Migranten Heilkraft des Sari

Gesundheitlich geht es Migranten in ihrer neuen Heimat oft schlechter. Traditionelle Kleidung hilft

Ob ein Ortswechsel der Gesundheit förderlich ist, hängt von der Reiserichtung ab. Wenn fröstelnde Rentner der nördlichen Hemisphäre in der kalten Jahreszeit nach Teneriffa jetten, dürfen sie auf Genesung hoffen. Die Sonne lässt Anflüge von Winterdepression dahinschmelzen, in den Gelenken löst sich der Rheumaschmerz und das salzige Meerwasser beruhigt juckende Ekzeme. Und wenn die Pensionäre auf dem Rückflug brav Kompressionsstrümpfe anlegen, wird das Sonnenheil auch nicht von hässlichen Venenthrombosen mit womöglich nachfolgender Lungenembolie getrübt.

Ganz anders verhält es sich für die weniger freiwillig vom Süden in den Norden Reisenden, die Migranten. Nachdem ein verfolgter oder schlicht armer Mensch sich und seine Familie im kalten Norden in Sicherheit gebracht hat, geht es ihm häufig bald gesundheitlich schlechter. Die veränderten Lebensgewohnheiten bescheren den Migranten und selbst noch ihren Nachkommen Übergewicht, Herzinfarkt und Depression.

Zu den möglichen Verstörungen der Süd-Nord-Reisenden ist jetzt noch eine hinzugekommen, und die trifft vor allem die Frauen. Die Migrantinnen kommen oft aus Gegenden, in denen es verpönt ist zu rauchen und zu trinken – oder in denen schlicht das Geld dafür fehlt. Forscher von der University of North Carolina haben nun herausgefunden, dass die Frauen sich diese Vergnügungen auch in ihrer neuen Heimat noch eine Weile verkneifen. Aber irgendwann entfalten die Werbung, das höhere Einkommen und die neue Freiheit ihre Wirkung, und die Migrantinnen spülen genauso viel Alkohol hinunter und zünden ebenso viele Zigaretten an wie ihre einheimischen Geschlechtsgenossinnen – auch während Schwangerschaften.

Migration ist also offenbar eine gesundheitliche Herausforderung. Einen schlichten und ungewöhnlichen Rat haben nun ein paar britische Psychiater von der Queen Mary’s School of Medicine: Migranten, kleidet euch wie in der alten Heimat! Frauen, legt die bunten Saris an; Männer, wickelt euch in eure traditionellen Lungis, dann geht es euch besser! Das gilt nach Ansicht der Experten vor allem für Schüler zwischen 11 und 14 Jahren. Wer die traditionelle Kleidung bevorzuge, habe später weniger psychische Probleme, fanden die Forscher heraus. Mit dem traditionellen Textil trügen die Schüler einen Rest Heimat auf dem Leib und bewahrten auf diese Weise ihre kulturelle Identität. Was ja vielleicht auch auf den Zigaretten- und Alkoholkonsum durchschlägt.

Daraus folgen für Deutschland zwei Überlegungen. Erstens sollte die Kopftuchfrage neu unter dem Gesundheitsaspekt verhandelt werden. Und zweitens sollte auch der deutsche Auswanderer nie ohne traditionelle Kleidung aufbrechen. Auf Teneriffa schützt sich das Nordlicht mit dem Elbsegler vor Unbill, die Lederhose hält den Bayern auf dem Kilimandscharo gesund. Harro Albrecht

 
Leser-Kommentare
  1. Sehr geehrter Herr Albrecht,
    mag sein, dass das halten an Traditionen psychologisch stabilisierend wirkt,  jedoch ist das "Ueberdenken" der Kopftuchfrage aufgrund moeglicher gesundtheitlicher Vorteile doch vollkommen absurd!!  Herr Albrecht haben Sie versucht die negativen Auswirkungen des Kopftuchtragens statistisch zu erfassen?  Wie significant wuerde es dann wohl noch sein? Ob Ehrenmorde gesudheitlich als positiv zu bewerten sind?
    Best regards
    Cornelia

    • macey
    • 25.04.2008 um 22:00 Uhr

    Migranten, die sich integrieren, tuen ihrer Gesundheit den größten
    Gefallen, denn viele Krankheiten entstehen durch Nichtanpassen an das
    Leben in der neuen Heimat. Die Integration sollte auch den Kleidungstil
    umfassen, der sich schließlich in Jahrhunderten entwickelte.  Ein
    Sari ist in kaltem windigen Klima unpraktisch und eine
    Verschleierung durch Tücher, die keine Sonnenstrahlen an den Körper
    lassen, in sonnenarmen Klimazonen gesundheitsgefährdend. 
    Wer psychisch gesund bleiben möchte, braucht auch einen guten Job,
    fast unmöglich, wenn man stur auf traditioneller Kleidung beharrt. Nur
    in wenigen Betrieben werden Frauen mit islamischem Kopftuch
    eingestellt.  

  2. aber haben Sie mal eine Frau im Sari in Chicago in der Kaelte bibbern sehen? Ich glaueb nicht dass das so foerderlich fuer die Gesundheit ist.

    • 42317
    • 27.04.2008 um 17:38 Uhr

    Die Beibehaltung von traditioneller Kleidung zur Bewahrung eines Stücks Heimat und damit, angeblich, der geistigen Gesundheit ist ein verlockender Gedanke, aber dennoch ist Kleidung nur einer von vielen Faktoren. Ein Sari schützt nicht dafür, sich jeden Tag mit der ungewohnten Sprache und Gepflogenheiten herumschlagen zu müssen. Außerdem weise ich darauf hin, dass man sich im Alter von 11 bis 14 Jahren (warum auch immer der Autor gerade auf diese Zahlen kommt) in einem Lebensabschnitt befindet, der in der Regel, nach dem Ende der Grundschulzeit und dem Übergang in eine neue Klassengemeinschaft, von der Festlegung einer Hackordnung geprägt ist, und Kinder finden jede Lücke, nutzen jede Möglichkeit, sich gegenüber anderen zu profilieren (von ganz vernünftigen Exemplaren mal abgesehen), auch durch Ausgrenzung von Andersartigen, und was glauben Sie, wie viele Hänseleien ein Junge über sich ergehen lassen müsste, weil er in einem Kleidungsstück zur Schule kommt, die für "westliche" Betrachter wie ein Rock aussieht? Dann schlägt der wohlgemeinte Rat mit der heimatlichen Bekleidung schnell ins Gegenteil um.

    • Anonym
    • 16.06.2008 um 20:32 Uhr

    Weil man die Argumente für ein Kopftuchverbot nicht entkräften kann (Kontraproduktiv für Integration, wird teilweise unter Zwang getragen oder geht mit Über-/Untermenschen-Denken der Trägerinnen einher, widerspicht Trennung von Staat und Religion, ist Symbol der Politreligion Islam ...) sagt man nun, es müsse ja wegen der Gesundheit getragen werden - na dann ist ja ok ...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service