Mensa Können wir bitte die Karte haben?

Bislang haben die Studentenwerke das Monopol für Deutschlands Mensen. Das soll sich nun ändern.

Die Wände sind hell, die Tische aus dunklem Holz. Auf roten Sesseln fläzen Jeansträger, lachen, reden, entspannen. Es sieht aus wie in einem dieser Coffeeshops, die in keiner deutschen Innenstadt mehr fehlen. Nur: Es ist die Cafeteria der Technischen Universität München, Betreiber: das Studentenwerk München – in Zusammenarbeit mit René Weyhofen, Gastronom.

Die Kooperation ist ein Konstrukt, denn für die Verpflegung der Studenten sind in Deutschland allein die 58 Studentenwerke zuständig – private Caterer können weder Mensen noch Cafeterien pachten, so will es die Politik. Also hat Weyhofen keinen Pachtvertrag, sondern arbeitet für das Studentenwerk, das am Umsatz beteiligt ist.

Das aber könnte sich ändern, wenn ein aktuelles Positionspapier umgesetzt wird: Unter Federführung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung haben Professoren, Dozenten und Hochschulmitarbeiter »Leitlinien für die deregulierte Hochschule« entwickelt – und rütteln an der Monopolstellung der Studentenwerke.

An 200 Hochschulorten betreiben die Studentenwerke 701 gastronomische Einrichtungen – manche gewinnen Preise, Würzburg etwa hat es zur »Mensa des Jahres 2007« gebracht, andere ernten nur Häme: Das Essen sei einseitig und kaum genießbar. Ständiger Kritikpunkt sind auch starre Öffnungszeiten und schlechter Service.

Solche Beschwerden landen bei Rudolf A. Bauer, Leiter der Stabstelle Qualitätsmanagement der Technischen Universität München und Mitglied der Leitlinien-Arbeitsgruppe. Mehr tun, als diese an das Studentenwerk zu leiten, kann er nicht: Solange die Monopolstellung ungebrochen ist, können die Hochschulen keinen Druck aufbauen, nicht mit Kündigung drohen oder alternative Anbieter ausprobieren.

»Wir werden in die Pflicht genommen für etwas, auf das wir keinen Einfluss haben«, sagt Bauer. Für ihn ist das ein »ungutes Verhältnis«, zumal es für die Hochschulen immer wichtiger werde, ihr Profil zu schärfen, um exzellente Studenten zu gewinnen – auch mit guter Verpflegung ließe sich punkten.

Die gute Verpflegung sieht Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, in Gefahr, sollte das Monopol fallen: »Die Studentenwerke garantieren die Grundversorgung aller Studenten zu fairen Preisen – auch in den Semesterferien, auch an entlegenen Instituten. Welche Probleme es sonst geben kann, lässt sich in Polen und Tschechien beobachten.«

Studien berichten dort von unterernährten Studenten, die Versorgung ist an manchen Hochschulen kaum gewährleistet. »Unsere Nachbarn denken über die Gründung von Studentenwerken nach und fragen uns um Rat. Und hier wird überlegt, ein gutes Angebot aufzugeben«, sagt Meyer auf der Heyde.

Das sieht Horst de Haan, Geschäftsführer von Sodexho Catering, anders: Seine Firma gehört zu den fünf größten Caterern in Deutschland, sie versorgt Unternehmen, Schulen und Krankenhäuser, »und was die Studentenwerke können, können wir auch – manches davon bestimmt besser«.

Für die privaten Caterer sind die Hochschulen ein attraktiver Markt: Im Jahr 2006 erwirtschafteten die Studentenwerke in ihren Mensen und Cafeterien einen Umsatz von rund 313 Millionen Euro. »Mir ist nicht einsichtig, warum Privatanbieter Schüler mit Essen versorgen dürfen – Studenten aber nicht«, sagt de Haan. »Und ich befürworte auch nicht, dass jemand vom Staat Subventionen für etwas erhält, was Privatanbieter genauso gut leisten können – vor allem dann, wenn die Privaten für diese Aufgabe ebenfalls subventioniert würden.«

Die Studentenwerke bekommen Geld von den Wissenschaftsministerien, und jeder Student unterstützt die Anstalten des öffentlichen Rechts mit seinem Studentenwerksbeitrag, der am Semesteranfang fällig wird. Ein klarer Wettbewerbsvorteil, der allerdings den Studenten zugute komme, wie Meyer auf der Heyde betont: Schließlich sei das Essen in den Mensen für alle bezahlbar.

