Autotest Skoda Fabia Kombi 1.6

Kai Biermann hat in diesem Wagen ein erhebendes Gefühl - und doch schauen alle auf ihn herab

Ein Auto ist kein Gebrauchsgegenstand, sondern ein Fetisch. Autos wird die Kraft zugeschrieben, zu verzaubern – oder zu verfluchen, wie beim armen Škoda. Im Gegensatz zu all den Audi, BMW und Mercedes, die heutzutage als Jungfamilienkombi verkauft werden, muss ich mich beim Fabia Kombi nicht bücken und die Knie hinterm Ohr falten, wenn ich ihn entern will. Das Einsteigen ist leicht, der Überblick gut, die Beine haben Platz. In den Kofferraum passt mehr als eine Golftasche hinein, auch das ist toll. Dazu habe ich leichte Heimatgefühle, scheint dieses Fahrzeug doch aus dem Volkswagen-Baukasten montiert. Schalter, Hebel, Armaturen, vieles wirkt beruhigend bekannt.

Beim technisch fast baugleichen Polo gibt es weniger fürs Geld, trotzdem wird der VW viel öfter verkauft. Einen Škoda aber wollen nur wenige fahren. So Kennen Ossis Das Auto : Diese Buchstabierung ist sein Schicksal. Nur was für Trottel. Oder für Verklemmte, wie der Kabarettist Josef Hader meint.

Škoda sind doof, weil sie zu billig sind? Klar, auch Autotester finden es erhebender, wenn sie in das Cockpit jener Geschosse klettern, die, vollgestopft mit Leder, Elektronik und Edelholz, vorgeben, zur Mittelklasse zu gehören. Einen Kleinwagen zu fahren gilt scheinbar als erniedrigend. Cool sind brutale Rammböcke, von denen jeder mehr Ressourcen verbraucht als ein afrikanischer Kleinstaat. Sie firmieren unter dem verharmlosenden Kürzel SUV und werden angeblich gefahren, weil sie so viel Platz bieten. Ein kompakter Kombi wie der Fabia dagegen, der nur sieben Liter Sprit braucht und in den wirklich was reinpasst? Indiskutabel. Und die Vorurteile wirken: Auch ich sitze ziemlich hoch im Škoda und habe doch das Gefühl, andere schauen auf mich herab.

Wenn es nicht um das Preis-Leistungs-Verhältnis geht, sondern ums Prestige, dann sieht er tatsächlich schlecht aus, da nützen auch modisches Weiß und getönte Scheiben wie bei meinem Exemplar wenig. Billiger Nachbau, was für Geizhälse, Blech gewordene Abstiegsangst des Mittelstandes, meinen Nicht-Škoda-Fahrer. Mit Vernunft hat das wenig zu tun, mehr schon mit Abgrenzung und dem dringenden Wunsch, mehr wert zu sein als andere. Es scheint, als sei uns, den Erfindern der sozialen Marktwirtschaft, das wichtig geworden.

Und was meinen Škoda-Fahrer? Die beiden, die ich kenne, zucken mit den Schultern und verstehen nicht, warum sie mehr Geld ausgeben sollen, nur damit ein anderes Logo auf dem Lenkrad klebt.

Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor Leistung: 77 kW (105 PS) Beschleunigung (0–100 km/h): 10,4 s Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h CO²-Emission: 165 g/km Durchschnittsverbrauch: 6,9 Liter Basispreis: 16.040 Euro

Kai Biermann ist Mitarbeiter bei ZEIT online

 
Leser-Kommentare
  1. Lieber Herr Biermann, ich kann gerade dem letzten Absatz Ihres Artikels nur zustimmen. Ich fahre den Vorgänger Ihres Testwagens mit etwas kleinerem Motor, und will auch nicht für ein anderes logo mehr ausgeben. Und wenn irgendwelche Angeber oder Auto-Fetischisten das für doof, verklemmt oder miefig halten, na bitte. Ich könnte nun mit einer bösen Replique über vorsätzliche Vernichtung fossiler Brennstoffe aufwarten, aber dann wird es wohl zu abseitig ;-)

