Inzwischen wissen wir, dass Superhelden nur deshalb Superhelden werden, weil sie, salopp gesagt, einen Knall haben. Ausführlich stellten die Comic-Verfilmungen der vergangenen Jahre die Neurosen zur Schau, die ihre Protagonisten zu zwanghaften Weltrettern machen. Man erlebte, wie Spiderman Schuldgefühle bewältigt, Batman ein traumatisches Gewalterlebnis und Hulk seine kaputte Vaterbeziehung verarbeitet. Vor dem Hintergrund derart erschütterter Kollegen hat es zunächst etwas Erfrischendes, dass Iron Man von Jon Favreau seinen Titelhelden als einen von keinen Zweifeln erschütterten Sunnyboy durch die Welt schickt.

Robert Downey Jr. verleiht dem Multimilliardär und Waffenfabrikanten Tony Stark eine James-Bond-hafte Lässigkeit. Der Mann lebt in einer durchtechnisierten Villa mit Zehn-Meter-Sofa, reist im Privatjet voller strippender Stewardessen und serviert beim Waffendeal am Hindukusch eisgekühlte Drinks. Bei der Vorstellung seines neuen Raketensystems wird Stark von afghanischen Rebellen gekidnappt. Statt den Entführern die geforderten Raketennachbauten zu liefern, funktioniert er sich selbst zur fliegenden, schießenden, Feuer speienden Superwaffe um. Mit Vergnügen schaut man dem Kind im Manne zu, das aus Schrauben, Metallstückchen und selbst gestanzten Plättchen eine lustige Maschine baut.

Der dramaturgische Preis für den neurosenlosen Superhelden ist allerdings hoch: Als Stark begreift, dass seine Waffen die Welt nicht besser, sondern schlechter machen, wird aus dem zynischen Geschäftsmann ein Pazifist. Er stellt die Raketenproduktion ein, nimmt dafür horrende Verluste seiner Firma in Kauf und wird fortan als Iron Man in die Krisenherde fliegen. In diesem 190 Millionen Dollar teuren, mit handelsüblichen Digitaleffekten versorgten Action-Spektakel bringt der Kapitalismus also seine eigene Katharsis hervor. Durch die Verlegung des Iron Man-Comics in eine Gegenwart, in der grimmige Turban-Terroristen ihre Gewehre schwenken und Aktienkurse aus den moralisch richtigen Gründen fallen, verliert das Superhelden-Universum jedoch beträchtlich an Charme. Es fehlt die Lust am Bizarren, an der Überhöhung, am fantastischen Exzess. Schließlich liegt die Aufgabe eines Superhelden nicht darin, in unserer banal globalen Wirklichkeit zu stochern, sondern in skurrilen Überschallkostümen über ebenjene Banalität hinauszuschießen.

Wer geht schon ins Kino, um den geläuterten Ackermanns und Zumwinkels dieser Zeit zu begegnen? Superhelden brauchen Superwelten.