Geht es nach dem Willen der Initiative, müssen sich die Studentenwerke dem Wettbewerb stellen – was sie übrigens an privaten Hochschulen wie der Bucerius Law School in Hamburg längst tun: Dort hat das Hamburger Studentenwerk die private Konkurrenz ausgestochen. »Die hatten nicht nur das beste Konzept, sondern kennen die Bedürfnisse der Studenten einfach besser als rein kommerzielle Großverpfleger«, sagt Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der Law School. Nun gibt es ein Salatbuffet, eine Gemüsestation, und die Wok-Gerichte werden vor den Augen der Studenten zubereitet.

»Natürlich setzen wir uns nicht nur mit den privaten, sondern mit allen Hochschulen an den Tisch und überlegen gemeinsam, welches Konzept zum Standort passen könnte«, sagt Meyer auf der Heyde. Viel habe sich in den vergangenen Jahren bei den Studentenwerken getan: Die Öffnungszeiten der Mensen und Cafeterien werden länger, die Qualität und der Service besser.

Viel sei aber immer noch zu tun: »Die Mensen und Cafeterien müssen hipper werden, die Studenten wünschen sich zum Beispiel WLAN und eine entspannte Atmosphäre.« Immer häufiger werden deshalb Externe eingebunden, Gastronomen wie René Weyhofen, der mit seiner hellen, freundlichen Cafeteria an der TU München den Nerv der Zeit getroffen hat.

Für Rudolf A. Bauer sind das Schritte in die richtige Richtung. Weit genug aber gehen sie ihm nicht: »Es ist doch absurd, dass die deutschen Hochschulen um den Titel Elite-Uni konkurrieren, dafür sehr gute Professoren berufen und versuchen, die besten Studenten zu gewinnen«, sagt er. »Eine führende Hochschule aber sollte auch bei den Dienstleistungen für Studenten elitewürdig sein.«

 
Leser-Kommentare
  1. Die Mensa gehört zur Studentischen Selbstverwaltung und über sie versorgen die Studenten sich selbst. Sie haben durchaus das recht selbst zu bestimmen, wer bei ihnen Angestellt wird und als Anbieter Arbeiten darf. Das Studentenwerk ist eine demokratische Einrichtung der jeweiligen Studierenden an den jeweiligen Hochschulen - die jeweilien Spitzen werden gewählt von den Studenten nämlich.Wenn jem. eine eigene 'Mensa' anbieten will, kann er das tun - außerhalb des Hochschulgeländes und nicht durch das gemeinsame Geld der Studenten unterstützt. Studentren sind genauso wenig wie andere Menschen dazu verpflichtet privatwirtschaftliche Firmen gegen ihren Willen zu unterstützen.

  2. "Die Mensa gehört zur Studentischen Selbstverwaltung und über sie versorgen die Studenten sich selbst. Sie haben durchaus das recht selbst zu bestimmen, wer bei ihnen Angestellt wird und als Anbieter Arbeiten darf."
    Noch ist es so, bestimmt schreibt die EU bald auch "Wettbewerb" (zwischen zwei oder drei Catering-Marktbeherrschern ;-) vor. Hoch lebe die Liberalisierung und Entdemokratisierung. Wenn sich dann die Essenspreise verdoppelt haben, bei schrumpfendem Angebot und gar nicht so guten Service (dank Billigstarbeitskräften) dann ist das Geschreie groß. Aber reiche Platzhirsche wird man so schnell nicht wieder los.Wenn jemand mit den Mensen unzufrieden ist, dann kann er sich sicher an das Studentenwerk richten (oder sogar selbst engagieren). Es gibt keinen Grund das ganze funktionierende System zu kippen. Schon gar nicht, weil einige kommerzielle Betreiber an den Kuchen ran wollen und ordentliche Profite schnuppern.

