Stimmt's Unbedenkliches Wasser
Tobias Callmeier aus Berlin fragt: Ist unser Leitungswasser so stark mit Hormonen belastet, dass es impotent macht?
Die Spermienqualität des deutschen Mannes, das haben einige Messungen ergeben, ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Die Ursachen liegen weitgehend im Dunkeln, und so wird munter über die Gründe spekuliert, neben der Handystrahlung ist auch die Belastung des Trinkwassers durch Hormone ins Gerede gekommen.
Tatsächlich sind in unserem Leitungswasser (aber auch in abgefülltem Mineralwasser) Rückstände von Medikamenten nachweisbar, insbesondere auch hormonähnliche Substanzen. Das liegt vor allem daran, dass die Analysetechnik immer besser wird und inzwischen die winzigsten Spuren eines Stoffes aufspüren kann.
Aber es stimmt auch, dass immer mehr von diesen Stoffen im Abwasser landen. Der Mensch scheidet natürliche Hormone aus und auch künstliche, die etwa mit der Antibabypille aufgenommen werden. Noch schlimmer ist es, wenn unverbrauchte Medikamente in die Kanalisation gekippt werden. In Flüssen wurde in der Nähe von Kläranlagen schon beobachtet, dass von manchen Wasserlebewesen plötzlich viel mehr weibliche als männliche Exemplare vorhanden waren.
Aber wir trinken ja kein Abwasser. Schon durch die natürliche Uferfiltration werden solche Stoffe entfernt, dazu kommen technische Aufbereitungsverfahren mit Aktivkohle oder Sauerstoff. Und die sind offenbar effektiv. »Östrogene wurden noch nie im Trinkwasser nachgewiesen«, sagt Hermann Dieter, beim Umweltbundesamt für die Trinkwasserüberwachung verantwortlich. Und auch andere hormonell aktive Stoffe seien bisher nirgends in Konzentrationen gefunden worden, »die irgendeinen Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis geben könnten«.
Deutsche Männer können also weiter unbesorgt Leitungswasser trinken. Die Ursachen für ihre Zeugungsschwäche liegen woanders.
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts
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- Datum 16.07.2009 - 09:36 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 24.04.2008 Nr. 18
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wer erfolgreich verhueten will braucht als mann nur lange genug das eingeschaltete handy in der hosentasche zu haben. diese erkenntnis kommt aus den usa, wo auf die behandlung von unfruchtbaren paaren spezialisierte aerztegruppen , bei einem ergebnissvergleichen feststellten , dass einer bedeutenden anzahl von paaren schon dadurch geholfen werden konnte , dass das handy des mannes nicht mehr auf diese art befoerdert wird.
Noch 2003 hatte das selbe Umweltbundesamt, das jetzt anscheinend Entwarnung gibt, selbst auf das Risiko von Medikamenten im Trinkwasser hingewiesen. Damals hatte UBA-Präsident Andreas Troge noch in 3Sat erklärt, die in Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe gelangten meist unverändert über den menschlichen oder tierischen Organismus in die Kläranlagen und von dort ins Oberflächengewässer: "Viele Mittel sind chemisch außerordentlich stabil". Daher hatte er gefordert, es seien dringend Leitlinien zur Umweltbewertung neu zugelassener Arzneimittel nötig.Inzwischen gibt es tatsächlich eine neue Regelung, und zwar für die Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien (REACH), doch über die sind Umweltschützer nicht besonders glücklich, da die Chemielobby eine ziemlich großzügige Handhabung durchsetzen konnte. Durch den nun beschwichtigenderen Tonfall bekommt das UBA das Wasser jedenfalls nicht sauberer. Das gilt meines Wissens übrigens auch für den Einsatz von Aktivkohle, denn - recht teure - "Filtermethode" kenne ich nur als ultima ratio für Notfälle. Das alles soll freilich nicht heißen, dass Trinkwasser ungesund sein muss. In den meisten Regionen kommt ohnehin kein "recyceltes" Abwasser aus der Leitung, sondern Wasser aus Brunnen oder Talsperren, das noch vor kurzem ganz hormonfrei vom Himmel getropft ist.
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