MAIL AUS Achiltibuie
Ein Energiekonzern wollte auf der Hebrideninsel Lewis den größten Windpark Europas bauen. 145 Meter sollte jedes der einbetonierten 238 Kraftwerke aufragen, viermal so hoch wie der Leuchtturm auf der Nordspitze der windumtosten Insel. Jeder Rotor sollte sich mit der Spannweite eines Jumbojets um die eigene Achse drehen. Fünf Steinbrüche sollten ausgeschachtet werden, um Material für 140 Kilometer Baustraßen zu beschaffen.
Die schottische Landesregierung war begeistert. Während die britische Regierung sehr viel mehr Geld in die Entwicklung der nächsten Generation von Atomkraftwerken als in alternative Energieträger steckt, klinkt Schottland sich aus, möchte atomfrei werden. Die Kreisverwaltung der Hebriden war ebenfalls begeistert, sie stimmte mit überwältigender Mehrheit für das Vorhaben. Aber die Inselbewohner spielten nicht mit, sie ziehen ihr bescheiden-beschauliches Dasein einem Leben unter schwirrenden Riesenpropellern und Strommasten vor.
10924 Einsprüche gingen bei der Regierung ein und nur 98 Briefe, die das Vorhaben unterstützten. Und die EU legte sich quer. Sie erklärte das Hochmoor von Lewis zum internationalen Vogelschutzgebiet, dort nisten Steinadler, Zwergfalken, Stern- und Prachttaucher, Goldregenpfeifer, Alpenstrandläufer und Tüpfelgrünschenkel. Schweren Herzens verweigerte letzte Woche der zuständige Minister die Baugenehmigung. Der schottische Windrausch ist in eine Flaute geraten.
- Datum 01.05.2008 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.19 vom 30.04.2008, S.2
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