  3. Der Artikel ist schlichtweg falsch. Mensen werden nicht subventioniert. Sie arbeiten kostendeckend. Und das bei hoher Qualität.Die Aktivitäten von irgendwelchen Stifterverbänden in Zusammenarbeit mit irgendwelchen unwichtigen Professoren ohne irgendwelche demokratische Legitimation nervt! Sie singen nur das stupide Lied von der Privatisierung, dass Private angeblich alles besser können und Wettbewerb die einzig richtige Religion sei. Setzt man solche Konzepte dann um, wird alles nur teurer. ( In diesem Zusammenhang am Rande: ich habe heute gehört, dass der neuseeländische Staat die privatisierten Bahnen wieder zurückkauft, weil's einfach nicht funktioniert.) Ich persönlich habe die allerbesten Erfahrung mit den Studentenwerken als Student gemacht. Ich habe in einem Studentenwohnheim gewohnt, welches vom Studentenwerk geführt wurde. Ich habe die freundliche und kompetente Beratung bei der Bearbeitung meiner Bafög-Anträge gehabt. Ich habe am vom Studentenwerk organisierten Hochschulsport teilgenommen. Ich habe in den Mensen des Studentenwerks gesunde und schmackhafte Mahlzeiten zu günstigen Preisen genossen. Und hätte ich Prüfungsstress oder sonstige psychologische Probleme bekommen, was nicht der Fall war, hätte ich beim Studentenwerk Hilfe gefunden.Die Mensen waren schon immer ein angenehmer, sozialer Raum, in dem Studenten aller Schichten zusammenkamen, relaxten und Kontakte knüpften. Sogar einige Penner bekamen dort eine warme Mahlzeit, ohne dass es störte und subventioniert werden musste.Sollten die nichtsnützigen Stifterverbände in Kumpanei mit devoten übereifrigen Professoren und den pressenden und lobbyierenden Caterer-Unternehmern, welche auf "Gewinn" aus sind und keinesfalls mit "Kostendeckung" zufrieden wären, ein solch gut funktionierendes System zerstören, wäre das unverantwortlich. 

    • Belph
    • 05.05.2008 um 12:45 Uhr
    4. Mensa

    Tolle Idee, als nächstes mal das zu manipulieren, was - an meiner - Uni richtig gut funktioniert.

  4. Sorry, ich hab mich wohl etwas vertan in meinem Beitrag oben Nummer 3. Mensen bekommen im Gegensatz zu den Cafeterien wohl tatsächlich einen Zuschuß, der aber zum großen Teil aus den Sozialbeiträgen der Studenten stammt. Da Studentenwerke sich überwiegend (bis zu 70%) selbst finanzieren und das Leistungsspektrum sehr umfangreich ist (aus Sport, Kinder- und psychologischer Betreuung kann man keine Einnahmen generieren), darf man trotzdem sagen, dass Studentenwerke volkswirtschaftlich kostendeckend sind, z.B. wenn man berücksichtigt, wie teuer den Staat ein aus gesundheitlichen Gründen abgebrochenes Studium kommt. Man muss leider zur Kenntnis nehmen, wohin der Trend geht. Zum Beispiel Prestigeträchtige Image-Bauten für Mensen, welche etwa in Aachen in der Diskussion sind, die sich natürlich refinanzieren müssen (Studiengebühren, Steuermittel, etc.) und diese Gelder fließen dann nicht die Qualität des Studiums oder in die Spitzenforschung, sondern werden für dummes Elite-Marketing ausgegeben. Es zählt dann im wahrsten Sinne nur noch die Fassade, nicht die Substanz. Studentenwerke sind gerade wegen ihrer Effizienz und Leistungsfähigkeit ein Dorn im Auge diverser dubioser Think-Tanks und Stiftungen, weil sie deren Marktparadigma konterkarieren.

  5. Jaja, immer immer wieder, werden funktionierende Strukturen in Deutschland aufgelöst und durch "marktwirtschaftliche" Instrumente ersetzt - so zumindest die Theorie. Nach der überaus erfolgreichen Deregulierung im Energiesektor ist das Staatsmonopol an ein neues Oligopol von ein paar Oligarchen abgelöst worden. Was hat der Konsument davon? Schlechteren Service und höhere Preise. Bei der Bahn zeichnet sich ein ähnliches Bild ab...Grundsätzlich könnte der Service bei den Studentenwerke besser sein - aber er wird mit Sicherheit nicht besser, dadurch dass die Studentenwerke privatisiert werden. Aber wie bei den "Studienbeiträgen" - die keiner braucht - wird sich in der Studentenschaft kein Widerstand erheben, wenn auch die von Ihnen über die Sozialbeiträge zum großen Teil finanzierten Studentenwerke an ein paar Oligarchen verschachert werden. Dumm nur dass dann dieselbigen wohl auch weitere Probleme bei günstigen Wohnraum bekommen werden... Die Studentenwohnheime werden in aller Regel nämlich aus der gleichen Institution "verwaltet". Der Markt wird's sicherlich auch hier "richten" ;-)

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