, die im Stehen ihre Kinder stillen. Senioren haben Vortritt, seit wartende Greise unter der quälenden Mittagshitze zu Boden gingen.

Ein Militärjeep stoppt auf der anderen Straßenseite. Soldaten sollen den Reis bewachen und für die öffentliche Sicherheit bei der Vergabe sorgen. Ein Soldat patrouilliert schlendernd die Schlange entlang, mit erhobenem Maschinengewehr. Am vergangenen Freitag waren 1.000 Demonstranten vor den Regierungssitz gezogen, um gegen steigende Lebensmittelpreise zu wettern. Noch ist nicht gesagt, dass es dabei bleiben wird. Denn es ist nicht nur der Reispreis. Es sind nicht nur die langen Schlangen und die Jagd nach dem schwer bewachten Lkw, die die Armen wütend machen. Es ist auch die soziale Kluft, die nun noch tiefer wird.

Nur wenige Meter trennen die Wellblechfassaden der Slums von den eleganten Einkaufszentren in Mandaluyong City, an deren Toren private Sicherheitskräfte den Zutritt kontrollieren. Im Supermarkt sprühen Lautsprecher sanfte Musik in die klimatisierte, kühle Luft. Gelegentlich kommt ein Kommando vom Band aus den Lautsprechern, dann klatschen die Angestellten des Supermarkts in die Hände, heben die Daumen und rufen: »Zu Ihren Diensten, ja!«

Hier gibt es Reis. Aus Thailand, Japan und aus Pakistan, zu 33,50 bis 132,50 Peso das Kilo. Kunden lassen die Körner wie Perlen durch die Finger gleiten, Kinder greifen mit den Händen in die Bottiche und senken die Nasen aufs Korn. Mitarbeiter in blauen Schürzen umschwirren den Stand, stoßen Schüten in kieselrunde Sorten und grau-schwarz gescheckten Klebereis. Ob sich jemand über die Preise beschwert? Ein Reismann schüttelt den Kopf.

Wegen der Krise hat die Regierung bereits vor Wochen Restaurants dazu aufgefordert, Kunden statt der üblichen Portion Reis zum Essen halbe Portionen anzubieten. Es soll nichts weggeworfen werden, gerade jetzt nicht. Studien des Bureau of Agricultural Statistics zufolge werden auf den Philippinen täglich 24805 Säcke Reis verschwendet. Aber bei Jollibee, der größten Fastfood-Kette des Landes, legt die Verkäuferin bloß die Stirn in Falten. »Halb? Nein, warum denn?« Jollibee, das ist die Kette, bei der man auch das » Jollibee Summer Special« kaufen kann, die panierten Teile mehrerer Hühner in einem Bottich, für den es zwei Kinderarme zum Tragen braucht, gekrönt von einem halben Liter dicker Soße. In den Restaurants im Zentrum, wo die Menschen am Abend an gedeckten Tischen sitzen, türmt sich der Reis auf den Tellern zu weißen Hügeln. Reste landen im Müll.

Der Philippine Star vermeldet: »Weniger Reis auf dem Speiseplan kann die Fettleibigkeit bei Kindern senken.« Keine Krise, bisher. Außer bei den Armen.

Mitarbeit: Georg Blume, Andrea Böhm, Christiane Grefe, Petra Pinzler, Mark Schieritz, Michael Thumann und Fritz Vorholz

 
Leser-Kommentare
  1. Es war der Brotpreis, 1789, oder?Hoffen wir mal, dass aus der Not noch eine Tugend wird und wir es global hinkriegen, die Landwirtschaft wieder auf die Beine zu stellen - Mikrobewässerungssysteme etc., wie im Artikel angedeutet.Und dass dem Spekulieren mit Nahrungsmitteln ("Mais-Zertifikat", "Weizen open ended...") ein Riegel vorgeschoben wird. "Hunger ist auch Krieg!" (Willy Brandt)

  2. Ich habe den Artikel mit großen Interessen und einiges dazu gelernt. Für mich war es immer verwunderlich, warum China und Indien als Verursacher der Nahrungskrise hingestellt werden, was gar nicht der Tatsache entspricht. Die Nahrungskrise hat viele Facetten. Ich hoffe, dass die westliche Länder auch umdenken und ihre Agra-Politik korrigieren. Sie können viel leisten, die Krise zu überwinden.

