Brasilien hat neue Ölfelder in Rekordgröße gefunden. Sind die Lateinamerikaner die neuen Ölscheichs?

»In Amerika entsteht ein neuer Energiechampion«, sagt Javier Santiso, Chefökonom des OECD-Entwicklungszentrums in Paris. Gerade haben die Brasilianer vor der Küste von São Paulo das neue Ölfeld Carioca entdeckt, in dem 33 Milliarden Barrel Erdöl stecken sollen. Das wäre mehr als die gesamten Reserven der USA, die größte Entdeckung seit mehr als 30 Jahren. Erst im November war nebenan das Feld Tupi entdeckt worden, dessen Inhalt auf fünf bis acht Milliarden Barrel Öl und Gas geschätzt wird. »Schon Tupi könnte Brasilien zu einem der größten nationalen Ölexporteure machen«, sagt Markus Jäger, ein Experte bei der Deutschen Bank in New York. Wenn sich die Nachrichten als wahr erweisen, wird Brasilien das Land mit den zehntgrößten Ölreserven der Welt.

Aber noch kommt der Jubel etwas früh: Ob Carioca wirklich 33 Milliarden Barrel enthält, ist noch nicht sicher. Der brasilianische Ölkonzern Petrobras, der den größten Teil der Rechte hält, will erst weitere Probebohrungen und geologische Studien abwarten.

Außerdem liegen Carioca und Tupi Kilometer unter dem Meeresspiegel und sind von einer ebenfalls kilometerdicken Schicht aus Salz und Gestein bedeckt. Noch bis vor wenigen Jahren galt es als fast unmöglich, Öl aus solchen Lagerstätten zu fördern. »Die Bohrgestänge müssen hohen Druck aushalten«, erklärt Hans-Georg Babies, Erdölgeologe der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. »Die Meißel werden regelmäßig stumpf.«

Immerhin: Wenn es um Tiefseebohrungen geht, gilt Petrobras in der Branche als führend. In vier bis fünf Jahren will der Konzern das erste Öl aus Tupi fördern, was einige Experten noch für sehr optimistisch halten, und bald darauf aus Carioca. Bis dahin aber bleibt wohl der Biosprit größter Exportartikel des Energiechampions Brasilien: Das Land gewinnt aus Zuckerrohr Ethanol, da ist es Exportweltmeister. Regierungschef Luiz Inácio da Silva kündigte gerade an, er wolle bei aller Freude über das schwarze Gold auch das grüne nicht vernachlässigen.

Heißt das, uns wird in den kommenden Jahren der Treibstoff und das Heizöl noch nicht ausgehen?