  2. Liebe Zeit-Redaktion,
    wann erlösen Sie mich von dieser Rubrik ? Für die Beiträge wird schlecht bis gar nicht recherchiert. Sie sagen oft genug mehr über das Gemüt der Schreiber als über das rezensierte Auto aus – das Auto könnte mich interessieren, das Gemüt nicht.
    Nehmen wir als Beispiel den Beitrag von Kai Biermann über den Skoda Fabia. Positiv sei vermerkt, daß in diesem Beitrag  einige sachliche Infos rüberkommen – was für diese Rubrik keineswegs selbstverständlich ist: Einsteigen leicht, guter Überglück, großer Kofferraum. Das wars dann aber auch. Was jammert Herr Biermann über das schlechte Image von Skoda, darüber, daß er das Gefühl hat, daß andere auf ihn hinabschauen, daß Autotester nur große Autos mögen… Die Fakten sehen anders aus: In seiner Klasse liegt der Fabia bezüglich der Verkaufszahlen an 3. Stelle. Bei Vergleichstests für Kleinwagen von Autobild liegt er an 1. Stelle.  Kein SUV bringt diese Verkaufszahlen, Autotester finden den Fabia nicht doof, und die Käufer auch nicht, sonst würden sie ihn nicht kaufen. Skoda hat nicht das Image von VW oder BMW - das ist halt so. Aber irgendein Wein hat auch nicht das Image eines Bordeaux. Was trinken wir also ?  (Daß die Käufer trotzdem lieber den Polo kaufen, hat nicht nur Status-Gründe: in den Skodas laufen die älteren VW-Motoren). Diese Fakten lassen sich leicht recherchieren, aber offensichtlich darf in dieser Rubrik jeder schreiben, was ihm gerade in den Sinn kommt – der Redaktion scheints gleich zu sein. Man stelle sich vor: Wagners 'Meistersinger' werde von einem Autotester rezensiert, oder Siebecks Speisen von einem Sportredakteur. "Ein Auto ist kein Gebrauchsgegenstand, sondern ein Fetisch." Das ist wohl so, übrigens nicht nur in Deutschland. Sollte für Intellektuelle und Redaktion aber kein Freibrief für, nennen wirs, 'unqualifizierte' Beiträge sein.

  3. Wie lange sollen diese Auto-"Tests" die Leser eigentlich noch nerven. Dieser hier ist wieder mal ein besonders abschreckendes Beispiel für die Sinnfreiheit und tiefgreifende Marktunkenntnis des Verfassers, an dem die Tatsache, daß Škoda (das Anfangs-S schreibt sich mit dem "Hatschek" ...) spätestens seit dem ersten neuen Octavia einen immensen Imagewandel hingelegt hat – auf den Škoda-Fahrer aber nicht angewiesen sind. So wurde der Octavia in Großbritannien bei der Driver Power Umfrage unter 32000 Autofahrern jüngst zum wiederholten Male zum "begehrenswertesten Auto" gewählt. Und das in Großbritannien, wo noch vor zehn Jahren Witze im Umlauf waren wie: "Warum hat ein Škoda eine heizbare Heckscheibe? – Damit man beim Schieben keine kalten Hände bekommt." Lang vorbei und vergessen: Škoda ist regelrecht "in". Und auch hierzulande nimmt die Zahl derer zu, die sich fragen, wieviel eine "imageträchtige" Plakette wohl wert sein mag. Dazu muß man sich nur die Verkaufszahlen des Oberklassemodells Superb anschauen, die jetzt, nachdem es die zweite, noch eigenständigere Version gibt, weiter steil ansteigen werden.
    Noch einmal: Bitte keine solchen "Tests" mehr – schade um jede dafür verschwendete Ressource. Eine Redaktion wie die der ZEIT wird doch auch ohne diese Alibi-Schmonzetten bei den TestwagenkoordinatorInnen der Hersteller und Importeure das eine oder andere Urlaubsauto abstauben können ...

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  • Quelle DIE ZEIT, 30.04.2008 Nr. 19
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  • Schlagworte BMW | Autotest | Skoda | Polo | Auto | Mercedes | Elektronik
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