  3. Wenn Spekulanten in einen brechenden Dollarraum von einer Blase zur nächsten springen und Banken unkaputtbar geworden sind, weil ihr Fall eine Kettenreaktion in Gang bringen würde die eh nur verschoben ist. Wenn die Marktwirtschaft durch Monopole gebogen und verzerrt wird und unsere Demokratie auf einmal Scheibchenweise zur Disposition steht. Nur weil Ali und die vierzig Räuber auf Wanderscaft sein sollen.An realer Nahrung gibt es genug und es gibt keine vernüftigen Grund dies in den Tank zu würgen.Da Elektroauto ist die Zukunft aber auch nicht mehr als PS Monster.blog.freigeldpraktiker.de Marktwirtschaft ohne Kapitalismus in Radixdemokratie

  4. Hieß es nicht vor wenigen Jahren noch, man bräuchte die globale Arbeitsteilung? Dass in der 3. Welt die Nahrungsmittel produziert würden, in den Schwellenländern Industrieprodukte und in den westlichen Staaten dann der Vertrieb und die Rechtsabteilungen säßen und man dort lediglich 'Dienstleistungen' erbringen würde?Nun - dieses Konzept hat einen gravierenden Nachteil, geht es doch von dauerhaft niedrigen Energiepreisen  und damit Transportkosten sowie funktionierenden Fernhandelswegen aus. Ist dies - aus welchen Gründen auch immer - nicht gewährleistet, bricht das ganze System wie ein Kartenhaus in sich zusammen, weil es aus elementaren wechselseitigen Abhängigkeiten besteht.Welche Rückschlüsse kann man nun daraus ziehen? Ich meine, wir müssen weg von den globalen Abhängigkeiten und die Überlebensfähigkeiten - und hier meine ich die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln - der einzelnen Regionen sichern. Der weltweite Handel kann die Grundversorgung einer Region ergänzen - nicht aber ersetzen.

    • QUOTE
    • 17.04.2008 um 13:44 Uhr

    "...verstärkt durch Spekulanten an den Warenterminbörsen...verstärkt noch von Spekulanten, die Grundnahrungsmittel horten und auf weiter steigende Preise setzen.... Das Anlegermagazin Focus Money lockte auf seiner Titelseite mit »exzellenten Gewinnchancen« bei den »neuen Superrohstoffen..."Ein objektiver und kritischer Bericht zum Thema in der ZEIT?Und dann wird auch noch das Märchen vom "hungrigen Riesen" China, der dafür sorgt daß hier die Lebensmittelpreise steigen, als die Lüge, die es ist, denunziert???"Andere Szenarien der Schwarzmaler sind hingegen unglaubwürdig. Etwa die Bedrohung durch den chinesischen Heißhunger."Wer hat denn da gepennt in der Redaktion? Da kommt doch jetzt bestimmt ein böses Fax von Bertelsmann!Und weils gestern so schön war noch mal die Links zur Warenterminbörse in Chikago...dem Ort, wo der Hunger von morgen schon heute gehandelt wird!Mais: http://cbotdataexchange.i...Weizen: http://cbotdataexchange.i...Reis: http://cbotdataexchange.i...Auf die 5-Jahres-Übersicht gehen, und beobachten, wie die Preise Fahrt aufnahmen...recht synchron mit Beginn und Fortschreiten der Kreditkrise Mitte/Ende 2007.Die besten 10 Hedgefonds-Manager der Welt verdienten 2007 zusammen alleine 13 Milliarden Dollar.http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,547700,00.htmlWohlgemerkt: das ist nur der VERDIENST...wenn ich den mal HOCH ansetze, sagen wir 20% des vom Hedgefonds gemachten Gewinns, würde das bedeuten, daß die  betreffenden Fonds 2007 ca. 65 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hätten.Wenn ich diesen Gewinn beziffere als wiederum ca. 20% der Einlagen der Fonds, komme ich alleine für die von diesen Leuten verwalteten Fonds auf Einlagen von ca. 320 Milliarden Dollar...vagabundierendes Kapital, Spielgeld der Reichen, das rund um den Globus auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten ist...egal, wer dafür bluten muss.Mahlzeit zusammen.

