Die Spermienqualität des deutschen Mannes, das haben einige Messungen ergeben, ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Die Ursachen liegen weitgehend im Dunkeln, und so wird munter über die Gründe spekuliert, neben der Handystrahlung ist auch die Belastung des Trinkwassers durch Hormone ins Gerede gekommen.

Tatsächlich sind in unserem Leitungswasser (aber auch in abgefülltem Mineralwasser) Rückstände von Medikamenten nachweisbar, insbesondere auch hormonähnliche Substanzen. Das liegt vor allem daran, dass die Analysetechnik immer besser wird und inzwischen die winzigsten Spuren eines Stoffes aufspüren kann.

Aber es stimmt auch, dass immer mehr von diesen Stoffen im Abwasser landen. Der Mensch scheidet natürliche Hormone aus und auch künstliche, die etwa mit der Antibabypille aufgenommen werden. Noch schlimmer ist es, wenn unverbrauchte Medikamente in die Kanalisation gekippt werden. In Flüssen wurde in der Nähe von Kläranlagen schon beobachtet, dass von manchen Wasserlebewesen plötzlich viel mehr weibliche als männliche Exemplare vorhanden waren.

Aber wir trinken ja kein Abwasser. Schon durch die natürliche Uferfiltration werden solche Stoffe entfernt, dazu kommen technische Aufbereitungsverfahren mit Aktivkohle oder Sauerstoff. Und die sind offenbar effektiv. »Östrogene wurden noch nie im Trinkwasser nachgewiesen«, sagt Hermann Dieter, beim Umweltbundesamt für die Trinkwasserüberwachung verantwortlich. Und auch andere hormonell aktive Stoffe seien bisher nirgends in Konzentrationen gefunden worden, »die irgendeinen Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis geben könnten«.

Deutsche Männer können also weiter unbesorgt Leitungswasser trinken. Die Ursachen für ihre Zeugungsschwäche liegen woanders.

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