Aus dem Leben eines Stars
in unheimlicher Riesenvogel, ein Känguru, eine Helix was ist da an den Himmel gemalt? Der Frühling eröffnet die Bühne für ein Schauspiel, das früher die Auguren deuteten, heute mag jeder herauslesen, was er will. Die Stare sind zurück aus ihren Quartieren in der Bretagne oder Südwestfrankreich, wenn sie sich überhaupt noch die Mühe machten, dem milden Winter zu entfliehen. Der Star, sagt Markus Nipkow, Ornithologe beim Bund für Naturschutz, bewege sich meist in riesigen Schwärmen von vielen Tausend Tieren. Das ist auch eine Strategie, um Feinden besser entgehen zu können. Auf einem unserer Bilder (S. 27) kann man deutlich einen größeren Vogel erkennen, einen Wanderfalken, der versucht, sich seine Beute aus dem Schwarm zu picken. Ruckartig wie ein Fischschwarm ziehen sich die Stare zurück, wo der Falke angreift, pulsieren, bilden Wellen, alles, um den Angreifer zu verwirren. Auch wenn kein Gegner in der Nähe ist, kann man dieses Verhalten beobachten: Dann trainieren die Stare für den Ernstfall oder schlagen ihre Kapriolen einfach nur zum Spaß. Dass der Star, einer der am häufigsten vorkommenden Vögel der Welt, Sinn für Humor hat, zeigt seine Spottlust. Er soll nicht nur in der Lage sein, Hundegebell und Menschenstimmen nachzuahmen, auch vor Rasenmähergeräuschen und Handytönen macht seine Freude an der Imitation nicht halt. Seine Nachahmungskunst war einst Amüsement der armen Leute Mitteleuropas, bis ins 19. Jahrhundert hielten sie ihn als Haustier. Wie fast alle Singvögel wurde er auch gegessen. Noch heute lebt er oft in der Nähe der Menschen, so kann man ihn auch in den großen Städten beobachten, hier ist es warm, hier findet er essbaren Abfall. Auf der Erde bewegt sich der Star übrigens, durchaus standesbewusst, schreitend vorwärts.
- Datum 30.04.2008 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.19 vom 30.04.2008, S.M22
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