    • Zel
    • 17.04.2008 um 14:49 Uhr

    Schöner Artikel der, zeigt, was für politische Pfeifen uns derzeit regieren. Die tröten nämlich immer noch in jedes Mikro, das Deutschland eine Dienstleistungsgesellschaft werden müsse und das Informationen unser bestes Exportgut wären etc...Nun, Dienstleistung betreiben vor allem die Länder, die momentan mit Hunger zu kämpfen haben und Informationen kann man nicht essen-da das so ist, kann man für Informationen auch keine hohen Preise verlangen, wenn man auf existenzielle Nahrungsmittellieferungen angewiesen ist.Anstatt also den leeren Osten mit irgendwelchen subentionierten Bastelhallen für Besserfinnen vollzupflastern wäre es dringend geboten, die freien Landstriche auf Agrarwirtschaft und Nahrungsmittelfertigung umzustellen. Da wären dann eine Menge Arbeitsplätze, die auch dauerhaft bestehen können und werden.

    • Anonym
    • 17.04.2008 um 15:17 Uhr

    Darum möchte ich meine Meinung auch nicht als "Tatsache" hinstellen. Ich finde aber wir müssen schon trennen was bei den Nahrungsmittelpreisen von Politik getrieben wird (vom Biosprit bis hin zu verfehlter Agrarpolitik etc.) und der schieren Knappheit aufgrund des weiter ungezügelten Bevölkerungswachstums auf dem Planeten Erde!Ich habe gelesen die Nahrungsknappheit hat sich angekündigt weil bereits seit 3 Jahren auf der Erde mehr Nahrungsmittel verbraucht als geerntet wurden. Die zuvor noch gut gefüllten Getreidelager etc. haben sich seit 2005 kontinuierlich geleert. Auch bei uns! Warum gestehen wir uns nicht ein das es Grenzen des Wachstums gibt - auch des Bevölkerungswachstums. Sicher, temporär hat die Krise auch andere Ursachen und lässt sich durch die Politik bewältigen. Aber doch nie und nimmer langfristig! Wenn die Bevölkerung bis 2050 auf über 9 Milliarden steigt wie von der UN vorhergesagt und gleichzeitig der Klimawandel noch mehr Dürren etc. verursachen wird... dazu brauch man wirklich kein Experte sein um zu sehen das es da eine physische Lücke gibt die sich auch nicht durch Politik, Umverteilung und derlei Phrasen schließen lässt. Gott behüte ich proklamiere nicht Bevölkerungskontrolle aber es sollte von der UN auf der ganzen Erde eine Familienpolitik gefördert werden die es nicht notwendig macht das eine Familie 10 Kinder bekommt - in armen Ländern ist dass darum oft so weil die Familie die Kinder als Arbeiter braucht um das Familieneinkommen zu erwirtschaften und die Eltern haben auch keinerlei staatlich Organisierte Absicherung da diese Länder ständig am Rande der Anarchie stehen und müssen sich darum darauf verlassen von den Kindern getragen zu werden. Und da das in einem Verhältnis 1:1 weder bei uns funktioniert (siehe unsere explodierenden Rentenausgaben) noch dort sind die Leute fast "gezwungen" viele Kinder zu bekommen -> Bevölkerungsexplosion! 

  5. Wie oft muss man es eigentlich noch wiederholen? Deshalb noch einmal in ganz volkstümlichen Worten: Es gibt auf dem Globus noch für alle genug. Aber es gibt von einer einzigen Sache viel zu viel: nämlich die kreuz und quer  rollenden Dollarwellen, unter denen der ganze Globus zu ersaufen droht. Diese Dollar-Tsunamis werden  von den zunehmend bangen Versuchen ausgelöst, die ruinierte usamerikanische Volkswirtschaft einigermaßen über Wasser zu halten. 1917 und 1941 halfen dabei die treuen Deutschen. Später das Reich des roten Bösen. Heute nur noch die Notenpresse mit ein bisserl "islamistische Terroristen".Die Geldtsunamis - früher "Petrodollars" geheißen - eigentlich wertloser Plunder, der eines Tages genau so in Rauch aufzugehen droht, wie die noch einmal vorgeschobenen Hypotheken, suchen sich stabile Anlagewerte. Blöd ist, dass praktisch schon alles, was für Geld zu haben ist, verzockt wurde. Dass irgendwann auf Ernten in Namibia oder sonstwo gewettet werden würde, war vorauszusehen. Und natürlich auch die damit verbundene Preissteigerung. Mit welcher entlohnten Ignoranz oder vielleicht auch Stupiditas die Zusammenhänge dem "breiten Volk" vorenthalten werden, ist schon bemerkenswert. 

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